Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- II (1893)
- Issue
- 39 (1.1.1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 73% known words query
- IRI
…/4886575-5439157-5441372--0398-4886934- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Freies Vlat . fT?ite_7.- Nr. 39. (Ein Mahnruf an dir Iugcild.) Aus Heidelberg wird nilterm 10. Tkccmbcr berichtet: Ungefähr fünfhundert Personen, die den großen Saal „',»»! Zwinger" bis in den lebten 2t?iiifd füllten, wohnten gestern Abends einer Bcrsanimlnng bei, die der Freisinnige Bercin mit ber Tagesordnung „Der AntiscinitiSinnü nnd feine Bekämpfniig" ein berufe» hatte. 'Aach einer entspreet,enden Einleitung durch Herr» Pro fcssor S st h o f f, die sich nanicntlich auch an die atadeniische Jugend wandte, ergriff der Hauptredner des Abends, Herr Professor Stengel ans Marl'ing, das Wort. Mit der Wärme echter Humanität bc bandelte er fein Thema, wobei er verlangte, die Fugend solle wieder;i, den idealen Bestrebungen der Bätcr zurnckkehrcn. Soda»» sprach »och der Socialdcmokrat Tr. Nüdt, der den AnlisemiliSmus gleich iallS scharf vernrthciltc. (Siche BcrcinSnachrichten.) (Tcr Stuabcmiiorb in .lauten.) Wie das „liicucv lr rc is bl alt" auf ('siiind von Erknndignttgc» an maßgebender Stelle mit ibeili, hat die Staatsanwaltschaft in Eleve jept nicht allein gegen Wcfcndrnp, sondern ^auch noch gegen eine zweite Person wegen dco PerdachteS, de» nabenmord in Fanten begangen zn habendie Unterfnchnng cingclcitet. Ter Haftbefehl gegen Wefendrnp.stand hiemil ivohl nicht in Zusammenhang, eS scheinen aber neue Mo in e n tc an'getancht;n sein, welche den Mordverdacht begründe». 2lu5 antisemitischen Vereinen nnd!?ersannnliniaen. ..»laust nur bei Clltisicn!" Tie Persiichc zur Bovroltirnng der jüdischen 'Richäslsleute werde» wcilcrgelührl. Während am Sonnrag eine?l»vii>l von rchb.ilerveriammluiigc» das verhalle» u»d Perlabre» jener „Pollslribnnen", die mir den Schlagworten: „.'tauft nur bei Christen" nnd ,.Sän»> der christlichen Arbeit" die Ciesell'chast reformire» wolle», einer lehr ahlälligen .HiitiL nn,erzog. fand am Montag eine Fra»e»versa»ii»lling stau, die von der T.is arnppc „Margarethen" des Vereines „Christliche Familie" im Hambergcr >.he» Saale in der Lchlostgassc veransialicl worden war, il, welcher V,echten nein, Palla 1 nnd Sch er; er ihre Resorintliälkßkeil sort'et.ste». riechlenslei» ,»ie die Stirne, von einer „heiligen Allianz de» Redlich", von „geirnssenloser Ansbcnlnng der ehrliche» Arbeit des arischen Polles durch die inlerename Raiion" re.;» faseln. Patlai ciferx in seiner Rede aiich Äboiiniren anli >>»iiii'cher Blätter an nnd empfahl sogar jene F-'it»»g, ivelche vor einiger Feil 'eine inangelhgsie» Sprachkeiinlnisse verrielh. Coopcrator Lchcrzer endlich iiirie zur Befürwortung des Boucoilirnngsplanes die Worte deS Apostels Paulis „llmelsliipet Cure chlanbenebrnter!" 'Tb dieie-'Worie den ihnen von Schellsr pigeschriebene» Sinn haben, möge dahingestellt bleiben. Sntier aber ist, '. if: des in Testerrcich zn stiechl beslcheildcn Strasgescpes al'o lautet: .Wer Andere zu Feindseligkeiten wider die verschiedenen Ralionatiiälc» > PoAsslämiiie), ReligionS- oder andere l'lesellichaste», einzeltie Classeil oder L laute der bürgerlichen Gesellschaft oder wider geieplich anerlanllte .llörper ' asten, oder überhaupt die Cinwohner des Staates zu seindictige» P.irleliilige» a-,pneiiia»dcr anssordert, ancisert oder zu verleiten sucht, ist, inso'erne sich diese ebäligleit nicht als eine schwerer verpönte strafbare Handlung darftellt, eine» ' erizcherls schuldig lind soll zu slrengei» Arrest von drei bis sechs Moiiaien rmPiestl werden." 