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Freies Blatt · 1893-01-15 · 41 (15.1.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
41 (15.1.1893)
Date
1893-01-15
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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nt. 41. ‘ Freit s Ende des israelitischen StaatSlebcnS schreiben: „Was n»s betrifft, so bewohnen wir weder ein Küstenland, noch haben wir irrende an ' Handelsgeschäften und stehen darum auch nicht riet int Verkehr mit Änderen. Unsere Städte liege» vom Meere weit ab, und nnscrc Be schäftignng ist, das gute Vaud zu bebauen, da» >vir bewohne»." Bon de» außerhalb- Palästinas lebenden Inden wird uns schon alzs früherer -Vit berichtet, daß sic den Handel gefördert. In Egypten nüd besonders in Alcrandricn trieben sic Handel und Schifffahrt. Poch gab cs auch unter den alcrandrinischcn Juden viele Handwerker, die sogar in Ö'c' nosscnschaften organisirt waren. I» der Synagoge in Alexandrien yattc» die Goldarbeitcr, die Silbcrarbcitcr. die Ragcl und 'Jiabcl ichmiede, die Kupfcrschmicdc, die Weber ihre besonderen Sländc und Bünte, und ivenn ein Handwcrksgcnossc hincinkai», setzte er sich zu 'einer Innung, die ihn solange unterstützte, bis er Arbeit bekam. Tic Inden des fränkischen und bnrgnndischcn- Reiches betrieben Ackerbau, (bewerbe niid Handel: ebenso die Inden Spaniens, woselbst int Jahre 000 die (iaiuilic Jbn Ga» bedeutende Seidenwebereien Halle und die Kriegsfahnen mit kunstvoll' cingewcbtcn arabische» Sprüchen für de» König lieferte. Sic Jude» Griechenlands beschäftigten sich viel mit Seidenraupenzucht, mit Pflanzung von Maulbeerbäumen und Scidcnspinncreien. Im französischen Reiche wurde Acker und Weinbau von de» Inden in großem Umfange getrieben. In Sieilicn waren fast alle Handwerker Inden. Als gegen Ende des XV. Jahrhunderts ffitf Befehl Ferdinands des Katholische» die Vertreibung der Inden ans Sieilicn dnrchgcführt werden sollte, erbaten die Mitglieder des königlichen'Raths unter dem Vorsitze des Großjustitiars Tommaso Moyeada, t^rascn von Adano, für dieselben einen Ausschnl> unter der Begründung, daß „fast alle Handwerker Inden sind. Wenn diese alle uii ein mal abzichcn, so wird für die Ehriste» ein Mangel a» Arbeitetn sich Herausstellen, die geeignet sind, den Bedarf von mechanifchcn t^cgenftändcii und besonders von Eiscuavbcitcn, sowohl. z»m Be ichlagcn der Pferde, wie für Erdarbciten, wie auch zur AnSrüstung ven-Schiffen und anderen Falstzcngcn zu liefern". I» demselben Jahr bundcrl waren die 1 Jude» in Eastilicn Acugwcber, Goldarbeiler, Jiiiiinerlcule, Barbiere, Müller. Schuhmacher, Schneider, Kupserielmiiede, Sattler, Seiler, Töpfer, Wagenbauer und Knopfmacher. In Bolen gab cs int Jahre 1 .».'10, wie in einer dem König Sigmund l. über reichten Schrift erwähnt wird,-fast gar keine christlichen, doch circa HUHU jüdische Handwerker neben 3200' jüdischen Kanfleutc». Ter ganze Handwerkerstand war, wie in jener Schrift im Einzelnen ans geführt wird, fast ausschließlich durch Juden vertreten. Wie die Jude» jedoch durch das Verbot, Oündcrcicn und Häuser;» >nwerben, allmälig von der Bodenbearbeitung zurnckgedrängt wurden, '°o 'ächte inan sie auch vom Betriebe des Handwerksanszufchließen. V-iil Jahre 1412 erließ die Regcntschaft voik Aragonic» -ein Ediet, das den Juden 'verbot, irgend ei» Handwerk zu treiben; ein gleiches Ediet •Ujif; Papst Benedict XIII. im Jahre 1417»; Pius V. verbot ihnen 1 •irgend ein anderes Geschäft als Trödclhandel zu treiben. „Tic ganze Ausbildung dcS gewerblichen-Gebens und Jnnnngswcscns," schreibt