Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 40 (8.1.1893)
- Date
- 1893-01-08
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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TTTv, ' Nr. 40. | Freies Opscrgönge für den heil. Baker! Alle Ehrfurcht vor denr heil, Batcr, aber nicht vor jener Mißwirthschaft, die init dem .PctcrSpscnnig' voriges Jahr getrieben ivurde, indem durch leichtfertige Gebahrnng einige Millionen verloren ginge», was selbst ein Dechant ans einer PastoralEonscrcn; zugcstandcn hat! Da nützen alle BertnschungSartikcl des Bakcrland' nichts. Unsere Bischöfe möge» sich's gesagt sei» lassen: Der ehrliche und offen kämpfende Thcil des ElcruS schwärmt für die christlich-sociale Bewegung. Und wenn damit ein Dhcil unserer Hof bischösc nicht einverstanden ist, so>müssen wir antworten: Wir müssen O'ott und nnscrcm Gewisse» mehr folgen als den Hosbischösen." Wir wollen ans daS zu gcwärtigendc Ergebnis; der journalistischen .stavbalgerci zwischen den Elcricalcn und Antisemiten, ans den Lieg der Einen oder der Anderen schon deshalb nicht näher cingehcn, weil ja i„ dritter Fall cintrctcn und die beiden feindlichen Brüder sich auch ivieder anssöhnen können. Pack schlägt sich, Pack'verträgt sich. Eine -.'eine wird aber a»S diesem Streite unvergeßlich für alle Jene resnl- ::ren; die den AntiscmitiSmnS in activcr oder' passiver Weise begünstigen •imificii glauben, die Vdjrc nämlich, daß sich der dcstrnclivc Eha> aller bcS Antisemitismns, seine - hervorstechendste Eigenschaft, zuletzt iiTd) gegen seine treuesten Bundesgenossen richtet, daß der roheste lerrorismuS nicht eher ruht, bis auch der letzte Rest von Selbstständigkeit, und wäre cs auch die des opferwilligsten Helfershelfers, erdrückt ist, und daß der endliche i.'ohn für geleistete Dienste dieselben Beichimpsllngcn sind, dieselben Bcrdächtignngc» und Gemeinheiten, mit denen die Herren Antisemiten die Juden verfolgen. Wen» nur erst mnial die Elcricalcn sich..weigern werden, ein bloßes Werkzeug der ".»liscniiicn sein zu wollen, dann werden sic alsogleich als „Jndenclericalc" »i einer Stufe mit den „Jndcnlibcralcn" und „Judensotialdeniokraten" angiren. Dic^ Anfänge sind bereits gemacht. ^Nittel zur 2lbwebr. In einer trefflich geschriebenen Broschüre,*) welche das Bblk n»id änd schädigende Treiben der Apostel des Antiscmitisinns darlc>,t, werden »de Mittel., zur Abwehr vorgcschlagcn: I. Müsse» die Behörden die nach dieser Richtung bin bestellenden "-e'etzc energisch handhaben nnd nicht gestatten, daß Ansschreitnngen -! 'gen Einzelne oder ganze Eonscssionen stattliabcn, daß dieselbe» l>e 'chimpst, in ihrer Ehre herabgesetzt und dem Hasse prcisgcgcben werden. Telion dadurch würde den Allotrias, wie sic in den (inelpen statt >d.'tt, cin Ende gemacht werden. - Begingen die Zeitungen bisher merkwürdigerweise den Fehler, ne jede Schandnnd Brandrede, die diese Torte von Menschen i -eil. in kleineren oder größeren Zirkeln, in irgend öincm Flecken, . d wäre dies in einer der letzten Stiicipcn, pnblicinisch verbreiteten .od damit diesen Personen die größten Dienste erwiesen Derartige wollen nm jeden Preis populär sein, und cs kann ihnen nichts . oenelmieres widerfahren, als sich täglich in den Zeitungen bc . >chen zu schell. -'!. Die Juden selbst, die bisher die ihnen angctliancn Jniulien - aller struhc