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Freies Blatt · 1892-12-18 · 37 (18.12.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
37 (18.12.1892)
Date
1892-12-18
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Freies Blatt. Seite 3, Nr. 37. Confession nach 45 43 Perccnt römische Katholiken, .'46 7!» Perccnt griechische Katholiken, 204 Pcrcent armenische Katholiken nnd 14 42 Pcrcent Juden. Am meisten betrachten sich die Inden als Deutsche am zweiten Ghinnasinm in 1'cmbcrg, wo cs 38-40 Pcrcent Polen, 11 70 Pcrcent Ruthcncn und 4'0 00 Pcrcent Deutsche gibt: der Confessio» »ach sind 2003 Perccnt römisch-katholisch, 13 32 Pcrcent griechisch katholisch und 51X8 Perccnt Juden. Absolut genommen zählt 2cm bcrg am »leisten jildischc Mittelschüler, nämlich 5'05 oder 20 30 Per cciit der Gcsammtzahl der Schüler jüdischer Confessio» Galiziens; dann folgen Kratan mit 281 Schülern oder 12 12 Pcrcent, Tarnopol mir 21 >> Schülern oder '.>'55 Perccnt, StaniSlau mit 171 Schülern oder 7 5«, Perccnt und Brody mit 100 Schülern oder 7 54 Pcrcent der (i>csa»nutzahl der Mittelschüler jüdischer Confessio» Galiziens. I» 'acht Städten gibt cs mehr als 50 (jedoch weniger'als 100) Schüler jüdischer Confessio»; in sieben Städten gibt os weniger als 50 Schüler, die dem jüdische» Glaubcu -angehörcn. An einer Mittelschule, nämlich am akademischen C>»mnasi»m in Vcinberg, an welchem die ruthcnischc Portragssprache cingcführl, ist, gibt cs gar keine Inden. An den 2ehrcrb ild n » gsa n sta ltc» gab cs 1875 einen jüdischen Schüler (0'24 Pcrcent der Gssammtzahl): 1 SSO f>8 mann Iiche jüdische Schüler (5'03) nnd '->4 weibliche (Ni II): 1881 >!>', männliche (014) und 100 weibliche (13'41); 1882 .18 männ Iiche (3 73) nnd 08 weibliche >1301): 1883 30 männliche'(3 17) und 73 weibliche (11 00); 1884 25 männliche (2 02) und 5l> wcib Iiche X'30): 1885 23 männliche (2'85).iiiib 32 weibliche (5'<i(?); isst! 20 männliche (2'51 > nnd 38 weibliche (>>71); 1887 21 niän» iiche (2 20) und 32 weibliche (507): 1888 28 luünnliche (3 11 und 30 weibliche (0i>5 Pcrcent). Wir sehen da, 'daß die Zahl der jüdischen Schüler an de» Lehrerbildungsanstalten im Jahre 1881 ihren Höhepunkt erreicht hat, dann in steter Abnahme begriffen war, -bis sic sich im Jahre 1888 wieder g chobcn hatte. Die Abnahvie dürfte darauf zurinkzusührcn sein, daß di Erlangung einer 1'ehrcrstctlc für einen Inden -selbstverständlich nur in der Praris) mit Schwierigkeiten vcr bnndcu ist. Auch sehen ivir da eine Erscheinung, die bemerkenswerth in. Während wir unter Chri'tc» mehr männliche als weibliche Schüler >88i '1005 männliche und 043 weibliche: 1887 801 männliche und 5ol weibliche, 18*8 '871 männliche nnd 512 weibliche) siiidcn, sehen wir, daß die Zahl der jüd scheu Schüler weiblichen Geschlechtes eine größere ist als die männliche» (Geschlechtes. — In den G c w c.r b e schule» gab cs im Jahr: 1882 30 Inden auf 1451 Schüler, 1883 120 auf 1705, 1884 323 aus 2505. 