Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 34 (27.11.1892)
- Date
- 1892-11-27
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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" w v Nr. 34. freies _________ .; Talmud gleichfalls wie einen Handschuh nur einfach vcrkehicn zu können? Zum Schluffe der Sitzung gab Schneider wieder' eine seiner unübertrefflichen Prachtleistnngcn zum Besten. Bor nicht langer Zeit waren nach dieser ehrenwcrthcn Ouellc »och KO Pcrrcnt der Wiener Journalisten abgcstraftc Zuchthäusler; heute besinnet sich in diesem Stande sogar ein Raubmorde r. Ter Präsident crtheiltc dem wackeren Verleumder, dcsien AuSlosinngcu sich des Beifalls ciucS Stcinweuder zu erfreuen schienen, hicfür den Ordnungsruf. Allein das mag auf Schncider'S Ehr'?)gcfühl so wirken wie ein Schrotjchuß auf Elephantcnhaut. So oft ein Schneider das. Wort ergreift, sollten alle anständigen Herren den Sitzungssaal verlassen. Tczn zurück bleibenden Reste wäre der Genuß Schncider'schcr „Reden" zu gönnen, namentlich jenen von Größenwahn behafteten „Tcntsch-Rationalc»", welche sich um so bedeutender dünken, je mehr ihre Widersacher aus dem fortschrittliche» Lager verunglimpft werde». (Vom denisch-Ulicralcu Parteitage iu Ricdcröstcrreich.l Am 21. d. M. fand hier in der VolkShallc des neuen Rathhauscs eine große Versammlung von Vertrauensmännern der deutsch-liberalen Partei in Ricdcrösterrcich statt, welche einen Organisationsentwurf annahm n»d an die Spitze der Partei einen Ausschuß von sechzig Mitgliedern stellte, zu dcsien Obmann Abgeordneter Professor'.Tr. Eduard Sncß gewählt wurde. Tic Versammlnng gestaltete sich auch zu einer imposanten .Kundgebung gegen die antisemitische Hetze. Im Verlaufe des TiSrussio» sagte Professor Tr. Sncß: ott Niederösterrcich hat cS ein Theil der Bevölkerung gestattet, das; an Stelle der gemeinsamcit Interessen die Einzelintercssen in den Bo'dcrgrnnd gestellt weiden. So ist es gelungen, daß hier eine Bewegung Raum gesunden bat, der Antisemitismus, der sich, wie heule Jedermann ei», sieht, nicht bloß gegen die Inden richtet, sondern gegen jede Gestalt des MenschenihnmS. Hier von diesem Platze anS sche ich de» Herrliäe» Ban deS BnrglKeaierS vor mir. Bor .stnrzem sind doit popiiläre Vorstellungen für die Bolksmassen eingcsührt wotdcn, und cs hat sich ergeben, daß tür 3('t> Plätze im Haine 7tXX) Aninkldungcii eingelausen sind. TaS ist ein er srenliches Zeichen desStteben» »ach idealen Zielen, ein Bedürfnis; »ach geistiger Rührung, welches in den Massen 'vorhanden ist. Wenn ich ans die andere Seile blicke ider Redner zeigte nach der Richtung de« Bezirkes Josesstadt), so denke ich an das Gebühre» des Bertreters jenes BcziikcS, weüher durch sein Schriftstück daS Protökoll u u s e r crS R c i ch S r a t h c S verunreinigt lgl/ufe: Psni Schlesinger!),-ein Schriftstück, in welchem dieRicdrig teil des Geistes ii b c r l r o s f e n wird von der Rohheit der .G e - sinnnng. Gehen Sie in den BolksbildungSverein hinaus und steUc» Sic daneben das Bild irgend eines Abgeordneten, welcher seine baßersülllen Woue noch beleidigend zu gestalten sucht durch höhnische Zurufe und spöttische Mo dnlation der SliNime, dann fragen Sic sich, ob diese bildungSdürstige und weichherzige Bevölkerung eine Bcrlrclnng verdient, deren' G e w e r be Zwietracht und deren Werkzeuge Berlenindnng sind. Es sprachen dann die Professoren B i ttncr und Tr. v. Rcinöhl, die Bürgermeister von Wicncr-Reustadt, St/ Pölten und V