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Freies Blatt · 1892-12-18 · 37 (18.12.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
37 (18.12.1892)
Date
1892-12-18
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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I Seit« 6. Freies Blatt. Nr. 37. sein volles Per trauen zum Ausdrucke. Ter Verein beauftragt den Ausschuß, eine Arreste a» den löblichen Gemcinderath der 2UM Salzburg im Sinne der vorstehenden Erklärung abzufaffen und dieselbe den Wählern der Stadl Salzburg, welche mit der Ansicht des Bcreines überciiislimmcn, zur Fertigung vorznlegen. - (Tie BandkasiSwahl in BrüxJ Aus Brüx wird uns berichtet: Bei der Handtagsergänzniigswahl iui Städtcwahlbczirkc Brüx-Bilin Sbcrlcnkcnsdorf wurde der deutsch fortschrittliche Eandidal Sr. b'eitncr mit 730 Stimmcn -zum Abgeordneten gewählt: auf den antisciiiitischcn GegenranLidatcn drittel rntsiclen tut (Ganzen kB.« Slimiiicn. Auf deutsch böhmischem Boden wird die «Firma Schönerer F Eompagnic, mag sie üch aucli der zudringlichsten „Reisenden" zur Anpreisung ihrer Waarc, des eiucin antiseinitischcn Apprcturversahreu unterzogenen Winzer Programuics, bedicncu, kaum jemals reussiren. Sie Seutschcn BöhincnS haben an ihren natürlichen Widersacher» wahrlich geling und »iclit das geringste Bcdnrsniß, sich Herrn Schönerer zuliebe noch künslllchc zu schassen. Wir bedürfen keiner Rothhclscr aus Zwettl oder KrcmS »nd habe» an dieselben nur die Bitte, .uns nicht mehr zu belästigen. I Zürülksttwiefcll. In der Jahresversammlung des Biclitz- Bialacr d'cscvcrcines am 10. d. M. beantragte der Professor an der k. k. Gewerbeschule Heide, daß der Berein das Sroppaucr Antiscmikcnblältchc» abonnire. Siescin Anträge trat daS Bcrcinsmitglicd Herr Joseph» entschieden entgegen. ES gehe nicht an, sagte-'cr, die (Gelder des Hesevercines zur Ilnlcrslüynng eines solchen Machwerkes zu verwenden und den Berein durch das Anflegen eines solchen Blättchens zu coinproinittircn. Ser Antrag Hcide's wurde mit allen gegen zwei Stimmen abqclehnt. Es gibt sonderbare Specialitären von Gcwcrbcschullchrcrn: bekanntlich hak auch Salzburg feinen Wenzel S i ck. i(5inc Ziikiiiiftssccnc im LOltschcii Rcichskagc.) Sie „Frankiurter Ca lern" vcrössentlickft folgenden vorahncndcn Bericht aus einer künftigen Rcichstagssttzung: Präsident:?er Abgeordnete Ahlwardk bat das Wort. —- Ahlwardk: Zunächst drücke ich inci:- Bcsrcmden darüber ans. daß von fäminllichcn Rcichslagsabgeordneteir' inindenens I?00 Juden sind, wiihrcud die übrigen nur zum Thcil als hochverrärheriiche Helfershclscr... — Abgeordneter dichter: Zur Sache! — Ahlwardk: Herr Richter, Sie haben alle Ursache, still zu sein, ich habe soeben, eine Broschüre unter der «Feder, in welcher ich Nachweise, daß Sic dem Staat, im Cause der Zxit 120 Kanonen gestohlen haben, welche Sic im Keller Ihrer Wohnung verwahrcn und an die Nüssen auszuliesern beabsichtigen. — Abgeordneter Bennigsen: Wort entziehen! — A hlw ardt: Sa Haben wir schon ^wieder einen jüdischen Mitbürger. Herr Bennigsen? Ihr Batcr nannte sich noch Ben Risan, weil er cm Sohn des Rabbi Risan war, und »cisan ist bekanntlich ein jüdischer Monatsname. — Abgeordneter v. K ani » : Schluß! — Ahlwardt: Bitte, Herr Gras stöhn—itz— Kan itz wollte ich sagen — und Sie nicht Gehcimiccrckär der I. (>>»»>-«- isrjfc**!it<*? — Abgeordneter v. itiiivi»: Ich habe Ihnen doch.erst neulich l"0 Mark gcspumpr. — Ahlwardt: Schämen Sic sich, daß es nicht mehr war. Ich komme jstzt zu einer weiteren Enthüllunz:! Sic bekanntlich unter Oberaufsicht