Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 37 (18.12.1892)
- Date
- 1892-12-18
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. Nr. 87. Freies Blatt. Unter je 100 Männern können in (Galizien sehreiben nnd lesen 1729, mir (efen 8-17, weder schreiben, noch lesen 7-12-1. Bei den Weibern tritt dieser Mißstand noch viel greller hervor. 1071.'! Percent können schreiben nnd lesen, 9 75 Percent nur lesen, 79 92 Percent weder schreiben noch lesen. Vergleicht inan damit die Verhält' nisse anderer Länder, so;eigt eS sich, daß mir die an Galizien gren zende Bukowina -eine so hohe Zahl Analphabeten aüfwtist, nämlich 84 22 Percent Männer und 90 79 Percent Weiber, . und daß nur Dalmatien, was den Bildungsgrad der Bevölkerung aubelangt, unter Galizien steht, weil daselbst 82 00 Percent Männer und 92 08 Per cent Weiber weder schreiben noch lesen können. Selbst das sehr tief stehende Istrien hat eine geringere Zahl Analphabeten als Galizien, und zwar 19 10 Percent Männer und 78"59 Percent Weiber. Einen rechten Einblick - in die Bildnngsverhültnisse Galiziens erhält inan aber durch Vergleichung der Zahl der Analphabeten in diesem Lande mit jener in culturell bochstehenden österreichischen Ländern. So können weder lesen noch schreiben: in Vorarlberg blos 0 42 Percent -Männer und 7! 40 Percent Weiber, in Böhmen 0 74 Percent Männer unb-t+HO Per cent Weiber, 4» Riederösterreich 7'28 Percent Männer und 9 71 Percent Weiber. Diese Zustände findet nia» begreiflich, wenn man sieht, daß von den schulpflichtigen Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren in einem Bezirke (Radwürna nur 01-50 Percent die Schule besuchen, i» 20 Be zirkcn weniger als 50 Percent und nur in einem Bezirke (Tarnow> mehr als 90 Percent (92 45 Perceut). Ter Ergänzungsunterricht für Kinder im Alter von zwölf bis fünfzehn Jahren wird in Krakau I Stadt) nur 0 00 Percent zu Theil, in Lemberg (Stadt) blos 04)0 Percent, in 00 Bezirken weniger als 51t Percent. Tie Zahl-der Analphabeten unter den Juden ist leider nichs angegeben, ebem'owenig das Verhältniß der schulpflichtigrn jüdischen Kinder zu den eine SHnle besuchenden. Wir-können jedoch aut einem anderen Wege zu dem Schlüsse gelangen, daß die Zahl der Analphabeten nnd die Zahl derjenigen, die keine Schule besuchen, unter den Inden' eine geringere ist, als unter den Ehristen. In Galizien gibt eS 45-50 Percent der gesainmten Bevölkerung, die sich zur katholischen Religion römischen Ritus bekennen. Katholiken des griechischen Ritus gibt es 4200 Percent, O l »5 Percent (Griechisch - Orientalen, 04>9 Percent Protestanten, 1152 Percent Juden, und 0 05 Percent vcrtheilen sich auf andere Eönfessione». Was jedoch die Umgangssprache betrifft, so haben 51 51 Percent der Bevölkerung die polnische Sprache als solche angegeben, 4297 Percent die rutheuische und 545 Pcrerfit die deutsche. Daraus, daß nur .545 Perceut der Bevölkerung die deutsche Sprache als ihre Umgangssprache angegeben haben, und daß diese .5-4.5 Percent nicht mir die Inden, sondern auch deutsch sprechende Ehristen, deren es in Galizien eine stattliche Zahl gibt, nmfat'sen, ist zu ersehen, daß die Juden, die sich bis vor kurzer Zeit des jüdisch-deutschen Jargons bedienten, immer mehr sich der polnischen Sprache als Umgangssprache bedienen. 1'etztereS bedeutet aber> wie sich die Dinge in Galizien gestaltet haben, einen großen Fortschritt. 