Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 40 (8.1.1893)
- Date
- 1893-01-08
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Freies Blatt. Leite ft. Nr. 40. tmb gaben dann ihre. Bcrsuchc ans. Bern er t selbst leugnete, daß er ein Antisemit sei. Ter ganze Verlauf der Pcrsaminlnng war wenig geeignet, die wirklichen Cinbcrufcr derselben zu befriedigen. (Hiirillus aiithrniiticiis.) Ein neuer Beweis für de» Lat?, daß der Schmntz der antisemitische» (M'sellschasl auch für die so genannten „gebildeten" Anhänger dieser Partei ansteckend wirkt, daß der Bacillus der (Gemeinheit »nd Rohheit Alle infieirt, die diesen Ventcn Hccrsolgc leisten, ist dieser Tage wieder von Renen, erbracht worden. An den Lehrer der Pcnzingcr Schule, Herr» Carl Filkc, welcher, wie im „Freien Blatte" bereits berichtet wurde, in den von den.Antisemiten provocirtcn Schnlproceß P o p p cr-W a pr i ne k ' vcr wickelt ist, gelangten nämlich in jüngster ^tit orthographisch richtige vfo chriftcn nnfläthigstcn Inhalts. Cianz besonders ausgezeichnet hat sich indcß ein angeblich „nahestehender College" des Herrn Filke, wcbhcr in einem zwei-Leiten langen Schreiben dem Adressaten Schimpf wolle cntgegenschlendcrt und überdies die gröbsten Beleidigungen und Schmähungen einer staatlich anerkannten üseligionsgenossenschaft gegenüber auSspricht. Abgesehen von preßgcsetzlichcn sind cS sanitäre (Gründe, eie uns abhaltcn, dieses Schreiben iviedcr',»geben Wir können cs unseren Lesern nicht vorscucn: diese Fauche kann nur ein antisemitischer Biagcn vertragen. i(viu neuer herein gegen dt» Rntiseniitisinns., Wie.„T'Frau Wabert" »litthcilt, ist iM X. Bezirke (Favoriten) ein neuer- Bcrcin im Entstehen begriffen, der die gleichen Zwecke verfolge» wird wie der Berein zur Abwehr des Antiscmitisulus. Cs habe» bereits Borlvsprechungcn stattgcsundcn, nud dürste ehestens die ronstilnirende O'e neralversamnilung cinbcrnfc» werde». Wir begrüßen diese Rachricht änfs Freudigste und wünschen den Freunden der Abwehridec im X,/Bezirke den bestell. Crfolg. Wenn cS zur baldigen Berwirklichung des löblichen BorhabcstS kommt, so wäre dies eine günstige Inauguration des JahrcS lSD.'i. Tic Trohling mit dcm Rntiseinitisinns.) Ans Prag wird uns geschrieben: Man pflegt den.Antisemitismus von dcntschseindlicher Teile gerne als ein Kind dcS deutschen RationalgcistcS hjnznstellen, ein Bouvnrf, dsr, wenn er auf Wahrheit beruhen würde, allerdings geeignet wäre, den civilisatorischcn Ruhm dc.S deutschen Bolkes zn er drosseln. Tic slavischcn 'Ratiönchen haben übrigens gewiß am wenigsten das Recht, sich für besser zu halten, denn, wie bereits wiederholt be :o»t wurde, ist cS eine, soweit die tschechische Zunge klingt,-ganz ge ivöhnliche Erscheinung, den Juden, welche deutsch sein wollen, mit dem AntiscmitiSmilS zu drohen. In einer der lebten Sibnngcn des Prager Stadtverordneten Collegiums zeichnete sich, wie Tic schon gemeldet lnl'c», der Jungtschcchc BrczuovSk» »ach dieser Richtung un voriheilhaft ans. Anläßlich der Berathnngcn über den Boranschlag für die deutschen- BolkS- »nd Bürgerschulen crklärlc dieser Herr, das; sie deutschen Schulen zumeist von südischen'Kindern besucht werden, und drohte den Juden mit dcm AntiscmitiSmilS der Tschechen. Ter . Stadtverordnete Jnwald erwiderte dcm lffcsinnnugSgenosscu Ba>aly's, r beziveiflc, daß sich das ganze tschechische Polt dem Antisemitismus -nwendcn werde. Cicgcnübcr der Begründung des Antisemitismus durch