Slvbbe, „schloß den Inden von jeder Thcilnahmc am Handwerk nnd Handel aus, und cs blieb ihm leine andere Wahl, als vom Schacher . - d Wucher zu leben: der mittelalterliche Staat ließ ihnen keine anderen et'rivcrbsqncllcn." Per Ausschluß vom Ackerbau und Handwerk dauerte 'ni. bis die französische Oicnnluttoii nnd ihre folgen ihn aufhob: in ::em großen Thcilc Deutschlands wurde mit den Beschränkungen erst -n Jahre 1848 völlstündig aufgeräumt: Deutschland haben sich gegenwärtig bereits viele Inden dcyi .s>iiidwcrkc wieder zngcwandt. Eine Bcrnfsstatiftik, bei welcher auch die Eoiifei'sion berücksichtigt ist, cxistirt in Deutschland nur für Preußen, '.nid zwar für das Jahr 1882. Die Angaben -derselben, wie viel Inden -» Preußen den verschiedenen Bcrnfsclassen angehören, durfte von ,'nieressc sein. Der Vandwirkhschast, (Gärtnerei und Znchtcrci widmeten nä> >» Preußen 1 <143 Inden, der Forstwirthschast, Jagd und Fischerei •U-_ dem Bergbau- und Hüttcnbctrieb, der Salz--und Dorsgewinnung der Industrie der Steine nnd Erde 100, der Metallverarbeitung der Verfertigung von Maschinen nnd Apparaten 7>02, der chemi ä> ii Industrie 270, bei», (bewerbe der Ocnchtstofsc, Fette nnd Harze - i2. der Dcrtilindnstric 1725, der Papier- und Lederindustrie 1.808, '.r Jndnslric der Holz- und Schnittstosfc!>83, der Industrie der A'ahrnngS- und Gcnnßmittcl 0272, dem BcklcidnngS nnd RcinigungS- H-oerbe 1.0.847, dem Baugewerbe 1311, dem Buch und Kmiftdriick -'4, der KunstbildncrciII*, Gewerben unbestimmter Art 107, dem Paaren - und Prodnctxnhandel 03.71Ö, dein OJclb und Eredithanhel dem Buch-, Kunst- und Mnsikalicnhandcl 47)0, sonstige» ' Eandelsgcwcrbcn 0702, dem BcrsichcrungSgcwcrbc .212, dem Post-, gclcgraphcn und Eisenbahnbetrieb 182, dem Fuhr- und Frachtwesen -'^4. dem Wasicrverkebr 83, dem BcherberanngS/nnd Schankgcwerbc Blatt. Seite!!. 307>7, dem Heerwesen 02'!, der Verwallnngs und ücechisvflege 1 <)7< der Religionspflege, Erziehung und dem llnterricht . 2.V.'.'!, der t'v snndheitS. und Krankenpflege 1000, der-Schrifisielterei, Bi'nsitaiisiil'iing und Schaustellung '00'», Rentiers, Pensionäre, Zöglinge, Ansialts insaffe». ivnrdcn l7.«»'.»>. -ohne BcrufSangabc 2.'»«», Dieiulboicn zur Bedienung 8000, Angehörige ohne Hanpterwerb 220.11«!, in'Summa 87)7.7»7)4 - Statistische Mitthcilungc» finden sich ferner vor für Rußland ans dem Jahre 1887, nnd zwar für die. l.'> Goilverneinenks, in denen den Juden der Aufenthalt gestattet ist und die nich'i iiijHfti' Weichsel liegku. Unter 2,4« >4.27)0 Inden waren, abgesehen von den Flößern, den Hand langer», Fabriksarbeiter», Waldarbeiter» und Steinsetzern, deren Anzahl nicht fcstgestcllt wurde, 883.37)8 Handarbeiter.‘ Hiezn gehören 11,.718 Hiitmachcr, 73 018 Schneider, 47».-*38 Schnhmacher, 20.181 Tischler, 14.172 Schlosser und Schmiede, 11.487 Dachdecker und Ziniüicrlcnte, -'>7,02 Gärtner, <>2 Schriftsetzer nnd Drucker, >7>t»l Seiler, 4202 Bcüller, 18.778 Fischer und Fleischer, l8.87>2 Kutscher, 17.7>07» Schornsteinfeger, .Holzhauer, Pflastere'.' und Erdarbeiter. Die jüdischen Handarbeiter Rußlands bilden I7>0 Pereenl der Indischen Bevölkerung. In' Preußen bilden die Handarbeiter überhaupt nur O'l Pcrecnt, in Frankreich lO'ti Percent, in. Rußland nur ca. l Pcrccnl der Gcsammtbsvölkcrniig: cs gibt also in Rußland vcrhälrnißNiäßig 17»»al mehr jüdische »ls christliche Handarbeiter. Achnlichc Verhältnisse liegen in Rumänien vor. Dr. Kl-.ruber, früher BczirkSarzl in Jassy, schreibt: „Einzelne christliche Arbeiter ans gcnomnic», ist das Handwerk ausschließlich in den Händen der