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Freies Blatt · 1893-01-22 · 42 (22.1.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
42 (22.1.1893)
Date
1893-01-22
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Freies Blatt. »r. 42. Leite 2. 1895, nicht 1693. Om. hiesigen „einzigen christlichen Tagblatt" steht dieser Tage wortwörtlich zu lesen: Heuer wird e« mit den Iradilionellen Wallfahrten zum „jiörberljuden" apch Heinat« während der Fastenzeit nichts werden. Der Umbau des Calvarienl'i'iiuw mit welckem man bis zur Fastenzeit fertig zu werden vermeinte, und dei - irege» des andauernden strengen Frostes schon seit Wochen ganz eingestellt ,st, ivird eben bis dahin nicht fertig, weil eS menschenunmöglich ist, das Viele, was no>t> zu thun ist, auch dann bis zu Beginn der Fasten zu vollenden, wenn ’iiR’it in den äUernäetisten Tagen eine den Bauarbeiten günstige Witterung einircien würde, was aber kaum wahrscheinlich ist. . Wenngleich aber nicht möglich >ejn' wird. Heuer den Talvarienberg in der Fasten, die Heuer sehr früh, nämlich ichcn am 15. Februar beginnt, zu besteigen, so wird das traditionelle Pilgern nsiäi Hernals dcSdalb doch nicht ganz entfallen, denn wenn man auch heuer nicht zum diorberljuden wird gelangen können, der übliche „Calvarienberg- '.'.siarli" mit seinen Pomeranzen, Datteln und Feigen, mit den Ofterfahnen und „Baumkrariern" wird, wenigstens lheilweiie, während der Fasten nächst der Heciial'er Kirche abgehalicn. Ueberdics gibt eS bekanntlich noch Vieles, waS in Hernals aniiebend wirk:, io dast aüo kaum daran zu zweifeln ist, daß sieb auch teuer wieder iroi.« der Unfenigkeit des CalvaricnbcrgeS während der Fpsienzen genug Pilger in dem weinreichsten ein- Wiener Aenbezirke einfindcn wkrden.^Fn-der Faste» l>5t wird ielbstverständlich der llinbau des Calvarien biirges gänzlich vollendet 'ein und sich in feiner neuen Gestaltung prächtig zuu'entiren,ew ie auch der jiörberliude nrcli'che-r denn je wieder zni Ttelle'lein iritd. Daß cs, wie von mancher Leite gehofft wird, uivy Fdtdirung der lOiutcl gelingen werde, den Ealvaricnberg wenigstens gegen Dp«, der lcurigen Fasten zu vollenden und 'einer Bestiinniung zu übergeben, niäil ivabr'.beinlich. ■ T l'ivohl ficfcv''t'Jiciftcvüitct frivolster Verhetzung und bornirtestcn CH''a,vaiitcittlutittr sich selbst richtet und kaum eines Com»ic»k«uS lusdarf, neuen wir doch für solche, die nicht so glücklich sind, in dein ggisrigeu idem rum des Reiches 'zn leben, einige Worte der Erklärung l'ifiziiniäcn, welche Bewandlniß es denn eigentlich mit dem „Körbcrl jitfeieu" Hat Bei der "Pfarrkirche zu-Hernals befinde! sich eine Art akiiane, aiii weicher sich die Hcjdcusslationcn schlecht und recht in Ttcin plastisch dargestelll befinden Tie l'i><>- dur'-sistmi*-*- unter dis''en Kunstwerken, welche viclleicht die einzigen sind, die so mancher Wiener aus eingehenderer Anschauung kennt, bildet jedoch die Caridatur eines >. urteil, der einen Korb trägt: eine von religiöser Tuldiainkeit wenig erleuchtete Zeit hat dieses Bild hichergestellt als den ')iiluäü'ntaiuen jenes Volkes, das die Schuld an den Hcidcnsftationen des Herrn ans sich geladen har, und während der Fastenzeit ist cs eine alle Wiener Titte, daß die Heute nach Hernals pilgern, den