Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 40 (8.1.1893)
- Date
- 1893-01-08
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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5eite 6. Freies Vpiit-? Holl ä II d e r, der .Kaufmann Völlig (5 ohII ücbst Lohn ans Bieslan sowie eine Taine^ans Tbersilzko wollten des 'R'achts uni 4 Uliv i’om-ifcu. Als' Hiwr Mottck in den W'arrcsaal trat, wurde er mit schmal,lichen Beleidigungen vom Tanitälsrath T>. Scheider Überschüttet. und. zwar begrüßte ilin dcnclbe mit den Rusen: .Ta kommt schon, wicdermalso ein versluchtcr Ante, was-will denn der Audc, raue* mit iljin!* litib veisckncdenen anderen Redensarten, die zu gemein find,' in» liier niedergeschiiebcii zu werden. Tcheidcr drohte mit 4>cm Bierseidel in der Hand, und da Monet von den anderen Herren nicht ' mit einem Worte geschützt ivnrde und der Ucbcrniacht nicht 'gewachsen war, verlies; er schleunigst den Taal. Als die Genannten nach mehrmaligem' Rachschen,^ ob die Fahrkartenstelle geöffnet sei, endlich solche geöffnet '..riden, schrillen alle heran, und dabei spie der Sanitälsrath;>reimal vor Herrn kours Cohn aus und begann wieder aus die bilden;n ichiinpsen. Um Beschwerde;u sühren, ging Cohn inS Liak:oi!s;imnicr und wurde vom Tanitütsralh verfolgt. Ta die also Am'iiliirlen Tluiilichkeuen besürchlelen, begleiteten Alle Herrn Coh» Toet, wurden dieselben vom Tlalionsbeaniken nicht geschützt, sondern mußten nech neue Beleidigungen seitens des SanitätsraihcS mitanhoren, Tr Tcheider Ivollte Cohn olirscigeu, doch traf der Schlag Moritz Monet ins (Besicht. L-nnderbar ist cs. daß solchen Herren gegenüber nufere Mv.mlen keine Cnergie;u besitzen scheinen. Wie cs schon bekannt wird, liai die genannte Gesellschaft auch unseren Rad biner Tr. Be re schnei, der in der Rächt nm l Uhr sorlsnhr und noch in Hamburg weilt, beleidigt. Cin rechtes Beispiel für ihren i ftit fiditc-Ip'cit Raee»baß l al>en die genannten Herren noch den Fahr g.isten des um '■ .1 Uhr abgehendcn ZngeS bewiesen. Cinciii Polen, Herrn r M i e l i n s t i,' den die Herren für einen Inten angesehen . l'ab.'n, wurde der Mantel -vom Vörver heriintergeiissen : übcidies wurde Herr v, M.e strsti geschlagen und .Aiidenjiiirgc' geichimpst: bicbei halte! fiel, befouders der Tlneia'rz: Bcelzi» in seiner ganxen Größe gezeigt.“! -Teirerl ir.’.'V.c i'-'ewahrsniänucr: ans die Lache selbst werden wir n.atiiriich noch Air.ucklommen. Wie wir von anderer Teile rrsahren, >oU sich unter d.u g:»blich Ininliirten auch, eine Tarne!wahrscheinlich eene Tarne ans Tb.", kitzle'? besunden haben. Ta, wie wir ferner tih -n, eine gerichtliche Unierincliuug bereits riugclcitct in, so wollen wir uns u.aberr Äusla'fuugen über das Berhalten der dienftthuendeu ' rl-ee.ur'.n, d.ren Rainen wir ebenso wie die der übrigen Theilnchiner an dem Tearrd.rl noch rereiseinlichcn weide:!, anssparen, bis noch mehr Victu i" die gan;e abscheuliche Rngelegenheit getoinmen ist. Wir liegen das-- '..ne Bei trauen;n nnie.ru Bebarden, daß ne sowohl gegen die activ rl'eili.rlig'en wie gegen tre dTrrch ilir pa'sives Berlialkcn Mitschuldigen mit eurem C'.iin Vorgehen werden, der hgssentlich seinen heilsamen Ciirdru>t an' ähnlich. Cuurvane nicht vertelilen und die Chre unserer Ä'.ibi.ruborde:: den Mitbürgern wie dem Anstande gegenüber ant's '• Raclidrintlichne' u -ihren wird. oiiDciilictic bei Der UlIIIer Garnison. Ans Ulm wird der > „,\'. >r ii!' u : : e r 4 -. i I n »g." geschrieben: Bor einigen Monate» berichtete die ,.,vrau:ü>.:.. Leitung-, von hier, daß nach Forschrift der Beaeljordnnug fiti die. Ulmer «''arnison ieden Tag die neueste Rümmer' der iUlnicr TchneNpest" auf 'de Wache gebracht werden und dort!-l Ttur.den, alle brs '.um Cr'chcinen der nächsten Ruinmer, er halben wo. den miine. Tie Tban'ache verdient oi'eiutichc Peack>tiing, weil - der-'B--rl-.g-.r der .,Ulmer Tchnellpost", -zugleich Rirrmcister der - VandP.l'ioaro..rre,.'eil .i:>hr denn Jahresfrist sein Blatt zu einem C i.'.-ch.!- des iifl.üen Anklseinikisiiills der Ahlwardk'schcn tlrichtiing ge m.rchij batte. Tos r.rr'er liche. l'wnveriremenl, dein die Wachen unter stebeuj hakte d:-e T batiäche nicht demeirnik. Tas w.ire auch numoglich geir.lgir, dadie B-achv-or'ch'.itl mit dern rriralmten 'Passus in einer Meuqle von C.emvlar.n gedruelt vor liegt. 'Roch größeres Anffehen erreg:!">r eure „oiieue Anfrage", die..seitens der „Ulnirr Zci! >: ii g" iren-Üeus an das taiiei liche >f'>'nvernc,nent gerichtet worden rst Tie iante: I: wene.ui l:.üoeii"Enurohne,i,ban nlrätl sich das Gerücht, ...ue,.!- üu-re : . ,/u.irU i. r>.'>:.iu.,b-,le.den aUiabrlicb N«»> Ereuivlarc der! .!.:v-1 T-i ,r>. .. °. - ... M.rriiri,: einen . .r liiengen Garinion aboiuürt, une . bju re. o u - -r uir Aboniiemeinrgebühren aus den lleberschi'i'iei! \ T,u . :: rr--.teil.?eitle wrreis.'nd lein, was Ivir trotz!>rr j 'i..-'.: .'.a..; t e BSaral er! >en.-7 Gsii'nbtes noch bezwciieln, und , .. .! - - -,i ,'p ernahuie Tbai-aede biupi. das; taut I r. ,:en Bor'cho u: '!'. ii.ia: ua, II B'au'!! mit Aiisirabme der „Ulmer TN iietl! rui" teil - r .: lüi'-'t-'t, u ' r tu.''- >:, würden sich iu:se.-s Eia.b-ten? die - r"i:u:.i.l-u ä '". rUi .. li:»ur.eni dir e:ui Lvid.-r-'o-nch a,u den lüiiaü : t . 'i :.; t - : im 1 Ii!,i,! teil dlü- 'ü! .iniaei! berreneud 'die - .nri'-uns . .1, Zl u r- 'in ir _ 11«.- da mal. weiß, is Än-:'ül:rNiMU; l.!U I• .. :..-n : -.»b'-n. -i .!!!.-,, dir liier geiii.bni'ei'e oeibreilei'e» i . Ii-..-. e t II^ u it-1 u - rt II a's de» All'ebaiiungei! des obersten , Blatt. Nr. 40. > - ,<iriegsherrn, des deutschen Kaisers, stracks tinviderlaufend. Ta wir nicht aniichnien können, daß ein derartiges in der ganzen Bürgerschaft Aufsehen er-; regendes Gerücht unaufgeklärt bleiben darf, sei hicinit das kaiserliche Gouvernement! um eine officiclte Erklärung hierüber geziemend ersucht. Wie wir züverlässig hören, wird das kaiserliche Gouvernement auf! diese Anfrage eine Antwort nicht erthcilen, weil die hier berührte An- > gesegcnhcit nicht daS Gouvernement, sondern die einzelnen Jicgiiiients! coniniandeure oder den Contingentsältestcn berühre. Dagegen sind diejenigen Besiiininungcn der Wachordüung, die von der „Ulmer Schnellpost" handeln, neuerdings weiß überklebt worden, womit sie wohl als abgeschasft gelten dürfen. Ucbcr jenes neueste Gerücht aber wird sich, wenn^ auch nicht daS Gouveriieiiiciit, so doch jede andere zuständige ^Militärbehörde aussprechen müsien. Die „Ulmer Tchncllpost" hat Ahlwardt's „Indeiifliiiteii" in wüstester Meise breitgcschlagc», sic hat den Bersancr ui den höchsten Tönen gepriesen und feiert ihn heute noch als deutschen.Helden. Man kann sich kaum vorstclleii, wie cS ans die große Garnison hier wirkt, wenn ihr täglich in 300 Zcitnngscreniplarcn die'geistige Atoft der „Ulmer Tchncllpost" verabreicht wird, wenn dem gemeinen Mann seine Waffe als unbrauchbar und Herr Ahlwardt als Held und Märtyrer geschildert wird. Pollends unrichtig muß rs sei», daß daS Aboninmicnt für die 300 Exemplare aus Cantine Cisparnissen bezahlt werde, denn letztere sind ausdrücklich dazu bestimmt, wieder für das Wohl der Mannschaft verwendet zu werden. Cinc ofsicicllc Widerlegung des uuilanfendcn Gerüchts erscheint also