Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 41 (15.1.1893)
- Date
- 1893-01-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 41. Freies nubc, »och übt er sonst einen Einfluß auf die Richtung des Blattes auo -:'i In Rr. 2 der „ReodviSlost" wurde der Standpunkt des Blattes den bilden gegenüber nt einem Artikel: „Ter Antisemitismus int Parlament' und in unserem Blatte" auseinandergesetzt. Tiefer Artikel betagt: Ten Wiener Ant.i'einiten loinntt die Centralisanon sebr zu statten; sie laben ’o billig einen Platz erworben, wo sie vor der ganzen Welt durch einige jibrer Abgeordneten die jetzige soeiate Irage ans .(tosten der Inden löten wollen.^ s.'R.tt, kann nieltt^tengnen: in ihrem Eifer, und in ihrer Rucksicktölosigkeik int Parlament sind, sie wahrlich bewnnderunzswnrdig, und sie könnten auch mancher tniTcii'iflioit Cppcuticn al« Muster dienen. Tie unterlasien auch die kleinste Gelegenheit tti.lt, um mit ihrem Hane über die Inden herzniaUen, und wälzen ant die T.bnltern dort'elben ein jedes ioeiale Elend und jede llngerechtigkeit. k>ier aber sind die Antit'einiten lnr;siciitig. Tie Nebel, welche die Antisemiten nn> die. Inden ivälzen, haben nicht bloß in den Inden, sondern in den heutigen jN.si-Usihajtliclten Berbälintnett ihren Ur'prnng.- Bei der heutigen allgemeinen ,I.»gV nael» Bermögen jagen nicht bloß Inden, sondern . auch Christen — Alle jagen! Ter Jude in da soweit im Bortheile, wenn er im rlsitrano schon reicher stsi, er in aber dadurch wieder im Aachtheile, daß er alS Jude sich von 'dem breiten Hau'en-der Christen nntericheidet und in seiner ürbens- und Handiuugswen'e mehr bemerkbar ist. Ein Jude wird von hundert Christen beobachtet; aber die Christen beobachten - sich nicht untereinander. Tesioegen kommt e:• rer, daß eine schlecine Thar, wenn sie ein Jude verübt, gleich in der 'Temnitlichkeit verbreitet tvtrd, wogegen fünf solcher Thaten, von Christen verübt, jtnbeinertt bleiben. Es möchte,uns zu weit führen, wenn wir hier den Ursprung sc-? Hai»'»'-) gegen die Juden »veiler auseinandertehen wollten, n » S handrlt es »"idt bloß darnm;:t zeige n, daß der A»t i>'e mitismns unrichtig i:. d engbertig isi. weit er in einem jeden Inden einen schlechten Meulchen, sc: da» Wob: »einer Mitbürger gefährdet, sieht; lind daß es' Uiikenntniß der lz :t w, t; T.tt man die feciale Rotblage aus Rechnung des Iiidenthnmo silti.bt . .. Wenn dte Indenichast eine verhältnißmäßtg größere Zahl in Bezug tt'.t» m.’.f.ibe Becbrechen und llebertretnugen att'weist, bat es hieriit setnen l»':t:nd. daß d:e Inden sich hauptsächlich mit Handel und Tpeenlation befassen, n tvelchen Iachetn si.l die größte Gelegenheit zu schlechten Ttöeichen bietet; fei cn eitt aue« Tprichwort >'agt: „(Gelegenheit macht Tiebe." Wir sind le rne p r i ne ipie, den Antisemiten: wir halten nicht einen Inden schon sin Bo:?»:«. weil er ein Jude ist, für einen schlechten Menschen, »velcher ans t'r Wä ii l an ansgeschiedcn werden »oll. lltih doch stellen,wir uns vom allgemeinen und auch vctu böhmischen Ttandpnufte gegen die Inden, aber bloß pe>: »v manche Inden, und zwar gegen solche, welche, obzwar sie inmitten ler- Bo t. 