Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 37 (18.12.1892)
- Date
- 1892-12-18
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 37. Freies verleitet, welche jedem Autifemitenblatt zur Zierde gereichen könnten. (In der Thal bat da» „Teuksthe VolkSblatt" die betreffenden Schiinpfartikel der „Politik" mit wahrem Behage» an leitendkr Stelle wiekergegeben. Anin. d. Red.) Tie Leistungen dcS Organs der verkrachten Altnchechen werden jedoch von dein osneiösen direnzerblättchen „Praisky J)en„ik" iibertroffen, den» diese im Lande weit verbreitete Beilage zn den amtlichen ,.1’razsky Xoviny“ enllivirt nachgerade iniiernatisch den AnliieniiliSinriS. Ter Proceß Ahlwardt bietet dem - omeiösen Streuzerblättchen Stoff;n einem Artikel, in welchen: darauf hingewieien wird, dag in Teut'chlanddie Vcrurlheilung Ahlwardt'S „lleberrafchnng" hervorgernfc» Habe. Niemand Hätte ein solches Ergebnif; nach dem Verlaufe der Verhandlung erwartet: wie die deutsche Wählerschaft denke, habe sie durch die Entsendung Ahlwardt'S in den deutichen Reichstag bekundet. — Tie Wirkung, welche eine solche Schreibweise eine« notorisch halbamtlichen und der ZeitnngS neinpelfreil>eit sich erfreuende» Blattes auf das Volk und selbst auf Unbefangene machen muß, laßt sich leicht berechnen, Iomper uliqniii -bacret. Ich will;u gebe», daß bei den Auslassungen des „I'razsky ln-niiik" auch ein klein wenig Rancune gegen die Teul'chen überhaupt mitspielt, aber der endlich die Zeche »,-zahlen muß, ist doch der Jude. 'Wenn von solcher Leite der Indeuhel-e, niildo g»>agt, mit wohlgesäUigem Lächeln zugeiehen wird, darf man sich nicht wundern, ivenn andere tschechische Blätter, die Stempel zahlen inilssen, aus einem Proceß :1l'lwardt reichlich Eapital schlage» ", Antisemitische Tenüenzlügen.) Ter „Main und einzig Bote" Mivitb in Rr.!»L: „Tie IndenwiriHschafl in» Svessart ist eine übeianS traurige. An Citey mit •'>•'» und mehr Eiuwobnern stehe» häufig keine jrölf 2tiuf Viel, in den Ställe», die bäuerliches Eigenthugi genannt werden lönuen: alles . übrige ist jüdisches EinstetlvieH. Ter Terrorismus, den die Wucherer den un glücklichen Svesfa-.ter Bauern gegenüber anSüben, ist so groß, daß auch die seldstloiesteu Anstrengungen edle» Männer und daS bereitwilligste Entgegen kommen der bäuerischen Regierung bisher nicht imstande gewesen ist, ernstliche Maßregeln zur wirthichaftlichen Selbstbefreiung der Bauern ins Leben z» riffen. So .Hatte B zu Anfang tiefe-" Jahres ein katholischer Geistlicher im Spessart alle, Anstrengungen gemacht, einen Bauernverein und einen Raisieisen'schen l , TarlehenScaffenverein in gründen, um der allgemeinen Roth einigermaßen zu steuern. Bei der warmen Fiir'vrge, welche die königlich bäuerische Regieruilg Nulerfrankens ihren arme» Spena lbewokiiierii widmet, indem sie jährlich; Tausende von Mark zur Linderuirg der Roth daselbst genehmigt, war es nicht zu verwundern, daß auch ein hoher Regie,nngsbeainler die Gründung eines . solche», VereilieS sehr warm befürwortete. älnd dennoch konnte der Plan nicht zur Ausführung gelangen! Tie grenzenlose Angst vor der Rache der Wucherer überwog bei den Bauer» alle übrigen Rücksichten, ein treffender Beiveis, wie erschlaffend die indische Wiiclierwirltpchaft sogar auf den natürlichen Selbst erhalttiiigSIrieb unserer Bauern wirkt. Stumpfsinnig gehen die geknechteten Bauern ihrem Ruin entgegen