Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 34 (27.11.1892)
- Date
- 1892-11-27
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Seite <>. Freies Blatt. liiicv Vaiidgerichl I über den Herausgeber deS Slöcker'schen „Bolk“, Heinrich T b e r w i» d c r, z w e i M c> 11 ate ('' c f ii it g n i ß. — Tex letztgenannte Bcrnrtbeille ist i» Wien, wo er viele oatne hindurch alS iocialdeinokratiicher Agitator wirkte, wohl bekannt. Bon hochachtbarer -Leite erhallen wir folgende Anschrift: Ich halte Gelegenheit, Heinrich Überwinder wahrend seines Aufenthaltes in Wien kennen - zn lernen. Überwinder trat hier zu Ende des wahres 1S»*7 — das „freie“ Bereins und Beri.immliiligsgrirlz war am l.'>. '.'iooemter lsiiT in Af mit getreten in Arbeitet rersanimlungen yierft in die Ceffeutlidv teil, (if geberdete sich als ein Tchiiler Vaffale's, und „wie er sich - laniveri und .wie er spuckt", das wollte er denr Meister abgeguckt haben: er iiwtite den eiiiitmel gros;er Bescheidenheit, auch alS Talent. Als Lvrecher in Beriainnrbuugeü war er besonne», nüchtern und zeigte leine Tvnr von Teinperainenl. Hberivinder ist, wie ich glaube, ein gebürtiger Raffaner: er batte mit Vafiale persönlich verkehrt, und daher riilnte fei» Ein'luß auf die Wiener Arbeiter, als er anS Tenischland hielier kam. »in dessen „Evangelium" zu predigen. Tberwinder, der Tischler .Härtung. Crviift T ch e n und etwas 'später Most waren dainal-^die .Hauptfüdrer der sorialmifchen Arbeiterpartei Überwinder und iHartnng gaben zuerst „Tie Bolksstiinnie" heraus. An der großen Arbeiterdemonslration vor dem Abgeordnelenhanfe, die unter dem Bürgetiniliisterium statifand, nahm Tberwinder Antheil^. und er ivnrde einige Zeit nachher mit den übrigen Arbeiterführern verhaftet: nur .Hartung 'war es gelungen, durch eine .Hiiuerthür.feiner Wohnung tu eiufommcii. Ter Inevef; gegea die Arbeiterführer nahm ein für Tbeiivliider günstiges Ende, und nach dem Broeene.gab er den i'Bolks willen" hergns. Znzwiichen war Hberwiuder mir bürgerlichen Aireisen in Berlundiing getreten und batte ein Mädchen ans dem .Hanse eines .«Aeiügeiverbekieibenden geheiratet ,'ui der Mitte der Tiebzigerjalire verschwand er ans der Wiener iocialisli'chen Bewegung. Er tauchte dann in Baris auf und foll von dort Trqanen der „Bourgeoisie“ Beinah gofündei haben, -^iir;->e;t feiner Arbeiterfiihrerschask in Wien hielten tl)a. auch 'eine uichiioeialinifchen Bekannten für eine» ehrlichen ‘.Vfeiiietien: er 'eiieint lU-ei um n'eichäfls'ocialisi gewesen zn fein, wie ' e> i-n: n°e>cha'isauli>e:n:r iü. Alilwnrvl'v Miirlliriiilll Vt-ö uiiditorticu Wauiiicitt. ■ A hl wart, fa;t auf Blo:.-en>ee und Hai »NN vollauf (Gelegenheit, (v'ewiffeu zn er. forfclu» und Bure für die von ihm begangenen Berbrechen zn khnn oder — das -Znchllians tft ia leider meist die •“'VluuteMt-itte neuer 'Berbieehen — osnlnuflspiäne;i; ichmnden für ei» .'iachleben, ivürdch seines Borlebens. Tie brave» '.'Lmneimtc» behandeln nnlerdeffen Ahlwardt ganz als Biaimrer und wissen ein Bild seines gegenwärtige!!, wohl verdienten Rnb-flaudes zn jeden, das;i,iti Tieinerweicheil rührend ift. 2-o lägt Rechtsanwalt H e r I w i g, in der Berlrelung Ahlwardt'S der Bachioiger des ^nchibänslers Tlein, den ..'T re s d euer 'Aach richten" folgende Tckiil^ernng zugehen: „.im Aufträge des C’e iaiigenen oo» Bloizen'ee, der Tchrcibcrläubniß nicht Hai. fage ichZhneu _ inr ohv freniidliäies. Tchteiben heimlichen Tank. Ablwo.rdt ist während .der wenigen Wochen im Cefängniß lehr gealtert und säst weiß geworden. Er »inß Gc.sangeucnkofl eifcn, (Hüll nm ') anfsteben, das Belt macheik und feine ^el!e reinigen und erhält dann Brot und Wasier tiini Flitbftück Ab.' iiiiü zn gibt es kalten schwarzen Aiaffee. Zum . Mittag gibt es Viiifcit oder VrMeit mit irockencin Brot, hin iliid wieder ein kleines LUickchen Fleisch. Rauche» durfte er in der ersten - --seit gar nicht, fo lange er über 'Arbeitsverdienst nicht verfügte. Um ihn vorm Wolle'vinnen zn bewahren, habe ich feine Arbeitskraft für I .'