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Freies Blatt · 1892-12-18 · 37 (18.12.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
37 (18.12.1892)
Date
1892-12-18
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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I * Nr. 37. Freies Blatt. Seite 3. einer Majorität von 40 (Stimmen genialst!, was vpn Seite ihrer Ge nosien mit Prosit- und Bravo-Rufen ausgenommen wurde. Tamit ist eine humane Körperschaft, deren Bedeutung für die arme akademische Jugend unermeßlich ist, einer Partei auSgeliefert und noch dazu einer Partei, die in ihrem Haste gegen Andersdenkende oder' „Richtarier" nicht Maß und Ziel kennt. Nichtantisemitische Studenten, welche von Krankheit heinigesucht werden, dürften von heu)e ab vergeblich bei dein Pexein zur Pflege kranker Studenten anpochen, zu welchem nicht bläß Studirende, sondern Mitglieder aller Gesellschaftskreise, Eonfrssionen und Parteien ihr Scherflein beitrage», und der unter dem Pro. tertorate des BorbildeS aller.Humanität, Sr. Majestät des Kaisers, steht. (Gtsälschkc (viutrittofnrtCH-' Das Bezirksgericht Alsergrund halte sich vor einigen ^Tagen mit der Fälschung vy» Eintrittskarten anläßlich der für den 17. Oktober l. I. in Sulke'S Restauration in Währing . iiont fortschrittlichen Gewerbebnnde einbernfenen Bersaniinlnng zu be fasten. Ter ans eine Sprengung jener Bersaninilung abzjxlende Eoup wurde, wie seinerzeit gemeldet, vor Beginn derselben entdeckt und eine Reihe von Personen mit gefälschten Eintrittskarten betreten. Es wurde nun festgestellt, daß hie teilte in der Weinstube deö antisemitischen VandtagSabgeordneten Anton Ban man »in Währing, Schnlgaste, mit ditsen Falsisicaten betheilt.worden waren, und zwar durch de» Stell Vertreter Bauniann'S, seinen Oberkellner Earl Bauer, welcher angab, sein Ehef sei zur kritischen Zeit in Talmatie» gewesen. So hatte sich denn nur der Kellner Bauer wegen Uebertretnug des PreßgesetzeS z» verantworten. Tie polizeiliche Rote besagte, das.die gefälschten Ei» lritiskarten den echten sehr ähnlich waren, und daß der Antisemit Anton Baninann allgemein als der Urheber und Beranlasier derselben bezeichnet wurde. Es wulde» in hundert Karten als gefälscht erkannt.?er Kellner Bauniann'S gab vor Gericht an. ^die Karten seien i» die Baumann'sche Weinstube cekominen — er wilse nicht, wie so und durch wen; ihn küniniero dac gar nicht, und sein Ehes sei in Tal niatien gewesen. Bertheilt hab^ er'nichts, die Gäste hätten sich selbst beliebig solche Karten genommen, und eö komme dies in dieser Wein slube öfters vor. Seine Berantwortung unterschied sich wesentlich von de» Tepositionen, die er sogleich nach der Anzeige gemacht hatte; er wurde schuldig erkannt und zu fünf Gulden Geldstrafe vernrtheilt. zTichtlllliZ lind Wahrheit.) Tcr in Rr. Li) des „Fteicil Blattes" unter dieser Spitzinarke erzählte Borfall, der sich in der Penzinger Bolksschule zulrug, fand kürzlich in Hietzing vor dem Strafrichter rr. Pnv-Ehrost ein gerichtliches Nachspiel. Angeklagt war der Buchhalter Abraham Popper wegen des BergehenS der leichten körperlichen Berletzuug. Herr Popper stellte'den-Sachverhalt so dar, wie er im „freien Blatte" bereits stizzirt war, und seine Aussage w'lirde 'nicht nur von den beiden seitens des BertheidigerS Tr. Seidler geführten Zeugen, den Lehrern -eilte und Wein rauch, sondern auch reu dem Hanplbelastungszengen niid Beschädigten, dem kleinen Waiv riiiet, vollinhaltlich bestätigt. Tie. Berhandlniig mußte schließlich be >Borladnng weiterer