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Freies Blatt · 1893-01-15 · 41 (15.1.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
41 (15.1.1893)
Date
1893-01-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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i r Nr. 41. Freies Platt. Seite ü (2)ic Rettung des kleinen Mannes. Am d. M. hielt der liclicblc BolkSmann und klccichSralhSabgeordnclc Dr M vonnivftter auf Einladung des Vereines zur Hebung des (Gewerbes cincu „Aphorismen aus dein gewerbliche» Vcben" betitelten Vortrag, bei welchem Anlaß der gründliche Kenner der Berlfirltnisie nuferes BolkcS auch die vielbernfenc „Rettung des kleinen Mannes" durch die Pioniuerc der Rcaetion und besonders durch die Christlich 2oeialcn, besprach. Dr. Kronawctter sagte n. A.: „Leo heute zwei .Bereinigte (itorijtcir beisanimen sitzen, die in den Vucgerchid ("eßmannEon vcntitcln ihre Weisheit profitirl haben, wird es als ein Doama ge predigt, daß eö' ei» Iündamentalartikel der demokratischen Partei sei, den Handwerkerstand wirthschastlich zu rninircn —i daher miisse ein Handwerker, der nicht seinen eigenen und den Ruin seiner Iamilic will, vor Allein ein .Patentchrist' sein. Das ist aber «nicht wahr, und ich werde zu beweisen in der Vage sein, daß gerade diese Herren, die das Gewerbe täglich und stündlich .retten', die Dchnld an dem Rieder gange und Ruine der Gwerlie tragen. Durch die Maschine hat sich von selbst neben dem Handwerke ein zweites großes '('lebtet gewcrb ' licher Thätigkcil entwickelt, und eS ist natürlich, daß ein Gebiet das andere einschränlt- Deshalb muß Jeder bestrebt fctit,| eins seiüem Ge l-ieie daS Bollkommenstc zu leisten. DaS ist nun i'pcciell beim Harid iverke nicht 'der Iall. ES gilt als wirthschaftlichcs Gestb. daß gerade -Jlitifd, bei deren Erzeugung neben der manncllen Iertigteit auch eine geistige straft zur Anwendung kommt, bester gezahlt sind. •'Jiai|tcutlid) z igt sich dies beim Handwerker, nnd da tritt-weiters zu Tage,,, daß nele Meister nicht imstande sind, die den siele» sivriichrilien ent vrechenden höheren Anforderungen an die Arbeitsleistung des Hand s oerteS zu befriedigen. Denn wenn selbst Biele den techiiischen Tbeil eeo ('stwerbcS zur Roth beherrschen, so sind leider die Wenigsten im taiisniännischen Theil so bewandert, wie cs zur Iührnng des Hand' welkes nöthig wäre, und imstande, die Preise' ihrer Erzeugnisse riclftstl ,:i ealenliren, damit die stunden nicht rcherhalten "werden, sie selbst ihr lrovdcm einen bürgerliche» ('stivinn haben. Ta gilt aber vielstich aa Princip: .Man muß nach der stnndschast verkaufen.' Das ist i pivöhnlich so eine Art roher Einlommeneinschätzting, der sich die I 'künden unterziehen müssen, lieber dein augenblicklichen Bortheil über ■ vlifii dann die Veitte den dauernden Rachlheit: das zu. überdenke», i ann man heute bei den Handwerter» noch nicht 'erreichen. Ein Westeresch st die Regelung n»d Dchassung cincS ordentlichen gewerbliche» Eredil! .r.'ens. Wer das imstande ist zu bewerkstelligen, wird viel mehr gcthan! .labe» als jene Herren, welche die übermäßige Eonenrrenz nnd die Bermehrnng der ('Gewerbetreibenden als.Ursachen des Riedcrganges be zeichndn und Alles in Zünfte Pressen wollen. Am liebsten wäre es ja lest» Herren, wenn sie heute ein ("cscv dnrchbringen lönnlen, daß aas snnszig Jahre keine Rcnanmeldunge» im ('st'werbe angenommen .erden dürfen und diese Irist nach Ablauf NM noch weitere, hundert Jahre zn verlängern sei, t'alls es nothwendig erscheine. Das ist die gentlichc ('«ewcrbereför:» dieser Vente: wer ans dieses Programm als . ."andidal schwört, kann sicher sein, von den Wiener Gewerbetreibenden j .'wäblt zu werden. Aber auch aus dem. technischen Gebiete schaut es! .