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Freies Blatt · 1893-01-29 · 43 (29.1.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
43 (29.1.1893)
Date
1893-01-29
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Freies Blatt. Nr. 43. WablrechteS ist ja emulier, sehnlicher Wunsch der Reaktion. So'zeigt sich in jeder Beziehung, wie diese sogenannte antisemitische „Volksbewegung''^ die sich di» »»d wieder rühmt, nicht reactionär uiid nicht conservativ zu .sei», ganz auslchließlich die Geschäfte der äußersten Rechte» macht, um dann freilich auch diesen Bundesgenosse» i» den gcfahrvollen, demagogische» Strudel kopsüber mit bineinznziehen. Bei dem antisemitischen Anstnrm ist somft der Ei »sag nicht - genug, und da« bischen „Jndenfrage" ist bei weitem nicht der wichtigste Be siaudibcil de« geschriebenen und nngeschricbcne» AlliaiizprograininS der Stöcker und ^aunnerstei» hier, der Ahlwardt und Gefolgschaft dort. Es ist klar, in riegnig steht eine ernste Entscheidung bevor, ernst auch datum, weil jeder neue E.iolg der Antisemiten ihnen für neue Siege da« Feld vorbereitet; die Zu- KiMit, die jedes Vollbringe» gibt, wäre jenen für die Zukunft ein aus -chneicr Bundesgenosse. Mit Festigkeit und straft werde» daher unsere kigenossen im Wahlkreise denstamps wieder auszunehincn habe», sie müsse»;,-i.yu, daß ihr politisches Pflichtgesühl sich vor leineiu demagogischen TerroriSinuS d.-ugi, und daß'in der deutschen Wählermasse ,'iiäfle stecke», die der Ausgabe r,.-i-,a>bleu sind, im offenen Ringe» mit den cultmfeindlichen Mächten fertig zu u ,',;on; denn die,Heilung kan» nur der offene.stampf bringe». WaS in k'iegniv c. ' eidigt wird, ist somit mehr als »nr ein RcichStagSsitz. ' tölncklicherwciie birgt der piegnitzer Wahlkreis i» hinreichender Anzahl we Parteigenossen, die ihren schwerwiegenden Pflichten gewiß mit Ans ,--.i-i,„g sich widmen tvorde». U»S außerhalb deS Wahlkreises aber liegt es ob, : Freunde» dort jede Hilfe zu gewähre», deren sie bedürfe»; und.da« ivird :- gelkchehen. y i ic srcisinnigcii Wähler rassten sich wirklich auf, »nd ein l,och- ..,»gcirhc»cr Mann, der Stadtt>ero§d>ietc August Jungfer in Miegnitz, -,ntc sich bereit, die Kandidatur im Wahlbezirke auzliuehnle». Tic lvorbercitungen werden nun von den Freisinnigen eifrig «nd ent ia» den betrieben, stricht nur in Tcntschland, sondern auch in Oester r.nlr sicht »tan dem Resultate des Vicgnipee Wahlkampfes mit geirannier Erwartnng entgegen. Es wird sich zeigen, ob auch Schlesien ich,"., derart vom AntisemitismiiS verseucht sei, um die Prahlerei deS W^ciier „einzigen christlichen' Blattes", daß die nächsten Reichstags w>!»cn in Tcutschland „lediglich im Zeichen deS AntisemitiSmns stehen" >r»^n, cinigerinaßcn begreiflich erscheinen zu laffen, oder ob cs den Frei ht'nige» trotz der wüsten anliscmitischcu Umtriebe gelingen werde, den W.iblbezirk vor der Schande, durch einen Hcrtivig vertreten zu sein, ,» elteu und den Lieg an ihre Fahnen zu scsscln. Wir» ,ik- Haiidtlsstndt uiib die mitifciiiitijrtic Agikütioil. o« einem Bortragc, welchen der RcichSratysabgeordnetc Tr. Mar Menger im Bereit! „Eintracht" im VIll. Bezirke hielt, sagte er unter Anderem: „In Wien bedarf es, damit die wie in allen Großstädten rasch steigende Bevölkerung Brot und Fortkommen snidc, sich d,a Berhältniß von mittellosen zu den bcniittcltcn Elaffcn der Bc- : terung auch günstig gestalte, deS ZufluffcS von Eapitalicn,-noch in - dr von UntcrnehninngSgcist. Bon einer stark lärmenden Agitation :i;io in Wien aber derzeit gerade daS Gcgcnthcil gefördert. Ein ge Hunger .ftampf gegen das Enpital, den Unternehmungsgeist, die -chaüiiug großer Unternehniungen spielt sich ab. Eine der ivirthschaft- :->bcii Hanptgucllcn Wiens muß stets der Handel sein, die Bcrmittlung . >dien den Indnstricproductcn des Rordcns und des Westens und . » Raturproducten deS Ostens und deS Südens der Monarchie. 