orncuburg, Tr. Haberl, Tr. Ofner und Sch gn mann, Landtagsabgcordnctcr RoSke, Ingenieur Rucdl und der Führer der Tcnksch Liberale» Tr. v. Plcncr. Letzterer sagte, die Reden der Landbürgermeistcr haben auf. ihn einen tiefen Eindruck gemacht, denn sic zeigen, daß in der Bevölkerung selbst das Gefühl lebendig werde, daß cs nicht so weiter gehen könne. Bürgermcistcr Tr. Habe r'l hatte erklärt: „Pflanzen Sie die Fahne des wahren Fortschrittes auf, und Sic sinden eine Armee hinter sich. Tas Volk liebt keine Scandalc, cS will nicht, daß die Eonfcssioncn beleidigt werden, die Rationalitäten sich gcgcnscilig bekämpfen. Es will ruhige, praktische Arbeit." Bürgcrincister Schanman» hatte dem Wunsche nach einem Wandel der Tinge Ausdruck gegeben und bemerkt, cS sei nnr dem Mangel an einer Parteiorganisation znzn schreiben gewesen, daß der Wahlkreis St orncuburg für die Fortschrittspartei verloren gegangen sei. Aus den Ausführungen des Abgeordneten RoSke heben wir die Ansfordcrnng hervor, gegenüber den wüste» Sbrüchc n der V e r >v i l d c r n n g das Gesetz der Sitte a u srccht;ncrha ltcn. Ai» Schlusic der Versammlnng sprach noch der Bürgermeister von Starlstein, stittingcr, welcher in einer wirkirngSvollen Rede die Vcrhä lt»issc im Wa ldvicr tcl schilderte. Er sagte: Bei nn» int Waldvierlei, welches früher ein Boden der Frenndichafi war, ist jetzt ein Herd des politischen Zwiespall» nnd der Gehässigkeit geworden, welche so weit gedieheit ist, daß nicht nur Personen, die in Freundschaft leblcn, sich in den Haaren liege», sondern auch dir zarteste» Faniilienba nde durch diesen maßlosen Unsinn zerrüttet werden. Es wurde hier betont, daß eS schon gewissermaßen als „Schande" hingenoninic» wnrde, wenn Jemand sich als Liberaler bekannte. Bei uns im Waldviertel ist es noch ärger. Hier herrscht eip beispielloser Terrpiismns. Mit despotischer Gewalt will man Sie Blatt. *■ 5e,te :t. M einnng eiiicS Einzeliieu Allen a n sd rä n ge », n nd iv e I, e dem' jenigen, der sich' unterfängt, eine and.ere Meäunug zu änste.» TaS ist der Grund, warum die forvchrililiche Sache im Waldvierie'l picht zur Geltung kommt. Richl der periönliche rMuih '>hli,' aber der ickliäne Mann m nicht imnicr geneigt, felbstlhälig in das polilücke reden zu lrele», um nie'.iln zu laufen, von gewissen Blättern besudelt und i» sc ine in Ansehen berabgesevt zu werden. Ich habe die feste llcberzeugnng, das; die politische Grsiunung im Waldviertel eine andere ist, als man allgeniei» an- ' nimmt. Tie Wahlresnltaie allein dais man nicht zur:>!ichl>chaiir' nehmen Tie - politische Gesinnling ist doit eine sortschrillliche, die Bevölkerung sehnt sich heule schon nach Ruhe und Stimmig. Teswegen möchte ich bitten, das; nnicr Wald viertel bei der-Srganisation besonders ins Auge gefaßt werde. Herzlichen' Tank denjenigen Mäiinein, welche die Idee zu dieser Parteiorganisation ge geben und dnrchgesühit haben, sd daß wir heute vor einer so feiten schönen Versammlung stehen. Wir begrüßen die Rcuorganisation der deutsch-liberalen Partei in "Oesterreich auf das.Freudigste und lheilen die Hosinuiig, haß cS ihr gelingen werde, die fortschrittliche Bevölkerung so manches Wahlkreises vor deni TerroriSinns »ichtSiintziger Anliscmitciifnhrcr lind ihrer erbärmlichen Söldlinge zu bewahren. " * 'Tic Landtagswahl tut IX. Bezirkt/) Tic- Ersatzwahl eines Ab geordneten für den »icdcröstcrrcichischcn Landtag im L\. Bezirke an Stelle des verblichenen Tr., Borschkc schloß mit cincnr Siege des fortschrittlichen Eandidatcn Tch