und weisen die Hand, die sich ahne» rettend enlgegenstreckt. zurück, weil sie ihnen nur Mittel der Selbsthilfe;» bieten weiß. Tieie Berhällnisie zeigen aufs Slarfte, daß ohne. gesevliche Maßnahmen die Löiung der Inden'rage ab'olut unmöglich ist, und daß die Hille in dieser Ge ' stall bald kommen muß, um zu retten, waS »och zi> retten ist " Wie wir den > Berliner'„Mitlheilungen" entnehmen, haben sich die vereinigten Freunde der Abwchrbestrrbungen der Mühe unterzogen, an Ort, und Stelle Erknndi gnngen einzilzicbe», und daS Ergcbniß derselben beleuchtet drastisch die anii semilischen Tente,izlügrn. Unter Anderen, schrieb der LaNdlagSabgeordnete Herr | P'arrer Tr. Frank in Wie>'en Folgendes: „Euer Hochwohlgeboren beehre ich ' mich sofort zaus Berehrliches vom l!>. Roveniber zu erwidern, daß der fragliche' ' Artikel ifbej die wirihschafllichen Verhälluine i»> Spessart au,' Unkennlniß tiefer : Verhältnisse beruht. TaS Einstellvieb, daS allerdings früher ein Zirebsichaden , bei u»S war, ist großeniheils durch die. bäuerlichen TarleHenScasienvereine in nyin>t>e„ Gemeinden ganz, in anderen theilivejse beieiligt. Von eine,» : Terrorismus indischer Wucherer, welcher die bäuerliche» Tar lebenscassenvereine nicht aufkommen ließe, weiß man in, j Ope >' sar! lutte. Ich kenne allerdings zwei Speffarlgeineinden, in denen! bis iel>l »in -'.icher Beiei» nicht Wurzel, schlagen konnte, aber die Gründe, 1 welche dor: entgegenstehen, sink ganz andere. Taß die Speffarlgeineinken stunrp'nnnig ihrem Ruin eulgegenzehen, ist eine^ Berlennidung, gegen die ich enlschieden -Verwahrung ei,liegen muß. Ich bin jetzt zwanzig Jahre in, Sven'art in, Tienne deS TiaaleS und der .stirche ihätig und muß die ^erfreu lieh« Tba>sache feftfieUe». daß sie wirihschastlichen Verhältnisse da'elbsl sich int Blatt. Allgemeine», dank der Fürsorge der köiiigkichen Regierung und dem Entgegenkommen der Spessartbevölkerung, bedeutend gehoben haben. Ein Nothstand, wie wir solchen früher zu beklagen halten, wird nach menschlicher Voraussicht bei unS nicht mehr eintreten." (Eine jüdische Tynastie in Bulgarien.") Tie antisemitische Presse hat an» Verlogenheit und zum Theile auch auS Mangel an Urlheilsfähigkeit schon die nnglaublichstkii Tinge ihre» Lesern anfgetischt. Eine »och nie dagewesene Leistung, inspirirt von blindem Judenhaß in Verbindung mit toller Wnth über die Gestallung der Zustände in Bulgarien, bietet aber die „Rowoje Wremja", welcher inan unter der Ueberschrift: „Eine jüdische Tynastie in Bulgarien" schreibt, daß die Revision der Vei.saffung in Bulgarien unternommen worden sei, um m Bulgarien eine Art jüdischer Tunastie eiuzusetze» und auf diese Weise ein neues mächtige» Reich ans der Balkanhalbiitsel zu schassen. ES heiße, Stambnlow sei zu der Ueberzengung gekommen, und zwar unter Beihilfe gelehrter Forschung^», mit denen eine ganze Eouunission seiner Freunde beschäftigt ge weken sei, daß die Bulgaren'gar keine slavische Natjon, sondern, eine Äischung irgend eines türkischen Stan,inei mit Juden seien. Wir wollen, io meint die „Rowoje Wremja,", so lange die Resultate dieser ttnlersuchnng nicht veröffentlicht worden, keine Beweise zu Gunsten dieser Idee der gelehrte» Bulgaren Stanrbnlow'scher Schule anführen. Slanrbnlow calcnlire, daß mit Hilfe der Schule die lleberzeugung davon, daß die Bulgaren — Juden seien, bald in die Maffe der Bevölkerung