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Freies Blatt · 1893-01-22 · 42 (22.1.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
42 (22.1.1893)
Date
1893-01-22
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 42. Seite f> ■freies plötzlich in Droscndorf anonyme Briese regnete/ weld>c ihn bei Hi»; und Kn»; in der stinkendsten Weise zn vcrdächtiglsn suchten: dabei bliebe» aber die »»bekannten „Gönner" deö liberale» Oberlehrers nicht gehen, sic bemühten sich, daß diese uneriviescnen l^erüchtc auch zu den >7hrcn der dircctc» Borgcsctzten deö Schulleiters käme», und obwohl -»an »ach wie vor dein Conipromittirftn auch nicht de» Schatte» eines -.-weises cntgcgenhaltcn konnte, wurde er schließlich doch an eine -dstilc mit niederer Gchaltselasse, nach Pernegg, versetzt. Sic glänzende >!»cncrklär»ng und Anerkennung, welche die Gcincindcvcrtrctung .oicndorf dem scheidenden Sberichtet mitgab, vcrhals jedoch dem nnpromittirten ebensowenig zur Rcstituiriitig jeines Leumunds, wie ivicdcrholtcS vergebliches Begehren »geh Einlcitnng einer. reget nie» Siseiplinaruntcrsuchttiig. Schließlich sah er sich gcnvthigt, um Pcnsionirnng kinznkoniincn, obwohl er Familienvater ist und der .lizciligc Ruhestand für ihn einen jährlichen Abgang von 400 fl.;. utet. WaS kümmern sich jene guten Freunde darum, die sich so . iiut für den Man» bei seinen Borgcsctzten verwendet hatten'? Wer ihn auch den antisemitischen Umtrieben und "der Befreiung - loscndorfS vom Indcnjochc cntgcgentrctcn'? Das ist bisher das -zigc Resultat der Antisemiten in unserem Crtc: der Unfriede und .»bei der Ruin cincS Mannes von unzweifelhaft arischer und n'llichcr Herkunft. Ta cs keine» Juden zu hetzen gab, so hetzte man- .! den ersten besten Christen und Arier, der nicht mit am Strange , Unstreitig steht Troscndorf nicht vereinzelt mit dieser Erfahrung i im ganzen Waldvicrtcl hat der AntiscmitismnS nicht mehr Be ctmgnng und nicht mehr Erfolge als in dem eben geschilderten : eS fehlen nur die muthigcu Männer, welche dies frei und offen . »»sprechen wagten. Wenn sich diese einmal gesunden haben werden, wird cS mit dem Prestige der Sendboten vom Schlage des er . outen Ingenieurs bald zu Ende sein, und das ganze WaOwicrtcl e sich von dem antisemitischen Schwindelanfallc ebenso rasch crwie dies. Gottlob! Troscndorf gcthan hat. iTic Rcchtsvcrhältnissc drr Zudeu in Croaticn.) . A»s Agram » berichtet: Bei der Landesregierung beschäftigt man sich gegen »ng mit dem Studium der sehr zerfahrenen Rechtsverhältnisse der 7 aelilischen Confessio». Es wird jedoch keine Borlage an die LegiSl:ut wie in Ungarn beabsichtigt, sondern man glaubt, die bestehenden - -.nlömmlichkcitcn im Bcrordnnngswcgc regeln zu können. Tr. "JJÖlÖcfc.) UnivcrsitätSprofcsior Tr. Röldckc in Straßburg, ü es zu verdanken ist, daß die von antisemitische» Bicudo Gelehrten breiteten Bkärchcn über jüdische Satzungen und Gebräuche an mritativer Stelle thcilö als tendenziöse Entstellungen» thcilS als --willige Erfindungen gekennzeichnet wurden, erhielt beim letzten densfcste in Berlin de» Rothen Adler-Orden dritter Clasic mit de» -.hieitcn.