'au'a'sig sind und durch da-:-»'etbe sich ernähren, mit ihm nicht leben Pollen, si.l rl.tn gegenüber hoher stillen und »eine Enttniilbigkeit und Unst'abret h.tt anonnt-en. Vom böhmischen Ttandpttnkte aus stellen »vir uns auch 'legen d:e Inden, »vel.le. ehztvar sie im und vom böhmischen Bolle leben, als ' | e;; t Or e ha nd . ln, deutsche Tchnlen gründen n. i. w. Man »vird nnS Attwenden To sind aber alle Inden in Böhmen: söeial nützen sie ans, .tatena! sind »:e entivede'r deutsch oder Amphibien, tönt! Wenn Alle so sind, tle:reit wir gegen Alle Stellung nehmen, aber nicht tveil sie Inden sind, 'pndeen iven sie >'o sind! Ictemand, der objeetiv denkt und die Berhältiime in Böhinen kennt, wird - in tiefem Artikel die atitiientitiidK Richtung Schönerer's oder Ht.chtem'tcin's finden, sondern gerade das Gegenlheil. Wenn der Beifgt'er die'es Artikels »o wie ein jeder andere -Böhme fordert, daß die finden, welche in der Mitte des böhmischen Bolkes leben, sich nicht rational, und gesellschaftlich gegen dasselbe stellen, sondern mit dem- 'lelben fl» beit sollen, »eben wir darin gerade einen dem antisemitischen ■i:■tfleflcttflc'eeteit Ttandpunkt, denn die Antisemiten wollen die Inden sns der (Gesellschaft ansfchiidon und sprechen ihnen das Recht ab, sich »int n.ttisnaien und bürgerlichen Heben ZU betheiligen. Taß bei den '1!::»■» bisher der Antisemitismus von der Art Schönerer's oder Hnchtcnst. »: s nicht anfgekomtnen ist, beweisen am besten die Wahlen, tl: t;v .:::;ffle antisemituche Zähleandidat Redaclctir Hit sek in >: n d dessen Bor orten es nicht aus ein Tutzend Stimmen Ringe» kannte, wie er auch in jüngster Zeit in Pilsen als von 't; c:gc> en Blatte ausgestellter Eandidat von 2000 abgegebenen ^ntt tnett i.oß acht erhalten hat. To viel glaube, ich der Wahrheit ittifiilireit zu müssen und wünsche meinen Glaubensgenossen, .V; tbc»! ::rg»srliche und gesellschaftliche Ttellung nirgends schlimuicr ^:oe,'als >te bisher unter den Böhmen ist. > Tel a n, iip Jänner. .Hochachtungsvoll j kl'l't. Tigmund Brumlik. ' -» ö e „Reodrgslost" »etbsi versicherte, daß sie uicsit da« Blatt Tr. BaZcnn's Ot. Ttotz'l'»'er Bi:si>1»er>tng brhauvtck aber der ,.( as",' das Trgait der tslljrchiichen ,»alt ttie ve>, »aß Tr Ba^atn hinter der „Reodvislost" stehe. ' Tie Red. Blatt. Handwerk und Ackerbau bei den Juden.*) Tie Werthschätznng der Arbeit war bei den verschiedenen Böllern des Allerthttms und bis in die Gegenlvart hinein eine verschiedene. Griechen und Römern galt die Arbeit für unehrenhaft und eines freien Bürgers für unwürdig. „Tie Arbeit," sagt Plato, „verduntmt, der Banausos hat nicht die Kraft, etwas Höheres zu erstreben; die meisten sind Tclavenseelen, die nicht wissen, was schön, gut und gerecht ist." „Mit der Handarbeit," sagt Aristoteles, „darf sich der gute Bürger nicht befassen, sie stnmpst Geist und stör per ab und schasst ungeschlachte Heute." Tentosthenes meint, „von dein Arbeiter, der ein Riedriges treibt, ist keine Hochherzigkeit zu euvarten". Tic -Römer benannten die Arbeit Itilior, d. h. mit dent Ausdrucke des Tchmerzes; sie ließen chre Besitzungen durch Tclavcn besorgen. Auch int Mittel aller hak die Arbeit den Ttand des EdelmanneS und des Ritters ent ehrt. Im lKegensatze hiezu galt in Palästina die Arbeit als Besliminnng und Pflicht des Menschen. „Goll setzte den ersten Menschen in den (harten Eden, ihn zu bearbeiten und zu behüten. Tcchs Tage sollst dn arbeiten und all dein Werk verrichten". Ter Segen Gottes wird an die .Händearbeit geknüpft. In vielen Tpriichen der Bibel und deS Talmuds findet sich 'die Werlhschützung der Arbeit bei den Israeliten nicdergelcgt. Tiefer Theorie des alten Indenlhnms entsprach dje Praris. Tie alten Inden waren ein wesentlich