'Rur derjenige Jude, dev eine Schule besucht hat, bedient sich der polnischen Umgangssprache. Berücksichtigt man ferner, daß viele Inden, die Deutsch als ihre Umgangssprache angegeben haben, keine. Analphabeten sind, so gelangt man zu dem Ergebnisse, daß mehr als die Hälfte der in Ga lizien wohnenden Juden einen gewisien Bildungsgrad besitzt, jedenfalls einen höheren als die mit ihnen zusammenlebenhe» Ehristen. Die Zahl der Juden, die im Jahre 1879 eine Mittelschule Galiziens besuchten, betrug 1901. Tie Gesammtzahl der galizischen Mittelschüler in diesem Jahre belief sich auf 10504. 1880 entfielen in Galizien 2082 Juden -auf 10.840 Mittelschüler, 1**1 21-70 ans 1I.0>2. 1**2 21*9 aus 11.209, 1883 2I28-M,f 11.0*1, 18*4 2100 aus 11.597, 1**5 2117 auf 11.072, 18*0 2218 ans 11.974, 1**7 21*0 auf 11.720, und 1*88 2202 auf 11.*20. In de» Jahren 1*79—18** betrug also die Zahl der jüdischen 'Mittelschülerin Galizien 1* *5 Percent der Gesammtzahl. Römische Katholiken gab es OO'OO Percent, griechische Katholiken 10*5 Percent; 124 Perceut der Mittelschüler vertheilten sich ans andere Eonfessionen. 1*79 betrug die Zahl der Inden 18412 Percent der Gesammtzahl der galizischen Mittelschüler, 1*80 19 21, 1**1 1900, 1882 19-53, 1883 1*70, 18*4 1* 03," 1885 18-10, 1**0 1852, 1887 18 02 nnd 1*88 1-9 10 Percent. In den Jahren 1*79—188* betrug die Zahl drk" jüdischen Gmnnasialschüler durchschnittlich 1* 0,2 Perceut, die der jüdischen Rea^chüler 2145 Percent. Von der Gesamnitzahl der Mittelschüler ivaren 03-00 Perceut römisch-katholisch und 10 *5 .Percent griechisch-katholisch. Da unter der Bevölkerung Galiziens 45 :50 Per cent römische Katholiken, 4213 Pcrcent griechische Katholiken und 1152 Percent Juden sind, so erscheinen zwar auch die Bekenner der katholischen Religion römischen Ritus stärker als im Verhältniß zur Bevölkernngszahl am - Besuch der Mittelschulen betheiligt, allein sie müßten diese Bctheiligung noch um mehr, als 10 Percent steigern, wollten sie in dieser Beziehung den Bekennern der jüdischen Eonfession gleichkommen. Was den Percentsatz anbelangt, um den sich die Zahl der Mittelschüler in den Jahren 1879—1888 vermehrt hat, so betrug sie bei den Juden 15 35 Percent, bei den Katholiken römischen Ritus 1001 Percent und bei den Katholiken griechischen RituS 1809 Percent. Die Gesammtzahl der Mittelschüler hat sich um 12-20 perceut vermehrt. In den Gymnasien hat sich die Zahl der sämmtlichen Schüler um 20-11» Perceut und die der jüdische» um 01 •(>!i Perceut vermehrt. Tie Zähl der Realschüler verminderte sich in den Jahren 1879 —1888 um 51 35 Percent; die der jüdische» Realschüler sogar um <>018 Perceut. 1 DaS Verhältniß der Rationalitäten in den M'Otlschnlen Galiziens ist folgendes: Seit 1879— 1888 hat sich die Zahl der Schüler polnischer Rationalitüt um 13 58 Perceut, diejenige ruthenischer Rationalität um 2029 Perceut vermehrt, dagegen die Zahl der Schüler deutscher Rationalität um 15 27 Perceut vermindert. Diese Verminderung läßt sich darauf zurückführeu, daß die Juden sich -immer mehr zur polnische» Rationalität bekennen, nnd dieses tritt um so klarer hervor, wenn man berücksichtigt, daß Ne Anzahl der Schüler römisch-katholischer Eo» fession sich um 10 01 Percent, dagegen diejenige polnischer Rationalität mit 10 58 Percent vermehrt' hat. Auf je 100 Schüler entfielen 70-73 Percent Polen, 10 17 Perceut Ruthenen, 0-89 Percent Deutsche und 0 21 Percent Schüler