-nie trübselig »nd traurig anS. Durch die große ÄrbeitSiheilnng, die! .ule in fast alle» (bewerben schon platzgegrisse» hat, ist es unmöglich,! achiige Meister hcranznziehen. Ein Perlmutterdrechsletlehrling, der * ate znm Eieselle» wird, kaust nur eine einzige Perlmntterknopssorte : rsteücn, dieselbe, die sein Meister arbeitet, und doch sollte er als | rcchslergehilsc die Dtock-, Bein-, Meerschaum nnd Metalldrechslerei | luch verstehen, die Perlmntterarbeite» aber alle verfertigen tönnen. ragt man aber einem Meister, der.Vehrling lerne bei ihm nicht das; 'st'werbe, so kann inan sicher sein, eine siluih von Grobheiten zu j eren zn betommcn. Lein ganzer Meisterstol; wird sich enipören. ' ^teilt nun Jemand die einzig richtige Forderung, nämlich die Vehr l :»gc in ordentlichen Fachschulen heranbilden zn lassen, so wird dieses .!stnesiee nur einige» privilegirtcn Meistersöhncn, nie aber der Gesammt .!l der Vehrlingc zugute koinmen. Weh' dem, der diesen Vcnten sagt, -aß Jene einen furchtbaren Schaden anrichlen, welche von den BolkS- 'chnlsahren etwas abzwictcn wollen, und gerade die . letzten zwei die in ln-ntalein E.zoisnins iln D o » d e r i n! er^fi e' rersoig>.» Die begeben ein gewissenloses Berbrcchen." . Tic?rcchslri'gthilscn grstei, dir christlich svtiülcit'Mtistrr.i c-Alvtcccic liruiun, itt.v .jitiik-v v.k , „kimi jik*v. Iaht 0, ii denen den Kinder» ja erst der Knopf ausgeht, in denen sie etwas wn den Ratnrwiffcnschaftcn lernen tönnle». Wer das sagt, wird mit uisgesnchtcr Rohheit rnsullirt. Wer dagegen das alte Vicd singt, daß r Handwerker nur von den Inden unterdrückt wird, weshalb vorerst 'ie Juden erschlagen werden müßten, der ist der gefeierte Bolksman». ->e unwissender ein Mensch ist, desto egoistischer und roher ist er. In sicsem Egoismus verkennt er aber sein eigenes Interesse, ist er sein igener Und. ES ist nicht möglich, daß Einzelne reich sind, wo die '"eiciininthcit arm ist° Aber nicht die armen Irrcgcfnhrten kan» der Borwnrf der Unwissenheit und Rohheit treffen, sondern nur die Bersälner, die in erasiester Weise anS der Roth der M""n 'Annen ziehen, In Hernals fand Donniag eine von nahezu lüOti Gehilfen besuchte Drechslerversainmliing statt, in welcher das Beriahren der christlich'- socialen Meister einer sehr abfälligen ,'krilit »nierzogen wurde. Eine Anzahl von Rednern schilderte die traurige Vage der Gehilfen und bc ichwertc sich über die ^nsbenlnng christlich socialer Kleinmeister, der sie znm D vier sollen (''ehilse Wisto kündigte sodann einen,neuen großen Drechslerstrike an »nd sagte: ..C'erade bei den christlich sociale» Herren werden wir zuerst anfangen. Da rverden nur sehen, ob sie „ns menschenwürdige Vöhue gebe» wollen, nnd ob ihre christliche Rächsten liebe nicht bejjn (''eldsack aushör,." i Vebhaster Beifall. > Auch ein Drechslermeiftcr. Herr Gnnm'ann, roendete-fich gegen die phraien hasten Bersprechungeu der chlistlich soeial.cn ,rühret. Er sei Meister, erlenne aber doch das Recht der Gehilfen an, sich 'solidarisch ,gegen die Ausbeutung zu wehren. Da seien cS gerade die kleinen christlich soeicstsii Meister, die ihre ('Khilseu anSsaugen und überdies duriii »n loiiales Preisdrückeu dem'fortschrittlich gesinnten ('Gewerbetreibende» es unmöglich machen, seine Arbeiter so zu zahle», wie er möchte. In großer Erregung rief der Redner anS: „Wenn ich'ehrlich'bleiben nnd dabei doelf 'so gut zahlen. will, wie eS nothwendig^ ist, um von den Arbeitern nicht als Ausbeuter betrachtet zu werden, bin ich in kürzester Zeit rziinirt. Ich' kann meine» Vaden dann sperre» nnd selbst Arbeiter werden. 