Hinnahmen, müssen sich zur Abwehr ansrafse», .die munden sollen sich organisircn, Mandatare ernennen, die zusammen: . ' :cn baden, um ans Grund eines bestimmten Planes Anssälle» .» ihre Eonscssion zn begegnen. Als eine ihrer wichtigsten Aufgaben -teil sic es betrachten, jcircn Demagogen, die im Reichsralhe oder nttage unter dem, Schlitze der Jmmnnität falsche Anschuldigungen 'vrechcn — gleichviel ob sich diese aus einen anderen, lügnerischen ' uährsman» oder ans eine nicht bestehende oder durch Bosheit ver-,. .:. Bibel- oder Dalmudstcllc berufen — eine Berichtigung zn -'uiden, und falls solch ein Tilgner seine Behauptungen in der isten Sitzung nicht widerruft, »lögen sic ein Eircnlar an die De "iten dieser -lianimer übersenden: diese werden sich dann über die uaßlichkcit solcher Individuen klar werden. Beileibe soll aber diese »hligniig nicht vor den Pöbel gebracht tvcrden, der ja vorerst gar i Bciständniß dafür besitzt: auch lehrt ja die Erfahrung, daß rgbcil nnd Schustcrcicn solcher Demagoge» sic in de» Augen des ' bels »ur populärer erscheine» lassen. -! Fällt die wichtigste Ausgabe der (Gesellschaft als solcher zn. ''selbe hat in letzter Zeit schon vernehmlich ihre Stimme erhoben, ein einige edle Menschen, denen das Veib zn Herzen geht, das einem »l ihrer Mitbürger zngcsügt >vird, einen B er ein zur Abwehr s AntiscmitiSin »S begründeten. Diese» patrio-kischc n 'nsch'e'n-sollcn sich geistige Hilfstrnppcn zngcselle», ' I „Die '.»ostet des AntiseniitiSnins, deren schädigendes Treiben für Psfk _ ' Vmib nnd die Mittel zur Abwehr"'von Tr. Preis » Ir Druck nnd - 'lag des tziterarische» und graphische» Institutes HelioS, küllll. Blatt. ' reite ü. Apo st e l der Menschenliebe, deren Zweck es wäre, , „ die vom Antiscmitisinns dnrchsenchkcn Beziite zt, gel,en nnd dort die »e.r s ii l> r t e Bev ö l ke r n n g d n r ch Ir- Di r n n d Schrift zu belehre». . - '' .. Was Punkt 1* der Borschlägc anbelangl. so hallen wir denselben für verfehlt. DaS Beztiischnngssnstem wäre von den nachtlseiligsten Folgen begleitet. Den Avosteln de'' lnliieinilisnins wird durchaus nicht ein Dienst erwiesen, wenn über ihre oraloriichen Ansi'chrejliingen wahrheilsgetrcil berichtet wird. Si». scheuer, das Vidjt der Scsscntlichteil und lauen auch in allen ihren Eonvcnckikeln nach Bcrichicrstatier» nichtäntisemiii'cher Blätter fahnden, tim stach Enlternnng derselbe» desto nngcnirtcr crcedircn zn können. Interessant und lehrreich ist eine Mittheilnng über ein "Gesvräch, mit einem Tischler, welche der Bcrsast'er int Anschlüße an seine Abwchrvorschlägc macht: er schreibt:' - In meinem Hanse wurde jüngst von einenl Tischler eine größere Reparatur vorgenommcn. Der Meister, Per dies besorgte, war ein etwas bejahrter Handwcrksmann, de net, Aeitßeres Intelligenz verrieth, . und in dessen töesichtsansdrnck ich eine lranrige Slinnnnng wahr znnchmen glaubte Ich ließ mich in cim (Gespräch init demselben ein. Ans »icinc, iheilnahnisvollc Frage, wie denn die (Geschäfte gehen, gab , - er mir folgende 'Antwort: „Ach, die «Geschäfte gehen gar nicht, die | Inden, die Juden, die verderben Alles!" Sofort mcrttc ich, daß ich , cs hier mit einem von denjenigen zu lhnn hatte, a» denen das t^ist. der niodernen socialen .