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Freies Blatt · 1892-11-20 · 33 (20.11.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
33 (20.11.1892)
Date
1892-11-20
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 33. _ _ _ _ >srei es er sich in einem absolute» Jrrlhnm. Nicht dadurch, das, wir nicht au der Spitze blieben, ist die Bewegung znrückgegangen, sondern weil uni der Kode» fehlte. Bor wkuige» Woche» sendete der König ein Trlegramin an Zelle des Inhalt-, daß die Stadt Berlin einen belferen Ober-Bürgermeister nicht habe» könne.. Ich nehme da« Wort mit Ehrerbietung hi».. Aber unter die sen Umständen kan» man doch keine monarchische Agitation treiben. Wen» der König einen der Kirche abgeneigten, fortschrittlichen Mann für de» besten, geeignetsten erklärt, dann wird Jeder sagen inttsscn, daß wir u»ter diesen Umständen keine monarchische Agitation treibe» können. Wir könne» unter den jetzigen Berhältnisse» keine populäre Agitation mache». Wir haben gekämpft, so lange eS ging; als r« nicht mehr ging, haben wir eS gelassen. Die Bemerkungen de« Dr. Bachler über die geringe Beiheiligung an de» eon servativen Versammlungen sind ganz unpolitisch. Er ist im Jrrthnm, wenn er meint, mit den großen Versammlungen, in denen Uber die '.3ubtnfli)itfii‘ geredet wird, sei Berlin gerettet." Der Redner bezeichncle Ahlwardt al« einen „ehrlichen Mann" und ging dann aus die Ausführungen der „Deutsch socialen Blätter" ein sowie ans die darin erhobenen „nnchristlichen und widerchristlichen" Behauptungen. Eine falsche Stellung zum alten Testament gebe auch eine falsche Stellung zu», neuen, zum Ehristenthum überhaupt. Zum Schluß szlrach Stöcker über die Lösung der „Indenfrage" und bezeichnete al« die beste die schon po» den Propheten u»d Apostel» an. gedeutete: die Uebcrsiedluiig der Juden »ach Palästina. (Die Berufung Paulus Mayer'« als Holprediger nach Jeruialein dürfte der gute Mann erst später empfehlen.) — Einige Tage vorher hatte Stöcker in Dresden ein Gastspiel, adsolvirt. Tie dortigen Eonservaiivcn, denen die Autisemilen scharfer Tonart hart zuseven, verschrieben sich ihn al« Nothhelfer. Er'spracht i» Dresden gegen die „Scharfe»", denk» der christliche Geist mangle und das alte Testament nicht heilig in. Stöcker hätte sicherlich die Stellung der „Scharfen" zum alten Testamente übersehe», ivenn ihnen wenigsten« die Slainmsitze konservativer ReichStagSniitglicder heilig wären und sic nicht Eroberungszüge in conservative Wahlkreise unieinominc» hätte». Die sächsischen Eonservativcn haben die „Scharten" großgezogcn und werden sich nun ihrer auch mit Hilfe Stöcker'« nicht nwehrcii können. > „ 2lus antisemitischen Blättern. i Fürsterzblschof Tr. E« ist ein schwerer Schlag, den,der Raeeu anliseinili-nins, insoweit er sich des ChristenlhumS als Aushängeschildes bedient, durch die Wahl de» Domherrn Tr. Theodor Koh» zum Fnrsterzbischos von Olinütz erlitte» hat. Die „K re»,zci t n » g" schäumt vor ohnmächtiger Wnth, und >'o wenig ihr auch sonst das Heil der katholische» Kirche am Herze» liegt, erhebt sie ein Jammergeschrei darüber, daß am Ende »och einKoh» den Stuhl Peiri besteige» könnte. Wäre das aber gar so schrecklich? — Es sei hier nur bemerkt, daß Stöcker sich neulich in einer Anwandlung von Scheu vor den Radaugniisemiten zur Aeußerung veranlaßt sah, e« fei eine Albernheit, zu verkenneu, daß die Apostel getaufte Jude» waren, und die Behauptung aufzustellc», Ehriftus wäre gar kein Jude gewesen. Die Organe deS preußischen CcnirumS berufen sich zur Widerlegung der „strcuzzeitnng" nicht auf diese» Ausspruch Slöcker's, so naheliegend dies auch wäre, sondern sie verfahren de», Muckerblalte gegenüber zumeist mach dein Grundsatzc: „Hältst du mir ineine Jude» vor, so halte ich dir deine Juden vor", und zählen die Männer jüdischer Abstaininung aus, welche es in der