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Freies Blatt · 1893-01-15 · 41 (15.1.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
41 (15.1.1893)
Date
1893-01-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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) T- Freies Natt Abomicmkiitsprcis: i».injiatitia mit Post;»K»dunji . . fl. 2.50 'VilL'jiil)iiil fl. 1.25. StirrtdiStri] fl. —.C5 CSinjflue Wummern 4 fr. 'Jinmmcr41. Wien, 15. 3iiimcr 189'j. II. Jahrgang. Orczan zur ^lbwebr des Antisemitismus. 9i*baction u»d sitmimiftratioii: . Dien Erscheint a» jedem Soniitagt. i, Seikorstätto 10. falsche freunde. iTrigiiial Mitlheilnng des „Freien Blattes" t Berlin, l-'. Jänner. Eine der Begleiterscheinnngen der antiseinitischc» Bewegung bilden die futschen Freunde, die sich an die Jude» hcrandräiigcn ,aii> ihnen Rathschläge erthcilcn, uns welche Weise sie dazu beiirugen könnten, den Antisemiten das Handwerk zu legen. Nicht Menschenliebe, nicht Gerechtigkeitssinn sind eS, welche diese Rathober leiten, .die es vielmehr auf eine förmliche Jiidcnfängerei abgesehen haben und den Anlisemitisinus zu dem Sonderzwecke arwcrihen wollen, in den Reihen der Staatsbürger jüdischer ooiiü'jfioii für ihr politisches Glaubcnsbckciiiitniß Prosilhtcn zu nnibai. In dieser Einsicht ist cin'Aitikel sehr bezeichnend, welchen . itlid) die „Kölnische Zeitung" gkbrachl hatte. Das große rheinische ° .au richtete an die Inden einen Mahnruf, in welchem es ihnen empfahl, ans der Alliance Israelite l’niverseilt1 ausznlrclc», um •i Beweis zu liefern, daß sie gut national gesinnt seien. Sehr ickidröcküch werde betont, daß die erwähnte Bereinigung von Franzosen gegründet worden sei und den französischen- Ursprung n.inals verleugne. So erfreulich deren Thätigkeit, die sich iinenllich ans den Orient erstrecke, vom rein menschliche» Stand' nulte sei, so sehr es anerkannt werden müsse, daß sic durch >'tlind»ng von BildnngSanstaltcn Ersprießliches für die Aus e-.innig der Eultuy geleistet habe, so müsse man doch den Weltarger abstreife», um als Angehöriger dcö Deutschen Reiches dessen stets eingedenk zu sein, daß sie mit an der Erhaltung und Festigung ab französischen Ei^lusscö im ^Oriente arbeite. Der Hinweis auf t.n evangelischen Gustav Adolf-Berein sei nicht zulrcffcnd, und s wäre an der Zeit, daß diejenigen Juden, denen ihre Bildung ane gewisse Auloriläl bei ihren Glaubensgenossen verleihe, diese e-tianlasse» würden,^ die Beiträge, welche sie bisher der Alliance iMai-lite Universelle gewidmet hatten, fortan für nothleidende -»den in Deutschland zu bestimmen oder irgendwo sonst hin- : ^wenden, wo das allgemeine menschliche und religiöse Empfinden ■vt dem nationalen Bewußtsein nicht -in Widerstreit gerathen '-eine. Das rheinische Blatt, mit dessen Ausführnngen wir uns hier -chäfligen, liebäugelte lange Zeit mit dem AutisemiiismuS, nnd -- me Gegnerschaft wider denselben ist »och jungen Datums. Trotzdem anben wir keinen Moment daran, daß mir cs mit einrm Rückfall 'n lhun haben. Allerdings war der in dem Mahnrufe enthaltene -orwurf gegen die Inden Deutschlands, daß dieselben, wenn sie der Uliauve Israelite Universelle angchören, daS nationale Bewußtsein -n-rletzen und feindliche Interessen fördern, Wasser ans die Mühle ser Antisemiten, welche nun in den Frcudenruf ausbrachen, daß selbst .