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Freies Blatt · 1892-11-27 · 34 (27.11.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
34 (27.11.1892)
Date
1892-11-27
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Freies iM a 11. ttr.34. mentS DrtSangchörigc sind, de»' Aufenthalt in Moskau und im Moskauer Gouvernement verbietet. A»gefichis einer folchcn Verfolgung ist cS nur zn sehr begreiflich, daß die Massen auswandcrung russischer Juden »ach Südamerika, welche durch die Eholcra-Epidcinic eine Unterbrechung erfuhr, jcpt, wie aus Odessa bc richtet wird, in verstärktem Mäße wieder begonnen habe. (Ein siriechischcr Erzbischof über ZlidrilvcrsolstNlistril.f Ans Zante wird uns berichtet: Der griechisch-orthodoxe Erzbischof Sio »isoS Votta hält feit »ichrcre» WochenaUfpnntägiich in der hiesigen Kathedrale Predigten, in denen er entschieden gegen die Indenvcrfolgnugcn Stellung niiiunt und den rechtgläubigen Ehristcn Verträglichkeit mit den Juden aufS 'R'acksdrücklicksste cinpfichlt. Der Erzbischof ist ein in Griechenland wegen seines profunde» theologischen Wissens bc rühnitcr Gelehrter, ei» ausgezeichneter Kanzclredncr, bcsivt eine kraft volle Stiniinc, die in den weiten Räume» deö DoinS mächtig wiederhallt, und macht auf seine Zuhörerschaft einen tiefen Eindruck.' i ie Kathedrale ist jede» Sonntag übervoll von Andächtige». Aus einer wörtlichen Riederschrift der erzbischöflichen Predigt vom Sonntag de» i!0. Cctobtr d. I wiederholen wir folgende markante Stellen: „Sie gegen das jüdische Volk gerichteten Verfolgungen sind c ne so große Sünde, daß für sic keine Verzeihung bei Gott zu erlangen ist. Aus dem jüdischen Volke sind die Gründer des Ehristcnthn-nS, die erste» und erleuchtetsten Ehristcn hcrvorgcgangcn: und dieses Volk soll nun verhöhnt und verfolgt werden, ein'Volk, das zu den Ersten und bc dciitendstcn der Welt gehört, der cS die Prägung feines <>KistlS auf gedrückt hat? welche tiefe Ungerechtigkeit liegt in der Verfolgung des,jüdischen Volkes, auf dem keine andere Schuld lastet, als daß es Iren an dein Glaube» seiner Urväter hält! Ihm verdanke» wir die wahre Erkcnntniß Gottes, das -Geiüli! für EKrcchligteit, für Rächsten liebe, die Verehrung der Faniitienbande, die Hochachtung der heiligen Worte, die heilige Schrift. Und für alles dies sollte» wir es mit Vilternifscn erfüllen? ,Viv die unendliche» Wohllhatcn, deren wir uns durch das Jndcnthuiu erfreuen, soll nun dessen Vlnt vergossen werden? I» Hinkunft soll in ineiiicm Herzen und im Herzen meiner streng gläubigen Prüder nur ein Wunsch, eine Hossnung sein, dcuz. ewigen Schöpfer des Weltalls Dank zu wissen, daß. er das kleine und maßlos verfolgte Volk erhalten hat', damit cs Antheil nehme an den Segnungen der großen Faniilic der Well, der arme» Menschheit." ' 7 . ■ / Aus antisemitischen Vereinen uikd!?er-' sammlungen. (Eine Rede Patiai's.1 '),ach längerem SltU'chioeigei, rasi'le sich Tr. Pallai;» einer Rede im „Politilchen Bezirks vereine Riärriahil f Re üban" ans. Nachdem vorder die schlesischen Abgeordneten Fuß und a i»c v, welche Schriftstücke »iiterscrligcii, ohne sie gelesen zu habe», gesprochen, si-koch nichts Beine, keiqSwerthcS vorgebrachl halte», ergriff Dr. Paltai das 2'öorl, »m zunächst >ei» Verhalten i» der Valmafrage zu rechtfertig»». Er sagte: ES gehe bei dieser Angelegenheit nicht an, vom Standpuiilte eine» für die« Juden günstigen AnteilssgeichüfteS zu sprechen. Es sej heule möglich, mit diesem Gesepe segensreichen Ei» fluß auf wirthschaftlichem Gebiete anSziiüben, so lange der vom Finaiizininiilerausgekaufte Goldschav nicht verausgabt werde. AIS Angehöriger