unningäiiglich nötjjig. (stillclic einer Perlagsailstalt.) Zwischen dem Tchriftstcllcr Aiari inilian Tchinidt und der Bcrlagsanstalt ViebeSkind ip Leipzig kam cs zu Tiffcrenzen, welche gerichtlich ausgctragcii wurden. Tie Tirina begann die Werke Tchinidt's in kleinerem Druck und Format als die in Gemäßheit einer Bcrcinbarung früher erschienenen her ziistellen, um dadurch auch das Honorar des BcrfaffcrS für den Druckbogen 'zu 'ermäßigen: sic wurde nun gerichtlich zur Herstellung der seil erschienenen drei Bände in demselben Druck und Format wie die früheren Bände vcrurthcilt. DaS Borgchcn der Firma war, wie Mariniitian Tchinidt erklärte, cin kleinlicher Rachcaet; er hatte fick; nämlich gcwcigcr.t, ihr cinc a n t i sein i t ische Erzählung zu schreilicn ' (Rlllwardk TlNtste. > Vöbtan heißt ein Borort von Dresden, dessen ^''eiiieiiidcvcrtrclung sich cin moralisches AriniithSzcugniß auS stellte. Tie beschloß, zu Ehren des gewerbsmäßigen Bcrlciimdcrs, welcher als Tchullcitcr auch die Bezüge seiner Untergebenen, ohne diese vorher befragt zu haben, „leihweise" zu sich gesteckt hatte, eine ncuc Straße Ahlwardt-Straßc zu nennen. «Tie C-iDesleistnng inm'c.jinluico.) Das in Galatz erscheinende Blait „tffalatzi" schreibt: Eine veralictc Farnialilät, die aas den älicsten Zeiten flammt und sich bis Heine in unserer Ölei'etzgebunq erhallen hat, ist die sogcnaiiinc „Eidesleistung mors ji„Ini<.V'. Alle Juden sind bereit, aii;ndrtcii»cii, daß im Falle der Modi Üealion unserer Eivilgcietzbi'icher and) die Eliininiiniig tiefer Eidesleistung, als eincr baibarifchcii Tiste, iiichk;>i iinrerfaisep jcs Rack Artikel 262 der seanzösi- 'cheii Eivilprocrßordiiniig bai der Jude das Recht, eidlich zu erhärten, daß er die Ltzahrhcil iagen werde, ivahicad in Rmnäincii noch die barbarische Litte scncs allen Lelnvures veibehalleu iviid! TaS in ja Alles richlig, aber wir sind gleichwohl für die Am'rechlerhanmig tiefer Form. Wenn auch die Form der Eidesleistung eine veraltete, barbarische, erliiedrigeiike ist und einem civiljsirten Botte zu nichts weniger als;nr Ehre gereich», jo treten wir doch für dieselbe ein, indem wir derüeksichligcu, daß das jüdische Bolk bicr in der Eultnr so weit zurückgeblieben ist int Bergleich mit den Anden des westlichen Europa, daß cs ein Hindernis; ivar zur Ansbieiluiig des vichlcs der Cultur, da es weder die Lvrache, noch die Xteidung, noch die Litten und Gewohnheiten des riiniäuischeii Bollcs aiigeiioiiinien hat. Hiezu bemcilr der in Bukarest erscheinende „Ruinänischd l.'loyd": - B-ir glauben l.uiiii, daß es heute iii-Riimänicii einen Menschen geben kann,, der allen Ernstes tiefe . lächerliche — um nicht zu sagen hlöde Be liaiivk-ung ansnellen würde Bsodnrch nni des Hiiniiiclswslleii..habc» die Inden die Aiisbrriiniig der Enltur in Rnniänicii verhindert'/ Lind vielleicht die Anden schuld, das; so viele Hnnderttansende von Runiäneii nicht * di reib cn n n d lesen können? Tie Audeai selbst können beides. Dins; d.'uii aber jeder Gebildete sich rniiiänisch kleiden.und rninänjsch spreche»? Böir teniicn mehrere keine, ivcl.tie weder das Eine Ihnii, noch das Andere können ifnd glcichweob! einigen Anspruch ans Bildung zu erheben io srei sind. Hingegen sind uns keine bctanin, die sich sehr civilisirt kleiden »nd' sogar rnmäni-'che keitauikel schreiben, dabei aber vcrallele, verknöcherte Aiisichlcii in ibr-'i» hohlen Kovss herinntiagcn »nd weit eher ein Hiiiderniß bilden für die Aus brennng der Anfklärnng und des kiä.les der Eiviliialioii. «f-anz im Gegensatz mit den Anschauungen der tilalatzer keuckne» der rlSiffem'chasl ist eine Enl-