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Freies Blatt · 1893-01-22 · 42 (22.1.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
42 (22.1.1893)
Date
1893-01-22
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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V Seite 7. Nr. 42. ______ Freie, der Sociologen Comte, Herbert Spencer, der Natioiialökonomcn Stuart Mill, Roscher u. A. entfallen; aber einige Athemziige später nennt er doch den Namen eines Mannes, der wenigstens nach seiner, dcS „FUrschlen", Anschauung aus allen drei Gebieten in unserem Jahrhundert Großes geleistet hat. Freiherr v. Vogelfang hat, wen» schon keiner der oben genannten Männer, in der Politik, Socialwissenschast und Nationalökonomie allerdings einige« geleistet; die unbedingte StaatSinterventio» zur Lösung der socialen Frage har jedoch er ebenso ■■.’Ciiifl zuerst gefordert, als der „Fürscht" das Pulver erfunden hat. >Journalistische Zukunftsmusik.) Vorige Woche fand in Gra, eine von >u nkneu Verein „Deutsche Presse" veranstaltete Wanderversammlung stau, midie der Ehre theilhaftig ward, vom Bürgermeister Dr. Port»galt persön; begiüßt zu werden. Drei Herren, welche man alS große Männer verehren mißte, wen» sie das wären, war sie zu sein glauben, die Abgeordneten ■ arcuthcr, Steinwendcr und Hosinann-Wellenhos, verherrlichten dann ihre jüngste BercinSgründung unter Ausfällen aus die fortschrittliche -ieuer Presse, unter Klagen über „jüdischen Einfluß" u. s. w. Tie Versammlung schließlich eine Resolution, welche die Begründung deS Vereines „Deutsche ■ ■ nie" alS ^bedeutsame nationale Dhat" preist und zur Förderung der Vereins- ■ -u-eite mit Rath und Thai eindringlich, aussordert, um bald ein Antiseinitcn. ui» Wien hcrauSgebeu zu können, wie eS den Bcdürsnisien deS obuannlkn parlamentarischen Kleeblattes entsprechen würde. Ehren Vcrgaui aber . „ der Wanderversammlung iu Gra; den Text. Daß bei derselben über die Wiener . .nüchrilispresse geschimpft wurde, ist ihm schon recht; unbillig findet er eS jedoch, mau nicht zugleich sein publicistischeS Geschäsisuulernehinen gelobt habe. Er ■ >o gerne bereit gewesen, d«i Herren Bareuther, Sreinwender und Hosu.n-WcUcnhos beim Tirigircn der journalistischen Zukunftsmusik mit seine« "uuiunische» Wissen zur Seile zu stehen, den» nicht durch Eoncurrenzneid . ic „Sache unseres Volkes" (lies: Antisemitensä'che) zu fördern. Mau solle n nieder ihm gegenüber mehr^'Ntchuumliiu-' verfahren. Eilircn wir wieder ..mal das Solecer Latein: kiwnin „loiioro" miine'l — Der Verein für ...faustische ZukuustSmusik hielt in dieser Woche auch hier iu Währing eine ' ammlung ab, in welcher für das geplante Uilternehmcu der Abgeordnete au; Richter und andere Anlisciuiten cinlralcu. TagS daraus brachte Ver >i, um sich zu rcvanchircn, eine Reclame für ein „MoutagSblatt", das in ....; der sattsam bekannte Advocat Bcuerle im Bunde mit einigen gleich '-uuen Berussgenesse» gründen will. Aus welche Weise wird aber Bergani an unann und Dipauli sein Müthchen kühlen?' Er hak sich so oft für sie .,: iiiiiin, und trotzdem sind ihre Name» aus einem Aufrufe für ein neues ullicheS Wiener Tagblatt zu lesen. DaS ist noch weniger ,ue-»llotturnlilie'' .. aas Verhalten dcS Vereins „Deutsche Presse". - Tschechische Llndcitlru als Lrgauifatoren des Antisemitismus.i Wie 'tschechische antisemitische Blatt „Oeolio 7,;ij ui y meldet, fand in Prag l Deeembcr ^ine Versammlung tschechischer antisemitisch gesinnter Studenten, .: ade die ^rganisiruirg deSAnlisemiliSinus in Böhmen und Mähren besprachen, ■: Wer wird wohl, wenn diese Meldung ans Wahrheit bericht, bei den dem •!»