7 arauf weist die geographische Mage von Wien hin. Ich wünsche sehr, ■ die antisemitische Agitation nicht gerade diese besonders wichtige r-.uelle wirthschaftlichcn Gedeihens für Wie» schädige. Doch ich besorge c- : denn wie ich schon an anderem Orte sagte:, die Kanslcntc des ^nens sind zum überwiegendsten Thcilc Juden und werden cs trotz >l Wiener Agitationen sein und bleiben. Wer die Handclögeschichte -.»nt, weiß, wie wenig oft dazu gehört, daß ein großer HandclSverkxhr -ich andere Ecntren sucht. Wien, daS allen Grund hat, de» cmpor- .'mmcndcn Handelsplatz Budapest und andere Städte zu fürchten, hat wabrlich keinen Grund, de» bisherigen besten Abnchmcr seiner Handelsi»?cr i,„d Fabriken im Osten in solcher Weise vor den >iopf stoßen." Tic Alltisclnitcn bei Lichte bcschcn.) Ter ..Bnrgcrvcrci» - er Gcnicindcn des G crichtSsprcngclS Wä hr i» g" hielt am i d. M. eine auch von zahlreichen Abgeordneten besuchte Plcnart'cliäninilnng ab. Die. dort entrollten Bilder ans dem i'ehen der Anti lemiicn werden sich diese wahrlich nicht hinter den Spiegel stecken, l-rast-ffor Dr. Eduard Sncß verdient cs, in erster Vitxtc genannt zu weide». Mit der Waffe geistvoller Ironie ging er der in antisemitischen Preisen weitverbreiteten Meinung, als ob sich politische und persönliche Ehrlichkeit nicht decken müßten, an den Veib. „Wie mag wohl jenem Seite p. aristokratischen M-olksfreundc zn Muthc sei»," bemerkte Proieffor Sueß, „der ivit gut gespieltem Pathos die Hände zum .Himmel erhebt und sich für christlich sociale Theorien begeistert, und der, sobald er die Hand aufs Herz zn lege» versucht, Itnwilllürlich die Brieftasche suhlt, deren Inhalt bcstimint ist, daS Freibier für feine Wählcrichatt zn bestreiten? Richt mit Freibier »nd stceelaiiie, in äst mit »»möglichen Bcrsprcchu»gen wollen und werden wir Wien zurückerobern: die Herzen gilt cs zn gewinnen, und >as ist. nur denkbar, wenn die Erwähttcn des BolkcS ein lenchtcudeö Borbild politischer »nd persönlichcb Eharakter fcstigkcit bieten. Wer" von dem Wege der politischen Rechtschaffenheit abwcicht, der komint zu Fall, und mag er noch so oft seine Gesinnung wechseln." Auch Biccbürgcrmcistcr Tr. r ü b I wußte den Herren vom „Bürgerclnb" Eines am Zeuge zn fltrfcn und gab Ausschluß über die plötzliche-Empfindlichkeit der antisemitischen. Gemcindcräthe, die doch sonst eine ziemlich dicke Haut besitze». Tr. Grübt sagte: „Jahrelang haben die antiftmitischcu Bcrtrctcr den Bcamtcu u»d- Vehrcr» Gehaltserhöhungen, den ^Steuerträgern Nachlässe an Steuern versprochen. Es kam die GthaffSregulirung der städtischen Bcamtc», und da cS sclvst den antiscMitlschcn (Großsprechern noch nicht gelungen ist, diese diametral entgegengesetzten Zusagen unter Eine» Hut zu bringe», so crgrisfcn sic die Flucht vor' diesem Dilcinma. Ter Strite sollte sic a»S der Sackgasse retten, in die sie gcrathcn." Was hicräns Abgeordneter Tr. Pichler unter allgemeiner Zustimmung gegen den nihilistisch zcrscvcndcn, I»d und Ehrist in gieichcm Maße wirkst schaftlich lahnilcgendcn