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Freies Blatt · 1893-01-22 · 42 (22.1.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
42 (22.1.1893)
Date
1893-01-22
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. »r. 42. Freies Blatt. mmio .'Ivmii, rin aii^err-5 Bild: wir erlebe» cs auch wohl, daß ein Student dieser :Viit)tinifl, der denlschthümeliideii, in Wahrheit aniideiilscheii Dichtung, glaubt, daß es eine ivunderwie-keldcumäßige Leistung sei, wen» er in der X»eipe oder aus dein Trottoir schneidigern'eise einen jüdischen Commilitonen anmauschelt .Tas isl daun die würdige Nachfolge de« edlen Herrn-v. Haniinerstkin, der bc tannilich im Parlamente zu Berlin da» Mauscheln eingeführt hat! Tder, was noch ichliminer ist. solcherlei Sorte von Ltudeiitenkhuin schwingt sich gar zu respecl ividrigeu Teuionslralionen gegen hochverdiente atadeniische Lehrer auf, wie da» siege» den neulich verstorb>neu Ebki»iker,Hosmami u»d gegen Rudolf Birchow s.elchehen in, und da» ans keinein anderen Gninde, als weil diese Männer cs lragleu. den A»ti>ei»ilisnuis >o zu beurtheilen »nd zu behandeln, wie unser hivgeichjedener Xaiier Friedrich ilm gedrandmarkt bat: a<? eine Schmach deS ,Ze.b lninderi». Auch das scheint den dcmonstrirendeii jungen Herren eine an geinenenc Betbäligmig ihre» slnkenlischen nationalen Teutschthuins z» sein. Wenn das aus dieser Bahn io weiter geht, dann kann eS bald auch.;» '?U»nnlnereni kommen. Auf die Böcke! Nninmer folgt unmittelbar die Ahlwiirdl Nummer, und wer A lagt, der wird übertrumpft von demjenigen, der das ganze Register der Rohheiten und der unverftorenen BerfolgungSsucht rücklicht-los i*on A-bis Z kiirchzumachen versteht. Ich will »lcht hossen, daß e» b>» zu die'er äußersten Grenze kommen wird, aber wir habe» in der letzten .-seil >a vieles Unerwartite, Biele«, was uns warnen kann, erlebt, wir könnten Ati alko auch erleben, daß dereiilst noch die wissenschastliche» „Judenstinten" auf der lliuvcrsttät erfunden wurden, daß deutsch national antisemitisch gesinnte Slndee.ien ,'hre Lrhrcr jüdiscl-er Heikunsl oder auch Pcofesioren, denen solche Herkunn angedichtet würde, ankreidelcn, verleumdeten und ihnen etwa Tinge uillei'chöben, wie die, daß sie ihre» Schülern und Zuhörern verkehrte wissen ’iliafti+tfct Grundiäve ans der Hochlchuleeinpiägten, um später dem Staate un „live Beamte zu liefern, od) will das schwarz Bild nicht weiter ausmalen, aiuüwnle» sind wir, Gon iei Tank, noch nicht so weit gekommen, und mein Beiuanen in die Entwicklung der deulscheu Tludenkenichaft ist, Laß UNS die ge-childerten unerfreulichsten Zustände lern bleiben werden. Aber wir müssen ,mf Alles gefaßt >ein, und darum, meine ich. Ergeht der Ruf an »nS: Wachet und arbeitet) i lic Polcn miD öcr Antisemitismus.) Ter „D anzigev Zeitung" zufolge fand vor siurzem in Zirkc eine Polenversamui luirg l'latr mit der Tagesordnung: „Die Polen inid der Antisemitisin»»". Hauptredner waren Graf Hcclor.K w i lee ki, Propst Vaud owiez aus äiwilkz und Propst Hcnnig aus Zirke. Nach laugen Debatten wurde von der Beriammlung folgende Resolution einstimmig augcnoiuiiicu: „Trotzdem die Inden überall und stets uns feindlich geiinnt sind, können wir - doch nicht mit dem heutigen, lärmenden, deutsche» Antisemitismus geben, dessen Bewegung nicht aus der \'iächslenlicbe bcrvorgegangcn ist und welcher nur die gefährlichen Leidenschaften des sinnlosen PöhelS aufstachelt." Unter der „feindlichen Besinnung", welche da den Juden;um Borwurfe gemacht wird, ist;u verstehen, daß sic in den zu Preußen gehörigen