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Freies Blatt · 1893-01-08 · 40 (8.1.1893) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
II (1893)
Issue
40 (8.1.1893)
Date
1893-01-08
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seit» 2 Nr. 40. freies sillschafl schüincn innß.DDic Nachwelt wird Dnhring s frcvclhaftcck «.^ebaliren im Dienste di'r Ungerechtigkeit und Uninenschlichkeit, der rüge und Verhetzung." de» Mißbrauch, welchen er mit den dem Arsenal der Wissenschaft entlehnten W.rsfen getrieben hat, strenge richten. Dnhring, der Philosoph und Naturforscher, wird wohl langst vergessen sein, wählend die Lpurcn der moralischen Verwüstung, welche der Antisemit Dühring ’i» deutsche» Lande» an gerichtet hat. noch nicht verwischt sein werden. Der herostratische Niihm Dühriiig's dürste lange währen und den Anlisemitisnins überleben. Die feindlichen Brüder. - In den Dcck>:iger und Diebzigcrjabrcn ging ein breiter Dirvin d-.e- Freisinns und der Auskläruug. durch unser Bolk, der bei Alten, auch bei I.ncn, die nicht professionsniäßigcin D pliniiSinus huldigen, die Zuversicht wegen konnte, die. Cuiaiicipakion unseres BolksthuuiS reu den Machlinbabcrn der alle» Zeit bade sich endgillig voll;ogcn. T ieie Hsniiniig war indcy rcrsrubr, unsere Freude wandelte sich gar bald in Traurigkeit und die erzwungene Bescheidenheit der (Gegner in I'dssärligen Drov um. Heute siebt ein großer Dhcil dcS österreichische» Beitsiiiiiins. besonders das dergeographischen Zone. der Alpen an gehörige, wieder'unter dein ichwar;cn Baimcr der Ncaetion. Der Anti . 'eniitisinns bat das Unglaubliche in staunend kurzer Zeit zuwege gebracht, der Aiim'einikisinnS war es. der daS Volk in Hellen Hausen wieder dein Ctericalismns ziiinbric. Tie Cleriealen hatten allen Grnud, den Ailii'enlile» dankbar zu sein, und sie waren cs auch in der Weise, daß ne. die Gegner der DelectionSIclne, gar bald ein merkMrdig >i»i:e»saltiges Beispiel von natürlicher Zuchtwahl nnd Anpassung liefet ren. Wer kennt nicht die ivoblbekannic Figur des Cooverators, der in teurer aniii.iniliichcii'Nadanvcrsainnilnng fehlt, politische Bann b':ne von dem Thron eines Bierbeisels ans schlendert und mit nnsag!ar>»i Wrlilbchage» das viclsiinimige „He^p! Hepp!" der Gemeinde d'rntjl'k? Und nn'ere Lne er, Geßmanti, Dckilcsingcv hinwiederum, scheu tu nicht iraichecliieii Clcriealen ähnlich wie cm Ei dem anderen? Bon '.'uclm'iiiKiib dein eigentlichen Nepräscnlanlcn dieses neuen politischen -'torpers mit den zwei Deelen, gar nicht;u iprechcn. Ans dein Linzer Bail.nage war. cs, wo der gewesene Neilerofsieicr das Wort von den beiden. Arinceeorrs gebrauchte, die getrennt iiiarschircn, vereint sich aber schlagen wnrdeik. Und sie schlagen sich wirklich schon, nur nicht mii einem Tritten, .Niel!! «Gegner. 'ondern nnrerciuaudcr. Dchon seil dem vorjährige» 'talln'llkeiitagc gähn cs zwischen den beiden Brüdern und will nicht .ii.iu- :ur Nu he kvuinien. Aller Umschreibungen enlklcidci, dreht sich die Dache im «Grunde darum, daß der niedere Clcrns, .der kleine B,a:in der Hierarchie, der bisher als cnl'andtcr Bundesgenosse in der a'.'