Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 33 (20.11.1892)
- Date
- 1892-11-20
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Stite 8. Nr. 33. Fr ei«, dacht 111imnit, ddß er derlei Beleidigungen vo» Personell/ die selbst nicht al» unehrenhaft gelten können, stillschweigend ohne gerichtliche oder andere Lalis saciio» hinuiinint, muß als nnehrenbasl angesehen werden " v,»u 1 ike it.) Daß die Antisemiten auch das neueste Pariser Boinbeiialienlal auf die Hilden zu schieden suchen, ist eigentlich nicht zu verwundern •■i'.-niii irgendwo eine Lumperei oder ein Verbreche» - begangen wird, so fühle» sic eben ein iehr erklärliches Bedürfniß, den Perdacht von sich abzülenkeii und auf andere Leute zu richten, wozu ihnen eben die Juden gut genug scheinen. Unlängst lägt sich daS „Teutsche Volksblatt"_vou dem Berichterstatter, den es in Paris besipeu will, über einen Änarchistenball berichten, welcher kurz vor der Bombeiiepplosion in Paris stattgefunden hat, Tie Mehrzahl der Anarchisten, Iieisit ,es, ivareu Russen, und diese waren fast »hne Ausuahine Iirden „Beim Louper wurde aus den Tod aller Monarchen Europas ge trunken und in cincin Toast die Hoffnung ausgesprochen, dag in Bälde das Dynamit alles Bestehende vernichle« werde, wo;» jeder von den Anwesenden bereit sei. deizutragen. Und die französische Polizei tolcrirt so tvas" inmitten von Paris!" mit der Wolkenkukuksbeiiner Berichterstatter aus. „Eine criminelle Judcnbande, die sich offen erlaubt, Mord und Diebstahl zu predigen! Tie niMt'Vtu'ii Ribilisten i Christen , welche zur Gruppe der .Rarodnaja Wolja' geboren/ieblteu natiitlidi gänzlich an dem Feste, da sie nichts mit den Anarchisten zu lim» babeu wvllen, da diese durchweg« Juden sind," Tie Anlisemsten iäniaiine» schon so für alleS Ruisi'che, dag sie sogar die braven Rihilistcn loben, Wie weit c» übrigens mir der aniiiemilischen Wahrheitsliebe im All genieinen und im Bc'chideren der ist, zeigt recht deutlich das Urtbeil eine» anderen vom 'i-intus .intiseiiiiticus erleuchteten Blattes über die russischen Rilmistcn. Tie „Llaalsbürger-Zeitung" sübrte vor sturzem in eiiiem Leader aus, dag die Tbatigleit einiger Filiale» der AIImn>->- i^raiilite doch nicht io barmlos fei, wie sie die Jntenprene darzustcllen suche, Jnsbesondeie babe die Parner Centrale diei'es lüdnchen Pereines schon mehr als einem Per brecher die Mittel an die Hand gegeben, sich dem straiende» Arm der- Gerechtigkeit zu eiilzieken. Ueber die Wiit'amkeu der Alliance israelite fei heute 'noch vicl'ach der Lckileier-de-:. Gcbeimnisses gebreitet; sollte dieser einmal ge luilel werden, dann' werde man sicher auch die Besitzer der gc ichästigen Hände kennen lernen, die >o eifrig die Fäden spinne», an denen d ie n i bi l ist: > ch c Betvegiing i» Rußland geleite t werde. Tei gefällige Leier kann sich nun jene Ansicht über die Nihilisten auswähle», die ibi» beliebt. Ei» Gutes ist bei der Lache: in -jedem Falle wird der Jute verbrannt. *! Ter Geächletc.) Tie Fteund'chaft eines Schneider beginnt »UN selbst Anlisemitc» uiibeglieiu zu ivcldcn, man fürchtet durch eine Pertheidigung auS 'einem Munde eben ernstlich au der eigene» Ehre zu leiden. Anläßlich der Tebane über den Tringlichkeiisanirag Prade'S im Abgeorduelenhause unterbrach, ivie mir belkil? gemeldet, Schneider seinen Freund Lueger, als dieser be hauptkte, die liberale Partei strebe die Mehrheit im Stadtverordnete» Collegium von Reichenberg au, durch den Zwischenruf: „Ja. um wieder stehlen zu können!" Erst trug dieser spirituelle-Ein und Ausfall dem Mechaniker einen Tldniingsttii von Leite des Präsidenten ein, woraus er sich jedoch nach Aulü >emileiiarz wenig geiizachk habe» dürste. Lchmerzlicher wird er sich schon durch das Porgchen der Reichenberger „Tenlschen Volkszeiluug" berührt fühlen, welche folgende Ehrcnverwahritng des Tr. E. Jeunel, eines Führers der Reichenberger Tenlfchiialionale» bringt. „Wir bekämpfen," schreibt der Anti iemit. Ilnterabtheiliing Lchönerer, „die Anhänger der liberalen Partei in Reichenberg. aber nie ist es unS kingesaUen, die persönliche Ehrenhastigkeit der Männer dieser Partei bezilglich der Penvaltuiig de« Gemeindevermogens zu bkzwciselii. Es ist daher von einem außerhalb unserer Gemeinde stehenden Manne eine f cig-e und niederträchtige Verleumdung, mit solche» unter dem Schutze d e r. Im mun ilä l ausgesto ßenen Zwischenrusen die EKrc von Männer» besudeln zu wollen, die wir — die.unmittelbar Bciheiligtcn,— zwar als poliii'che Gegner bekämpsc», deren persönliche EKrcnbasligkeit z» bezweifeln »us jedoch nie eingefallen ist. Wir baffe» die feige und heimtückische Teininciatioii, wo immer sie