Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 37 (18.12.1892)
- Date
- 1892-12-18
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/4886575-5439132-5439253--0375-4886912- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
reite 4. 18!'2. rveihnachts Nummer des „freien Blattes". Sbclkefpeclve. von s. (Titriuri. ^tc haben verstanden, Di.'!' 511 loben fo iiMHlof als der IlTcnfchbcit arostten €chrcr; fic haben über c^oetbe selbst, als war' er KI.-in acacn Dich, so rieste; Dich erhoben; rie haben auch verfehltes' so rerwoben 'Nit dem!?ollkonun'iien, daß beinah' Dein hehrer Name hurch Deine rasenden Verehrer Ills unwerth solcher Leistung war' zerstoben. l * vErü ielnifeit sie ein!Dmider, dann bestritten chie!>ir die NDerke, die so hoch begeistern', Und ^nachte» zum Verfasser einen Dritten. Du ch'er lächelst bei dem wüsten Treiben Iin Hochgefühl, ueivint mit echten 'Heistern Auf 'dieser IVolf, so lang che steht, zu bleiben. nfd>ul'dige nevbved)ev »Eilte Geschichte aus beut Mittelalter iroit Eduard KulKe. -"^^^l^s-wei .freunde gingen mit einem jungen M.idchen feldeinwärts. ' rie waren reit der Landstraße, die ihnen, weil es lange nicht c: acreanct batte, zu ftaubia war, abgewichen und schritten fröhlich und guter Dinge durch das Feld, das Mägdlein in der Mitte, der altere der beiden Freunde zu ihrer Linken, der jüngere zur Rechten, uud ehe i'ie sich's versahen, waren sie an einen Bach gekommen. der mit leisem Geräusche dahiuxlätscherte und die feierliche Stille dör Landschaft kaum unterbrach. Ls war aber keine Brücke da, um über den Rach zir gehen. Der ältere von Beiden,. erfahrener in allen Dingen des Weltlaufs und der Hat«, tbat nichts dergleichen, als ob er in dem Master ein hinderniß für das Meiterkommen erblickte: mit raschem Auge batte er erkannt, daß das Iraner keine Liefe habe, und so schritt er, ohne ein Mort zu reden, rorwärts in das Wasser hinein und zog das Mägdlein, das «r an der hand führte, »ach und den jüngeren Freund, der die andereljand des Mädchens hielt, desgleichen; So gingen fic durch da» seichte U.'aff er, als ob es die Landstraße wäre, undals sie am jenseitigen Ufer des Raches angekoinmen waren, schritten ste äuf der grünen wiei'e weiter und hatten tute ein wenig die Füße benetzt. Line weite Fläche lag ihnen ror 'lugen: nur zur Linken bemerktru sie in ziemlicher »Entfernung eine Reibe 0011 bobcit Räumen, zwischen welchen etwas Weißes durchfchimmerte. rie hielten es für ein herrfchaftsgebäude bewunderten die schöne Lage desselben und setzten heiter und woblgentutb ihre Manderung fort. „wie still und niedlich das Gebäude da liegt!' sagte der Jüngere von Reiden. „wenn dieses chchloß, worein ich nicht zweifle, Bewohner hat, so sind es die glücklichsten und beneidenswertbesten Menschen ans Lrden; denn sicher herrscht auch im Innern desselben eine solche Ruhe und Fried- Wertigkeit wie in der Landschaft hier!" Raum batte er diese Worte gesprochen, als ein gellender jdnff, der von der reite, wo das rckloß lag, zu kommen schien, ihnen ins <Dhr drang: als ne hierauf, den Blick nach jener reite hinwendend, stille hielten tun nt crfernbcii, was es gäbe, fabelt fic einen ganzen häufen aemeirett Gesindels. Männer und U-'eiber, unter rckreien Lärmen und drohenden Rewegiingeii auf fick zueilen. Der Eckrecke» ubermannte das Mägdlein und auch die Männer: es hätte ihnen wenig genützt, die Flucht zu er , grei'cn: denn sie wären von der beraiinürmeitden Masse in Rurzein dock