'Bkrci» „TkNtschr Presse".) Ein uelicr aittlscinitiicher Perein wurde hier .:» Teccinbcr gegründet, dessen Ausgabe die Schassnng eines „deutsch »alionalen :a.,!'.alles" zur Pflege deS Sieinw ender C ul ins bildet. Ter neue Perei» sülnz i: Rainen „Tentiche Presse" nnd wild von Trgainn des Fivellter sttilus bereits .-ahm, iveil er in seiner constitnirende» Sitzi:ng sich zwar zur Anti'tiuilerei tt.iiint. jedoch nicht den „nationaler Straniinheil" cnliprecheilden rüden Ton "»''chsagkn hat. Fm ersten Fahre der Pereinsthätigleil soll blosj fleißig.agiiirt . .een: das projectirte „dentsch-naiionale Tagblatt" ist Fniiinslsn>nsik, cs wird ■ : zu glfuVr Zeit mit dem von Pscn »er i» Aussicht genoniinenen „christ l a Tagblatt" das kicht der Welt erblicken. 'Brrriii der Tc»tichnalio>ialrii in Slkicrniark.l Unter diesem Ranicn . 'mnirle sich in Graz ei» Pcrein von steiermäitischen Anhängern Cll'vrg . l ouercr's. Tiefe nenc Pereinsschöpsniig wird ivohl Schönerer^ der in .. adelvsterreich so gründlich abgewirlhichaflct hat, zlini Tröste gereichen und den '!.,l>'einikeu Llciilwender'scher Färbung, inanchmal unbeqnein iverden. An ■■T Spihe des Perein es steht ein Archilelt Stärk, imd dein Ausschüsse gehört l-ier Anderen der in den Wohlverdienten 'Ruhestand versehtc Fligendbitdner olzcr an lAitliscinilischc Nnvcrfrorcuhcit.) Ter „< ji c»eralanzeigcrfürMa > bnrg nd U mgegend" verösiemlicht folgende Erllärnng: Sonnabeisd den ö. Teceinber >lie ich in Heidelberg in einer össemlichen stark besuchten Versammlung über den .. 'lilliicinirisiniis und seine Bekämpsniig" gesprochen. Fn einer vyn antisemitiicher L eiie ans Lonnlag den 18. d. einbernfenen geschlossenen Protestversaminlung hat der Redner, der bekannte Herr Tr. Erwin Bauer ans Leipzig, nach dem Berichte s „Heidelberger Tageblatt" Ar. 2!>8 vöm S). Teeembcc „den Mulh des Herrn , / S tcngcl beleuchtet, welcher in einer ansllkiiiestli.kr '!' roii Fstd-n be'nbon'Per samiirlnng io tapfer, ani deren t'll'giier ge'chimvll? iviibrend er in Bc l'.bnrg. dem Siv des AmiieininsninS' i>r Hemi>, von stell gar melns I>. re» 'I '. Fi, ddnle, daß ielbn die Malbi'rgcr Auli'enlilen über die llnv. ,.'ro>enhett der in obigem Sape enlhältelien Schtiißbehanvlnzlg mit mir ein.^. Meinung sind »nd iiige darum ^nr Ckläulernng.der anderen Pebal'blnngen 'kunr hinzu,, daß uilener Persanilnlnng sogar viele Antnennien anwe'ei.d iv^ren. eie am S.blnst die Ankündtsznngszctlel ihrer ProleiN'ersanlmlnng v.-ril,rillen, daß aber die von mir bcgcbrnchle» Beweise für die Perlogenheit der a»li'e,».i,i>ä,en .'iainvllnl Rieniand anznfecl'teu geivagi bat. Auch e?err Bauer bat den einrlen-Berichte naäi. es vorgezogen, daran' ni.kn einzngebe». Ein neuer Beweis >ür cie'Wabrheilsliebe dieser Reiter,unseres Pateltandes! E. Stengel. ' al^st'mitischr'n blättern. iEin Pltbiscit.) Tie „Poliliiche» Fragmente" suchen ihren Vesern lveisznmaehen: „Wenn cs beme iil 'gajen zu. einem P-ebillii länie: zu einer allgemeinen Polkeabstiinmnng. ivürde es si>l> zeigen, daß vier Fünsicl der ge saniinten Bevölkerung zur -etirisllläi ioeiale» Partei .geboren." Wen ioll kic>c An>>ä>iieiderei irreiühre»? Wie die wirklichen Arbeiler über das- „Re'orin". Programm de.r christlich ichillei»den Anliieinile» denken, haben sie in »nzähligen Pei'aniinlniigen lnndgegebe». Tic Herren pnegernnd Ceßinann haben das auch, als sie Arbeilerkrei'e. bekehre» wöllien, deutlich geniig ersahrcn. So giaiv i't auch kein a»tiiemiij>cher Schuster, nm nicht;ii_U'ifitit, daß in Wien mit kein Tage, an ivelcheiu das allgenieinc Slim recht cingeslihn würde, die ganze Anli'emilerei keine Bedeutung mehr hatte upd aller Wahrscheinlichleit »ach deren t'ieichä'ts'ührer 'elbst sich beeilen ivürdeu. sie eniziijarge». Tr. Hnbcrt Fuß:) Ein Schlesier schreibt »ns: Tie Rachricht vom Tode, des Abgeordneten Tr. Hubert Fuß riet in Troppa»' rege Theilnahme hervor. Wenn ein kräsliger Mann in den besten Fahren von cii'.er nittlscheu »trankheit bingeraisl wird, io berührt das. mag er welche BarieisteUiing inimer ei», genoinnien haben, jeden menichlich FübU'nden schmerzlich. Tis W euer „T eutiche Bolksblatt" beachtet aber den Svrnch: ..!