die sociale Frage sei zn bemerken, daß die eigentlichen Bertrcler des TocialisninS, die Arbeiter, vom Antisemitismus.' nichts wissen wolle». Bis jetzt sei man in Prag« vom AntiscinilismuS verschont geblieben, , '\ti BrcznovSky scheine aber den Wunsch zu hegen, daß das Wirten -t Vncger, Schneider, Vicchtcnstcin u. A. auch nach Prag herüber -.eiie. Das sei keineswegs freisinnig (BrcznovSky dazwischcnrufcnb: Aber :»r Sclbstbcwahrung nöthig!) und Redner sei überzeugt, daß -licht alle Jnngtschcchcn so wie Herr BrcznovSky denken, denn sonst -äre cS zu bedauern. BrcznovSky erwiderte, Herr Jnwald werde och nicht die deutschen Juden vcrtheidigen, denn nur gegen diese habe gesprochen, gegen jene Inden nämlich, die ihre .(linder in deutsche Tchnlcn schicken. So Hütte denn auch die Rathsstnbe auf dem Altuädtcr Ring glücklich ihre erste Antiscmitcndcbaltc. Virnt sc(ju>‘iis! BemcrkcnSwcrth ist die ganz bcstimintc Form, in welcher der Anti 'einitismuS Ba>aty'schcn BckcnnlnisscS auftrilt. Tiefe Tschechen feinden nur jene Juden an, welche sich nicht national eins mit den Tschechen suhlen, also wegen nationaler Abtrünnigkeit. < Siche die Roti; „Krieg und Frieden" in der Rubrik: „Anö den antisemitischen Blättern" ) Ostinz im Gcgcnthcilc dazu bctümpfcn die deutsche» Antisemiten die scntschcn Juden als Fremdlinge, welche aus dem Rahmen des deutsche» BoltthumS auSgcschicdcn werden müssen. Welche von den beiden anti semitischen Toctrincn mag wohl Recht haben? >Tic Röwcrsdorfcr Vltitifriuitcii imb dir Rrntitschkiiicr i Als Candidat für das RcichSrathSmandat der 'Rcutitscheincr Vaud gemeinden tritt, wie bei jeder Ersatzwahl, anch der Bader Carl T ü r t aus. Tie „Freie Schlesische Presse" schreibt: „Tie RöwerSdorfcr Wähler setzen sich, wie die Berichte von dort lauten, für den ewigen Reichsralhscandidaten Carl Türl gewaltig ein. Tabei chandeln sic aber sehr unverständig gegen ihye-eigenen,Jniere'sen:. Turr Türk ist als schlimmster Jndcnhetzcr - bekannt: nun sind aber sehr viele Röwcrsdorscr im Cneu Europas, in >''alizien, ülußlaud u. s. >v. als Haussier beschäftigt, und gerade in diesen '.'ändern-besteht ein bedcnicnder Thcil der Abnehmer ans Jude». Welchen Eindruck muß es au> diele Abnehmer machen, und ivic sehr wild die Vage der RöwerSdorser Haydeltrcibcndc» erschwert werden,- wenn es bekannt wird, dass gerade die Röwcrsdorfcrfür den Hanpljndcnheyer und Judenfresser-gestimnil haben? Tas sollen sich die dortige» Herren überlegen »nd. die cinsichts - vollen Männer sollten sich gegen die Schädiger des eigenen Bortheils Verwahren." Meine Peliliou HU Mrtijcr Wilhelm. Ans Berlin wird gemeldet : Ter Borstand und die Repräsentanten Bersammlung der hiesigen jüdischen t'acnicinde sind »ach längeren Bcrhandlnngen zn dem Beschlnsse getomnikn-, die Ucberrcichung der Petition an Siaifcv Wilhelm um Schul) gegen de» AnlisemitisinnS, deren Wortlaut bereits'fcstgestcllt war, in Würdigung der dagegen in der-Presse-ans,getretenen Bedenken zn nntcrlassen. * > Morris be Jonge. Ter: ehenmlige Mitarbeiter der ^Krenz zcitnng", Tr. Christoph Morris de Jonge, scheint jept, vielleicht wegen seiner jüdischen Abstammung, bei diesem Blatte keine ('hübe mehr zn finde» : denn „von seine» bisherige» volitiselprcligiösc» Freunde» zurück gewiesen", undweil er angeblich „in der bürgerlichen Presse keine Möglichkeit findet, seine Sache zn führen", berichtet nun de Jonge im socialdemotratischen „Borwärt-s" Folgendes: Am I. April