^ „Tit Lchlliaäj dcs Jahrhunderts." > Tie i» Berlin erscheinende '. Mliil) rcdigirtc lind der Abwehr des Antifemil-isnittS gewidmete Halb . »alschrift „Tic Schmach d c S 0 a h r h » n dort ö" beendet mit -» nnS vorliegenden Doppelhefte X'X'lll und XXIV den ersten Fahr e-.. Wir können dem strammen - Bortämpfcr unserer Abwehridee für zweiten Jahrgang nur allcs <'•UiUt und wachsenden Erfolg - .»scheu. Alltistlllitischc stiowdits.) lieber eine AnSschrcitung,' die türzlich Berlin sich ereignete, berichtet die dortige „B ol tszcitnng": ^egcn l 1 * Uhr erschienen im Caf«'- Rouachcr Unter den Linden zwei ' .reu und eine Tarne, die um die Fcicrabcndslnnde, '2 Uhr, noch -ne Lust zeigten, sich zu entfernen und deshalb dazu aufgcfordcrt »den mußten. TicS l>lcbot, daS durch den lilcschüftsführcr Mandel Mid), aber auch bestimmt wiederholt -wurde,, blieb ohne Erfolg; lanfhin schickte Mandel auf die Straße, »in einen Schutzmann beizurufc». Ta aber ein Beamter nicht glcid) anznlrcffc» -war, so nrdc der Pförtner Schulz beauftragt, die seltsamen Besucher zum anmc» deö LoealS zu zwingen. Als dies vor sich gehe» sollte, zog -iner der Herren einen Stockdcgcn und stieß »aä, dem Pförtner. Ter 5tid) drang 'nur durch die Kleidung, hätte aber sicherlich and) de» •imper verletzt, wen» nicht Kellner die Waffe an sid> gerissen hätten. >>evt aber zog der Thütcr einen Revolver und drohte, damit Jeden über den Hansen zu sd)icßen, der ihm zu nahe käme. In diesem Augenblicke crsd)ien Polizei, beide Männer wurden nach der Waä)e - es Polizeireviers gebracht, wo sie als der antisemitische Radauredner und Schriftsteller Wald und der Bnd)drulkercibcsitzcr S d) u l tz agnoscirt -wurden. Ans der Wache hatte Wald den Revolver plötzlid) wieder in '.eine Tasche gesteckt. Als man ihn dort fand und untersuchte, erwies cr üd) als nicht geladen. Ob Wald etwa die Waffe inzwischen entladen liane, konnte nicht gleich ermittelt werden. Die Untersuchung deö fettjamcn Borfallcs ist im Gange. Blatt. iAlltijtlllitisuillS i» der Schult. Bicioria l^nmnasinm ZN Potsdam fand vor einiger;4oit. ein Lehrer beim Beirrten der L bei Sekunda ans dem -Zigtheder ein 'B»d> mit dem liul: » dcngi s>, l. Dosis". Ta er nid)t den.Mitbringer zu ermitteln vermochte, wollte er cs dem Tireetor vorlegen, vergaß aber beim Hinausgche», cS mitz-nnchmcn. Fn der folgcydcn Stunde gab der -Rabbiner den jüdischen Schülern RcligionSnittcrridjt, t'and das Buch, brach daranfhin sofort den Unterricht ab und machte dem Dirce.lor davon 'Anzeige Ticskr ließ in Folge dessen in - Gegenwart der ganzen Classc eine Confcrcnz. abhqlten, wobei nad> vierstündiger Untersud)ung der Bin bringcr des Bud>eö entdeckt wurde. Er wurde mit mehreren Sttindc» Earcer bestraft, während die übrige Clane Arrest erhielt. Außerdeni wurde daS Classcnzimmer neben den Conscrenzsaal verlegt. (Wllchct lind arbeitet!) Ter von uns bereits erwähnte ani 10. Tcccmbcr v. >4. in Heidelberg von Professor Tr. O-st hass erhobene eindringlid)e Mahnruf liegt uns mm im-Wortlaute vor. Professor,-Tr. Oftlzoff sagte mit Bezug aut den Antisemitismus s Tie Sache, die »»« heule hier bejchästigt, hat auch für eine Universität; stad! und daS akademische Leben ihre besonder» wichtige Seile, uud darum ist es mir lieb, daß gerade ein UniversitälSprofessor e» in, der über diese Tinge »nS hier einen Portrag halten wird Auch mein Freund Stengel, hat (Gelegenheit gehabt, einen Einblick in ' die Erscheinung zu thnn, wie diese-; Fsssz sich schon in die jungen Gemüther einnistet und allmälig i» unseren stndenii scheu Ztreise» weiter um sid, frißt. Fa, meine Herren, wenn man da» ein wenig zum besondere» Studium mad)t, dann kann man wohl allerlei imer estante, aber zugleich Bcsorgniß erregende Beobachtungen machen. Bor einiger Zeit haben ich in einem Crgaii; da» die deutsche Bnrschcnichast vertritt, etwa» gelesen, da» Ansmerksamkeit aus sid, zog. Tie deutsche Burschenschaft hat eine glänzende Bergaiigcnheit hinter sid>. sie kann aus ehren , und r»l,nireid,k Fahr zehnte ihre» Leben» zurückblickc», in denen sie e» war, die in llniversitätSlreiien aufs Wärmste den nationalen Gedanken gehegt und gepflegt, auch selbst Spser fnr die'nationale Sad,e und Gesinnunggebracht, hat. Wenn nun neuerdings die Füngere» unter den Herren sich etwa-aus Lahnen bewegen, welche den alte» oder doch inanditm unter de» alte» Burschenschaftern nidst ganz!