einer Oppositionspartei habe er trohtein dagegen gestimmt. Teil», wie schon bemcrlr, sei die ein geführte Valutarcgelnng nur daun nupbringend, wenn der aufgelaufte Gotd'chap Aiicht verausgabt werde, das heißt, wenn die Vaarzahtungen nicht aufgcnounncn werde». Run, der Finanzminister habe zwar davon gesprochen, daß nioineulan die Vaarzahtungen nicht anfgcnonnncu werden, und er letze auch Vertrauen in ihn, aber die« könne der Tppoütiouspartci keine Garantie sein, den» über Rächt könne ei» anderer Minister erscheinet,, sich mit dem GroßeapitaliSmus verbünden, und der^ ivirlhfchaflliche Bankerott fei vorhanden. 'Rach diesen in ivirlh'chastlich.r und politischer Beziehung scharssiunigen Tcductionen machte sich Tr. Panäi über lnn'ercn Parlamentarismus alS eine „Eiurichlnng der Geniiilhtickikeii" lustig. Allein der Parlamentarismus, wie er in Ungar» und England bestell«, behagl diesem Volksvertreter »och weniger. Von der deutsch liberalen Partei sagte Pailai, sic fei „ganz fertig". Tiele deutsch-liberale Partei hat aber ihm und sriurn Genossen bei den letzten BezirkSanSschußwahleu in Mariahils empfindliche Ricderlagen bcigcbracht und dürste auch fürder selbst in diesem von der Anliseinite» scnche arg hcinigesnchtl» Beziike dt.rch l>ästige?ebe»S;eichc» diejenigen Lügen strafen, welche ihre» Tod ausfchrrien! «Juis tiileril Graoohos ile xnlitiimc .qiu-mites .'1 Beiui „Ggldenen Luchse»" ist man gegen eine» Freibier ipentende» Prinzen sehr tolerant. So ‘ konnte den» der langnasige Li echten sie in in einer dort kürzlich stallgehabtcn j Versammlung sich über die Verrohung des parlamcnlariiche» Lebens beschweren, ohne daß er auSgelacht worden wäre. Za, Liechtenstein konnte eS beim „Goldene» Luchsen" sogar wage», mit ernster Miene dem österreichische» Parlamente feite 7. „nufere Versammlung,»" als Mutier von Anstand und Böa!>>n>ig der Rede srcihcit zu empsehten - ' . " ' tAbgcblibl.» Zn.Fürstenwalde^a k Spree .stieg am ln Rovemb.r Herr S chtvonnhagen anS Berlin ab. , um in ctm oiienllicknn Bellsver ~ iammlung über „die heutigen Sittenielnen der iüdi'chen Rallbiiier" zn 'prechen, und mit die-'em liessimügen Tbcma das >ür? die guten Ziirnenwaider cvvas leichter, vciiiändliche „Aauit zum chrtstlickie» B.-eihnackusiesie nick t bei Inten!", i» wnnderbarrn EanialneritS zu bringe», Herr Sck'wei.»Hagen wies »ämlsit?' haarklein »ach, daß die niireelle GeschättSgcbahrung der Znden >ckwn im Talmud' und Schulchan Lfruch begründet sei, mid daß diele Bücher Raub, Meineid, II11 Zucht. MajesiälSverbrcchen, Ritnalmord ». '. w guldcißen n»d befehlen. AIS Herr Scknvciinhageii unter vielem Beifall geendet bat, betrat der einzige anwesende Jude, Prediger V. Bö oll! ans Beilin. lrov des lärmenden Böider fpruches der Aiiii'ciiiilcn, bcbcrzt die Tribüne und riet: „Ter Zudenpiediger bittet »m'S Böorl! Böen» Sie Mnth haben,!o höre». Sie auch die Bertheidigiing auf die schiveren Antlagen, ich fürchte mich nicht! Man hat hier über den Talmud zu Gericht gesessen und hat ihn sainmt dem Schul,turn Arnch vernichtet, vertu (heilt und damit an,ti nniere Sillenleliren, Haben Sie schon einmal gehört, das, ei» preußischer GelichtSbos einen Mörder, Ränder oder Meineidigen' verurlhcilt l>a>, ohne ihn zn hören? Ter Herr hier hat über die Silieiilehre» « der Znde» gelvrochen, dasi .dieie den Meineid, Betrug, Mold re/ lehren, und ich bin ein 'olchcr Man», der seit ’J'J Zähren das iüdi'che Silicngelev gelehrt. Freilich ist der Talmud lein Geievbnch, der Schulchan Arnch kein.uatechiSnius, aber was versteht der Herr davon. Er hat in seinem Leben noch kein Ereniplar gcicken Tamil er ober einmal wenigstens de» Schulchan Arnch zn Gesicht be koiiiml, hier ist ein' Theit in dcp Sriginat'prache. Runs leie» Sie npr eine f Zeile, nur' ei» Wort! 