Calvarienbeig besteigen, den „Körbertjuden" verspotten, ihm wohl auch ins Körkerl spiicken und sich dann — in die benachbarten Heurigen icljenken schlagen zu löblichem Thun, Wie unsere Hescr durch die obencirirte 3teile aus der .fTcnlschcn Volte.leake" erfahren, bedurfte der Calvarienberg einer Rcstaurirung, niild in dieselbe wird nun auch der famose „Körbcrljnd", das schmachvolle Tcnkmal einer barbarischen Zeit, cinbczogcn. Tie verletzende und ui^belZende Cariealur wird auf dem neuen (Kalvarienberge nicht etwa, :vie jeder anständige Mensch erwarten konnte, wcgbleiben, sondern . ne «bischer denn je zur Stelle sein". Umilanbticli u!,u«. l8'.'3. Taß es zu allen Zeiten Heute gibt und «plicu!v:rd, die ihr ChrislciNhum und „Äricrthum" damit legitimirt zu haben meinen, daß' sie statt zu arbeiten und zu beten, in der Fastenzeit nach Hernals bummeln, den „Körberljirtcn" verhöhnen und •idj bann in den Heurigeiischenken toll und voll zechen, kann uns belnaivenig wundern, als daß die hiesige „Tcutfche Voltseloake" dcrautdi«» mit <Rei und breitem Wohlbehagen als einen siniiigcn Brauch, vidleicht auch noch als einen echt deutschen und echt christlichen Brauch tülilelll. wofür sich iedcr christliche Teutichc bedanken kann. . Was uns ivnndert, in einzig, daß die berufene H s •. .1«. nbcI i i d c z u einer solchen Verrohung der Volkssltien an einem geheiligten lllrtc zu geheiligter Zeit < H and .eilt)!, mtb daß' luciui diese At reife das ilugezie m ■. ii d c eines solche u Vorgshens nicht merken, s nicht n ’ dt H o b e r c gibt, die das (besetz vor eine r sei e-isenen und p e rm a n c n t'e n Berhöhunng schützen, w He - - d . i ,. V orberlsiid" und d i c vor i h m st att- ' i » denben C t a i. ii des g e in . i n si c n Vöbclwahns sind. Auf der Abonnenlenjagd. (Lriginal-Mittheilung de« „Freien Blatte«".- Lzernowitz, 18, Jänner. Wollen Tie gefälligst von einem ganz besonders ausgewachsenen Fall antisemitischer Verleumdungs- und Verdächtigungskunst Notiz nehuien! Herr Bernhard B a l t i n e st e r ist einer unserer angesehensten Mitbürger. Nach einer langjährigen ehrenvollen und ausgezeichneten Militärdienstlcistung mußte er in Folge einer in der Schlacht bei Custozza erlittenen schweren Verwundung im Alter von 33 Jahren in den definitiven Ruhestand treten. In seiner Vaterstadt Czernowitz, wo er sich hierauf niedergelassen, wurde er, vom Vertrauen und von der Zuneigung seiner Mitbürger ohne Unterschied der Nationalität und des Glaubensbekenntnisses getragen, seit 23 Jahren ununterbrochen zu sehr vielen hervorragenden Ehrcnstcllcn gewählt. Dies war aber nicht nach dem Geschmacke unserer Antisemiten, denen der Gemeinde- und Stadtrath Baltinestcr .schon in seiner Eigenschaft als Jude ein Dorn ini Auge war. Tiefe Clique setzte gar bald gegen Herrn Baltinestcr ihre bckannkcn Mittclchcn ins Werk, versuchte, ihn in der Scfscntlichkeit hcrabzuwürdigcu, besonders aber bei der Militärbehörde zu dcnunzircn, so daß Baltinestcr, der k. k. Hanptniann d. R. ist, über sein eigenes Ansuchen in chrenräthlichc Untersuchung gezogen, durch dieselbe aber glänzend rchabilitirt wurde. Doch dies Alles vermochte der anriscinitischcn Hetzjagd keinen Halt zu gebieten! .In der jüngsten Zeit glaubten die Antisemiten abermals cincu Anlaß