m. Tcn antiscniitischg» (^egeneandidaten, Bürgerschullehrcr Rauscher; ereilte, jenes Mißgeschick, welches Herrn .La t sch ka bei den allgenicincn Wahlen hciingcsucht hatte; alle AgitäiionSkniffe cjncö Schneider retteten.ihn nicht vor einem jämnicr sichen Xitixßfall. >Tic RcichSratliswahl in Tcschcn.) Bei der am 21. d. M. im Slüdtcwahlbczirkc Teschen vorgeiioininenc» Ersatzwahl eines ReichörathS äbgcordnctc» an Stelle des verstorbenen Tr. v. T c m c l'siegte der deutsch-liberale Eandidat Tr. .Vliirfi mit nbcrwültigcndcr Mehrheit. Herr RoSncr, der anliseniitischc Gcgcncandidat, welcher für die , Tgucr der Wahlbcwcgnng den BankicrStirbl abgelegt hatte, erlitt eine schmähliche Lkicdcrlage. Gegen die Antiscinitc» in Salzburg.) Vcrlcuindnngssuchk und Panschalvcrdüchtigungcn bilden allerorten das Merkmal antisemitischer „Volksvertreter". Im Salzburger lsicm cindcr a t he zog sich neulich der „unverfälschte" Antisemit Stainer.ein cntschisdenes Tadelsvotum zu, und nahezmeinhellig wurde ihm die,tiefste Mißbilligung ausgesprochen. — Ter namentlich in Folge der antisemitische^ ÄüSschreilungcn mehrerer Fnnrtionäre des alten „Salzburger urnvcrei»cs" »cngebildcte „Männerturnvercin i» Salzburg" hielt dieser Tage die erste Hauptversammlniig ab. Einem Berichte des „Salz bürg er V o l k S bl a I t c s" über dieselbe entnehmen wir: Wahre Begeisterung wurde hervorgernfe» durch die Verlesung eines Schreibens - des -in hiesigen Turncrkrcisen in bester Erinnerung, stehenden Herrn Woldcmar Bier, Tircctors der k. sächsischen Turnlehrcr-BildnngS anstalt in Tresdei/, welcher die Gründung dieses ausschließlich der Pflege der deutschen Turnsache gewidmeten „M ä » »er kn r n Vereines in Salzburg" auts Wärmste begrüßt und-bekannt gibt, daß er seine Ehreninitgliedschaft des alten „Salzburger Turnvereines" wegen dessen in letzterer Zeit 'hcrvorgctrctcnen ciiiscitigen:>ticht»iig. zurückgctegt hat. In der Hauplvcrsammlung gelangte auch das ürachstchendc Schreiben zur Verlesung, das. der scinerzciiige Turnlehrer des „Salz bnrgcr Turnvereines", Herr Woldcmar Bier, an die Vorstandschasi dieses Vereines, beziehungsweise an Herrn Adolf Stainer, den er irrthümlich noch für de» ersten Vorstand „hielt, gerichtet hat Tas Schreibenlautet: An de» Turnverein Salzburg, zu Händen des Herr» Porstautes Stainer Hochgeehrter Herr! Am - I Mä>z 1 ^74 wurde mir bei meinem S»beiden von dein lieben, schönen Salzburg, das mir eine ziveile Heimat geivorke», die bei ° Frcnde und Ehre zmheil, von dein Tnrnvercin als Ehreiimiiglied ernannt zu werden. Ich habe d'.r»s immer mit herzliclier Theil»oKme-aii den-Arbeile» und Geschicken Ihres Vereines meine Pflichleu als sein Mitglied miillt Seil dem ich aber nicht mehr imstande bjn, Ihne« au > de» ne neu 'Bahnen z» folgen, die Ihr Verein seit zivci Jahren cingeickilagen bäi^ime die »nn Ihren Abgang ro» dein Ga» einerseits, und den Arislriit meiner Freunde und ehemaligen Miiarbeiier andererseits;>rr Folge gehabt babeu, zeige ich Ihnen ergebenst an, daß ich, die Ehren »tilg liedichafl Ihres Turn vereine» in-Ihre Hände zurnckgebe. So innig sich meine Ve»bindu»g mit dein Salzburger Turnvereine im Laufe der Jalne erhalten hat. >a 'ckure, ist es mir geworden, den Entschluß zur rösniig dieser Vetbinduvg zu 'amm. Tic Erinnernng an alles Gute,, was-mir der Salzburger!>crnverein ebemais rrwicsen hat, wird -gleichwohl i» meine»,. Herzen danlbar wrliebeii r'R'ii turnerischem Gruß Tresden, am 8.'Rovcmbir l^Lr' W Bier, . jrüher Turnlehrer in Salzburg.