(irantlrcit nicht spurlos voriibcrgcgangcn in. Ich wollte tiefer in die ^Gedanken dieses Mannes eindringcn, nnd ii» i Berlansc des weiteren t^eivräck>es sagte er, der: mich oifenbar für einen * Gesinnungsgenossen zn halten schien: „Ja-, selten' Sie, Herr, Pie Inden halten halt mit dem ("cltie zurück: sic bestellen nichts, cs wird nicht gebaut, cs wird nicht gearbeitet: jeder beschränkt sich aufs das 'Roth ivcndigste, nnd das Bedürfnis; nach feinerer Arbeit hat ganz ans gehört. Ich bin seit 24 Jahre» Meister i» Wie», nnz hatten gute nnd schlechte .feilen, aber ein Elend wie jetzt habe ich nockr nicht erlebt: was ich besaß, ist verletzt, nnd ich bin lstiicklich. noch einen .! t ganzsii Rock zn besitze», nm itiich lvenigücns ans der Straße zir I zeigen und Arbeit snck>cn zu können. Ja, die Inden, die Inden, die ziehen sich zurück, verbergen d.rs ttleld. nnd cs ist rein, znm Per hungern " Tie Gcistcsrichlnng, die sieh in dieser ckiede manisestirte, setzte mich in Erstanncn, nnd ich sagte: „Ja, lieber Mann, die leingewcrbe treibenden sind fo doch hanpliachlicki selber, die sich den Antisemiten anschlicßcn, »>» gegen die Jndcii znschimvsen: Ihr seid cs also, die daS Eapital vertreiben, und nun' tlagt Ihr. nber^die Inden, daß sie stcki znrilck^ichen."-.. . Rlln änderte sich der (Hsichisansdrnck di^s Mannes, feine Züge . » »ahmen einen s.rcnndlichcn Ausdruck an. nnd gnlbcrzig lächelnd tagte er: „Ja, Herr, sehen Sie, ich war Soldat, ich bin viel in der. Well hcriinigetommen, aber ich muß Ihnen gestehe», das; ein iotch .schlechtes Bolt wie diese. Anliseinilensiihrcr ans der ganzen Well »ich! eristirt Sic verhetzen das Bolt gegen diejenige», die den Handel und den Bcrtchr beleben^ und natürlich ziehen sich die Inden zurück. Tiefe Antiseniitensührcr haben cs nur ans ihr eigenes Wohl abgesehen, das wissen wir ja ganz gut: >vir Haud'.vsrker diene» ihnen bloß »1' stanonensnlter, Arlnit stabil uns-die noch nicht acichaiit und. werden. »ns auch keine verschaisen. Wenn es nicht bald ander-' ivird, werden sich Tausende rym gewerbetreibenden Familien anslöien müssen, die Roth ist nicht weiter Zli ertragen." «t'aiiz erstannl srng ich den Mann: „Also, wenn Ihr so geinnde' Ansichten habet, iv.ieckoinint Ihr in die aniisemiliichen Bersaminlnngen — „Ach," meinte er, „das ist sehr einfach:-Man sitzt zn Halite, briitel vor sick> hin, mgn hat nicht zn enen, teiit_(',’e‘0 in der Taick>e, die Roth dringt von allen Seiten ein, da lommi nun ein Besucher es sind gewöhnlich leichtsinnige Studenten, die sich Doeloren nennen der reicht einem schmunzelnd die Hand und ladet zn einem Beinch ins Wirlhshans rin. Man hat Hunger, man -möchte für einige die ' Sorgen los sein, wie soll' man da eine Einladung znrn^weiicn? »n .- Wirtbshanse wird Eiiteni da ei1Gulims, ein vaar t^läser Abzug bier vorgcsttzt, nachher bekommen wir von nnseren Führern Tabak»nd Eigavvc» — nnd man ißt halt init ihnen, laßt sich Alles schmecken, hört die Reden an Und schreit halt mit Man muß doch nir da-- 'Genossene etwas Ilnin! Freilich, wenn man den ckransch ansgeschlaiea hat, io ist das Elend, wieder da, nnd' mir winen^tnch, tver die Schuld - ,. an nnscreni Elend trägt, aber eine solche Einladung tan» man dock, schließlich^ nicht zuriickwcisen, wenn man Hunger hat." „Wo komnlt denn das <>'eld her zu diesen Gelagen?-Diet'e Z-'chen in den Wirthshänsern kosten doch recht viel Geld, nnd irgend-J-emand. muß sic wohl bezahlend'