dringen und -Bulgarien die Snnipathie deS ganze» JudenlhumS auf de», Erdbälle gewinnen werde, worauf dann riut jüdische Tynastie. juf den Thron gelange» solle. Ter Prinz von Eiburg sei natürlich weit von einer solchen Eoinbina'ion, und wir selbst,beinerlt ferner das Blalt, messen ihr nicht viel Bedeutung bei in der Meinung, taß eS sich um eine Erfindung der Feinde Stanrbulow'S handle, doch rein f persönliche Umstände zwingen de» Eoburger wider Willen, ans diesem Wege zu fchreile». ES hantle sich nämlich darum, daß der Prinz von Eoburg sich in eine reiche Jüdin verliebt habe, welche de» Glauben ihrer Väter »in der Ehe mit dem bnlgarifchen Fürsten willen nicht ablegen wolle. Tie Unterhandlungen seien »»ter stricter Wahrung l^eS GeheininiffeS mit den Eltern,der Braut geführt ivorden Schließlich fei man übereingekoinnien, daß die Jüdin nominell lutherisch werde, doch unter der Bedingung, daß die der Ehe eittspringenden .stinder frei erzogen würden, ohne bi» zu ihre», I,!. Jahre irgend einer der christlichen Eonfeisionen anzngehöre». Braut und Bräutigam kamen diesbezüglich überein, wobei der Prinz von Eoburg im Stille» hoffte, diese Abmachung im Laufe der Zeit nmznstoße», indem er seine Gemahlin veranlasse, ihre Ueberzengung zu ändern; die künflige bulgarische Fürstin ihrerseils hoffe, daß ihre stinder Juden , sei» werde«, und daß die enorme» Geldmittel ihre» Vaters und ihrer Verwandlen eine mächtige Stütze sei» würden. Tiefe Ehe bilde das Tagesgespräch in, ganzen reiche» Iudenlhni». TaS, so erklärt die „Rowoje Wremja", sei die Ur sache, weshalb i» das Projecl einerRevision der Verfassung der Paragraph Aufnahme gefunden habe, laut welchem die .stinder deS Fürste» sich ihre» Glaube» selbst wählen dürfen. In Petersburg herrscht nicht etwa eine saisonwidrige Hitze, wie man nach de» AiiSlassnngen der „Rowoje Wremja" zu schließen berechtigt wäre; . an den, Tage, a» welchem der Artikel über die jüdische Tynastie in Bulgarien erschien, betrug »ach den» telegraphische» Wetterberichte die Tenrperalur — :>■2 Grad Eelsius. Briefkasten. Franz — Alsergrund. Wir empfehlen Ihne» nach jeder autiseinitischen Versaininlung eine auSgiebize TosiS Zach-rlin. Aulifkinit, Allkkgasfr. Ihnen verordnen wir ein kalte» Bad! LoSvrrtrirb, Molin. Tid betreffende Wiener Firma ist, wie man Ihne» ganz richtig iniltheilte,, stramm anliseniiliich und erfreut sich der ivärmsteii Gönner »frhasl des „Teulschen VolkSblättes". Abouurnt in Pilsen: Sie bekommen die ge,vünschten Malender alle jederzeit vorrätbig in dein großen Malenderverlag von Moritz PerleS, Wien, l, Seilergaffe 4 (Graben). Wir inachel» Sie jedoch anfinerk'ai», daß wir derartige An fragen nur ganz ausnahmsweise beantworten. W. in Troppa il: Beiträge über schlesische Zustände sind uns jederzeit will kommen. Lcikrittscrkläriuistkil zilin „Ü'crciu zur Abwchr dcs k'lntisciliilisnllis" wcrdcn c»tgcgtiisttiioilli»c» im Tccrctariatc dcS BcrcincS, Wicn, I., Pnriscrgasic 4. Abonnementsanmelduagen auf das „Frcir Blatt" »sminl dir Administration, Wir», I-, Scilcrstättr lU, jederzeit entgegen. Gbendafelbst werden auch einzelne Nummern abgegeben. Probenummern zur weiteren Verbreitung des „Freien Blattes" werden Gestunullgsgenossen auf Verlaugen bereitwilligst zur Verfügung gestellt. Herausgeber und verantwonlichtr Retacteur: Ernst Victor Zenker. — Druck von Eh. Reißer & M. Werthuer, Wien.