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Freies Blatt · 1893-01-15 · 41 (15.1.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
41 (15.1.1893)
Date
1893-01-15
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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feite 4. freies Blatt. benito auf eigenen Füßen stehe». Tic jüdischen Eolonien fit Amerika find noch zu jungen Talnms,- znm Theil erst im Entstehen, so daß ein llrtljctl über dieselben noch nicht gefällt werde» kann. Wir sehen ans allen diesen Angaben, daß überall, wo die Gesetzgebung sie nicht daran bindert, die Anden beim Ackerbau und beim Handwerk, bei letzterem sogar zu einem im Berhältniß zu ihrer Gesammtzahl sehr bedenkenden Pereentsatz, betheiligt sind. ^Iir MajoritätSbildUIIg.) Tie von der Regierung in diesem Augenblicke geplante Parteigruppirung zur Bildung einer Arbeitsiiiajorirär für das' Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrathes verursacht den Antisemiten peinliche Gefühle, wie sich denke» läßt. Die kleine Fraerion, die sich uni die Herren Lueger und Liechtenstein 'chaari, batte sich schon, zu lebhaft in den Gedanken eingelebt, sie werde das Zünglein an der Wage bilden, und einzelne antisemitische Großen ballen sich schon recht warm und wohlig in der Rolle des „tommenden Mannes" gefühlt. Zudem beliebt sich die antisemitische Elique gern mit dem stol^n Titel einer „wirlhschastlichen Reformparrei" zn dravire», und nun droht wirklich eine Parteigruppirung zu eulfkeken, welche mit Hintansetzung aller politischen und nationalen Parltifonderwünfche ausschließlich zu dem Zwecke wirthschastlicher Arbeit rnsaniinenlrill. Tas ist schmerzlich. Was wird das Volk in Hinliuisk zu den Tiradeu und Ansschneidereien der Anlisemiten sagen? ES ist daher nur -,n begreiflich, wenn die Antisemiten der von der Regierung bcabfichiigien Parteigruppirung eine andere entgegenftellen und dieselbe der Regierung zur gefälligen Taiiachachlnng zu empfehlen bestrebt sind. Viechlenstein — dem von „Bplksblatts" «s'naden der Titel „Fürst" enlieilt wurde — hat iiingftljfii erklärk, daß eine (Gewähr für eine gedeih c;d)c Weiierenlivicklnng unfein', politischen und wirlhschastliche» Berlmllniffe nur in einem Zulammeuwirken der Eonservaliven, Teuljch »alioiralen und Anlifemileir gelegen fei. Tas inipirirle „Fremdenblatt" in fo nnböf.ich, tiefe ,. fürstliche" obee abfnib zu finden, und nennt eine solche Griippirnng eine für die Eonservativen jedenfalls ügenartige Zusammenstellung Aber mich das . von der Witwe Zang sonteiiirte national-antisemitische .Grazer Tcgblati" scheint über den Einfall. Viechrenstein's nicht besonders entzückt zu sein und lehnt eilt Zusammen geben der .Tenlfchnakionalen mit den Ehristlich Socialen und Eon lervatiren-entschieden ab. weil das nationale Glallbensbekeitiuniß der deutschen zscaiionalpartei ein s.lches Zusammengehen trotz der zwischen t.u wiribickiastlichen Programmen der drei Fractionen bestehenden Benihrungspuiilten verbiete. Tas wiener Trgan der Ehristlich Socialen _—bemerkt hiezu: „Wenn von der Bildung einer Majorität unter Mit Wirkung d^r Eonservaliven, Terilschnationale» und Antisemiten ge- * 'vrochen wird, dann bandelt es sich nicht »in eine nationale oder volitiiche Pc'ajorilät. sondern um eiiie-Majoriläl zum Zwecke der Turchsnlirruig socialer ffreforiiien. An einer solchen Majorität könnte die Rationalpariei ganz -gut neben den Eonservaliven Platz finden, ohne auch nur ein Tilelchen' ihres nationalen Glaubensbekenntnisses preis •,»geben. Unterwirft die Bereinigte Vinte' dem Grasen Taaste sich nicht, dann wird die Rationalparlei mit den Eonfervativen für das Budget fmnmeu; und bei den soeialpolitischen Borlagen, die von der > Vicgieiung voibereitet' iverden, dürfte daS Gleiche der Fall sein. Tie Ecoveralion der Rationalparlei mit den Eonfervativen ist dann that- ' .restlich vorbanden." '.'Ill'geiehen davon, daß die Führer der deutschen Rateoualpariei 'ich für die durchdringende Borarlssicht der Weisen ans. : der Vinfen Bahngaife schönstens bedanken werden, sinden wir die ungcir hnliche Tenkthäligkeil des „Tenttchen Bolksblattes" höchst über V tlü'stg, da bisher von einer.'