>>' mortui«« nil ui-i >>riio" nicht nnd sagt dem Peiblichenen »ach, daß alle anliieinilischen Amiäge und Fiuervellationen ans 'eine llnterstühnng rechnen konnte». Fst es nnchl pietätlos, an der Bahre des Abgeortnelen von Troppaii die Erinnerniig zn envelken, daß er Schrift stücke, ohne sie einer Tnrchsicht »nier.zogen zu habe», unterierligt batte und. ha durch, wie ei ft neulich bei der icheiißlichen Fmeipellation Schlesinger, in die pagc kam, rin „Ill>l>-r p'wr-nvi-anziisliüiinen f Tas „Polksblatt" begeht iudesien eme »och viel größere.Rliäsichtslosigkeil gegen' den armen Fuß Cs erzählt, daß dieser Abgeordnete zuweilen ainch kür dasselbe geschrieben bat. Tie Artikel, welche das Pcrgani'jche Blatt gegeiz S leinivender gebracht Halle, scheinen, nicht von Fuß veifaßl norden zu sein,' da ioüst auch dies anläßlich seines Ab lebens verraihen ivorden iväre. lh'tlogcii.! Am ITeoeinber brachte das Pcrgani'iche f'ngenblatl solgende „Wie der Fnde seinen Arzt begannerl" iiver'chiiebene stioliz: ..Aiich in der .'lraiitheil denkt er a» Beirug, sö 'innß ein z'emberger Arzt von >e,»ein jüdischen Patienten sagen, z» dein er telegraphisch in ein emlegencs Slädachen bern'e» ivnrde. Ter "Arzt, dessen Hil'e der. jüdische Patient in Aii'prnch nahm, leteaiaphirle ihln. er veilänge für.diese Reise lm> st. '.'last' einigen Siiliiden kam die telegrapbiselie Auiivorl des Fnde» .Bin einveistanden mit dem Hoiwrar — lommeil/Sie gleich!' — Ter Arzt begab sich »nil iii dleies elliche zwanzig Meilen entlegene Slädlchen, und al.s er die Rnckiei'e anlral. bändigie ihm der Filde bloß -äi> st. ein Ter Arzl machie nnn die . Be»>e>kl.ng, daß er ein Honorar von U>"'sl. zn, Recht habe, ivoransi der Fude eiii verwusideries ''ll-nän machte, und sagte: .Wie heißt! Sie habejt bloß il verlangl. da ist F!».e Tepesche.' Ter Arzt sah tze Tevesche an ^rues steht dort wirklich >> il. — eutf. rut sich alte, ohne ein Wort zn lagen. Bald brachte er iedoch in Cr'al'rnng. daß tc^r beim Tclegrapbenavvaral fnngirende illl'amle im Ci»ver»ehi„eil mit dem tränten Fnden die Filier eorrigirle, und machte eine Anzeige an das "Bericht und an die Posidirerlion." Wie uns nun ans z'enlberg berichtet ivird. ist keine derartige Anzerge erstatlcl ivorden. llnfer >''eiväl»s>nani> schreibt: „Tie Roli; ist keine Original füge des Wiener antiscinili'chen Blaues. Sie stand, tvie mir niilgetbeilt wird, vor länge'er Feil in einem polnischen Blatte, llir welches sie ei» polnischer Fndensr>sicr ans. l'>r»nd eine-? alieii .'ialender wiv'S bearbeitet hatte. Rnr die Meldung von einer Anzeige ist Selbsterzengiüß des Wiener aiitise»iitische,i'Blat:cs, nitMirt aber, wie ich ans C'rnnd von Cr kundigiingen an inaßzcbeüder Stelle erllären kann, jeder thatuhUtTdi.-tt Be gründllng. Tie Firma uiillicS vasidsmannes Pergani.bat ivieder eittinal gelogen." . * . lFninicr unwahr.' Tie „S laatsbürgerzeilni'g" ist, ob sie »>>» voil Frcnnden oder Feinden spricht, in stetem Coiistiele'mit bei- Wahrbeil ' Sie cnsrüncte sich über den bekannten Conscrvalivcn Wilhelm Freiherr» von M(a>nigerode, iveil er eine Cinlaknng zum Besuche einer Anlisenttlenversainiulnng zurückgeiviesen Hälse, ivährenb in Wirklichleii diese Furückiveisnng von Seile deS welfischen Abgeordnelen Bernhard v. Minnigerode er'olgt