Juden. Schneider, Schuster, Tischler, Bildhauer, Spengler, Kupferschmiede, Zimmermaler, Gold- und S'ilb.rarbciter, Ilyrinacher, tßelbgießer, Müller, Brotbücker, Wagner, Vackircr, (Berber, Maurer, 'Fiuunerleutr, Schmiede, Schlosser u.. s. w. sind fast nur durch Juden vertreten. Die Zahl der jüdischen Handwerker ist so groß, das; fast jede jüdische Handwerkerinnung in Jussy ihr eigenes Bethaus hat: so befinden sich dort eine Schuster-, eine Schneider, Maurer-, Musiiker, Ziiikmermaler synagvgc n. a. m." lieber die Inden in ("lOyieu sagte der gegenwärtige Präsident dcS östcvrcichifchen AbgcordnetenlianseS, Ercellenz r^-Smölka, int Jahre 1 *08: „Auch ist cS nicht lange her - die Herren, welche in mcincm Alter oder älter sind, werden 'sich wobl erinnern —, daß besonders auf dem flachen Oandc cS fast gar keine anderen als jüdische Handwerker gab, und wenn man eine» Anzug brauchte, eine Ezamara, einen Koiilusch, eine» Pclzrock oder eine Mütze, Osiascrarbciten, Blechsachen, Schlösser, «öoldschyiiedearbeiten, Uhren u. dgl., so ^machte dies Alles der Jude, und erst seit kurzer Zeit änderte sich dieser Instand zu kilnnst'e» der Ehristcn und wird sich - bei gehöriger Gewandihcit der Ehristeü unfehlbar »och mehr ändern." Für. Ungarn dürften die. Verhältnisse iii der Hauptstadt Pest, für welche eine.Statistik ans dem Jahre 1**1 eristirt,- als maßgebend.zu erachten fein. 'Bach derselben sind 21 Per .cenl der jüdischen Bcvöltcrung bei-der productiven Jndiistrielljäligkeii. 8,018 Täglöhncr, Arbeiter nnd Dicnitinänner, d l>. *21 Percciu bei den persönlichen Dienstleistungen beiheiligt (s'ewiffe.H»rndarbeilen bilde» auch in anderen Vändcrn fast ein'Monopol' der Inden: die Diamantschleifer in Anisterdain, die' Bernstcmarbeiter. in de» S stfeeprovinzen, die Hafenarbeiter in Smyrna sind säst durchweg Inden In Süd -marotko sind die Inden Büchfenschiniede, Blechschläger, Tischler, Schneider nnd Schuster, in Bengasie und D'chebel t^hurian Ö'pld und Silber schmiede, in Kleinasien Vastlrägcr und Taglöhner, in Daniastns n»d Bagdad Bäcker,, Färber, Schläckitcr, Goldschmiede, Weber nnd Schuster, in Kurdistan Schafhirten, in Persien Seidenirsinner, «'siasickileifer, «'«oldschiniede, Juweliere: in Arabien treiben selbst die Ralchiner »och schwere Handwerte, die meisten'Juden sind dort '"old »ad Silber arbeiter, Sckunicde, ^immerlciite, 'sierber, Schuster, Schneider, Kiirich.ier, Töpfer, Tabatarbciter u, s. w. , Auch dem Vandban haben sich die Inden trotz der ungünstigen Bedingungen, znil denen sie zu rechnen haben, vielfach bereits ivieder zngcwandt. In Deutschland gibt cs bereits eine nicht geringe .-jati! von Inden ans dcili Hände, die der Vandwirthschaft als ihrem.Hauptberufe obliegen, nnd wenige jüdische Familien auf - dem Vande und in den tlcineu Städten, die nicht einige' Acker besitze», -dje sie selbst bebauen. Die ^ahl der jüdischen Ackerbauer in Galizien in ca. '«>>.' >: in Ungarn ist die ^ahl der jüdischen Vandwirthe,nnd Weinbauern cbensirils kcincgeringe. Jüdische Ackcrbaucolonicn besikiden sich in Rußland., Palästina nnd Amerika Dic 42<t jüdischen Ackerbancolönien in üi,iß land haben eine Bevölkerung vop ca. 07».UOO Personen Trotzhem dieselben' Jahäzehntc hindurch dcr> rücksichtslosesten Behandlung seitens der Eolonialbcamtcn anSgcsetzt waren, müßte erst.am >7. September 1802 der russische Minister Ssiromsky auf einer Jnspeckionsreise den guten Zustand derselben ancr'tcnncn. In Palästina i sind seit dem Jahre 18*2 siebzehn jüdische Eolonien' gegründet, von denen sieben i

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