des Rabbinats stehende königliche j Porzellanmaniifaetnr hat eine Cicfermig von Höllenmaschinen au die f Pariser Arnachiskcn übernommen. — Abgeordneter V icbcr m a n n v. Sonnenberg: Sas ist zu dumm. — A hlwardt: Was wollen Sie, Herr Cöwnnlann — ach so, Sic sind ja ein Eotlegc, dann will ich Sie vorläufig schonen.. Meine nächste Enthüllnng — die -Broschüre kostet 30 Pfennige, in größeren Partien billiger — ist folgende: «Fürst Bismarck — bekanntlich aus einer jüdisch-polnische» «vamilie stammend — hat die Eimer Scvcschc ans Befehl der Pariser jüdischen . O'Mitcibe gefälscht. . . -Ein begeisterter Bismarck-Bcrchrcr springt ans Ahlwardk los und beehrt ihn nur einer handgreiflichen Berichtigung, woracks er sich die Hände waschen geht. Ahlwardt beginnt zu toben. Großer Tumult. Ser erste dcu-tsche Parlamentssrandal ist fertig. * Alltilemitkllrcill. In? armitabt ist bei den Stadtverordneten wählen nicht ein einziger Anlisciuit durchgekomnicn, wiewohl.dort ein antisemitischer Wahl verein besieht, der allwöchentlich im „Reichs-Herold" Siegesbullelins vMissentlicht. Proctß BancrJ S as Reichsgericht in Leipzig hat das Rcvisions geiuch des Sr. Erwin Äa ner, .Rcdaclcürs der antisemitischen „Reuen Scutschen Zeitung", welcher vüin Landgerichte Berlin wegen Beleidigung des »Reichskanzlers Grafen Eaprivi unddes «Finanzminisicrs Sr. Miguel zu eininonatlrchcr Gcfünguißstrase vcrurlhcist worden mar, abschlägig bcichieden. iZlir Zudcnvcrfolguuq in Rumänicil.) Sic Naturalisation von Juden stößt in der rumänischen Kammer, welche so manchen Schneider und Ahlwardt beherbergt, auf Schivierigkeitcn. Sicscr Sage sah sich Finanzininisier Ghermani veranlaßt, der Kammer nahezulegen, daß die Bcrfasinng die Raturalisatio» von Juden nicht hindere, und daß cs sich nur darum handeln könne, in jedem einzelnen «Falle zu prüfen, ob Scrjenige, welcher die Naturalisation nachsncht, sic verdient oder nicht. Eine große Wirkung dürften die Worte des Ministers kanm erzielt haben. Bei der gegenwärtigen Zusammensetzung des rumänischen Parlamentes ist eine gerechte Bchandlnng der Juden nicht zn erivartcn. 2hi5 Vereinen und Ver sanrinlungen. <Vicditeiiftein, Pattai und Ahlwardt.) Wen» jüngst ein Abgeordneter die Amiscininn mit Werkelinäuuern verglich, die auf ihrem Spiclwert nur eine Walze haben, so.gilt dies ganz besonders, von Alois Liechtenstein, bei dessen Reden neuerdings einzig und allein der £rt der Erccutio» das Uiitericheidende jft. Wem« nckr daher berichten, das; Alois Liechtenstein am!>. Dcccmbcr beiin „Wilden Mann" in Währing vor einer sogenannten Wählcrvcrsaininlnng sprach, so genügt das; den Inhalt der Rede beliebe man in einer älteren Nummer des „Freien Blattes" nach.znschlagon. An Stelle des erkrankten Gcßmaiin, der in dieser Versammlung die zweite Partie singen sollte, sprang i» letzter Stunde Pattai ein, vielleicht die größle Novität in den antisemitischen Radauversammlungen jüngster Zeit. Pattai hält eS bei der gegenwärtigen politischen Siteiation offenbar für a»gezeigt, seine etwas verblaßte und ver blichcne Wvnlarftät wieder auszusrijchcn. £, Herr Pattai ist ein schlauer T iplomat, trotzdem er, wie das ..Deutsche Potksblait" zur Zeit eines EonslietcS constatirte, des «Französischen nicht inächtig ist. Wenn er sich aber nach der bc tühmtc» Uhv"des Prinzen Liechtenstein richtet, so machen, wir ihn darauf ans inerksam, -daß diese schon einmal fehl geschlagen hat. Pattai sagte von der ^ntcrpellatio» des Baro» Sominaruga belrefts der antiseinitischcn Ber hetznngcn, dieselbe habe nur die Tienstc Liechlciistcin's