„Znsammeiitretnng" der Herren Lueger und ■EiiinmenK'. mit der Regierung in Lachen einer antisemitischen Ma- :ori:ärsbildung nichts bekannt ist. Tic iciudlichc» Brüder.' Tas journalistische Haberfeldtreiben '.wischen Eleriealen und Antisemiten dauert einstweileri fort. Tie ...'s -neu Tiroler T rimmen", eines der beliebtesten Sprachrohre der Eviseovale», charallerisire» die Anlisemiten in folgender, für eine „christliche" Partei wenig schmeichelhafter Weise. „Tie führen," schreibt in dem erwähnten Blatteein Katholik, „das"Ekristenthn»r im Munde, staben aber von denen Wesen, Gesetzen und Ausgaben keinen Begriff, llubegreislich ist mir als Katholiken, wie so viele sich' conservativ nennende Politiker und namentlich Jene, welche sich rühmen, zur scharfen Tonart zu gehören, -,tt dieser Partei hirureigen und mit ihr sich besrcnnden können! Veider ist es io. Man fpcculirt von Seite der antifemili'che» Partei auf den .unteren Elerus. um denselben in Gegensatz zu t u Bischöfen zu bringen-: und viele Führer rühmen sich, den ittngeu Elerus schon in Händen zu haben. Ter .Antisemitismus birgt eine Aroße Gefahr für die Kirche in sich. Nr. 41. Ter Antisemitismus hat die christliche Bewegung in Wien erstickt. Die Lehren des Ehristenthnmö führen nicht gegen' die Bischöfe, sondern fordern die Unterordnung gegen die von Gott gesetzte Autorität. Herrliche Worte hat der hochwürdige Bischof von Linz gesprochen; möge» dieselben von allen Katholiken recht beherzigt werden, pnd wie beantwortet Pas .Deutsche Bolksblatt' die oberhirtlichen Worte? Mit einer frechen. Kriegserklärung! Wie lange werde» vielen Berblendeten die Augen noch verschlossen bleiben? Ahr wollt gegen die Juden ziehen und merkt nicht, daß man euch gegen die Bischöfe führt und euch den Boden untergrübt, ans dem ihr zu stehen vorgebt! ES kan» nicht mehr lange so fortgehe», daß man im Rahmen des Ehristenthums kämpft und dabei besten Fnndamentallehre» ignorirl und mit Füßen tritt, daß man die heiligsten Fäctoren zu parteipolitischen Zwecken ausbeutet, nur um eine .Hetze' zu insceniren und die Gimiüther aufzuregen. Die katholische Kirche hat viele Stürme überdauert; ihr, müssen sich Alle innig anschließen, welche die Wunden heilen wollen, welche der moderne Viberalismus der Gesellschaft geschlagen hat. Dem ,A » t i semitiSmnS' wohnt keine civili satorische K rast innc: er ist nur ein zerstörendes Element unb auf dem besten Wege, sich zu einer S ectc auszubilde" «Lind die Lehrer antisemitisch?) Ter „Teutschen Zeitim.g" entnehmen wir folgende von Josef H o lcza b e k, einem bekannten Fach manne, herrührende Ausführungen: j An de» SchlachtenbiilletinS bei de» unterschiedlichen Wahle»; in Ber sammlniigen politischer Bereine, auch sonst i» Debatte» der verschiedenen Ber treinngstörper und »och mehr in Privatzicleln wird der Lehrstand als zu seinem größten Tbeile.kein Antisemitismus huldigend dargestellt. Damit thm ma» diesem Staute als solchem ein großes Unrecht, mit dieses tarnt in seinen Folgen unberechenbaren Schaden herbeifiihren; den» die, sortschrittliche Partei eulsreiudet sich dadurch der Vehrerschast, die