1885 3t »0 ans 3300, l >^0 204 ai|f 2052, 1887 380 auf 2313 nnd 1888 030 ans 2312 Schüler. Tic Zahl der jüdischen Schüler an Hochschulen und Volks- 'chnien ist leider nicht angegeben. Auch da wäre das Vcrbältniß ein für die- Inden günstiges, so daß man sagen darf, daß die Inden mehr als die anderen Bewohner Galiziens nach 'Bildung strebe». Selbstverständlich-ist der Bildungsgrad der Jude» in Galizien ein viel tiefer stehender als jener der Ji/dc» in' andere» österreichischen Rindern. Aber »nr im Vcrhältniß zum Bildungsgrad anderer Bcvölkerungsschichten -^alizicns zeigt sich diese Thatsachc im richtigen Vidjtc, und wenn man noch berücksichtigt, daß die Inden erst seit Kurzem die Gleichberechtigung beugen, in, der Praris jedoch ihnen alle möglichen Hindcrnisie in den Weg gelegt werden, so füllt das Urkhcil für die Juden sicherlich günstig anS. Or. >1. A—4. Ablirnrdt. Hermann A h livardt wurde, wie wir schon in der Hörigen .'l'ttinmcr unseres Blattes mitgcthcilt haben, zu fünf Monaten Gcfängniß verurtheilt. Auch der letzte Vcrhandlunastag brachte beachtcnswcrthc Aufschlüsse über daS antiscmische Treiben^ im AU mcincn und spccicll über Ahlwardt, der allem Anscheine nach auch zu dem bei gcmcincn Verbrechern beliebten Mittel, eine Krankheit zil siinnlircn, -gegriffen hat. Der Verlauf der Gerichtsverhandlung vom ',>. Dcccmbcr war im Wesentlichen folgender: Ter Staatsanwalt stellte in der heutigen Verhandlung fest, daß bei Ahlwardt Pillen, Morphimnpulvcr und eine Anweisung, sich krankscheinend zu machcnj gesunden wurden; auch habe der Angeklagte leichte Atropin Symploinc gezeigt. Ahlwardt erklärte, nicht zu wissen, ob ihm ein Freund oder Feind die Sachen zugesteckt hat, Gebrauch habe er nicht davon gemacht. Ter Vorsitzende verlas zur Richtigstellung der Aussage Pcs Zeuge» Paaich eine Zuschrift des ehemaligen LnltuSminister Tr. Goßler, in welcher dessen Siaminbauin initgctheilt wird; cs geht daraus hervor, daß die Ur llr großelter» Goßler'S nachweisbar Christen gewesen sind. i *■ Ter Staatsanwalt hielt ein mehrstündiges Plaidoyer, in ivelchein et die Grundlosigkeit der Ahlwardt'iche» Vcrdächiigungen darlegie und miitceElklärnng schloß, daß die öff'enllichc Vsihaudlnug vor dem Jnlaude und de,» Aus' - laude klar ergeben habe, daß cs ci» Märchen^nnd eine llnivalphert sei, was Ahlivardt von der Siriegsunbranchba»keil der de»t-c>ien Fenerivaise behauptet habe; eS liege klar vor Aller Augen, daß die. Waffe sich auch in> .steiegc acS eine gute bewähren werde, iven» cs dazu kommen sollte. Ter Siaatsamvali beantragte gegen Ahlwardt eine anderthalbjährige Gesangnißnrase. Rachdcm die Vertrelcl der Rebeukläger geiprochen; nahm Ahlwardt das Wort. Rach seiner Meinung habe -die Beweisaujnahme alte in seiner Broschüre enthaltenen -Thatfachcn bestätigt,, nur die Schlußfolgerungen seien bisher ,nicht bewiesen. Er habe ursprünglich das Buch zu ^uiliscmilischen Zwecken versaßt, nachher aber die »öthigen Schritte gcihan, nur das amtliche Cinichrcilc» zu veianlassk». Er habe das Bertrane» der Soldaten-zu de» Gewehre» nicht erschüttern, sondern bewirken wollcn, daß unbrauchbare - Gewehre aus der Armee ausgestoßen würden: Der Gerichtshof hatte sich »in 4' ., Uhr -RachnüllagS zur Bcralhnng zurück gezogen, erschien aber erst nach!> Uhr Abends zur Verkündigung des llrthcils, dessen Verlesung'länger als eine Stunde dauellc. Das Unheil siel erheblich milder aus, als selbst Ahlwardt'S Anhänger erivarletc». Es lautete aus. eine» Monat Gefängniß wegen Beleidigung de« Tber-BüchscinnacherS Airch, ans vier Monate Gcfängniß ivegen Beleidigung tzoewe's und Kühne'«, wobei die Schwere der Beleidigungc» und die Tragweite der Behauptungen Ahlwardt'S als Slrasverschärfung angesehen wurde»; zwei Monate Gcsängniß rechnete der Gerichtshof als Strafe für die" Beleidigung der