Zeugen vertagt werden. l'.'ltlliciiritth Tostaltk.) Ter «^cniischtwaarcnhändlcr Johann < o st a l e k, der vielgenaiinte antisemitische Arnienrath des Bezirkes Favoriten, welcher sehr gegen die Eorrnption eiferte, beschäftigte sich. >oie »tänniglich bekannt, in seinen freien Stunden damit, gestohlene Gegenstände von Tieben anzutanse». Sein tstefchäflsfrcnnd war der ^'»jährige Fra»; Heissinger, welcher als Mitglied einer fleißigen Einbrecherbande ihm hänsig Waaren zum Ankäufe oder zur Berhehliiiig nverbrachte. Es mochte Tostalek bei seiner Otesinnung wohl eine ge wisse titcn^gthnung geboten haben, daß drei Beschädigle in dieser Sache. Philipp Z'ippkwwitz, Sigmund Schaffer und Joachim Mandler. Inden sind. Am 14 d. M. erschien Tostalet vor einem Erteiintnißsenate -unter Borsitz des Vandesgerichtsrnthes v. E de St u tu iniler der vom StaatSanwaltö-Substituten Tr. Ir ü hwa ld erhobeiien An klage der TiebstahlstheilNehniung. Neben ihm waren Katharina K renpcl-, die Geliebte eines der THüter, und Elisabeth Z'a n gha ns, die Mutter eines TiebeS, angeklagt, welche bei der Herstellung der EinbrnchSwerkzeuge anwesend waren, aus der Bellte.Geschente erhielte» und elnen Shell derselben auch verpfändeten. Tie Tiebe selbst silid schon von dem Schwurgerichte abgenrtheilt worden, Heissinger erhielt hiebei acht Jahre schweren Kerkers znerkannt. An den Untersuchungsrichter war folgendes Schreiben gelangt: „Für Sie, Herr Uiiterfncl>.nngSrichter, wäre dies ein dankbarer Fall» Tostalek soll nämlich die gestohlenen Sachen an zehn andere Greißler deö X. Bezirkes weiter verkauft haben." Ter Präsident bemerkte hiezu: „Tausch wären Sie, Tostalek, >mr der Agent für die Tiebe zum Berkaufe an andere Nute gewesen." Tie Erhebungen haben übrigens hierüber ein positives Resultat nicht geliefert. Als Bertheidiger traten Tr. T ritsch für Tostalek, Tr. Jllinger für die anderen Angeklagten ei». Es ist auffällig,.daß keiner der rechtskundigen Antiseniiteufnhrer die Bertheidignng des antiseini tischen Würdenträgers übernoinmeii halte. Ser l^erichlshvs vernrtheilte Johann Tostalek zu einem Jahre K er ke r s , verschärft mit einem Fasttage in jedein-Bierteljahre, Katharina Krenpel zu sechs Monaten' und Elisabeth Z'anghanS zu vierzehn Tagen Kerkers. (Eilt nutifcuiitifdtcr Slubcilt.) Unter den Häftling»,, welche am Mittwoch den 14. d. M. dem Bezirksgerichte 'A'enbau vorgefühtl wurde», befand sich der-'ljährige Medieiner Wilhelm Schneider. Ter Bertreter der Staatsanwaltschaft, Tr. res ser, lgu dcm im heurige» Semester nicht inseribirten, aber in anlisemilischen Studentenkreisen wohlbekannten Schneider eine Reihe von wiederholt begangenen gemeine» Telirten zur Hast gelegt. Wilhelm Schneider stand unter der Anklage des TiebstahlS, den er zum Schade» seiner Tuartiergeber und WöhnnngSgenosse», durchwegs armer teilte, ljegangem Ter Be schuldigte bezog ein kleines Privatstipendinin und verdiente durch Veetionen circa UI fl. monatlich: ohne also in eigentlicher- Roth zu sein, stahl er Rocke, "Schuhe u. dgl, um mit seinen Euinpanen bis spät in die Rächt hinein zeche» zu könne». Tabei blieb er aber reget» mäßig den ZinS nzid dem Hausmeister — 4« Sperrsechser schuldig, welche Umstände den Richter zn der Bemerknng! „Tas ist empörend!" veranlaßten Tic Bertheidignng des Angeklagten hatte ursprünglich Herr Tr. Binccnz v. Berger überitoinmen; ans einer zn Beginn der Berhandlniig zur Berldsnng gelangten Zuschrift Tr. v. Berger'S ging jedoch hervor, daß derselbe die Berthe digung zurnckgejegt habe. Tie Anklage