v. I. habe . er a'lS damaliger Redactenr der anliseniilischen „Hannover'sche» Post" eine» Artikel veröffentlicht, auf O'riind dessen der. Jüstiziniiiistrr . M-iile Mai einen Strafantrag gehze» ihn wegen Bclcidigiing der prenßi scheu Justizbehörden stellte. Ende Juni wurde de Jonge in O'öttiiigni, wohin er Anfangs Mai übcrsicdclt war, „um dem inzwischen verstorbenen Professor v.. Jhcring seiner Anssordcrnng gemäß bei der Fortführung seiner Wsrlc durch redactionelle Mitarbeit zn assistircn", im gericht lichcn Crniitlelnngsvcrfahrc» vernommen. Ende Angnst wurde er in Charlottenbnrg, wo er die llniversttäksserien zu verbringen gedachte, nochmals vernommen, und zwar in der „Borlintersnchnng", deren Eröffnung inzwischen beschloisen wdrdcn war. Am September .wurde . ihm danndie Rachricht, daß die Bornntcrsnchiiug geschloffen iporden sei. Am I I. Tclober wurde ihm ans eine Anfrage an die Staats anwaltschafl nach dem. derzeitigen Stadinm der Sache mikgetheilt, die Borunterinchnng sei wiedereröffnet worden. Am bl. Tecember einpsing er dann, gerade ans einer Reise befindlich, die Rachricht, daß die „wieder crössnete" Bornntcrsnchnng „wieder.geschloffen" sei, und am 24. Tccember erhielt er von der königliche» Staalsaiiwaltsch.ist in Hannover die Aufforderung, sich am!>. Jänner I "Vhi bei der T ircciion der Provinzial Ir r e» a n ü alck in l^ötiingen .be. 'huss Aufnahme in diese Anstalt zur Beobachtung seines C'e-istes znstandes ans dieTaner von sechs Woche» zn stelldn.) Tic Ans sordernng berief sich ans einen Beschluß der. Srrästammer des Vant gcrjchtcs Hannover' vom 10. Teeei»der. Herr Jonge h.rjes jedoch vorgczogcn, der, Abgeschlossenheit einer Jrrenanstali zn entgelten und sei» Tomicil nach der Schweiz zn verlegen. ReichslngsenlibibtUlll' Pansch'. In Vie.gnltz in in Folge des Ablebens des freisinnigen 'Abgeordneten Van ge eine Ersatzwahl für den dcntschen Reichstag vorznnelimcn. Wie verlautet, ivollcu ni»i die Antisemiten die Candidainr Paaich' 'ansstellen. Hiezu .bemerlv d:e „Freisinnigc Leitung" : „Tie Antiseniilen wollen ihren moralischen iitid geistigen Tescck also anch sitinbildlich nach außen zur An>ck>auu::g bringen." lEiner späteren Meldung zufolge soll Paaiel> zn «''uusteti Hcrtivig's, des'ans dem „ Jndcnsl Uten" Proeeüe belauuten Anwaltes Ahlwardt'S, auf die.Candidalur .verzichten.' . -Allliseillilische Bnilalltät. t Tie -PoseII er seilIIIIg " schreibt: Bon zuverlässigen Augenzeugen erhalten wir aus Sannt er folgenden -Bericht i'tbcr ein ankifemitisches Heldeustückchen, das au R'iedrigkeil und Brutalität schon deshalb tanm .seinesgleichen haben' dürfte; als die Bcrüber desselben. der sogeuaizulc» „akademisch gebildeten" Clane au gehören. Wir wollen hier unsere iRwährsmänncr selbst zu-Worte tommen lassen:' „In unserem Ba>)»hossreslalirant, ivelches doch eigentlich nur für das reisende Publicyni bcststiimk in, besteht seit Vaugein^cin regelmäßiger Bcrkehr von Beannen, namentlich solchen, die a»lisemii-sch gesinnt sind. So ckaugc dieses Treiben jedoch tei» Aergeruiß erregte und nicht in dircclc Bekcidignngeii -ansartete, wurde cS nicht an öffentlicher Stelle genügt. Folgendes, hat 'ich aber in der Rächt vom >7. zum .1 *. Teeeniber zngclragc» Cs saßen -im Waltesaale'-erster nnd zweiter Clane der Sanitäkdrath Tr Scheider, der Tliierarzr Meüzin, der (ircissccrctär, der ülentnieiuer JA' ül ler n»d verschiedene Andere, so genannte Rotabilitätc.» der Stadt Tie Heiren^Moriy Mottet iitid