>>»>-- pathisch sind, >'o wollen wir ihnen da» gerne zugute halten: sic folgen den, Zuge der Zeit, und ein gewiffer jugendlichcr Idealismus entsdmldigt Biele». Eine übermäßige Mad)lvergölternng nnd Erfolgsanbetung ist leider der hervor sted,e»dsle Zug im politisd,e» Lebe» der Lnrsche»sd,astc» der Aenzeit, soweit sie sid, in letzter Zeit überhaupt »ad, dieser Seite noch bethäligt nnd Fnlcresse an " de» politische» TageSsragc» bekundet haben. Eine gewisse Intoleranz gegen, anders Tenkende, die mehr strilik sich bewahrt halten, ist and, zu Tage ge! treten. Aber das mag wohl Alle; die Zeit beifern. Fch glaulst', daß die Zeit wiedcrkebrt, wo die jüngeren ventschen Lursd,e»sd,asier sid, wieder daraus be sinnen welke», daß ihre Borsalire» jn der Lurfdienjchast, für die Macht und Größe dcs Baterlandes erglühend, nid» -nur die Einheit lTenlsdiland; an strebten, sonder» die Einheit nidst ohne die Freiheit nnd vor allen Tinge,i nicht die Einlieit nin den Preis s> ciheitlichcr Fiinilnlioue». Tic Herren in der jemgeir Bnrschenichait nun haben — das cbe» war in d. n „L»rsche„sd,ai,li>j,en Blätter»" zu lesen -— beute fi.it, mit einer neueren Aidnnng i» der Slndeiilen- >d,ait anseinanderzuscven Man sagt ihnen von dicker /^'ile teilins Auges,>1»: »ihr mit eurer Burid,e»schasl keis veraltet, ihr ieik iiidst. mehr die bernseuei, Träger des deulichnationalen tNedankiii/iu der Tindentenschakt: keilt nns an, wir-sind es, ivir schreiben vor allen Tinge» den .'!ai»r>> gegen das Fudentl»»», - den Erbkeind denlichcr Art nnd denlichen Wen-»-', rni' Misere Fabne! llnr diese ronenrrirende Ridstnug, d>,s ist die, wcld>e '-vertreten - wird-dnidi die so griiannte» „Bercine deutscher Slndenlen". iNegeniiber diesen, die aus dem»»» hänier ihre Burschenlage feiern, Hai die Bnrschensdas! sidzu ivelnen sit ivehrt sich aber in einer'Weise, daß der unparteiische Zuschauer urtbeileu »»iß, sie gebe dabei ihre besten Waffen ans drr Hand. Man' antioorlet also von der bnrsche.nsdn>stlid,e» Teile den Gegnern: ' Ad,, seid dods nur ruhig, wir sink, ja im Grunde and, Aiiliscinilen so gut ivie ihr, ivir verkennen den „beeechtigien .steril" der auirscmitisdien Bewegung nidst, wir. halten nns ja and, die indi-cheu Eomiiiililonc», die etwa bei uns eintrete» möchten, möglichst vom Leibe, n-n erachten es nur »ich: für opportun, - dies io - oüc» zli bckr.nnen, dir» -als d,e Hauplsache für den deutschgesinnten Studenten in den Borkergrnnd zu rürkeii. Ta sind die crasser und rücksichtsloser Borgeheuden im Boriheil. Gegenivariig. muß man sagen, gilt nicht mehr da» als 'der-wahre nnd würdige nalionale To», wie ihn die Burschenschaft angibt nnd vertritt, sonder» heutzutage mad,en jene offen antisemitischcii, deutschvereinlichcn Herren die Melodie ans de»ts>s>e„ -Hochschulen in der deutschen St»deme»,'d,ast. Ta könnsn wir allerdings sonderbare Dinge erleben. Fd) will mit »gm Harmloseste» ansangen: ein Liebermann v. Sonnenberg ober ein Böckel erkd-eint auf der Bildslädst inUner ltniversitais stabt; da stellt sich ihm stndentischerseitS eine freiivillige Sbrengärde zur Be>- sügung, und mit Hnrrahschrcien und „Tenlschland, Deutschland Über Alles" Singen ziehen den jndcnhetzerische» Aposteln diese jungen.Leute in Stadt und. Torf nach und meinen damit eine patriotische Thal, begangen zu haben. Sder /

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