ebemaligen volnischcn Z'andcsthcilcn sich zum Dcutschthum bekennen. eGrkliircl mir, ('irni üCcrmöiir!' Ter letzten zKummer der ,. T e utsch-t oeialcn Blätter", welche bekanntlich den Großverschleiß voll Nacen und l^laubcnshaß betreiben, ist ein Programm »nd' die Satzungen der in Deutschland stark verbreiteten „Dhcosophi-' schen Berci-nign ii g" angcfchlossen. Zn dem Programme der „Dheosoplnischcn Bcrciiiigniig" heißt cs u. A.: „In unserer Berciizigung bringen ivir das in uns lebende Bewußtsein von der GeisteSeinheit des gc'ammten Menschengeschlechtes zum Ausdruck. Und wie die Wahr .heil des T ascins nur eine einzige ist, die sich in zahllosen Er 'cheiuungssormrn unterschiedlich darstellt, so verbindet uns die brüderliche Liebe mit einander und mit allen Menschen t r l I e r äußeren Unterschiede. Mehr noch: uns erfüllt Viebe;u allen Wesen!" Ten Skatulen entnehmen wir folgende Stellen: .. rs I. T ic idealen Ziele der Mitglieder sind die folgenden: l. Wahr l'eii' s.st ein Geictz. über der Wahrheit!! 2. Viebe! Tie Begr üudung eines Ä i dt e lp u n kt cs für das. Bewußtsein der l^eistesgemeinschast aller Menschen ohne Unterschied re; Vebensstcllung, des Religionsbekenntnisses und des' 'Geschlechtes. >Tie Liebe isl des Gesetzes' Erfüllung!, 3. Freiheit! (Ihr sollt vollkommen sein!) § 2. Tie Bereinigung bildet und vertritt keine kirchliche oder politische Partei und macht daher auch keiner solchen irgendwie Opposition. Alle von den Mitgliedern ausgesprochenen Ansichten sind von diesen unter ihrer eigenen B c r a n t w o r t,u n g zu vertreten und binden die Bereinigung nicht Deren Wesen ist die brüderliche Liebe im weitesten Maße." Wir waren aufrichtig und freudig überrascht. Tie angeführten Stellen des Programmes und der Satzungen der „Theosophischen Bereinigung" Adresse: Steglitz bei Berlin) enthaltet Pie Fundamcittalsätze unseres Glaubensbekenntnisses, und wir begrüßen in ihr daher ebenso eine stanipfeSgenossin gegen den Antiscinitismus wie in der „Teutschen Gesellschaft zur Förderung ethischer Eultur". Allein — wie kommt der Prospekt dieser Gesellschaft in die „Deutsch socialen Blätter", in welchen die Herren Fritsch, Paulus Mayer & Eo. ihre Lehren entwickeln? Wenn die Redaktion des genannten Blattes den Prospekt nicht bcigclcgt hat, ohne ihn gelesen zu haben (Achnliches ist auch ' schon österreichischen Parlamentariern passirt), so bleibt nur noch die andere Möglichkeit offen, daß die Herren Fritsch und Tesdorpf sich endlich vom Raccn- und GlaubcnSkampfe bekehrt haben »nd, dem Beispiele Morris de Jongc'S folgend, dcinnächst in den Bcrcin zur" Abwehr des Antiscinitismus cintrctcn werden. Lckämhsilng des Antistmitismils in Frankreich.) Wie uns telegraphisch mitgctheilt wird, wurde der (durch seine Schriften „Berlin, Wien und der AiAiscinitisinns", „Presse und Jndcnthnm", „Sollen die Juden Christen werden?" „Briefe berühmter christlicher Zeit gcnoffcn über die Judenfrage",- „Ta 'ziivstion jnivv") rühmlich bekannte Tirector der Allgemcincii Encyklopädic für die Geschichte und Wissenschaft des Judcnthums, Herr I. Singer in Paris, Dienstag den 17. Jänner von dem Eabinetschcf des französischen Minister präsidcnten, Herrn Croizicr, in Audienz empfangen, um demselben ffinen Plan zur Bekämpfung des Antisemitismus in Frankreich zu unterbreiten. * (Die Trangsalirung der Juden in Rußland.) Das Warschauer Amtsblatt veröffentlichte letzthin folgendes Eommuniquö: „Die Bor schriftcn, welche den Juden ihre eigenthümlichc Tracht und den ihnen eigcnthümlichen Schnitt der Haare verbieten, sind