protestantische» Hierarchie iveiz gebracht haben. — Die „S taatsbürgerzeilzing" veröffentlichte anläßlich der Olmützer Erz biichof-ivahl einen Wiener Brief, in welchem c« hieß; Uebereinstiinmend werde der Nulerrichtsministcr Freiherr v. Gautsch als derjenige bezeichnet, der für die Wahl Kohn'S den Ausschlag gegeben haben soll. E« ist aber nicht bekannt, daß der Minister die Wahl des Dr. stöhn aus irgend eine Weise gefördert hätte, und in Olinütz verlautete sogar, er wäre für die Eanditatur des Grafen Belrupt cingclreteu und das Wahlresultat hätte auch ihn überrascht. Wfn» ferner da« Beitiner Blatt oder sein, Wiener GfwährSmänii schreibt; „Bezeichnend ist übrigens der Jubel der Judenpresse über de» neuen Erzbischof von Olinütz" — so ist das eine jener dreisten'Entstellungen, wie man sie eben nur in der anli semitische» Lttgenpresse finden kann. Im Antisemitenjargo» sind unter „Juden presse" die deutschliberale» Blätter zu verstehen, diese stimmte» aber keineswegs Jnbelhyinnen a». Sie gebe» bloß dcrGenngthuung Ausdruck, daß da« Olmützer Domcäpitel das AdelSprivilcgium nicht mehr anfrechthielt und überdies durch seine Wahl dein RacenantiseniitisinuS cineu Strich durch die Rechnung machte, verhehlten jedoch andererseits nicht die Bejorgniß, daß der neugewählte Kirchen fürst ein Förderer der tschechischen Propaganda sein werde. Mit Jubel ivurde die Wahl de« Dr. stöhn thalsächlich nur von de» alt ünd junglschcchischen Blättern Mahrenbegrüßt, >va« also die vorher erwähnte Befürchtung der Deutschliberale» zu rechtfertigen scheint. — Das Unverschämteste leistete indessen ein einheimifchk« Antisemitenblättchen, da« in Bruck an der Mur herausgegcbene „Obersteirerblatt", welche« seinen Lesern erzählte, der Kaiser sei durch, diese» Ausfall der Wahl sehr »naügenehm berührt worden. Wo hat denn da« Brücker V iS I a I t. Seite 7. Blättchen da« erfahre n? Eine ainiliche oder auch nur halbamtliche Kundgebung, ivelche zu einer solchen Behanplnng irgeudivie berechtigen kounie. ist nicht er schienen, und die private» Bezichiingen einederartige» pvblicistischcn C rgancs zu Hoskrencn können sich doch nur aus Lakaien, Tafcldccker und Holzznträger er. strecken. Wir haben es hier unzweiselhast mit einer schamloicN Erdichtung zu thnn, ivelche für da« i» jeder Hinsicht mutnlieht, illonale Gebahreu der auu semitischen BolkSbctrüger charakteristisch ist. — Sehr scharf tritt Die „Co nser valive Eorrespondenz" de» antisemitische» Organen n»d namentlich dem Bergani siben Lügcnblatte entgegen, dessen Auslafiungen wider de» Fürst erzbischof Dr. Koh» sie folgendermaßen glossirtt- „Dieses Blatt erblickt in der Wahl deS noucn Erzbischofs eincu Sieg de« ,Jndc»lhuni»' und den Beginn einer .jüdischen Weltherrschaft'. Wem eine derartige geradezu freche Beidrehung augrnlundiger Thatsächen nicht Klarheit über die gefährliche Tendenz solcher Aussafinngen verschafft, dein ist nicht zu Helsen. Wen will denn das ezivähnle Blatt cs glauben »lachen, daß eS selbst daran glaubt, der »eugewählie Erzbischof habe nicht durch seinen ganzen Lebenswandel die vollste Garantie für seine Würdigkeit gegeben, daß er nicht in seine? Person alle Eigenschaften und Tugenden ver einige, welche die hohe, von ihm ininmehr bekleidete Würde erheischt? Wen» da« erwähnte Blatt in Berbinkung mit der Wahl in Olinütz vom .Judenthum' spricht, so beweist es eclatanl, daß ihm der Sinn snr drh sundainelilalc» Lehre» der katholische» Kirche abgeht, daß e« dieselben absichtlich verkennt nnd mißachtet, ja, daß e« den christlichen Standpunkt, den es vertritt, lediglich;>»» Teckinantel anderer Agitationszwecke benützt Ter rechte Katholik klammert sich nicht an Name» oder Adstaminung eine« Priester«, sondern er bemtheilt und würdigt deficn Gesinnnng und Tüchtigkeit. Gerade die Wahl de« neue» Erzbi>ch-fj hat wieder de» streng unabhängigen