führte aus: Wilhelm Schneider habe seinen WohnnngSgebern, dem Schneidermeister Peter A i c m c tz nnd dessen Frau, einen Saniintroct und ei» Paar Frauenschuhe, seinem WohnungSgenossen, dein Eoininis Heinrich B a clp einen ganzen Anzug im Gesamintwerthe von 17 fl. entwendet. Sofort »ach Entdeckung des TiebstahlS war Schneider ans seiner Wohnung weggegangen, .wohin er iricht mehr zurnckkelstte. Sein Aufenthalt wurde alsbald eruirt und Schneider als sln'chtverdächtig in Haft genouimen Mit seinen »amhaft gemachten Entlastungszeugen halte Schneider; wie sich der staatSanwaltschaftliche Fnnctionär ansdrnckte, entschieden Pech: Ter Hausmeister Seidl, bei welchem er früher wohnte, beschuldigte Schneider des TiebstahlS eines Rockes iui Werthe von 4 fl., welche That derselbe auch ciitgestaud, während der Tiener im anatomische» Institute, Leopold Slivci, ihn dev Bernntrenuilg eines medicinischen HehrbncheS beschuldigte. Ter Richter vernrtheilte den Stndenten zn drej Wochen st r e» g e n Ä r r e st S mit zwei Fasttagen in der Woche. (Gegen den Vucgcv von Salzburg.) A», 7. d. M. hat sich der ,;Tentsche Be rein für Stadt und Vaud Salzburg" zn einer ebenso energischen als würdevollen Kundgebung für den von antisemitischer .Seite, so ungerecht angegriffenen Bürgermeister' Tr. Hneber anfgeraist. Tiefes Auftreie» des sortschrilklichen BereineS war uni so nothwendiger, als bekanntlich der antisemitische „Salzburger Bolksverein" seinem Schützling Stainer schon vor ein paar Wochen in einer von Wählern wohl nicht sehr zahlreich, dafür von Richtwahlberechligteii um so stärker' besuchten Bersaminlnng ein sogenanntes ,;Bert>aneiiSvoliiin" ertheilt Hai. Tie vom „Teim'chen Bereiu" am 7. d. M. veranstaltete Berstnnmlnlig war zahlreich und fast ausschließlich nur von Wahlberechtigten aller -Kategorien besucht und nahm einen glänzenden Berlanf. Ter Sbinann Herr Julins Haag» gab seiner Befriedigung über den zahlreichen Besuch Ausdruck. Ten Anlaß zur Bersanimlnng haben in erster Vinic die jüngsten Bor .loininnisse im t^eineinderathe gegeben. Stainer tnibc es für gilt befunden, in der Ge>»cindest n be eine» Ton anznichlage», den man in Salzburg, bislang noch nicht ziil hören gewohnt war. Eine objcctive, fachliche Spposttion minie man sich stets gefalle» lassen, ja eine solche sei sogar nothwendig: wen» dieselbe aber zur böswilligen Berdachtigung iibergein und nur i» der Bernnglinivfung 'Anders denkender ihre Stärke sucht, dann sei' es;Feit, ihr mit aller Entschiedenheit entgegenznireten. Redner besprach hieraus seine Haltung gegenüber dem Salzburger Turnverein,' die er als eine allzeit streng objeetive bezeichnen könne, we»» er auch nie daraus ein Hehl' gemacht, daß er dessen anliseinilische Tendenzen mißbillige, Fnm Schlüsse stellte er folgenden Beschlnßanlxag, welcher einstimiiiig nnd mit lebhaftem Beifall von der Bersamiiilung a»ge„o»»»en--wnrde: Tee „Deutsche Berein für S>adt und Hand Salzburg" inis; billigt entschiede» den Ton u»d die perivulichen Angriffe? welche Here (.Nnieinderalh Adolf Stainer zu wiederholiemiialen im. Eeineinderalhe anivenkete: der Berei» findet eine solche -iampseSweise einei» gedeihlichen Wirke» der t.Ne-mes»de Vertretung abträglich und ipricht dein .Herr,! Bürgermeister De. Franz Hnechee snr seine entschiedene nnd j gründliche Abivehr der vorgebrächten Angriffe und Beedüchtigungen den beiten Dank und die volle Anerkennnug aus ebenso bringt er der Gesaininlthäiigkeit des Herrn Bürgerineisters gegeniiber 1

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