in der letzten Zeit vielfach unbeachtet geblieben. Bon nun an wird jede Bcrlctznng, dieser Börschrift durch eine Strafe von fünf Rubeln, im Nichtcinbringniigsfalle durch Arreststrafc geahndet." In Petersburg und Moskau werden jüdische Kaufleute von amtswegen bei Androhung hoher Strafen ge < zwungcn, auf ihre Firmatafcln ihre vollen hebräischen Namen zu setzen. Das Post- und Telegraphenamt publicirtc ein Eommuniqu«-, wonach in Zukunft keinerlei Briefe, recommandirt oder unrccommandirt, an Juden, welche christliche Namen führen, ausgegcben werden dürfen. In Moskau werden übrigens bald gar keine Juden zu finden sein, denn der Gcncralgouocrneur hat es sich offenbar zur Aufgabe gesetzt, die „heilige" Stadt „judenrein" zu machen. (Judenverfolgung in Marokko.) Rentcr's Office meldet ans Tanger: „Da der Gouverneur der Stadt Marokko die Juden miß handelt, insbesondere einem Greise 500 und einem anderen Juden 800 Peitschenhiebe erthtilen ließ, werden, wie es heißt, die Bertretcr der Mächte identische Noten an den marokkanischen Hof mit dem Bcr langcn richten, den Berfolgungcn ein Ziel zu setzen". Daran, daß ein ähnliches Bedangen an den russischen Hof mit Rücksicht auf das Bcrfahren des (Gouverneurs von Moskau gestellt werde, ist leider nicht zu denken. Jene Rücksichten, welche Eulturstaaten gegenüber Rußland Schweigen anferlcgcn, braucht man aber nicht zu brächten, wenn cs sich um ein in seiner Selbstständigkeit gefährdetes (Nincinwcscu wie Marokko handelt. Daß man zu Ende des XIX. JahrhuüdertS nur die Kleinen und Schwachen an die Pflicht der Humanität mahnen, vor Grausamkeiten warnen darf, ist allerdings sehr trazirig. 2lus antisemitischen Oereinen und Oer sannnlungen.' (lshristlich-socialcs Fest.» Man schreibt »nS: Ta» lange vorher aiigelü» digte christlich-sociale Fest fand Montag in Hernals statt. Ter in diesem Bezirke schon als Freibierspeiiter hochgeschätzte Prinz Alois Liechtenstein hielt sozn sagen eine Festrede, in wejcher er die Inden ziini so- und sovieltenmale be schimpfte, Ahlwardt und Trnmont al» „Märtyrer" der edlen antisemitischen Zache feierte und die Panama Affaire itn Interesse der Indenhetze anSzubeuten suchte. Tassi der seinerzeit, von Lonstans geohrseigte Antisemit Laur nach Amerila Reißans genommen hat, und daß bei dem ganzen Panama-Schwindel anli semitisches Lumpengesindel in erster Linie betheiligt ist, erfuhr man au» der „Festrede" nicht. Lustiger al» diese waren nachher die trefflichen Weisen, welche die Eapelle des k. und k Fnfaiiteriercgimeiites Gras Jellacic zum Besten gab. Auf den Genuß, Herrn Rohling zu sehen, mußten die Festtheilnehmer ver zichten; der Specialis! jn Blutmärchen ließ seine Absenz entschuldigen. Die komischen Scenen waren die *>0 kr., welche man al» Eintrittsgebnhr gezahlt halte, unter Brüdern werth, aber unter feindlichen. — Bon anderer Seite wird uns geschrieben: Zu der weite» Gedankenwüste, welche sich vor de» Zuhörer» dieser Festrede ansdehttte, zeige» sich nur einige spärliche, kleine Lase», wo es wenigsten» dem Widerspruch gegönnt ist, sich ein wenig rastend niederzulaffen. Zu diesen erauicklichtn Punkten, wo wenigstens ein falscher Gedanke sich erkennen ließ, gehört jene Stelle, wo der „Fürscht" erklärte, unser Jahrhundert habe in Betreff der Politik, der Nationalökonomie und der Socialwiffenschast nicht» ge leistet und sich als unfnichlbar, unzulänglich und kleinlich erwiesen. Dem „Fürscht" sind offenbar in jenem Augenblicke die Namen der Politiker Cavour, BiSmarck,

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