««.Mark per Tag iiiiethen müssen und beschäftigte ihn mit national olononu'elien Arbeiten Ban dem Berdienil erhält I Mark die >->'efäiign'!Nv--iivaltii»g : die rei'tlich-n Pfennige bleiben dem Gefangenen, der ln dar on rum Antau' von Speck und Eigarren verwenden darf, die änderen I<> aber sparen muß Ahlwardt ist in strenger Afolirhafk, .Meiningen >: egl 'werd.n ihm überhaupt, nicht verabfolgt. Teiner l^ättiu bat »um bis auf Weiteres die Besnchserlanl »iß entzogen, da >ie ihm eiiieit THaler zuznstccken versuchte nnd des' den Unterredungen, Nets beiwohnende Wärter dies.sofort gemeldet Halle. 'An Vcctiivc hat Algirartl niir das, was iel> ihm als „Arbeiissioff“ durch die Direclion nberiuittelte'.; vorwiegend Tchriste» von E. Tühring. Zhr f. eiiiidlnlies Aiierbieien, die T resdencr Rachrichlen“ senden zn wollen,!,..nii r.w leider, nicht aiigenonimen werden. To behandelt man bei UNS t'.!-:e, t.e reg.» Zlikas Majestät sich aufzulebnen wagten!“ So bland it man l'trn'smaßfgc Berlenmder, wenn Tie nichts dagegen baren. H.ii t>r.eh!sg:.ioa!l Mi.iuris imiliiii Jis ift das t'os von Ber b> > diel it uoli; al.uiü M.-i\:.e, niid der bescheidene t>, er tor-aller Teutfchen, , der ie rin .ilanid in >ii>'ii'.ieüei,'Berlegeiibeiten war. die tseliäller anderer obne ber.ü W "n >:s T ar > -ben pn 'ich- »alim, war lange nicht so venvolmt als iig.nd nuilioiieiiteicl ei Mäitnrer des >!iiel>ler»en Gaume-is,' der auch den »'efängnlßke'.ch los;»» Reig.' leeren mußte Nr. 34.! l C'in antiscckitischcs Äliachwerk.) Die Antisemiten, welche „christ- - lich“ schilleril, thnn cs. aus Mangel an der Fähigkeit, richtig;» . denken, oder mit die gläubigen Massen zu bethören. In Folge dessen! konimen sic häufig in Bcrlegenheiten und machen sich arger Jnconseauenzen schuldig. Weit folgerichtiger ist das Perhalten jener anti- . semitischen Tpecies, welche auch das Ehristenthum als eine „Schöpfung des jüdischen ((Visies“ perhorreseirt nnd in Di'ihrnig ihren belesensten Anwalt hat. st» Testerreich ist diese Antiscinitenart nur durch die Tteurer „Bndenirage" publiristisch schwach vertrete»; schon unser Preßgesep läßt sie nicht recht anskoinme». Zn Deutschland aber macht sich dieselbe sehr breit. Unter dem Schlagworte „Empörende Geschmacklosigteit" vervsfcntlichte dieser Tage die „Schlesische Bolkszcitnug" nird reprodnrirle die Berliner „Germania“ Folgendes: Alle Edcldeiikcndkn sind in ihrer tirfftcn Brust empört »»d verletzt durch de» Anblick cipes »ickiswnrdige», i» elenoer lithographischer Mache hergestellten Bild BaiiipKIel«, welches in dem Lchaiifeiistcr einer — „Biichhai.dliiiig“ an der Tai'cheiistras;,' i» Breela» ausgestellt ist. Man ist zugleich erstaunt darüber, ivie ei» Lpecmant sich erlaube» darf, in einer Ltadl eines christliche» Zlaaies, welche ansterdei» noch die Reüde»; eines taiholifche» Atirchensürsten ist, ei» derartiges, von eine»! gvlllcv'c» Bube», einem Hriligthiimsschänder, verbrochenes, ans sclfnöder Gewiim und Teandalfucht in die arglose Wett gesetztes Schinuvblan offeiillich im Tchanseiister ausznstelle». Eine Gruppe halbeiwachsener Zimge», Lchüler und vehrlinge »»Island das Tchaiheiister nnd sog das gefähr »che Gisl ein, welches der „Buchhändler“ eiiiplgebe» bestrebt