Büchsenmacher, doch ivurde Alles unter einer Gesaminlsträfc von fünf Monaten Gej'äiigniß;nsainincngezoge». Der Vorsitzende führte in einer längeren Begründung aus die Verhandlung habe durchaus die jlriegStüchligkeit der Loeivc'schen Gewehre crgcbeu, der Angcllagie iu de» meisten Fällen die Wahrheit» verdreht. Allerdings nehme der Gerichtshof nicht an, daß der Angeklagte feine Behauptungen wider besseres Wissen ausgestellt, aber er habe sie in der Form schwerster Ehreiikränkungen vorgebracht. Man lönne sagen, daß er gewerbsmäßig beleidige. Würde Jeder handeln, wie Ahlwardt in blindem Jndenhasse, dann würde mau sich nicht aus die Lkraße trauen können und die öffentliche. Sicherheit gefährdet sein. An sich lonime auch Ahlwardt die Wahrung ber.chliglcr Interesse» zu, 'aber nicht in seiner gesetzwidrigen hetzerischen Form. In der UrlheilSbegründung sagte auch der Präsideut, der Titel der Ahlwardt'sche» Broschüre: „Juden stillten", sei in nicht« berechtigt. RichtS fei daran jüdisch, als der Raine dt§ ci-nen GcscllschastcrS der Firma; die Gewehre feien unter einer christliche» Tirection von christlichen Arbeitern hergcstellt, von christlichen- Revisoren und Tsfieicren revidirt. Bei der Schamlosigkeit, welche das hervorstechendste Merkmal der ganzen antiscuiitischcn Bcwcgnng ist, kann cs nicht befremden, daß die Berliner Antisemiten am Tage der Urthcilövckkniidigung eine Bcrsamnilung abhiclten, in welcher, nachdem Bachler und' Förster gesprochen, eine Vertrancnsadrcssc für Ahlwardt bcschlosicn wurde. Es wurden ferner von antiscmitischcr Seite lügenhafte Meldungen verbreitet, als ob die Militärverwaltung die-Rückgabe der Ooewe'schen Gewehre anordncn und das 1'orwc'schc Elablissr.uent nie mehr zu t^ewchrlicferungcn hcranziehcn wollte. Diesem frevelhaften Spiel wurde aber rasch ein Ende gemacht. Auf eine diesbezügliche Interpellation aügesehencr Abgeordneter gab Reichskanzler Gras Caprivi in der. Sitzung des deutschen' Reichstages vom 12. Decembcr folgende Erklärung ab: DieWasfe, mit der die deutsche Infanterie bemannet ist, sei in Modell und AnSsührung eine durchaus, gute und den Ansorderungen de« hcnügen Stande« der Kriegsluiist vollauf cntsprecheude. Dies gell« im ganzen Umfange auch für die von Poeme gelieferten Gewehre. Ter Gedanke, die l'ocwe'schen Gewehre zurückzugeben oder bei Z'ocive keine.Gewehre mehr;n bestellen^ sei der.ReichSverwaltung nie " gekommen. Eine Bcunrnhigung pflege bei jeder neue» Bewaffnung auf - »treten. Tie vorgeloinmenc» Beschädiguiige» seien ganz unbedeuteuh geiveien. T i e Wcselcr Papiere seien nicht durch einen BcrlraucnSiniß brauch Ahlwardt zu ge kommen, sondern durch eine» ge wo h n lich cn gemeinen Tiebstahl anS einer olsencu Mappe, der iin Gebäude deS CoininandoS zu Wesel begangen winde. Tie Schrislstücke ieien nicht geheime gewesen. T ie Militärverwaltung sei vor Gericht aus. die gewisse»loseste nnd u nvcrant>vörtlichste Weise verdächtigt worden. Er müsse dieses Verfahren auf das Schärfste brandmark e». .Den mit lebhaftem Beifalle aufgcnonimeilen Worten des Reichskanzlers fügte der sächsische Kricgsminister v. d. Planitz hinzu, daß die von Ahlwardt und Consorten anS der sächsischen Armee angeführte» einzelnen Fälle vollständig erfunden seien, daß die pocwc'schcii Gewehre sich bei den Trüppeiiübungcn in Lachsen vorzüglich bewährt haben

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