auslrilt; nie darf und soll sich aber ei» Tkiiuneiant rühmen, daß wegen Mangels eines Wider'pruches sein Borgeheu bei uus — einer Partei ehrlicher Leute — Zustimmuitg gesunden babe," s Blatt. (Gleiche Auffassung.) Aus Troppau wird UNS geschrieben: Da« hiesige Blättchen „Deutsche Wehr" bekämpsk die ReichSrathscandidatur de«Deutschliberalen Tr. .stlucki und tritt für eine „nationale" und „christliche"»Schule ei», aus der die „freindnalionalcn" Juden auszuschlicßen wären Die sittlichen Grundsätze des Juden, wird zur Begründung des Vorschlages gejagt, seien aiidere, und er fasse das Gebot: „Du sollst nicht stehlen!" ander» auf als wir. Allein auch jene Herren Diebe, welche einmal zu Zierde» der antisemitische» Fradlion zählten, bestätigten durch' ihre HandliitigSwcise, daß sic die gleiche Ausfassitiig haben, wie jüdische Gcsctzesverächlec. Die fernere Behauptung der „Wehr", daß ei» Jupe im Eoncursmachen nicht» Benvcrfliche» erblicke, ist in ihrer AUgemeiiiheit eiue sehr vage; eS kommt auf die Umstände an, welche zu einem Conctlri'e sühren. Ei.» ConcurS eine» verschwenderische» feudalen Aristokraten ist in hohem Grade verwerslich, der eines durch Mißgeschick herabgekominencn jüdische» oder christlichen GeschäftSmaniie« kann aber unter Umständen verzeiblich sein, lieber Diebstahl und betrügerische Lride haben wohl Verbrecher und andererseits ehrliche Mensche» ohne Unterschied de» Bckennt- »issc» und der Abstainmung die gleiche Auffassung. «Der Tcutschc Lchulverrin und die verschämten Antisemiten.) Ter Teutsche Lchulverei», welcher sich seit einigen Jahren dank de» Umtriebe» unverschämter Äntisemite» im Rückgänge befindet hat i» einem Ausrufe seine finanzielle Liluation wahrheitsgetreu dargelcgt, sowie die mangelud« Opferwilligkeit vieler Teutsche» und die fehlende Uiiterstiitzuilg der Jugend beklagt. Nun kommt ein Organ der verschämten Antisemiten, das der Opferwilligkcil der chrsamen Witwe Zang sich crsreucnde „Grazer Tag bla tt", und will die Nothlage de» Lchulvereiucs zu Gunsten der Anliseinilerei verivcrthen, E» verlangt die Eniscrnung des O-bmannc» Dr. Weitlof und seine» Anhänge» 'wegen ihrer „enge» Verbindung mit dem LiberaliSimi» und dem Jiidenthum" und sagt, e» uiüsie im Pereinc wieder möglich gemacht werde», daß „alle nationalen Mäuner und Frauen unsere» Bolle» milarbeiten könncil". Verschämt wird hier also, wie jeder mit den Verhältniffen und der aitlii'emitischen Sprechweise halbwegs PeUraule wohl weiß, der Ruf erhöbe»: „Juden hinan«!" Würde die Verein« lciiung aus solche Rathschläge eingehcu, dann thäie sie, abgesehen von alle» grundsätzlichen Bedenke», schon aus finanzielleii Rücksichten besser, beizeiten a» eine Auslösung zu henken. Wie groß die Opserwilligkei« der Anlisemite» ist. konulc man auch aus der Freigebigkeit ersehen, mit welcher sie de» antisemitische» Lchulverei» seligen Angedenken« bedacht hatten. Briefkasten. ■ „Hluiiaiius", Landstraße. Lie sind nicht der Erste, der »ns daraus ausmerksani macht, daß Vergani in dem' Briefkaste» seine» täglichen Lügcnautomaten die Leser glaube» macht, als wäre» die k. k. Trafiken jetzt, tvo ihm derEiiizelverschteiß gestattet ist, auch verpslichtet, das Blatt zu sühren. Da» „Bolksblatt" wird auch durch diesen Geschäst«knifi seine bescheidene Auflage nicht erhöhen. A.^J.. Himbcrgerslraßc. Der wegeu" eines LiitlichkeiisverbrechenS verfolgte und flüchtige Reichsrathsabgeorduete Redclla ist kein Jude. Herrn B. L.. Jungbuiizlau. Vielleicht iu einem spätere» Zeitpunkte. All mehrere Adonnrntcii. Lie beklagen sich, daß Sie die letzte Numiner unsercs Blattes nicht erhalten habe»; derlei Unterbrechungen rühren davon her, daß Sie die Erneuerung Ihre» abgelausene» Abonnement» nicht rechtzeitig anzeigc». - Zur Beachtung! Unsere P. T. Herren Abonnenten erhalten mit der nächsten Alimmer <3-1) unseres Blattes eine soeben erschienene interessante Broschüre „Stenographisches Protokoll der am 13. Oktober 1802 vom Berein zur Abwehr des Antisemitismus veranstalteten Protest Versammlung", als rr«e«tgeltttche Beilage zum „Freien Blatt". Beitritlserklärungen zum „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" werden entgegengenommen im Sekretariate des Vereines, Wien, I., Parisergafle 4. Al>o»nemr«t»anmett»u«gen auf das „Freie Blatt" nimmt die Admillistration, Wien, I., Seilerstätte 10, jederzeit elltgegra. Ebendaselbst werden auch einzelne Nummer» abgegeben. Probenummeru zur «eiteren Berbrritung des „Freien Blattes" »erden Gesiullnugsgenosseu auf Verlangen bereitwilligst zur Verfügung gestellt. Herausgeber und »erantwortlicher Redacreur: Ernst Victor Zenker. — Drück von Th. Reißer & M. Werthner, Wien.