-.ludcnfreunde daS Deutschland abträgliche, unpatriotische Berhalten r Juden cinräume» müssen. Allein die Absicht deS großen 'ölnischen Blattes, war es keineswegs, den Aniisemitcn zu Hilfe u> kosnmcn. Es ist, seitdem die Letzteren auch in den Rheinlandcn hr Unwesen treiben nnd die alten Parteien i» ihrem Besitzstände edrohen, vom Antisemitismus gründlich geheilt. Die gclnze Phitppika .gpgen eine internationale Bereinigung von Juden zu wohlihäligen Zwecken zielt nur darauf ab, die Staatsbürger jüdischer -Confessio» in Deutschland zur unbedingten Willfährigkeit gegenüber jener Fpaclion anfzufordern, welche blos das nationale Moment in den Vordergrund stellt. Dies ist nicht etwa eine willkürliche Annahme, die „Kölnische Zeitung" selbst kann nicht umhin, Ähren Hintergedanken zu verratheil und iinmittclbar an.die Warnung vor der Unterstützung der Alliance Israelite ^Universelle folgende Worte zu knüpfen: „Wir haben wiederholt erörtert, was von jüdischer Seite geschehe» kann nnd muß, um dem Antisemitismus den Wind ans den Segeln zu nehme». Wir haben namenUich betont, daß die ehrenhaften Juden sich von der deutsch-freisinnigen Presse und Partei, abwenden müssen, wenn sie nicht an der Ent rüstung belheiligl' werden wolle», die der Radiealismiis durch Schürnng des Elafsenhasses. durch die Hetze gegen Handwerk, Landwirthschaft und Industrie in allen ruhig »rtheilenden Kreisenerregt. Wir betrachten die obige Anssinandersetzung als einen Bei trag zu diesen Abwehrvorschlägen." Das also ist des Pudels Kern! Die „Norddeutsche AUgcmciiie Zeitung", welche den Artikel der „Kölnischen Zeititzig" wiedergibt, unterdrückt die eben cilirlen Schlußworte; aber auch ohne dieselben, die den Inden, wie einst Fürst Bismarck Herrn v. Bennigsen znrusen: „Laß vom Linken dich nicht umgarnen!" — kann man den Wcrth dieser Sorte von Ittdenfrcundlichkeit leicht ermessen. Daß es ein nationales Begehen sein sott, einer internation''n Bereinigung zur Förderung von Wohllhüligkcits und Enllnr zwecke» für Glaubensgenossen anziigehören, ist nicht recht ei» leuchtend. Die vom rheinischen Blatte gele»gneic.Gleicha.rtigkeit der Alliance Israelite Universelle nnd des evangelischen Gustav Adolf-Vereines ergibt' sich aber schon daraus, daß auch der letztere als Verletzung des nationale»'Bewußtseins bekämpft wurde Engherzige Slave» waren es. welche ihren evangelischen Eompatriotei: zu Gemüthe führten, daß kein pflichtbewußter Slave einer Ber «imgung angchören dürfe, welche ihren deutschen Alr-priing nicht verleugne und zur Verherrlichung dcö DeittschthnmS beitrage Noch weniger aber ist eö einlcuchlcnd, daß ein Zusammengehen deutscher -Staatsbürger jüdischen Glaubens mit-.Männer» wie Ricken r und Birchow eine Sünde gegen das deutsche Vaterland wäre. Ans die offen bar auch »ach Ansicht der „Norddeutschen Allgemeincn Zeitung" zu plumpe Beschuldigung, daß die genannlen Volksperlreter E'.assenhaß schüren, näher cinzugehen, ist hier wohl nicht der Crt. t)itir io-ntd sei bemerkt, daß eö falsche Freunde sind, welche zu Gunsten ihrer Fraetion eine Anöiiahmsstettnng für die Juden schaffen und dies.» die Jedermann gewährleistete 'Freiheit, seiner lleberzeug.»»,; durch Anschluß an Gleichgesinnte-Ausdruck zu geben-, entziehen mochten In dem Augenblicke, in welchem die Juden auf das Ä»''innen, eingehen würden, im öffentlichen Leben nicht ihrer Ueberzeugung zu folgen, sondern anS Anliscmilenfnrcht sich an eine bttniiitm. Gruppe zn binden, würden sie sich selbst degradiren und wäre» thalsächlich nur Staatsbürger zweiter Elaste. Audiatur et altera pars. Wir werden mit die Aufnahme folgender Zuschrift aimtft G c e h v t c r H c r r R c d.a c l e u r! In Rr. oH Ihres geschätzte» Blattes habe idi unter der In' schrifl „Basaty gegen die Juden'' eine Notiz gelesen, welch einiger RichligsteUnng bedarf. Unrichtig ist schon die Bciuertiing. daß das Wochenblatt „N c o d v i s l o st" das Leiborgan des Herrn Ba-.n» wäre; cs wird dieses rädieale Blatt vielmehr von einem eigenen Eon fortinm herauSgcgcbcn, und Tr. Basaty ist weder im Berwaltnin

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