'Richt ivahr, das verstehen Sie nicht?" Redner ging okan» an» die ivalne» Quellen. Sckitvcn»hage»>, bewiiderS anl die Fälichertdäligkeil Aron Briman'S ein, und nachdeui er noch über das stol »idre »nd Sckc'ach chaino-'cho gesprochen, ickiloß er mit de» B.-ouck»: „Ein Zeitgcuone Zefn, stiahhi Hittel, lehrte: Es gibt mir ein. südliches Hanptgebol, liebe Teinc»' Räck.stc» wie T,ch selbst. Altes ll.brige ist Eommenlae. ' j diese»! Geiste^ wollte »nd ioltie das Ehristembnin willen, und wir Rabbii.er und Lehrer lehren nichts Anderes." — Böciler lain,Böo;ff nicht-, denn einige wütheude Antiieuiiien gingen mit Stöcke» mit den Redner tos lind drängten ilm von der Tribüne herab Auf dir'e Lt-nie wäre» die Eimvürje Böotn'S »nn ganz einfach widerlegt, und Herr Schwciinhagen Hane ebensowenig wie ei» Anderer ans der Beriaunnlnng weiter nölkiig, die scharten Hiebe des jütisitie» Predigers zn parircn. e tSonderbare »iriegsheltkr.) Am ll Rovember >a»d in Leipzig eine Versanilntnng des deiil'ch'oeialcn Reformvereines statt, bei tvelchcr Gelcgeitbeil Tr. Erwin Bauer 'am die bekäiiine Aeiißcrnng Bismarck's z>i spreche» kam, dast cs in Rußland die Pole», Znde» und die von ihnen beherrschte» Zeitunge» seien, welche züm .uriege gegen Tcnl'chtand bei,',-». Tr. Erwin Bauer sagte in ioiiu-m Aiiiiieiniieiijatgo»: „Tie Pete» sind »ick,I, wie BiSniarck nzeim, die .uriegsickiürer, den »riegsministcr B.-aii»0!vSkii bat er ganz »»gerccht'eriigiekZpci'e einen Pole» genannt, er ist ei» guter Russe und gehört zn den saiiaiilchste» Panslavisten. Auch der Einsluß der Znden in der riliiii'chcu Preise ist verichibi udciid t lein. I» pe-i iiein einzigen wirtlich guten l »,'iiickte 11 B-lalie ist ei» Znde Redaelenr, dir Ruii'e» sind eben.von Ralur z» gnle-Anlii'einilcn. Tas einzige witlliche ZPsinblait mit lauter iüdi'chen Redaeisüre» sind die .Rowosti', und die, liest aber auch kein anständiger Menicki. Zudenbtiiner >» dein Sinne, wie wir sie haben, wie die ..Uölni'che Zeilnng- ,!, ziiul Beijviel, 'ötckie gibt es in Rußland gar nicht. Ter Rusie und der Pole aber 'sind T^k'einde, viele polniiche Beamte werde» entlasse» und die'Pole» überall znrückgedtängl. Es in a>i.o ein Zrrthni», wenn Biomaick »iciui. Zu den -uiid Bolen Heven l zum Ariege. Sic l> ,1 bi n gar nichl die Mackit da;»." Erwin. Bauer in geborener Russe und, 'wie man "auch ans d,n eb>-» ange'üln-ien Böoricn si,b>.' Bollblttlanlisetnit, obendrem leideiisitianlickier Bismarck Berelile, : ibm in alw hier au'nalimsivei'c zn glmibcu. — - 2lu5 IMaffoni. >Z,ir Bctäinpfuiig der „Eorruplioii".' Tas „Tcni>.t,e Bolisb 1 an", dem es gelungen in,' voll einem pilichivcrgcnene» Beamten den L-oilla>n von- :>>egiern»gserlänen a» den Vcrwaitnngsralh der Südbah» zu egl-an.-u, l.indigl nach berühmten Mliileri, deren soitriialisli'che Berwertlniiig 'in singender „Amt wort der.Sckirisilcilniig" an: „SüdbalnibeaiiMr Seinavhor. Wir brnätigen tankend den Empfang der 37 phoiographilch rcprodneirie» Ertäsie des Handelsmininerinins und der k. k. Geiieralin'peelioii an de» Venvaltiin^sraih. der Südbahu. Wir iverde» nicht crmangel», wo» dien-» hockiinicre'saiiirii Schritt! stücken den eiiti'prechendcn ick,-brauch zu niachen. Auch babipi wir dem uns iiake-- sichenden Abgeordnctcnkreii'c hievoiz .Ucnnlniß gegeben " Welche Frist ta-5 „Boll-S blatt" zivischen dieser Ankündigung und ihrer Verwirllichuug verstreichen laue» : will, wird nicht »litgecheilt. . ,' >! ,

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