'Gerade dieHerre» Ehristlich Doeialen, die so viel über Dchmntz eonenrrenz jammern, sind die ärgsten Dchninpeoneurrente»!" lVebhaster Beifall.) ('Vehilfe Wisto beantragte hierauf, die Bersammlnng möge die christlich-soeiale. Genossenschasisvorstehnng anfsordern, ldeni t'kehilsen obmanne ans dem ans „Arbeikertrenzer»", dem sogenannte» A.nsdinggeld n. dgl. stammenden, '.E.l-il.f sl. -betragende» ('''cnonenichastsvermögen eine Iahresremniicralion von WO fl. zn gewähren Unter dem stürmischen Beisalle der Bersammlnilg bemerkte-der Redner,' ein Znln lasser sei. den Arbeiter» lieber - als ein christlich'socialer Meister, da diese Vctzteren ihre Arbeiter langsam anssresie». Rachdem »och mehrere Redner ihrer Opposition gegen die christlich socialen Meister Ausdruck gegeben halten, schloß die 'mehrstündige Bersammlnng mit dem „Vied der Arbeit". In Antisemilcnversamnitnngen hört man so viel von „Ansbentnng"nnd „Dchninsconcurrenz": Arbeiter aber tlagen die Herren Ebristlich Docialen au, daß diese es sind, welche ans d »i «'ie. biete des „Benichelansnehmens" nnüberlrpssen dastchcn. - «Allkistllllkischt Mtlllicrcn.l Im verflossenen Monate befand sich in Dtalehnc)'s Etablissement in Hirn als eine fröhliche Gesellschaft, darunter der ('Geschäftsmann^ Heri.I. Kndlitfchck nnd -der Vien'-- tenant Herr Er h. Ingerl. Im Varife des 'Abends kam eS zwischen dem Dsneier »nd einem Apotheker namens Anton Haller zn einem 'Woz'twechsel, da der Vieutenant den Apotheker wegen denen nnpasscMden Benehmens einer Dame gegenüber zur Rede gestellt Hane. Als dies nichts fruchtete nnd Herr Kudlitichet silrchten mußte, es werde zwischen dem Dfsieier und Haller-zn einer.unliebsamen Decne tommen. sah er sich veranlaßt. Veplereu in nicht.»»höflicher,, aber -bcstiivmter Weist ansznsordcr», sich zn mäßigen und'die «"esttlichast zu D'erlcsne». Dar anfhin fuhr Haller, der) sich »nn als strammer Anii'emit enipnvpie. Herrn .'indlilichd, indem er ihm mit der Jaust euren D'ioß in den' Verb gab, mit'den Worten an: .<Dchan. daß d n ab fahr st, I>,il d e rr b n b '.‘i Da Hakler' aitcheinen der anwesenden Ds'ieiere beleidigt halle, welcher nach den militärischcir Ehrengeseven verpflichtet war, lich E'cnngthnnng zu vcrschanen, so wurde der ('stgncr am irächlien Tage zu einer Besprechung über - die Art der zn leistenden ('stniugthnnng eingeladr». Diese Znsamiiienknnft fand einige Tage später ftatl, iuid Herr 'Kudlirschet war ebenfalls anwesend.^ Als »nn einer der Crfieieve eine entsprechende Ertlärnng avgeben wollte, siel ihm Haller' ins Wort und schrie, er werde niclit weiter verhandeln, denn cs sti ein „elender Dchüft", „Dennnestrnl" und „iüdiicher V. . . b»b" anwesend! Er werde die Berhandlu-ngen nicht wieder ansnehme», so lange sich Kndlilschck arkr Tische befinde Herr .'indlitfchet erhob sich, srvte sich a» einen andere» Tisch, von dein ans die Ber Handlung, die nn» fortgesetzt wurde, nicht genau gehört werden tonnte: der Beleidigte hörte aber weiters wie Herr Haller mit den niedrigsten Lchimptworlen. wie „elender D-chusl", „elender Indeiihnnd". auch die Drohnng ansstieß, -c r werde d eIndcnb e n g e l, rv e n n e r ihn' erwische, wie einen tollen Hund Niederschlage» .Herr Kndliljchek strengte'hieraus die Ehrrtibcleidigniigsklage gegen Haller an. und am 1«». d. Pc. tand ^>or dem Bezirksgerichte Alsergr'nnd die Dchlnßvcrhandlnng in dieser Angelegenheit statt, wobei der wackere nnh gesinnungstüchlige Antisemit zu einer (" e l d st r a r e^v o n d r e i ß i q ('Hilden verriet heilt wurde. Zn bemerken ist, daß. der von Halter Iikfiiltirte — fei» Jude ist..

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