ist. Man höre: Ter grkreiiziglc Sriöscr iv^rd hier dargestellt »iiigeben von fratzciihafleil Cariea tmcit, die ilm in der schaiiiloigste» Weise verspoileii lind belndeln. Tie Unter» iüivift (Sie ,.Tchieslsche Boikszenung“ fuhrt dieselbe an; wir wollen sie aber mit RiiNsicht ach nwere Preßverhällnige nicht ' nackbriicteii) ietzl dem Tchiiiid bilde die Nrone ans und eulblößt seine bilbeiihaste Tciideiiz. To weit ist eS alw geloinineii, daß der goliiengnerische Zaichagel. gegen die heiligsten Güier der Ratio», des Clnisteiilbiiins so ö'seiilllch nnd »nverbliiiiit schändend ans treten darf - * ' Ein freisinniges Berliner Blatt begleitet diese 'Aotiz der fromme» Eenlrilinsbläller mit nachstehende» Bemertnngen: Es »-.Uly einige,mallen L'midtr nelmieii, daß die „Tchlesi'che Bolls zeiiiiiig“ zn beiiielleii vergessen hat, daß die von ihr mit Recht gerügte Tchou »eiistri anslag,' ei» amiseiniliichrs Machwerk ist. Tie „Germania“ braucht dies »ichl zn wineii, aber die „Tchlesilche Bolkszeiiniiz“, die es geseben hat, »uißlees nisseii. Rcbenbei fei cs bemerk!, daß in Berlin dieses Machwert polizeilich beichlagiiabini ivorde» ist. Erschienen ist es i» demselben - T pce ia I v e rlag s n r a n l i i c »i i t i s ch e T ch m » tz e r e i e n, der auch die B e w e r'sche» Broschüren vertrieben bat. r olir ^llvc»vcrsolst»Ilst in!)illfihlllD.i Wie iu Petersburg per lautet, hat der Reichsrath eine 'Aorni für jüdische Advocaten festgeskht. Tänach darf die Zahl derselben nirgends zehn Percent der Gesaiiimt-, zahl der Advocaten übersteigen. Zn Trlen, in denen Zudeii nicht ge siatlcl ist, dauernde» Aufenthalt zu »ehuien, und überdies im Warschaner (i'erichtsspreogcl dünen jüdische Advocaten keine "Praris ausül'en. Manchem clicntenlosen Advocaten, der sich jetzt in Wiener Antisemiten veriaiiiniluirizen heiser reden inziß, wird es sehr iveh thnn, daß in Wien nicht gleiche „Schuvmaßregeln“ gegen jüdische Eoncurren; getroffen werde». — Zn Bc oska n waren die Shnagoge» polizeilich geschlossen ivorden. ' Tie dorligeu Zuden benützten nnn die Räume ihrer .Hand iverterschnle, nm daselbst am Reujahrstage zn beten. Als dies geschah, erschien plötzlich der Polizeimeister General Waniiowskn und gab seinen Unwille» darüber lnnd, daß die Zudeii sich unterstände» haben, sich zn einer Andacht zn versauimeliin. Zn Folge dessen begaben sich der Rabbiner der jüdischen (Gemeinde, Minor, nnd Staatsralh Schneider, der unter Ezar "Ricolanö Soldat gewesen nnd demgemäß mit gewinen Privilegien ausgestattet ist, im Aufträge der Gemeinde zn dem (Ä'eneralgoiivernenr Großfürsten S erg ei, eine Audienz erbittend, in der sie über das Borgehen des PolizeimeisierS Beschwerde führen wollten. Tie wurde» nicht vorgclasfen, erhielten vielmehr durch einen Adjutanlen des Großfürsten den Bescheid, daß der Polizeimeister wahrscheinlich Recht gehabt habe, so vorzugehe», wie er gethan. Die genannten jüdischen Deleginen richteten-nunmehr eine Eingabe an den Minister des Innern, Turnowo. Tie erhielten nach einigen Wochen einen Bescheid, denen Znhalt der ivar, daß der stcabbiner Minor dauernd ans Bcoskan anSgewieien- und in feiner (^ebnrtsstadt W.lna - internirt -wurde mit der Maßgabe, daß er nie wieder daS Amt eines Rabbiners bekleiden dürfe, und daß Tlaalsrath Tchneider auf z w e i Z a h rc an S M o s ka n verwiesen wurde. Bor ivenigen Tagen wurde auch eine Betordiiluig verölsenllicht, welche jeneit v^iiden, die in der russischen Armee als ll n t e ro f fi c i e r c ii ad) dem f r ü Here» R e c r n I e» reg l e me n t gedient haben„ sowie ihre» Angehörigen, die in den Ttädten der inneren Goiivernc-