* der Antisemiterei huldigenden richechischen Studenten die Rolle Schönerer'S nehmen? ' ' '(Der Talmudgklchrte Licbkrmaiiii.i Der antisemitische Abgeordnete Lieber. n v. So»ncnbcrg hält diese» Winter in verschiedenen Städten Deutsch- » Vorträge über die „Moral deS TalmudS". Zn Hanuover trat ihm ein n.cher Kenner des TalmudS, der Doctor der Philosophie E. David, eilten, welcher »un zur Richtigstellung der von Anlisemitenblätter» gebrachten geuberichte in der „Jüdischen Presse" folgendes Schreiben verössentlicht; ,.ch. Ihrem Blatte wurde über eine jüngst hier Han»over> stattgchabte Ber unlimg berichtet, in welcher Herr Lieberniann v. Sonnenberg einen Bortrag ( die „Moral dcS TalmudS" hielt und ich denselbe» i» längerer Rede widerlegte, .ch die gksammte antisemitische Psefle machte ei» der „Hannoverische» Post" noiinnencr Bericht die Runde, in welchem die nnwahre Mittheilnng ver. l.-i wird, alS hätte ich mich geiveigert, eine mir von Lieberlnann vorgelcgte, 'blich cchle TalmndsteUe z» übersetzen, und dadurch indirecl zugestebeu, daß .'eiresiende, die Sittenlehre des TalmudS arg compromittircnde Stelle in selben wirklich enthalteu sei. Demgegenüber bitte ich Sie ganz ergebenst, im eresse der Wahrheit folgende richtige Darstellung deS Sachverhalts mittheilc» nollr», da ich uninöglich alle antisemitischeil Blätter, in welche jener falsche ncht vcrmulhlich Ubergegangen ist, >> verfolgen und zur Berichtigung zwingen »». Zch schicke voraus, daß ich' in meiner Entgegnuiig darlegle, daß alle An *;Kii der Antisemiten gegen de» Talmud auf Lug, Trug und Fälschung bc und bereits zu wicderholtcnmalnt von competenlkster wissenschastlichcr > eite widerlegt sind. JnSbesoiiderc wies ich darauf hin, daß von dem drei ' . ivährsinäniiern der Anliscinite» der eine, Professor Rohling in Prag (folgt '•' Stelle, die wir auS preßgesetzlichen Gründe» weglasscn), der zweite, ZnstuS -iinai,», ein »vegcn Urkundenfälschnng bestraftes Individuum und endlich der - ie, Dr. Ecker, nach fachmännischem Unheil auf talmudischei» Gebiete ein . riicher -Ignorant sei, der sich von jenci» Brimann arg dnpiten ließ. Rach . n ich ml,, meine Rede wegen dcS steigende» Lärms dcL Antjsciiiileu vorzeitig ic abbrechen inüsse», forderte mich Liebermanii ans, auS einer Schrift des ' "■ Ecker eine von ihm bezeichnete angebliche Taliinidstelle zu übersetze». Diese Blatt. Insinuation wieich mit Entrüstung zurück, da die in jencin angeblichen TalmudauSzuge enthaltenen Eitate, wie ich in meiner Rede dargelban haue, . auS dein Zusammenhang gerisie», gefälscht und cittftcllt sind. Dagegen zog idi selbst den ethische» Talmndtraclat „Pirke Abolh", heransgegebcn von Prostssoe Strack (Berlin 1888), hervor und forderte meinerseits Liobernlann mit, ans diesem echte» Originaleremplar irgend eine beliebige Stelle zu übersetze» Dieter / A usiorderung konnte Likdermann, da er, wie er zngebcn mußte, des Talmlrd» völlig unkundig ist, nicht Nachkommen. Statt dcsicn verlangte er, daß ich da» von, ihm angeführte Eitat ans meinem Epcniplgr übersetzen sollte, indein er. als Quelle desselben eine /Stelle in „Choichen Hamischpat" angab. Zeder der tal niudische» Literatur halbivegS Kundige weiß nun, daß der Dracial „Pirke Abolh" demjenigen Thcile de« TalmudS angehört, den wir mit dem Namen „Mischna" bezeichnen, und daß diese um daS kl. Jahrhundert n. Ehr. versaßt worden ist. Ter „Lhoschen Hamischpat" dagegen gehört gar nicht zinn Talmud, sondern ist ein selbstständiger Geseyescodex, der erst im XV. Zahrhuudcn zu sainmcngestcllt worden ist. Herr Liebermann aber ivar von einem dopvelien Zrrihum befangen. Er glaubte erstens, daß der klciuc Traclat, den ich in Hände» batte, der ganze Talmud sei (während letzterer bekanntlich i» Wilkiichkeil in den gewöhnlichen Ausgabe»'zwölf starke Foliobände umsaßn, und'ferner, daß der „Ehoschcn Hamischpal" ebcnjaUS in dein Talmud enibalte» sei. lind io verlangte er recht naiv, daß ich eine angebliche Stelle dieses de», XVI. Zahrhnndert angchörigen „Ehoichcn Hamischpat" in jenem, dem II. Jahrhundert angshörige» Traclat „Pirke Abolh" aussucheil und übersetzen sollte, war natürlich beim beste» Willen uuinöglich war. Der dem' Herrn Lieber, - manu applaudircnde Theil der Versammlung, der in der talmndische» Literatnr