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Freies Blatt · 1892-12-18 · 37 (18.12.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
37 (18.12.1892)
Date
1892-12-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1 Freies BlE Abonnemciitspreis: «Sauziährig mit PostiiUciidung . . fl. 2.50. Halbjährig fl. 1.25. BicrlcljShrig fl. —.05 üitticlne Siuminctn 4 kr. Organ zur Abwehr des Antisemitismus Crschciut mt jcdriu Sonntage. Nclütction mit) '.H&miiiiftratioit: IDicn I. goirorftütto 10. Nummer37. Wien, Ml. Ömmbcr ll{<)2. I. Jahrgang. Anläßlich des Christsestes wird die nächste Nummer des ,,Freie» Blattes" in größerem Umsangc und festlichem (Gewände erscheine». Unsere „Weihnachtsnnmmcr" wird de»?. I. Abonnenten und Vcfcrit außer dem den Tagesereignisse» ge widmeten Theile noch eine Neihc belletristischer und poetischer Beiträge bieten, wofür wir hervorragende und beliebte Slirriftstcllrr gewonnen habe». (Laprivi gegen den 2lntisenntismus. . Nach den beschämenden und de» Ruf des deutsche» Volkes als liultimmliou ernstlich gefährdenden Ereignissen der letzte» Tage, . nach dem trübseligen Ergebnisse der Wahl im Kreise Aruswalbe- Friedcberg, den Entschlüssen des Berliner conscrvativen Parteitages und den agitatorischen Umtrieben, welche" dem Proccsse Ahlwardl vorangingen und nachfolgten, dringt aus dem Deutschen Reiche endlich wieder eine tröstlichere Nachricht herüber. DaS osficielle Deutschland sieht sich bemüssigt, eine offene Absage an den Antisemitismus zu richten und Deutschland vor der Schmach zu bewahre», das gelobte Land der Raccnhetze zu sein. In derselbe» Sitzung des deutschen Reichstages, in welcher die Interpellation betreffend die „Judenflinten" in einer die Antisemiten moralisch niederschmetternden Weise erledigt wurde, benützte der Reichskanzler Graf Eaprivi eine Interpellation von Bimetalliste» und Agrariern über die Münzpolitik, um die Gemeinschaft mit Allen, welche' der Antiscmiterei Vorschub leisten, mit einer seines Vorgängers würdigen Entschiedenheit zurückzuweiscn. Wie wir cs erst vor Kurzem bei uns in Oesterreich selbst erfahre», so wurde .auch im Deutschen Reiche der AntiscinitiSmuS und die Währungsfrage, wie Graf Eaprivi sich apsdrückt, vor denselben Wagen gespannt und mit der agitatorischen Peitsche getrieben. Die complicirtcn und vielfach controverscn Fragen der Münzpolitik eignen sich eben ganz besonders zu agitatorischer Ausbeute. Andere Gegenstände,;. B. eine ExecutionSnovelle, macken cs den antisemitischen Wanderrcdnern allerdings nicht so leicht. Da wagen sie eS nicht ohne jede Vorbildung vor das Publicum zu treten, nm eö zu haranguiren, da ja auch ihr geduldiges Audi toriuin sie nicht davor feit, daß selbst der schlichteste Gewerbetreibende auf Grund seiner spärlichen Erfahrungen den Mangel des Redners a» Sachkcnntniß wahrnimmt und bloßstellt. Auf das Gebiet der Mänzpolitik kann sich dagegen ein Antisemit ruhig begebe», ohne Gefahr zu laufe», jeden Augenblick einer Unrichtigkeit oder Fälschung überwiesen zu werde». Der BiinctalliSmus ist, wie Graf Eaprivi sagte, ein nm so besseres AgitationSmittcl, je weniger Menschen ihn verstehen. „Ich habe," fuhr der Kanzler fort. „Werth darauf gelegt, die Stellung, der Regierung gegenüber dem Anti semitiSmuS und BimetalliömuS dem Lande gegenüber festzustellen. Die Ereignisse der letzten Wochen, die zu den betrübe »dsten gehören, die ich in meinem Leben mitgemacht, machen eS mir zur Pflicht, zu sage», wie sich die Regierung diesen Bestrebungen gcgenübcrstellt. Ich ' kann sehr gut begreifen, daß man Antisemit oder Bimetallist, sogar beides zusammen