Antisemitismus-vorbrachtc, der ein Programm ohne.Basis, ein frivoler Kampf gegen alles Bestehende sei, der das Wasser nur aufwuhle,. uiii im Trübe» fischen zn können^ sei den Bcandaiitc» der-Vicchtcustein und Eonsorten zur eingehenden t'eelüre cmpsohlc». Auch was in einer Tcigs vorher stattgchabtcn Arbeilcr vcrsaniittliing vom Treiben eines christlich socialen Fabrikshcrrn in der Umgcbung von Wien erzählt wurde, ist sehr bcmerkenSwcrth. In feinem Etablissement werden, versicherten mehrere Redner, für l>t>st,j»digc Arbeitszeit pro Woche -'(0 .strcnzcr an Üohn ausgczahlt, er nehme aber stets den Mund voll, wo cs sich angeblich. darum handle, das Bolk ans de» >ilanc» der „Indcnlibcralcn" zu.retten. —r. Baratt Hirsch-StisklIIlg.) Tas Euratoriu», der Baron Hirsch Stiftung für Galizien und die Bukowina hielt am 21. b.'Vf. eine Plenarsitzung ab. In derselben wurde auf Antrag des Biccprüsidcnlen Reichs rathSabgcordnctcn Tr. Arnold Ra poport Edlen v. Porada au Stelle des vcrstorbcucu Herrn strittcr v. Fürth der Großindustrielle Herr- David Ritter v. Gntmann zum Präsidenten per Acclaniation gewählt. Das Euratvrium votirte hicranf Herrn Tr v. hfapoport für die tntevinustischc Führung der (sh-schästc den Dank und sprach zugleich den Wunsch aus, daß sich derselbe auch ferner an der Seite des Ptiisidcnten so verdienstlich wie bisher an der Vcilnug der Agenden des Euratoriniiis . bcthciligcn möge. ~ ‘ t . Zll wohllhätigt» Zwtlktll. Unserer ffrcdaction wurden für den Wiener Wärmest üben- »nd W oh l th ä l i g kei tsver ei» übergeben: von Herr-i F. n „ s e, Rcstauratcnr in Wien, 10 st. ö. Mi5. TonncrStag den l>. Februar findet, in den tffalcrie-Sollen des „Hotel Union" zu Gunsten dcö „(Gemein»üvigen M-creincs zur Bekleidung a rin.cr st i n d cr" ein F a in i l ic n a b en d statt. Eintritts karten l sl., Faniilientartcu, für vier Personen giltig, fl. Ter -Perein hat seit seinem Bestehen bei lUOO .Ni»der ohne Unterschied der Eon fcssion vollständig mit warmen Winterkleidern versehen und verdient seiner lstimaliitären Richtung wegen die vollste Beachtung aller edel denkende» 'Vfcnschcn. (Ein neuer Bereift zur Abwehr des AilkistuiltisittusI Wie „T'Frau Wabcrl" meldet, macht im X'. 'Bezirke die Bildung eines -PcrcineS zur Abwehr des Autisciuitismusnamhafte Fortschritte, und wenn bis jcvt noch nicht die eonstitüirendc (^cucralversammliing ciiiberufen ist, so trägt daran nicht vielleicht Mstuheit der Betheiligteu Schuld, sondern der Beschluß dcö Propoizcnlcn, erst dann eine selche 'Persaininlung cinzubcrusen, bis 100 Pcikglicder cingezcichnet sind. Tas provisorische Eomitä wird übrigens demnächst mit dem Ecntralverei» in M5crbindung treten und die Vcitun'g desselben bitten, ihm mir Rath und That au die Hand zn gehe». ' y (Tic Pcuziugcr Lchulftssüirc.). Tie von den Änlisemiteu zu cluer Hctzc gegen den Vibcralismns benützte Pcnzinger Schulasfaire, über die das „Freie Blatt" seinen Mcscrn schon wiederholt 'Bericht erstattet, hat am ^0. (lünncr vor dem Strafrichter des Hiepingcr Bezirksgcriäjtes Tr. Putz-Ehr oft endlich ihren Abschluß, »nd zwar, in eitler für die Atttisciniteu wenig befriedigenden Weise erlangt. Tie Berbandlmig nahm folgenden M'crlauf: Als erster Zeuge wurde der Polizei-BeziikSarzt deS XIU. Wiener Gemeinde bczirkes, Tr. Fischer, venioiinnen. Terselbe batte seinerzeit in, ieinem Parere, da« er am Tage deS Vorfalles auSüellte, angegeben, daß.die Züchtig,,»g länger

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