besorgt. Wenn inan Letzterem die Perhetzung gegen eine gcwiffe Kategorie von Kauslenteil zum Borwurs mache, so verfalle ja Sominaruga in denscibcn Fehler. „Nur verlangt (?) dieser, wir sollen unsere Einkänfe bei Süden decken, welche Unter siiitzung der FrcniLlingc aus dem Morgenlaiwe wir wohliveislich bleiben lasse» werten." Tic Tenkschrifl des Perrincs zu/ Abwehr des AntisenritisinnS be zcichnele er als eine „unerhörte Beleidigung" nnd iang das Lob des Barsii Tipanli. Auch des ProeesteS Ahlwardk wurde Erwähnung gethan, wobei die Versammlung in stürmische Hochrufe aus die Trias Ahlivardt-Liechlenstei» Pattai ausbracb. «Es wird weiter gehctzt.) Am \± d. M sprach Alois Liechtenstein in „Elkcrleiii's Casino" in HernatS und gab seinen Acrgcr über die Beschwerde, welche der Berein zur Abwehr deS Anliscniitismus beim Präsidenten Tr. S m o l k a erhoben halte, deutlich z» crkenncn. 'Nach Liechtenstein ergriffe» »och audisre antisemiiische Streiter das Wort, tarunier einbei einer jüdischen Firma bcdicnftcler Conimis, 'dessen Brotgcbcr auch daS Fcldgcfchrci: „.'lauft mir bei Christen!" in .ihrer Tuldiamkeit nicht zu erschüttern scheint. An deniselbc» Tage vcrsäiuinlleii sich auch Aittiicinilen in der Ioiefstadt, nnd zivar beim „grünen Thor". Pse nner besünvortete, >vic wir dein „Balerland" entnehnien, die Austrcibnng der Juden aus der Schule. — Eine Hetzrede schlimmster Art h-clt Lueger neulich im „Wählervercin der Bereinigte» Christen im V. Bezirke"; er verflieg sich;n solgeiiken Ervceloralioncn: Tie antisemitische Welle bewege sich jetzt wieder aufwärts, was die Borgängein Frautreich nnd Tentichland beweise». In Frankreich habe hiezn insbesondere der Panania^. Seandal, in Teulschtand der Ahlwardt-Proccß bcigetragen. Frankreich sei eine „Judenreptiblik" im vollsten Linne-dcs Wortes Trotzdem habe er die Ueberzengung, daß in Frankreich - zuerst das entscheidende, erlösende Wort in der „Jndcusragc" gclprochen ivcrden wird. Bisher haben die Bolksausständc iiittncr gegen die Bischöfe und Mönche gewülhet, jetzt lönitc man die Hosinung hegen. Laß inan die Bischöfe nnd Mön'che in Nutze lasten und dafür fettere £pfcr ailscrsehcn wird.^Tas Blut deS Ztönigs vudwig fordere Sühne, und diese werde der altlegitime Herrscher in jenem Augenblicke finde», in welche»! der gransamstc Herrscher zur Rechenschaft gezogen wird,, und dieser sei das Geld oder der Träger desselben, der Geldsnde in Frankreich. Bezüglich Scvü'chlands mißbilligte vneger, daß man Ahlwardt, eine» Mann, der durch feine Enthüllullgen über die „Judciisliittc»" zum Schutze Tcutschlonds mehr beigctrager, hat, als a ietttgen Generale, statt ihn mit 'der Bürgcrkrone zu chelohnen, Ausper Wcnn man bedenkt, wie Ahlwardt von dein Gcrichlsvorsitzendkn bchandel '.rorden ist, wenn man sich das Beuehinen des, Staeltsainvaltes vor Augen hä: 4 dann »lüste man sagen: „So etwas iväre selbst bei uns in Sesterreich un.n glich. Ein solcher Gcrickztspräsidellt und ein solcher Staatsanwalt würde» vo 'ein östentlichcn Ulnvillen himveggepeitschl werden." So wagte tzncger von ri h . rlichen Functiouärcn eines uns besreundeten Nachbarreichc» zu sprechen, um euren gewerbsmäßigen Berleumdcr zu glorificire». Uneingedenk seiner Erlebniffc in den Soininermonatcn gab er auch der Hostnung aus. einen Anschluß der Soeialdemokraten an die Antisemiten Ausdruck, »nd schließlich stellte er Stei nwendcr und Eousorten, für den Fall, als sie sich mit der Fraction tzueger- Schneider verbünden sollten, „Ministerstühle" in Aussicht.

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