ebensowenig orientrrt war, eikannlc die'Lächerlichkeil dieses Ansinncns nicht und faßte meine durchaus berechtigte Weigerung irrlhümlich oder geflisieutlich als eine Niederlage auf/ während lbatjächlich Lieberniann der verlierende Theil gewcicn ist. Was Nun den angeblichen Satz des Talmud», „das Gut eine» Alkuin sei hcrrenloieS Gut," betiifft, so ist bei selbe nach JnstuS von Ecker aus deui iiriprnnglichktt Zusaminenhang loSgerision und cillsteUt und eben dadurch;u.»i' Gegensatz eines velincinNichc» jüdische» RaubsnsteniS. „gegen Nichtjuden" gestempelt worden Tic Sriginalstclld im „Ehoichcn Hamistlipat" I!>^ - lautet tote folgt: „Wenn ei» Israelit ein Feld von einem Äktum (Heiden! gekauft und daS Geld dajür bezahlt hat, aber bevor er die o>^-»>-.ilio (Besitz- - ergreijung) vorgenoinme» halle, ein anderer Zfraelit da» Feld occupirlc, io ist " der Letztere im Rechte, und er hat dem Erstcren nur. sei» Geld;nrück;»ersiatte», weil der Akkum sogleich, nachdem er daS Geld empsaugcn, >'ei»Mecht ansgegeben halle, der, Israelit aber es nicht eher als Eigenthuni eriverbe» lonnie, als der Eonlract' i» seine Hände gelangte; demgemäß war diese» Feld li» der Zwüchen. zcii, »ach der Uebergabe deS Geldes vor der Einhändigung,deS Eoniraete»> wie herrenlose» Gut, und der priuin« ooe-upnus ist im Rechte." Zur Er läulcrnng diene Folgendes: DaS lalmichischc Recht lennt liämlich bei Er Werbung von Grnndfiücke» eines Zsraeliten verschiedene AncigiNliigSsormen: herrenlose Güter dagegen kan» man nur durch die »er»z-»ti>> eiiverben. Die verschiedklien ErwcrbSformeii sind jedoch nur beim Kauf und Verkant von Israeliten angcordnel worden. Kaust dagegen ein Jsraelil"ei» Grundstück von einein Akkum, io hat dieser zwar mit dem Eiypiang dcS Geldes ''ein Eigen lhumsrecht ausgegeben, der Jiraelil hat es aber-damit »och »ick» erworben, e» ist somit herrenloses Gul, bei dem man Mit durch die o.-t-npati-> das Eigen thum-recht erwirbt, der i-rimus »c(.u|>.uis ist daher im Rechte, und der erste Käufer hat nur Anspruch auf Rückerstattung seines Geldes. Für ^den wi kaufende» Akknni, der daS Kanfgeld ja bereits erhalten hat, kann eine Benach theiligung nicht ciustehcli. — Zcdcrmanu steht hiernach, daß eS ml, hier um eine ganz haiinlosc Rechtsfrage handelt, und daß der „ineriiniuirle" Satz in seiner ursprüngliche» Fastung und Beziehung weil eniicrnl ist.von lener ver iversliche» Bedeutung, die ihm durch übenvolleilde oder inegcleilcle Zulerprelen nnlergelegt wird — Mit dein Talmudgclchrleii Licbermann be'chäsligt sich auch eine unter dem Titel: „Verträgt sich die Dalmudmoral mit dein denlichen. Slaalsbsirgerrechl?" erschienene Schritt von Zsaak Hirsch, aus der.solgende Slelle hcrvorgcboben zu iverdcn verdient: „Herr Liebermann v. Sonnenberg führt u,A. auch an,.daß nach talnmdischer Lehre taS .Gut deS Ehristen herrenlo.- sei' rind demnach von jedem Znten scrupello» sich angecignct werde» lonne. E» wäre ,a damit dem Raub, Diebstahl, Bcinig und der Ausbeulnng die bre»ei>e Grundlage geboten, und die Ehristen lönNlcn dann nichts Besicres lhn», als die Zndcn sainnil und sonder» entweder lodtschlagc»^ oder doch »lindesten»;niii Lande hiuansjagcn. Freilich heißt c» im Ehoschen Psiichval ausdrücklich: .Wer auch nur de» Werch einer Perula (etiva ein halber Psennig» stiehlt, riiberlrili das Verbot: .Ihr sollt nicht stehlen' und hat eS rviederzuerstailen: e» gilt glei.lr ob man'das Geld eines Zndeu oder taS Geld eines Nichl(»den stiehll, »»< ferner i .Es ist verchoie», zn raube» oder Vorznenlhailc» auch nur d.i'S Allrr geringste fowohk einem Juden MS einem Heiden.' Und doch lollle d>-S Rick't jndcn Gilt vogelfrci feinV E» ist diese Behauptung eben nichts Anderes als in. Lüge, und die Darstellung des ivahren Sachverhall» kau» als luviiche neun Zeichnung der von indcuscindlicher Seile vrrsnchteu Verdachligunge» induä!- RcligionSvorschrislen überhaupt dienen."

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