erreicht' worden; auch waren ne sich keines Unrechts bewußt, welches ihre Verfolgung hätte veranlassen köiiuen und so erwarteten sie denn, nickt ohne Aufregung, aber mit Lrgebnng in das Unverineidliche. was" da kommen sollte! Die Rneckte und Mägde kamen Hera», und im Ru waren die Fremden umringt. Aus die Frage des ältern von Beiden, was man von ihnen wolle, antwortete einer der Rneckte, sie würden' alle Drei gepeitscht werden! »Ins der weiteren Unterhandluna, die von reite der Rneckte und besonders der Mägde mit Toben und Lärmen geführt wurde, ergab sich, daß der Rack, welchen die Fremden durchschritten hatten, in den rchloßgarten laufe, daselbst sich in ein Bassin ergieße, in welchem die Granu zu baden pflegt; und daß die. Fremden, da sie durch den Bach gegangen, das wasier verunreinigt hätten. - Auf die Linwenduna, daß über den Bach keine Brücke führe, wurde, ihnen entgegnet, dies hätte ihnen ein Zeichen sein sollen, daß sie aus dieser reite des Raches nichts zu suchen hatten, und aus die weitere Lntichuldigung,-sie Härten nicht gewußt, daß die Gräfin in diesem Master bade, bemerkte man höhnisch, sie hätten die« sehr leicht erfahren können, wenn sie nicht eigenmächtig gehandelt, wenn sie sich vielmehr erkundigt hätten, wemdie I'errschast gehöre, und ob es Fremden gestattet sei, durch den Rach zu gehen. Das Mägdlein, welches die Beiden mit sich führte», weinte bittere Thräneu und zitterte am ganzen Leibe vor Angst und Echrrcken: die beiden sttänuier knirschten vor Il’utb und Echam; aber es nützte ihnen nichts; sie waren machtlos dem häufen gegenüber und mußten sich fügen. Eo wurden die Fremden den» unter dem ansgelassenen Gejohle einer Menge, die an Grausamkeiten ihr (Ergötzen zu siuden schien, in den - Echloßhof geführt. Da standen sie nun. wie Verbrecher an dem sdranger, angegast't und verhöhnt von den Buben und Mädchen, welche aus den Rebengebänden hergelansen kamen, sie zu sehen. Die werden Eching' kriegen! — Mit der hnndsxeiische! — ,Das wird ein Ge'chrei werde»! — Die Kleine da wird's spüren! — llnd der Dicke auck! Ich freu' mich schon! — halloh! ro flogen die Reden der Rinder hin und her, als es auf einmal hieß: die Gtänu! — und augenblicklich war Alles still. , Lin jinjaes U'eib von kaum zwanzig Jahren mit fliegenden haaren, in fckwarzeni Gewände, eine Flasche in der hand, kam Hastigen Echrittes Heran, eilte lau den Fremden, ohne sie eines Blickes zu würdigen, vorüber, einer kleine» Treppe z», die sie rasch hinniiterlies. Unten angelangt, bengse - sie sich über) etwas, welches man von oben ans nicht dentlick itntersckeiden konnte dis haiislenle wußten, daß es ein mit dem Bassin in Verbindung stehender IlKifferbehälter sei — schöpfte aus deniseiben die Flasche voll, stieg daun jnit eileudem Echritte die Treppe wieder herauf und hielt die mit Master! gefüllte Flasche prüfend gegen das Eonnenlicht. Die Hmhcr* stehenden lsticktcn bald auf die (hräfiit, bald auf die Fremden: es war eine feierliche Etillc wie beim vollziehen einer heiligen handlnng. Rachdfm die beiden Männer und das Mädchen also einige sijeit in peinlicher llngewißheit über die Folgen dieser wunderlichen Teremonie zugebracht hatten, übergab die Gräfin einem ihr zunächst stehenden älteren ■ Diener des haufcs, welcher der Verwalter des Echloffcs z» sein schien, die Flasche^, und mit dem Befehl: hinein! ging sie Hastigen rchrittes, wie sie gekomnieii, war, von dannen und entschwand in Rurzein den Augen der gaffenden Menge.