.ll'eiiisli'chen Dchlachircihc wacker inirgcsochteik, niinmebr die ivirth ,icha':iichen nnd socialen O'lanbenssäpe des AntifenilkisninS. die thcils der delnokraii'chcn, ibeils der >'oeialdci»okralischcn Toclrin entlehnt sind, apch ans sich und seine Dlcllnng anwenden will, in nicht mißtnrerstebeiidenl t^egruiane :n der hohen «Geistlichkeit Hier liegt der Bnnti, in welchem der Antisemitismus nnd, ClcriealiSinnS noth '.renkigenvei'e aneinander gcralhcn innßien. Taß der Antiscmilismns, abgesehen ran seiner >>nbumanität, auch den Fnndanieniallebrcn des Hbnsienil'nnis siracks rnwideiltes, binden die Dpiscopalcn nicht, einem "lleg''r deinonstraliv Beitritt zu klatschen Dclbsl der imverkennbar revolutionäre und anarchistische tzsbaratler des Antisemitismus hätte die eine ,.Dtnre des Thrones" nicht bewogen, die Capläne nnd Coopera kvren von ^er tbaiigen Tlieilnabme an allen antisemitischen Umtrieben runickzukaltcä. In dem Augenblicke aber, wo sich die Bcrncinnng jeglicher Aniorität, welche das hervorsleckiende Merkmal tzcS Antiscmilismns bildet, natliriiorbivendigerweise auch in den Neibcn der Cleriealen 'ichlbar macht, wo die Bisikiöse Gefahr lausen, von ihren Untergebenen, ’n.niz nach anri'emirischem Necepte^ als Inden iraciirt zu werde», weil ’i. mein Bk mg! und mehr «Gncksgnrer. besiven, in diesem Momente ’k! es der hoben Geistlichkeit wie Dcknipven von den Augen, und man ::abni, wozu Nnckßckiren ans D.aar, Menschlichkeit und Ncligion nicht rermechlen, '.irrlöplich Diellnng geoe» de» Antiicmilismns. Dchon rea dem Vinzer .statholiientage halten wir i^clsgenhcit» eine ä'-ißersi erbilkelkc Fehde zwi'chcn dem Barerland", als dem Bcrtrctcr der Clencalen. und dem „Deutschen Bolksblatt", dem Drgan der Chnsilicki Doeialen, zu regiüriren. Aus Lin; trugen die lcpteren einen vrllstündigcn Dieg heim: man erinnert sich noch, wie übel das arme ..Baterland" 'von Seite der frommen Herren davoiikam, nnd wie siegestrunken sich das ..Deutsche Bolksblatt" als daS »unniehr autonsirtck’ ..christliche" Drgan aus'pielrc. Bsatt. Die holse Geistlichkeit ging indessen sehr vergrämt von dein Linzer Katholikentage »ach Hause, ans dem sie, offen gestanden, eine nicht besonders glänzende Nolle gespielt hatte. ES ist seitdem Winter geworden, die Antisemiten hatten Gelegenheit, die Früchte jenes Lenzes ciiiznhcimscn, abrr sic sind, wie leicht begreiflich, sauer ausgefallen. DaS famose Dchrciben des Bischofs von Linz, dieser Absagebrief a» de» AntiscinitisiiinS, der die DiSciplin innerhalb der Hierarchie er schüttere, war eine herbe Kost, nicht bloß für die Hctzcapläne, sondern auch für die ganze Antisemitcrci, welche mit Borliebc die Fahne des ChristcnthuinS zu entrollen pflegt. Dabei blieb cs aber nicht. Zu gleicher Zeit fast war das „Baterland" i» der Lage, ein vom Car dinal Dchönborn iin Namen dcS bischöfliche» ComitnS an den Grafen Belercdi gerichtetes Dchrciben zu veröffentlichen, worin dem clericalc» Blakte Dank nnd Anerkennung namens dcS BischofscomitßS für die bisherigen publicislischcn Lcistuiigcii ausgesprochen wird; und nicht ganz ohne Zusammenhang mag cS sein, daß just um dieselbe Zeit auch der Laibacher Diöccsanchcs, Fürstbischof Missia, cS für angezcigt hielt, an seinen CleruS eine NcnjahrSrcdc zu richten, in welcher er den un bedingten Gehorsam des niederen ClcrnS, nicht bloß in stricte» Glaubcnsfragen, sondern in allen. Angelegenheiten, welche mittelbar oder un mittelbar mit de»? «^'laitbcii in Berbindimg stehe», fordert und sich dagegen verwahrt, daß man tu seiner Person den Bischof nnd den Politiker scheide und dem Letzteren die dem Erstcrcn schuldige Lbedien: versage. Snuiinirt man alle diese Faclorcn, so könnlc man zu dem Dchlussc gelangen, °daß sich der CpiSeopat zu einer planniüßlgcil Campagne gegen den AntiscuiitiSmuS und die