Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1893-01-22 · 42 (22.1.1893) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
42 (22.1.1893)
Date
1893-01-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/4886575-5439157-5441378--0419-4886952
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Freies MM AbonnemeiitspreiS: ">n,l»drig mit Pofltuseiidmig . . fl.?.&u. ... ilhjatHifl fl. l.üj. itictlcljälirisi fl. —05 tSinjdiic Wummern 4 kr. Stummer 42. Organ zur 2Unrotjr des 2lntisemitisnius. r - ■ Crschtint a» jedem Soiurtagk. Wen, 22. Jänner Reüactio» und Administratiin: > Vien I. Seikcrstättc 10. II. Jahrgang. I\t 2lntisemiti^mus in ^rauheid?. Original Minheilung des „Freien BlaUcS".! Paris, l.Y otiimcr. .1. S. Gestern Abends begannen der Margnis v. MorcS, -r Degenwart der-hiesigen anlijeniitischen Partei, und dessen . ,iutiimnt, (Miu-iiii, ihre judenstindliche Hctztouruce durch Frank- . Sie wählten zu in Ausgangspunkte derselben die uralte Roiuerstndl Vugdunui», daö heutige Phon, Sitz eines nicht un ^deutenden jüdischen Eonsistoriuins. Der Erfolg war kein besonders glänzender, Pkor.-s halte ziemlich Mühe, um seine höchst '.'lianlastischk» Thearicn van der künftigen Uingestallung der Gc- ° llichasl an den Mann zu bringen; Gu>rin kam gar nicht zu Worte. Die anwesende» Soeialistcn und Anarchisten, welche nicht lesannc» waren,, de» Antiscniilcn, diese» Emissären der diversen >> telionären Parteien, .die Kastanien ans dem Feuer zu Halen, alltcn die Tribüne mit Gewalt erstürmen, uni gegen die Pariser Freunde Drumont ö zu prolcstiren. Es entstand ein furchtbarer Leandal, die Polizei intervenirle, kurz, die Herren Mor.'-S und Gn,'-rin konnten sich in der Hauptstadt Südsrankreichs nicht des ikiben Erfolges, rühmen, den sie gerade eine Woche vorher im Pariser Tivoli nnleugbar davongctragc» hatte». Die antisemitische Saat ist eben in der Provinz noch nicht anfgegaisgc». Freuen wir ans darüber, doch legen wir deshalb nicht die Hände in de» 2chovß. Es muß im Gegentheile nunmehr von den französischen »reuuden der Abwchridee mit allen ihnen zur Berfügnng stehenden Mitteln dahin gearbeitet werde», daß die vom Pariser General lijbf Drninont'S allenthalben änögestreute Saat deö Judenhasses »ulit zur Reife gelange. Wir steuern hier höchstwahrscheinlich einer in ihren Folge» rochst bedeutsamen Krise zu. Die wieder zu cincr gewissen Geltung ..langte» Organe der verkrachte» Parteien der Orleanistcn, Imperialisten und Boulangisten führen seit ungefähr einer Woche . »c höchst geschickt cingclcitete Eampagne gegen Earnol. Der Figaro", daS Boulevardblatt pur e-xoellcucs, zieht niuthig gegen as ■Crli>i«'-c zu Felde, und in einer seiner letzten Rumincrn forderte i' genannte, höchst einflußreiche Zeitung den Präsidenten der Republik geradezu zur Dcmissio» auf. Man hat in den Kreisen >>r Reaelion sogar schon eine» Präsidcntschaftöcandidätcn bereit: 'tu Weiieral Saussier, Äiililärgouvcrnenr von Paris und künftigen >R»eralissimuö des französischen Heeres?') Ich erwähne, diese -'i.ichinalioncn hier deshalb, um die Eventualität einer Kanimermflösung und der dadurch »othwendig werdenden Ausschreibung ”ou Rcnwahle» in den Bereich ineincr Betrachtungen zu ziehen. Die genannten Gegner der Republik würden nämlich gerne me Panamascandalö zuin Ausgangspunkte ihrer Wahlcampagne machen. Die Antisemiten, tvelche hier, wie anderwärts,^ es lieben, im Trübe» zu fische», würden keinen Augenblick zögern, sich den Rohalisten, Bonaparlisten und Bvulangistcn anzuschließen, nui nur ihre Eandidatenliste durchzubringen. Bi'arguis v. BioröS, der trotz feiner, wenigstens zur Schau getragenen anarchistischen Anschauungen seine