Charakter der, kaiholüchen Kirche augenfällig dcinoizstrirt, nach dem Aussprüche einestirchenfürsten, demzufolge nicht der Adel der Geburt, sondern der Adel des Geistes, bcziehungsiveise der Tugend maßgebend sei» soll bei Vergebung kirchlicher Stelle». Für die Kirche war und ist die jüdische Abstammuiig eine« Priester« nie ei» Hinderniß. dcniselben die ihm gebührende Stellung einzurüume», wie zahlreiche Beispiele von den Apostel» bis aus die Gegeniöart herab beweisen. Durch die heilige Taufe, die ein Saerainenl ist, wird der Jude — Katholik; hierüber könne» für eine» Katholiken, der nicht mit dein Kattchisinu» völlig zerfalle» ist, keine Zweifel de. stehen, während die gegcntheilige Ansicht nur solche vertreieu, de»«» der katholische Glaube al« MaSke für ihre Sonderinteressc» dient." (Berschiedenc Entschädigungsansprüche.) Eine Jüdin, deren Gatte vou der Dampsirämwais überfahren wurde, verlangte angeblich von Krauß & Compagnie 30.000'•fl.,. während die Zigeunerswitwe Sipo«; sich mit - 100, jl. als JahreSrcntc begnügen wollte. Da« übelriechende Blatt von der" sinken Batingassc ist es, welche? diese ZusainnrcilsteUung besorgt, um darau dir . Hetzglosse zu knüpfen, daß die Juden entweder unbescheiden oder „wirklich viel mehr werlh sind als die Christen"^ Daß cs sich bezüglich dcr'zu Eesatzlcistungen Herangezogencn in dem eine» Falle »m eine bemittelte Firma handelt, in dem andere» aber ui» die Hinterblicbencu eines unverfälscht arische» Judividin»»«, da», »in ein paar Gnlde» zu erhaschen, einen Meuchelmord verübte, ist immerhin ein Umstand, der bei Beurtheilung der verschiedenen Ansprüche nicht außer Acht z» lassen ist. Wie viel hätte denn in einem ähnlichen Falle die Witwe eine« antiscinilischc» Agitator».qo» einer Drannvangesellschast begehrt? Ein eifriger aulisemilischer Advoeal ■ würde ohne Zweifel der Gesellschaft das Beulchl herausnehmen. - ■ ■1 ,<Die „Unverfälschten" über die anderen Lintifkniilc».) Sic. vertragen nicht die Concurrenz im antisemitischen Gewerbe, die Herren vom Zwclllcr Ritus, nnd ihr Tiücesanblatt bringt in seiner jüngste» Ausgade eine ganz stattliche Reihe von sBerdainiiunigsurihcile» Prade und Schütter werden der Kriecherei, Steinwender der politischen Seiliänzerei, das keusche „Deutsche BolkSblatt" der Lgscivilät geziehen. Zu emcr Theaterrecension diese» Blatter, welche die 'mit schier'verschwenderischer Offenheit enthüllten Reize einer | Schauspielerin gepriesen hatte, wird, bemerkt: „Man hört den Lüstling vor 1 Wollust fast kichern." Auch »erden die Rechtgläubigen daran erinnert,,daß zwei österreichfichc O'ficiere, welche Berga ui verklagte, weil sic ihm die Sali« faeiiouSsähigkeit abgesprochen Hane», vom Gerichte mit der Begründung frei gesprochen wurde», daß Bergani wi> klick, nicht satissactionssähig sei. Der; Richter habe das Unheil in folgender Wene. begründet: „Ter von den beiden Geklagte» für ihre.belcidigenden Aeußerunge» angebotenc und nach den gesetzlichen Bestimmungen zulässige Wahrheitsbeweis ivurde erbracht, und haben die Geklagten nwiesen, daß Kläger Bergani nüwahre Behauptungen über seine Angelegenheit mit Herr» H . . . veröffentlicht hat, daßer insbesondere über -die Gründe seiner Ablehnung deS gegnerische» Sekundanten Herrn P. unrichtige- Mittheilungen bekauntgegeben hat, und daß er deshalb mit Recht iatisfaetionsunfähig genannt worden ist. Dieser Ausdruck ivurde im vorliegende» Fglle gleichbedeutend mit unehrenhaft gcnomnie» und erscheint gerechtfertigt, weil sich Bergani von einem Manne, den bessere» Ständen nnd der Intelligenz an gehörend, nämlich' von seinem früheren Schriftleiter K H. Wolf, grobe Be j leidigungen vor Zeugen sage» ließ,^oh»e Darauf in anderer Weise SaliSsactiou zu nehmen, al« den Beleidiger za entlasse». Wer aus seine Ehre so wenig Be-^t

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