sein kan». Wenn aber der Antisemitismus und der Bimetallismus eine demagogische Wendung annehinen, ist eS für die Regierung unmöglich, sich dem nicht zu widcrsetzen. Es ist unmöglich, zu begreifen, wie patriotische Männer das mit machen können. Aus. dem eonservalivcn Partei tag ist direkt ein demagogisches Vorgehen befürwortet worden. Ich würde begreifen, wenn antisemiii che Männer meinen, daß in gewissen Dingen Wandel Zuschüssen sei,' und einen Antrag auf Aufhebung des Gesetzes vom 3. Juli lsr>!i stellten; wenn .aber dieses Bestreben, dessen erster legislatorischer Schritt dieser Antrag sein müßte, draußen im Lande zur Agitation wird, so muß ich mich dagegen mit allen mir verfügbare» Mitteln a uslclz-u eu." Nach deck Siegcsgchcul, .welches die Anlisemile» in den letzten Tagen in Deutschland, aber auch i» Oesterreich erhoben, wird'diese energische Sprache des deutschen Reichskanzlers eine wohtchucndc und beruhigende Wirkung-stuf alle jene nicht verfehlen, welche mit Bckümmcrniß daS stetige Schwellen des anliscmilischen Stromes und dabei die sorglosen, wenn nicht gar gönnerhafte» Mienen der deutschen Behörde» sahen. Nu» ist der Bann der Gleichgiltigkeit, den sich die Volksvcrhctzcr als neues agitatorisches Mittel nicht entgehe» ließen, gebrochen, die denlsche Regierung hat ox k-mstmirn den Antisemitismus als nnpatriolisch zurückgeschlcudert u".d durch den Mund deö canservaliven Kanzlers zugleich ein vernichtendes.. Uriheil gesprochen über die vollständige Eapitulation der conscrvaliven Partei vor den Stöckers und Ahlwardts. Der Antisemitismus, - mögen auch seine parlamentarischen Vertreter die zu einem Au trage wegen Aufhebung des gleichen Rechtes aller Staatsbürger erforderliche Anzahl von Stimmen aufbringcn, ist damit auf jenen Jsolirschcmel gestellt, von welchem, aus er trotz all seiner giftig » und geifernden Ausfälle wenigstens dem Rufe des deutschen Volkes i» seiner GesamNithcit nichts mehr anhichcn kan». £in ^ulturbild in Äffern. riginal Miüheümig ted „Freien 'iMiittCv".. L«in b e r g, ini Teeeinher. Wolle» wir uns von dem Bildungsgrad der Bevölkerung lRilizieus eine Vorstellung üiachen,' so ziehen wir in Betracht dicfenigcn Personen, die weder schreiben noch lesen oder nur schreibe», beziehungsweise nur lesen können. Es ergibt sich da eine sehr unergnickliche Erscheinung: wir scheu, daß die Bevölkerung Galiziens weil Himer jener der anderen Kronländer in der Bildung zurückgeblieben ist, nizd daß der Schul zwang hier nicht von derjenige» Wirkung begleitet war, die mau von ihm erhoffte.. Selbstverständlich ‘füllt die Schuld nicht auf das Priüeip des Schulzwanges, vielmehr . auf die tare Durchführung desselben in der Praris. Zn Folge denen bleiben noch jetzt der- Bauer und der Jude in Galizien zum großen Theile der Schlllc kerne und erlangen nicht einmal die Kcnnlniß dessen, was in/der Volksschule gelehrt tvird. Vom Standpunkte der Eultnr ist dies ei» sehr bedauerlicher llnistand: es liegt jedoch im Interesse gewisser Kreise, einen ungebildeten Bauer im Lande zu haben, und was die Zndcn anbclangt, io sind unwissende diesen Kreisen lieber als gebildete, die doch einmal „unserer Intelligenz" Eoneurrcn; bieten und su^nicht zum Stimmvieh eignen wie die robe Masse. Doch lassen wir. Ändert sprechen:*) *) Tie hier angeführten Talen-entnchmeii wir dem vor kurzer Feit er schienencn Werke: „Jahrbuch der Slaiisnk Galiziens". heransgegebeu von, fiaiisti scheu LandeSbnrea» cAbtheilnng snr Handel und Gen-erbe) unter Leitung d«ü Tr. Thaddäus RutowSki. lll. Jahrgang. Lemberg I>bl. i

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