Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 37 (18.12.1892)
- Date
- 1892-12-18
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/4886575-5439132-5439253--0376-4886913- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ISifJ. IVcibnod'tS'lTinumcr des „.V’vi'icu IMatn’s*' ITad; cifftt kveile wlirdc» die Fremden auf die tßalcric eines schwach erleuchtete» Gemaches gebracht. Als sic von der «Erliöbimij uicdcrsahcn, bemerkte» sie eine» »rit schwarze!» Tuch bedeuten Tisch, auf »>clchei» zn>ei ivackskcrzeu. zu-ische» denen ein Lrucifir stand, düster brannten, und sic ii'usiten, das; über sie Gericht gehalten werden würde. Die Grän» trat ein, langsam und feierlich, setzte sich auf de» Richterstnhl und gab, ohne aufzubsickcn, ein ,Reichen mit der sZand, worauf der ältliche Mau», in dem die beide» Freunde mit Reckt den Schloßvcrwaltcr vermntheten, den älteren der beiden Inguisiten auffordcrte, den ganzen Vorgang zu erzählen. Dieser wallte beginnen, da warf er eine» Rlick auf das neben ihm weinende Kind, und es versagte ihn, die Stimme, vierauf begann der jüngci freund, aber gedankenkräftigcr e, nicht fo erfahren wie sein älterer als dieser, ohne die Aufforderung des Sckloßvcrwaltcrs abzuwartcn, wi, folgt: „Edle Grän»! kvoz» diese feier lieben Lcremonicn l Es ist über dm Vorgang nichts zu erzÄstcn, was Ihr niä't schon wisset.!vir sind uns seines Unrechtes bewußt, und doch baden nur in Euren Augen ein großes verbrechen begangen, und eine schimpf Ijck>e UUßbandlnng steht, wie es scheint, »ns bevor!!vas nun auch ge sckeben mag, lastet niich, edle Gräfin, Euch die Versicherung ausfprcchen, daß wir bei keinem einzigen Beitritte, den wir gegangen sind, auch nur von ferne die Absicht batten, etufas zu thun, »m Euch zu kränken! Ihr seid eine so hohe und edle Fra», daß Ihr weit erhaben seid über Releidianngen von »nscresgleichcn, selbst wenn sie in bewußter Absicht Euch juaefiiat. ivsirden. Ivawir unbewußt gctha» haben, verdienet Euren äiorn und diese feierlichen Zurüstiingeil sicher nicht. Ich bitte Euch'hoch und bcilig, edle Frau, meinen lvortcn Glauben zu schenken! So Ihr aber dies zu thun nicht inistande wäret, so machet wenigstens, ein Ende 'mit dieser proecdur und thuet mit uns, was Euch beliebet!" Diese so männlich und außerhalb der gewöhnlicheniForm einer vertbeidigung geführte Rede drängte die . Gräfin, cniporzubKc^en und dem Sprecher ins Gesicht zu schauen, und es traf sie der Strahl s-Kics Auges. Eie fiüsterte dem Verwalter einige kvortc ins Bbr, hieraus forderte dieicr den jungen Mann ans, von der Galerie heruiiierzustcnzrn »nd seine vcriheidigung zu Füßen der gnädigen Fra» Gräfin ordentlich und wie es sich gebührt durchznführcn. Der junge Mann stieg chir Treppe, welche von der Galerie' in das Gemach führte, herunter und warf sich der Gräfin zu Füßen. Einige/Zeit lang lag er schweigend ans den Knien, den Kopf zur Erde gesenkt; danti aber richtete er das Auge empor zu Jcr Gräfin und sprach: „Edle Fra»! die Gunst. Luch nahen zu dürfen, habe ich durch nickts verdien», aber die Schmach, uns wegen des Geschehenen nochmals iccktseitigen zu sollen, wahrlich noch weit weniger: denn ich glaube. Alles zu unserer Rechtfertigung gesagt zu haben! lind wenn Ibr, edle Fra», in meinen lvortcn eine solche Rechtfertigung nicht gefunden habt, io muß ich befürchten, daß es mir nicht gelingen werde, uns rein, zu waschen." Mbne hierauf -irgend einen Refehl zu criheilen, erhob sich die Gränn plötzlich'von ihrem Stuhle und rnisernte sich raschen Sckrittes ans dem Gema.be, Alle Anwesenden waren wie vom Rlitz getrosten, und keiner wußte;:> sage», was das zu bedeuten habe. Diese Rathlosigkcit aller Anwesenden benützte der junge Man» zu einen, anßerprdentliche» lvagniß, von welchem die llmstehenden nickt begristen, wie sic cs haben geschehen lassen können, nachdem es geschehen ivar. Er lief der Gräfin nach, »m sie für feine Kühnheit nm Verzeihung zu bitten, nicht bedenkend, daß er durch diesen schritt eine größere lssilni beit sich zn Schulden kommen lasse als durch-die Freiheit, die er iu 'einer veitheidigung sich erlaubt hatte. Als die Thür, zn welcher djo-Gräfin hinausgceilt >var, auch hinter ibm neli. geschlossen hatte, sah er sich in einem weiten, lichten Saale ans welchem eine Treppe in das obere Stockwerk führte, allein. Rasch stiea er auch diese Treppe Hindu und östnete eine Tbür, durch die er in ein glänzet,des Gemach eintrat, in welchem ganz am oberen Ende das schöne lveih auf ciiicm Ruhebettewie hingegossen lag. lllit dem Rnfcä Verzeihungh