persönlichen Beziehungen;»>» hvcharistokratischcu Faubourg St. Germain nicht anfgegrbcn hat, scheint in der anti semitischen Partei dieselbe verdächtige Rolle spiele» zu wollen, *' General Laussice hat inzwischen gegen diese Juinnthung entschieden t" ol,-snrl. ' - L. R. welche Graf Dilon vor vier Jahren in der boulangistische» ge spielt hat, d. h. das Bindeglied zwischen den antisemitischen Re publikanern und den fast durchwegs clericalen Eonservaliven zu bilden. Die Durchführung dieses Planes muß nun um jeden Preis verhindert werden. Denn die Folge» eines Triumphes des Antisemitismus in Frankreich könntcii nicht nur für die Jude» dieses " ^andeö, sonder» auch für. die in Oesterreich und Deutschland sehr abträglich werden. Es ist nicht zu bestreiten, daß Druinont und Mor>-s ohne Lueger und Schneider, ohne Stöcker und Ahlwaxdk als Borgänger eö nicht gewagt hätten, hundert Jahre nach \fS\) im Baterlande'Boltaire S und Diderot ü die Fahne des Raecn Hasses aufzurollcu. Der AntisciniliSinuS wurde nämlich unleugbar - von de» Ufern der Donau und Spree an die der Seine getragen. Es ist aber hinwiederum andererseits ernstlich zu befürchten, daß die österreichischen nndgroßdeutschen Antisemiten die evenyiellen Erfolge ihrer fränzösischrn Gesinnungsgenosse» insofcrne weidlich ausbeutcn dürften, daß^fie vor den' nrtheilslofen Massen ihrer Länder etwa folgende Ährache führen würden: „Wenn das französische Volk sich gegen daS Häuflein französischer Juden, die noch dazu seit mehr alS 60 Jahren dank ihrer frühen Emancipation sich Sprache, Sitten und Gebräuche der französisch^uLiation fast vollständig angeeignct haben, auflehnt — um oiejnel berechtigter ist ünscr Kampf gegen die-4,400.000 österreichischer und (»OO.OUo deutscher Juden, von dent» mehr als die Hälfte (sc. die galizischen und posenischen Juden) durch Tracht, Sprache und Gebräuche von u»S .Ariernso tief geschieden sind!" — Aengstlichc Seelen werden mir vielleicht den Borwurf machen, daß ich zu sehr de» „Teufel an die Wand male". Run, ich stehe da entschieden auf dem Standpunkte dieser Blätter, welche die Bogel Strauß-Politik auf daS Entschiedenste verurthcilc». Man verhütet nicht eine Gefahr, indeiü man sie leugnet, sondern indem man die entsprechenden Gegenmaßregeln ergreift. I» Deutschland und Oesterreich — dies muß ja zugegebeü werden — war und ist der dortigen Judenheit ein energisches und zielbewußleö Gesainmt einschreiten gegen de» AntisemitiSinns durch den OrganisationS nioduS der israelitischen Gemeind« äußerst erschwert. Hier in Frankreich aber ist daS Judenthum centralisirt. Herr Zadoc Kahn, «irnml-Iialiln» de France, daS unbestrillene Oberhaupt der jüdischen Kirche der französische» Republik. Ihm gehorchen nicht nur sämintliche Seelsorger der elf Eonsistorien von Paris, Phon, Bordeaux, Marseille, Ville, Rancy :c., sondern er erfreut sich überdies eines geradezu unbeschränkten Einflusses bei der hiesigen jüdische» Geldaristokratie. Herr Zadoc Kahn steht, waS Gelehrsamkeit und Gewandtheit im-weltlichen Bcrkehrc anbelangt, sehrhoch da, und darum gebe ich hier dem Wunsche Ausdruck, er möchte von den gewaltigen Mitteln,, über die er verfügt, zum Frommen der guten Snd)e raschen und energischen Gebrauch machen. Der Druinontisinus muß—mit Einem kräftigen Schlage in den Grund gebohrt werden. Ich habe, meine persönlichen.Be .Ziehungen z»»i gegenwärtigen französische» Ministerpräsidenten benützend, der Regierung des Herrn Eaxnvt meinen Aelionsplau unterbreitet; wen» der Zeitpunkt hicfür geköminen sein wibd, w.U ich dessen Grundlinien den Peseta deö „Freien BlatlcS" gerne vvrführen. _

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.