anderer Rationalitäten. Der Rationalität nach sind von den Bewohnern Galiziens 51 .50 Percent Polen, 42 94 Percent Ruthenen, 540 Perceut Deutsche, und 0 10 Percent gehören andere» R^sioiialilätcn an. Das; die Zahl der Mittelschulen besuchenden Polen im Verhättnisse zu 8er Bevölkerungszahl eine so hohe ist, rührt nur daher, daß in dieselbe nicht nur Katholiken des römischen RituS, sondern auch Juden eingerechnet sind/Berücksichtigen wir bloß ^as Jahr 18*8, so betrug die Zahl der jüdischen Mittelschüler 2202, also 19' 10 Percent der Gesammtzahl: von denselben entsielen auf Gymnasien 212."», also 19 20 Percent, aus Realschulen 109, also 17 9*. Percent der Gesäinmtzahl der Schüler. Jüdische Mittelschuldirectore» sind in (Galizien nicht vothanden, ebensowenig sbis zum Jahre 1**8]*) jüdische Mittelschnllchrer, dagegen drei Supplenten, also 138 Percent der Gesammtzahl der Supplenten, oder 0-54 Percent der Gesaminlzahl sämmtlicher Lehrer . Galiziens. In Bezug aus die Bctheiligung der Juden am Schulbesuche läßt sich folgendes constatire»: AM meisten Mittelschüler jüdischer Eonfcssion gibt es in Brod», nämlich 47 29 Perceut: die' Bevöllcrung Brodys hat jedoch *0 71 Percent Juden. Der Rationalität nach gibt es iu Brody 44 45 Percent Deutsche, 08-74 Percent Polen nnd 10 52 Percent Ruthenen; der Eonfession »ach 30 04 Percent römische Katholiken und 19 Percent griechische Katholiken, wornus sich ergibt, daß die Juden in Brody sich zum größten Dheile zur deutschen Rationalnät bekennen. In Drohobycz sind 45.42 Percenf der Gesammt zahl der Schüler jüdischer Eonfession. Tie Stadt zählt 50 38 Percent Juden. Bo» den Schülern bekenne» sich 701!« Percent zur polnischen nnd 23 81 Percent zur rutheuische» 'Rationatität. Ter Eonfession .nach sind außer den Inden 00<>4 Percent römische.Katholiken, 23-81 Pereent griechische Katholiken. Die Juden gehören somit säunntlich der polnischen Rationalität an. In Darnopol macht jener Theil der Be völkerung, welcher dem jüdischen Glauben angehört, 52 10 Percent der Gesammtzahl ans. Die jüdischen 'Mittelschüler bilden 30-80 Pcreent der Gesammtzahl. Deutsche Schüler gibt eS 3 90 Percent: auch hier sind die Inden größlentheils polnischer Rationalität. I» Buczac; beträgt die Zahl der jüdischen Schüler 2*-12 Perceut der Gesammtzahl. Die Bevölternng dieser Stadt hat 00 Percent Inden. 25 52 Percent der Schüler sind als Deutsche verzeichnet: die Inden bekennen sich also zum Theile zur deutschen, zum Dheile zur polnische» Rationalität. In den übrigen Mittelschnlstädtcn ist daS percentnellc Verhältniß der Schüler jüdischer Eonfession zur Gesammtzahl derselben sowie der jüdischen Bewohner zur gesammten Bevölkerung folgendes:**) Bochnia:. 0 30, 19. 39 : Brzczany : 18-84, 40 32: Jaroslan : 24-2*, 30-02; Jasko: 4 95, 10 7*; - Kolomea: 1442, 09 03; Krakau : 14-92, 30 07; Lemberg: 21 90, 2772; Ren Sandec: 5 02, 45 21: PrzemySl: 10 50, 27 05; RzeSzow: 12-60,-52 12; Sambor: 104o, 39 50; Sanok: 0 71, 40-52: Staiuslaii: 20 70, 50 81: Stryj: 25 70, 42 77: Darnow: 12 70, 4008: Wadowice: 528, *40; Zloczöw: 12 33, 4* 72. Zur deutschen 'Rationalität bekennen sich die jüdischen Schüler in Kolomea; daselbst sind der Rationalität nach 53-30 Percdnt Polen, 37 02 Pcrcent Ruthenen und 9 02 Percent Deutsche; der *) Poriges Jahr wurde ei» Jade zum Lehrer ernannt. **) Tie erste Ziffer betrifft die jüdische» Schüler, die zweite die jüdische» £ rtsbewohner.