wollte er sich abermals vc^r der Gränn niedcnvcrfcn; allein^ iu demselben Augenblick ward wie mit einem Fsanber schlag der Saal vern,inert, er hörte ein Geräusch, als ob etwas in die Ticfc hinnnterfnbre, da»,, war es todteitstill. und tiefe Finsternis; umgab ihn; er hörte nichts und sah nichts. Er veri'vckte. indem er beide vände weit von sich streckte, sick nach vorwärts zu tasten: da er sich hiebei aber Uiisichcr füblte. so legte er sich auf die Erde und kroch aus allen Vieren; als ec endlichsdnrch den ihm cntgegenstebendcn kviderstanj merken konnte, daß er am Ende des Saales an der lvand. an der er die Gräfin auf dein Ruhebette batte liegen sehen, angclangt sei, so tastete er sich die ganze lvand entlang, von einer Eche des Saales zur anderen, und entsetzte sich, da er das Ruhebett nirgends fand, bei de», Gedanken, daß die Gränn verschivliiideii sei, uitd daß er für dies Ereiguiß zur veraiitwortung ac zögen werden könnte. In dieser Angst miede,bolt die obere lvand entlang tauend,-drückte er zufällig init dem Finger ans einen, Knopf, und in demselben Augenblick war der Saal-wieder erleuchtet, und eine versenkiuig ostiiete sich, aus welcher da> Ruhebett mit der Gränn nck rmporhob. „Gott sei. Dank!" rief der Fremde, „Ihr lebt!" Die Gräfin reichte ibm die Vaud »nd sagte mit weicher Stimme: „Ich habe'cs gefürchtet.und gehofft, daß ibr mich entdecken werdet." Sie umschlang ihn mit ihren Armen und driiektc ihn an sich, als sic ein Gträt,s>1' vernahmen. Erschrocken ließ sw ihn los, und der Jüngling sprang einige Schritte zurück von ibrcm Ruhebette und lebntc fick, da seine Kräfte ihn z» verlassen drohten, an ein Rct», das an der »äckst an. grenzenden lvand a'ufgerichtet war. In diesem Augenblicke .trat der Graf, von der Jagd heimkehrend, iu den Saal und: ,!vas? ein fremder^Kann bei meiner tugendhaften Gemählin!" rief er mid - innsterte mit streuacm Rlicke bald die Gränn, bald'den Fremden. Die Gräfin, anstatt von dem vcrdgcktc, welchen der Graf gegen -sie erhoben, n»d in welchen der offenbare Augenschein sie versetzt hatte, sich zn reinigen, begann die Geschichte von dem verbrechen zu erzählen, dessen jene Fremden sich schuldig gemacht hatten. ..Und warum wurden sie nicht gepeitscht?" fragte der Graf, Die Gräfin erwiderte, sie wisse selbst nicht, wie es gekommen sei - „Ich aber weitz cs!" rief der Gras, „und wir sprechen noch davon!" fügte er Hinz», verließ den Saal und winkte dem Fremden, ihm zu folgen. Da er' mit ibm allein war, begann.der Graf: „Junger Mensch! der lvcg, den du wandel.st, ist nicht der rechte!" „vcrr Gras," sagte-dcr Jüngling, „cs ist heute schon zum zweitcnnialc mciil Unglück, eines Verbrechens angeklagt zu werde», welches z» be gehen mir auch nickt iin Entferntesten in de» Sinn ackomincn!" ,D» hast mein lveib nicht verführt?" fragte der Graf, „Rci Gott, nein!" sagte der Jüngling. „Du kannst es beschwören?" nagte der Graf. ,Rei meiner Seele Seligkeit!" ivar die Antwort s-es Jünglings, „lvie aber kamst Du z» der Gränn ins^Schlafgcinacb?" Der Jüngling erzählte hierauf, wie er von der Grzifin. liegen des voisalls am va.bc verstört tzvorden wie er'sich vcribeidiat bähe,'wie. die Gränn. ohne eine Entscheidung zn Neffen, ven dannen geeilt ^ei. und wie er um Gewißheit über sein und der Sciuigen Schicksal zu erlangeu. seine» ganzen lNuih anfgcrastt und bs gewagt habe, der Gräfin bis in ihr Ge mach zn folgen, um von ihr Verzeihung zu erlangen. ..Kann fein," tagte' der Grat. „Ist aber immer deck arg genug! Du liebst nicht wie ein Lügner ans," sprach der Gras weiter, und dock kann ick nickt glanbcit, datz Dn liTJr Alles getagt bast. was ich wissen muß!" „vevrGraf," ries der Jüngling mit allzu großer Lebhaftigkeit, „wenn Ihr,mir ins verz sebcn könnker. _ „Das, wäre sebr^gut," nnlerbrack ,bn der Gras. „Ibr wiitdet erkennen," snbr der Jüngling, hingerissen von einer inächtig'en Resgnna. -die ibin das ruhige wohlwellende verbalteir. des Grasen, eingrfiößt ba'ie mit neck größerer Lebbaniakeit »'ort, „Ibr würdet erkennen, wie! sehr ich Luch ergeben bin! r», daß ick mich Enck an die Rrnst werfen ldürfie, »m Euch z» zeigen, wie ick Euch liebe!" „vast Du' der Gränn das auch gesagt?^ fragte der Graf mit einer plötzlichen lvestdnng des Kopfes »nd lein Gesicht nabm dabei einen un . heimliche» Anrdrnck an. - „vci Gott, verr Graf!" rief der erschvckene Jüngling rn höckster Erregung, „die Gränn ist unschuldig. ,/Dann bist dock D» der veriiibrer," tief -er Graf »nd stieß ibm das Jagdmesser welches er in der vand gebalten hatte, in die vrnst. i