angeblich ihre» Gegner» Gcsolg schasi leistet, »ud diese ent«,eintet sich jener, weil sie dieselbe nicht mehr zu ihren Freunde» zahlt. Diese Perhälluiffe, vo» de» Gegner» des Fortschrittes gut auSgenützt. könncii so iiianche schwere Perwirrnug schasse», und e-s ist daher geralbe», den angeblichen AntiseiniiisinnS der Lehrerschaft etwas scharfer aufs Xorn z» nehme». So wie es bei de» Toctoren, Beamten, Geistliche», Aour uäliste» und sonst noch i» de» andere» BerufSclassen eine größere oder kleinere Anzahl von Anti'einiten gibt, so gibt e-s auch eine Anzahl Lehrer, welche diestmi häßlichen Auswuckve politischer Berwilderuug angehören, verschämt oder unver schämt Wenn null ein solcher . antiiemtlifcher Lehrer i» der einen oder anderen Art in irgend einer Bersaliiiiilnng spricht oder sich sonst irgend seiner: Partei enlsprechend benimint, io wird mit diesem Lehrer gleich die ganze Lehrerschaft hart iiiitgenommeii, und doch fällt es Riemandem ein. alle Toeiore», alle Beamten, alle Geistlichen, alle Aonrnalisten des rohen AniiseiniliSlniiS zu zeihen, weil eine Anzahl derselben Antisemiten sind. . Tie Lehrerschaft ist nicht a i, ti se in i lisch, man thnt ihr wissentlich oder unwissentlich tut recht, wenn nta'tt s i e als so l ch e, be;e ich ne t. AedeS Fahr nndeit fast in allen .stronländertt der Westhältte unseres Reiches große Landes Lehrer versammltingen statt, und es vergeht keine Woche, wo nicht in irgend einer Stadt eine Lehrervereinssitznng abgehalten wird, und derjenige Lehrer, der in einer dieser Bersatnmlnngen den Mnlh hätte, dort antisemitische Wühl arbeit zu treiben, der würde das nur einmal gewagt habe» Allerdings könnte »tan dagegen eintveiiden, die Lehrerschaft sei klug genug, ili:e antisemitische Parteistellnng nicht vor die große Tessetillichkeit zu bring«!, abcc . inSgeheiin sei sie doch der.Schleppträger Liechtenstein's,- Schneiders, Lneger's. -Aber wer das behauptet, leniit die Lehrerschaft schlecht ^ober nicht. Diese lau tu näit.lich, falls sie in ihrer Majorität antisemitisch wäre, ihre Parteirichlnng absolut nicht verbergen, und sie wollte es gewiß auch nicht, weil ihr der Mutder Uebetzeligung gewiß nicht.fehlt, geradeso wie dieser Mnlh auch den einzeln»» ihrer Mitglieder nicht fehlt, welche rücksichtslos ihre politische Meinung auf den Mark; tragen- Tie Behanptnitg, daß der allergrößte Theil der Lehrer fort schriiuich und freisinnig gesinnt ist, kann durch Hunderte von Beiveisen erhärte: werden, fast jede Lehrerversammliing lind fast jede Wahl bietet einen solchen, und ztvar bei den Lehrern in der Stadt wie auf dem Lande Und Unkenntnis! oder auch Böswilligkeit sind es, welche'die Lehrerschaft als im anlisemtliichen Lager stehend bezeichnen. Ter Sache des Fortschritte» huldigt die übergroß:. Zahl der Lehrer, diese lötinen nicht anders, -sie müßten sich denn ihren eigenen Ruin herbeisebne»; aber leider sieht diese Lehrerschaft in manchen der bernsencii Wortführer der Fortschrittspartei nicht mehr ihre Freunde, sondern ihre ve. steckten oder offenen Gegner, und weil sie diese dann nicht jubelnd auf den Schild erhebt, weil sie von ihnen eine gerechtere Benrtheilnng und wobst woUeildere Berücksichtigung verlangt — so ist sie „antisemitisch", wird'mit der großen Zahl der Feinde deS Fortschritts in einen Topf geworfen, und es wird über sie samml und sonderS der Stab gebrochen. Das ist ein offenbares Un recht, und eS ist in Znknnft zu verhüten zum Nutzen der Lehrerschaft, aber auch zum Nutzen der so schwer um ihre Eristenz kämpfeuden Fortschrittspartei, ist der alleinige Zweck dieser Zeilen.

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