gefunden zu haben, um gegen Baltinestcr mit crncutcr Vehcincnz loszusrürnicn. Dies geschah knapp vor den jüngsten ErgänzungSwahlcn in den Gcmcinderath der Handcshauptstadt Czernowitz, wo cs sich um die Wiederwahl des (Genannten zum Gcnieindcrathe und Stadtrathe handelte. Ein vollständig erdichtetes „Eingesendct", welches Herrn Baltinestcr ein ineorrcetes Gcschäftsgcbahrcn in Ausübung seines Vcr lrauensamtcs vorwarf, erschien in 'Nr. 4G des Wiener „Ccftcr* reichischen Volksfreund", wurde in masicnhaftcn Epcmplarcn hierorts an Wähler, t^cnicindcräthe, Behörden, ja sogar an das t und k. ll. Arnicceorpscommando anonym verscndpt. ES war zwar dadurch nicht zu verhindern, daß Baltinestcr abermals mit erdrückender Majorität sowohl zum Gcnieindcrckthe als auch zum Stadtrathe wieder gcwählt wurde, allein!nan erreichte doch wenigstens das eine, daß er vom 11. Corpseommando zur Verantwortung gezogen wurde. Dem von den Autiscinitcn in so frivoler Weise Beschuldigten wurde allerdings auch diesmal eine glänzende Rechtfertigung. Der Magistrat leitete auf eigenes Ansuchen des Beschuldigten eine Untersuchung über die im „Eingesendct" des „Volksfrcund" vorgcbrachtc Thatsachc ein, und als Ergcbniß dieser Untersuchung richtete der Bürgcrnicister Kocha nowski an Hcrrn3!)altinestcr ein amtliches Schreiben, in welchem eifern lebhaftes Bedauern darüber ausspricht, daß Herr Baltinestcr „in einer ganz un gegründeten und böswillig erdacht cu Weise in seiner langjährigen hingebungsvollen und sehr ersprießlichen Thätigkcit als Stadtrath äuge griff-cn wurde". In Einem wurde ihm eine beglaubigte Abschrift des bezüglichen Erhcbungsaetcs übermittelt, airs der hcrvorgcht, daß Herr B a l t i n c st e r mit der ganzen ihm z u r H a st gelegten. „Angelegenheit gar nichts zu schaffen hatte, und daß somit all das, waS das genannte .Eingesendct' vom Stadtrathe Baltiuester erzählt, vollständig als erlogen erscheint". Baltinestcr unterbreitete dem 11. CorpScomniando seine Rechtfertigungsschristf mit dem Beifügen, daß er sich auch, falls dies gestattet werden sollte, bereit erkläre, gegen den „Scstcrreichischcn Volks freund" den Prcßproecß anzustrengen. Haut des ihm in jüngster Zeit gewordenen Bescheides aber wurde er nicht veranlaßt, den Prcßproecß anzustrengen, sondern verständigt, daß das hohe k. u n d k. CorpScomman'bo von seiner Acußerung .befriedigende Kennt niß nahm und diese Angelegenheit als abgethan er achte.. Tic Äntiscmitcn haben also anS der ganzen Campagne, in der sie ihr delatorisches Talent aufS Glänzendste erwiesen, keinen anderen Erfolg, als daß der Bestgehaßte von allen Seiten glänzend gerechtfertigt hvvorgiug, in dem Vertrauen seiner Mitbürger sich nur festigte, und daß der antisemitische Faiseur, der ehemalige städtische Baupolicr A. GcleczynSki, der von Herrn Baltinestcr als Verbreiter dcS famosen „Eingesendct" cruirt und vor Gericht zur Verantwortung gezogen wurde, sich außerdcm noch in cincm recht erbärmlichen Hichtc zeigte, indem er zwar thatsächlich zugab, die in criminirte briefliche - Versendung dcS „Volksfrcünd" verübt und die mit verstellter Schrift verschcncn Adressen hergcstcllt zu haben, zu seiner Verthcidigung jedoch auführte, daß ihm bei dieser

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