ackerbanlreibendeö tyib viehzüchtenbeS Bolk, das ganze Bolksleben war mit Ackerbau und Biehznchl verwachsen. König Saul war aus dem Banernstande chervorgegangeu, Tavid der Tohn eines Ackerbürgers von Bethlehem, der Piovhet Elias holte seinen großen Schüler Elischa vom Pfluge und von den Rindern seines Paters hinweg» Tie jüdische Gesetzgebung war darauf berechnet, den Ackerbau in jeder Weise zu fördern, während sie der Ausübung des »Handels in vielen Hinsichten hinderlich war. An die Ackerbangesetzgebung schließen sich die Berordnnngen, welche die socialen Berhältnisse des Bolkes regelten, >vie die Bestimmungen über die Erlasse und Jubeljahre, über Feldabgaben und das Zinsverbot. Ter Ackerbau bildete die Hauptbeschäskigung der Juden bis zum Unter gange des Ttaates und weit darüber hinaus. Eine große Reihe von Talnindtraetaten handelt nur von den Bestimmungen über den Handbatt, und' Männer ans den verschiedensten Ialirhiinderten tragen die nachdrücklichsten Hehren über die Bedettlsatnkei! desselben vor. Tie hervor ragenbsten Hehrer ans den nachbiblischen Jahrhunderten logen dem Ackerbau als ihrer Erwerbscutelle ob. Bildete die Bodeiwnltur die Hanplbeschästignng der Israeliten des Allerthums, so halte doch ein nicht unwesentlicher Theil der Be völkerung sich dem .Handwerke zugemandt. In der Werkhschätznng des selben war die Aiischannng der Inden der anderer Bölker des Aller lhnms diametral entgegengesetzl. Bei O'ijiechen und Römern galt die Meinung, das Handwerk hemme den Aitsichmnug^ des Geistes und verküinmere' den Heib, bei den Israeliten wird sein Ursprung aus „den göttlichen Geist, den (ist'ist der Weisheit, der Einsicht und des Berstandes" znl'ückgesührt. sfast alle Handwerke tvaren in Israel vertreten. Tie Bibel erwähnt: Tchmiede in Eilen, Tchloster, Tchmiede in Erz und Kupfer, (^old-Und Tilberarbeiter, Berfertiger. von Waffen und sttiistzeiig, Tteinschneider, Maurer, Zimiuerlente, Tischler, Wagner, .Korbmacher, Töpfer nnb Hederarbeiter, Walker u. a. nt. Tie Hand werter waren in den Ttädten zahlreich: wie. noch heute ini Orient, befanden sich die Arbeitsplätze gleicher An in bestiinniten Ttadtlheilen; wir erfahren von einer Bäckerstraße, einem Töpferthor, einem Zimmer, »>käsemacherthal, Wohnplatze der Tchmiede .»c. In welchem Uinfangr die Inden in den ersten Jahrhunderten nach dem Untergange des Ttaates in Palästina und Babstlon dem Handwerke: oblagen, beweisen die mehr als hundert im Talmud genavnten Rabbiner, die zugleich . »Handwerker waren und znm Theil »Handwerkernamen führten. Tiesep Pflege des Ackerbaues und des Handwerks gegenüber war' die Beschastignng mit dem »Handel in Palästina eine sehr geringfügige. Telbstverständlich gab es den einem jeden Bolke zur Tecknng seiner eigenen Hebeiisbediirsnisse ttuentbehrlichen Binnenhandel. Eine Borliebc jedoch für das »Handelsgewerbe, welches nicht im Umsatz eigener, sondern fremder Arbeit lebt, zeigt sich, wie Telitzsch tressend bemerkt, nirgends, wenn wir von dem ersten christlichen Jahrhundert, so weit als möglich, rückwärts und etwa ein halbes Jahrtausend vorwärts blicken. Im Talmud findet man kaum ein Wort zu Ehren des »Handels, wohl aber manches, das aus die Gefahren des Gelderwerbs und des vagircnden Hebens hinweist. Mit Recht konnte Iosephus am *) Vortrag de« Herrn Tr. v. '.Uimit ans Marburg int Verein für jndi'che Geschi.hte zit Frankfurt a. M. nach einem von der „Jüdischen Pressc" gebrachten Berichte.