durch denselben gezüchtete, nun auch in der Kirche fühlbare Uiibotmäßigkcit der Geister anfrafscis wolle. Das bei,» Linzer Congrcß unter den Tisch gefallene, von gewisse» Seite seither sogar als „vcrjudct" verschrieene „Baterland" wird von weiche» bischöflichen Händen wieder cmporgchobcn, der kleine Mann der Hierarchie zur Drdnnng gerufen und vor der Lectürc gewisse! auliseinilii'chcr Blätter, deren Nationale genau mit dem dcS Bcrgani «che» GcschästSnntcrnchiiieiiS ijbcrnnstimint, aufs Eindringlichste gewarnt Die clericalc und christlich sociale Presse breitet natürlich die ganz. Frage bis ans die feinste» Fältchcn vor den Augen des erstaunten PublieuntS gehörig ans. D>is „Deutsche Bolksblatt", „rasch fertig mit dem Worte", wie cs immer ist, nennt die Bischöfe schlankweg Feinde des ChristenthuinS nnd fordert die Antiscinitc» auf, „daS praktische Christciithunl ohne und, wen» cS sein miiß, gegen die Bischöfe in, Belke zu pflegen". „Wenn daS so weiter geht," ruft der antisemitische Moniteur, „sehen wir mit Bedauern eine Dchcidnng der Geister. Aui der einen Dcite die Bischöfe oder wenigstens eine Anzahl Bischöfe mir dem Adel, auf der anderen Dcitt der untere ClcruS mit dem Bolle Die anliscniitischc Partei kau» und darf sich dem .Baterlands' Christciithum nicht anschlicßcn." Dhnc d>'»i Unterschiede zwischen dem sogenannten „Baterlands Christenlhuiuc" und dem „praktischen Christcnthumc" des Geschäfts manncS Bcrgani. näher auf den Leib zu rücken, sindcn wir die Cr bittcriing der beide» fciiidlichcn Brüder doch nur zu begründet. Daß eine so wohl accrcdilirtc Persönlichkeit wie Cardinal-Schönborn jenem Blatte,' daS sich täglich zweimal PS daS einzig christliche auSposaunl gar keine und dem Conciirrcilzuiiternchiiieii mit den beiden als Jude!' vecdSchtigtcn Nedaetcuren eine so auSgiebige Ncclame macht, müßt, auch noch duldsamere l^cichästsmänncr, als cs Bcrgani ist, erbittern Zudem -scheint das diesmalige .^erwürfniß der beiden Brüder nichiencn transitorischen Charakter annchmcn zu wollen, wie so manche, .^ankdnctt von früher, daS jedesmal wieder verstummte, wenn eS ge »icinsam gegen die Liberalen ging. Wenn die Autorität der Bischof, fest genug steht, dann droht der aiirisemitischen Armee der Verlust ihre» fähigsten Cssieiere, der Cooperatorcu: findet jedoch der Lockruf de» antiseinitischcn Heilslehrc in den Hcrzeii der Capläne ein stärkeres Ccho ats der Drdnnngsrus ihrer Bischöfe, däiin ist die clericalc Partei zcr trüiniiicrl und zerbrochen, dann hat sie ihre sträfliche Unterstützung de. Alltiscniitisiiins mit dem Leben gebüßt. Welcher von den beiden Fülle» ciiilrcten wird? Wir vermögen die heute, »och nicht zu sagen, undoffen gestanden, ist cs uns auch glcick giltig, da sich der ganze Streit nicht um die Verwerflichkeit des Anl: scuiitiSmnS an und für sich, sondern bloß »m Machtfragc» iniicrhal der beiden Licchtenstcin'schen Armcceorps dreht. Daß die Chancen fü' die cpiScopalc Partei schlecht stehe», könnte die Zuschrift eines „Pfarrers aii das „Deutsche Bolksblatt beweisen, wenn sic nicht uns dem unerschöpflichen Füllhorn von Fälschungen gegriffen ist, das sich von Kv Linken Bahiigassc über die antisemitische Welt ergießt. In jener Zv schrift heißt cS: „Ja, sammeln für den .Peterspfeiinig'. da sollen d.. Pfarrer social sein, als wenn ohnehin nicht genug Elend im Bolle wäre. Do dictirt das Consiftorium von Dt. Pölten wenigstens zwei

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