Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 37 (18.12.1892)
- Date
- 1892-12-18
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Hel fi n a cß l s ztmmor. (2T\ Wien, 25. Derember 1892. U'. . Dies n&talis Solis invicti. gegrüßt, liebliche Zeit, die im tiefen, froststarrendcn Winter den Frühling uns wieder ins Haus bringt nn^ ans unerschöpflichem Füllhorn eine Welt von bunten Gaben in den Schoß der lieben Jugend streut. Wohl gibt es keinen zweiten Augenblick im Zahr, wo so viel Gluck und Lust die Kerzen dehnt, wo eine solche Flnth von Licht aus glücklichen Rinderaugen strahlt und von den Bäumen, die der gütige Weihnachtsmann rings ausgestellt hat. Za, ein Fest des Lichtes ist der Tag, des Lichtes, das unser Haus und Herz mit mildem Segett füllt. - Unseren Ururoordern schon war seit Jahrtausenden dieser Tag eine geheiligte Zeit. Der Sonne, dem alles Glück und allen Segen spendenden Licht, opferte der kindliche Mensch als seiner obersten Gottheit, und jene Mittwinternacht, in der die Sonne aufs Neue ihren leuchtenden Rundgang um die Erde beginnt, sie war den Lichtverehrern stets eine weihenacht, „das Gebnrtsfest des unbesiegbaren Lichtgottes". Dann ging von Bethlehem der Welt ein Stern auf, der alle Sonnen verdunkelte. Novus sol oritur, wie das alte Rirchenlied singt Der Segen, den der neugeborene Lichtgott über ülle Welt ausgießen wollte, er wurde verheißen durch den Thor der Engel: „Friede den Menschen, die eines' guten Willens sind", er klang in den goldenen Worten des Meisters aus:. „Liebe deinen Nächsten wie Dich selbst". Der Liebe und dem Frieden, jenem hehren Geschwisterpaar, das-dort nur wohnt, wo Licht und Rlarheit weilen, ihm galt, fortan die sinnige Feier, und also blieb Weihnacht „das Gebnrtsfest des unbesiegbaren Lichtgottes". Und ist auch heute noch dies Freudenfest, was es seit vielen tausend Zähren für die Menschheit war? Wohl ist's das alte Festgeprättge und die Form von ehedem, allein die rechte Feierstimmung scheint geschwunden, in der wir alle Welt mit gleicher Liebe umschlingen, zu Jellgen und Genossen unserer Freude machen möchten. Wohl strahlt wie früher von den buntgeputzten Bäumen blendender Lichterglanz, doch in den Kerzen gar vieler, die um den „Lhriftbauin" stehen, ist es kalt und finster wie auf der nächtigen, winterlichen Straffe draußen. Als ich in der letzten Lhristnacht an einem Gotteshaus vorüberschritt, das Herz erfüllt von wehmttthigen Erinnerungen, da drang auch wie zu alter Zeit der alte feierliche Hymnus an mein Ghr': Es paxhominibus. Allein die Töne klangen wie verloren, als fänden sie kein Echo in den weitgewölbten Bogenräumen der Rirche. Ans einer nahen Schenke aber drangen johlende Rufe herüber, Flüche ^md Verwünschungen über Mitmenschen und Mitbürger, die der Zufall zu Rindern eines anderen Volkes und 311 Bekenncrn eines anderen Glaubens machte. So feiert mail heute die Weihnacht. Der Friede, der in der Thristnacht allen guten Menschen verheißen wurde, hat uns verlassen, Nächstenliebe wird verhöhnt und mißdeutet, die Diener des Lichtes werden verfolgt, und mit Bangen drängt sich Allen der Ruf auf die Lippen:^Herr, es will Abend '•ifiXii: