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Freies Blatt · 1892-11-20 · 33 (20.11.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
33 (20.11.1892)
Date
1892-11-20
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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?ri»r freies mogfianimt auf 'ihren Posten geblieben, also auch (ijiift) und 2;ibigi)i, die sich am meinen für die Frage der Reeeption und cynietic engagirl hauen. Damit in auch den bescheidensten Hoffnungen unserer Wiener ■•uiMioimve und Antisemiten ans ein Geschäflsininisteriiim, das einer Regierung Pensum heilen hätte, welche die schwebenden Fragen im chrisil'che», d. h. im judenfeindliehen Sinne lösen würde — der Boden unter den Füßen entzogen. Irgend eine ernste Berechtigung bat diese Hoffnung übrigens nie gehabt, und der Charakter und Ansgang der Knie hat wohl zur Genüge gez.igt, wohin in Ungarn ein Adminiiniren gegen die Grundsähe und den Witten des Bolkes 'üliren könnte. Die Krise hat aber auch die Festigkeit der liberalen Ideen in Ungarn bewiesen und das in den letzten Jahren so seltene Sckiau'pi.I eures von Gesundheit strotzenden ParlamentariS- MNS gewährt. Cs ist gewiß kein Zufall, daß gerade die Frage der endgiltigeii Gleiclstellüng der indischen Confeision mit dieser Krastänßernng des biberalismuS im innigste» Zusammenhänge lieht, und so U’eirg Ungarn selbst unter dem Anlisemilismiis zu leiden Hai, >o ist es gerade der AniisemiiiSnins, der in Ungarn liingst eine löelliche 'lliiederlage erlitten hak. Die Fruu und der Aiitisenntisiiuis. Cs iräre gewiß eine ergebuißreiche, wenn auch iranrige Arbeil, :.:s h-eiballniß der lientigen Fianenwett^zum Antisemitismus, zui» und Raiionalitäieiib.iffe Iiberliaiivt einer eiiigehendeii, gründe 'nebenden, Betrachtung zu unterziehen. Rne auf zwei Pnnkie, welche ’;eh lilel ei dein Ange^arleieken, wolle» die folgenden Zeilen hindenten W:e te.:ii!i:l es. daß ein Geschlecht, bei dein wir gewohnt sind, bebere R'einlieil dee "Ä'ffiiiiuiig, ini-ndestens ein edler einpfindendes roi'eiii^^ufei?eii ails bei der Mo ne unserer Männer — wie r. 'üiiii; io, daß die'eS «''e'chlcchk, als denen gepriesene Aufgabe sonst längeffeUt wird, des Mannes Rohheit zu säufkigen, io bliudsauatischen Antbeil an der ‘A'egaiiofi des Sitteligeiepes, welches da verlangt, daß der Schurke bestraft werde und nicht 'der Jude, der Dieb und weln der Czeche, daß inan deii Schänder der- Che mißachte und nicht den ,vnui;oien, den Säufer und nicht den Deutschen? ~ 7 ie;e Frage würde ihre Beaniivoriung zunächst in der Erwägung stüden: Welche Art Frauen ist eS denn, denen jene Bertehrtheit gefällt? Cs gibt, dein erstarteuden Menicheinhum fei Dank, unter uns Männern' •.n ebe und viele 'dgar, zu denen wir mit Berehrnng aiifbtiekeu dürfen, al.r in Felge der noch inangelnden Crzieliniig des Bolkes zur Ge- ..elingleil uoeli mein wiche, zu denen wir mit schinerzlichein Mitleid l-inalllnken niünen. Und io wandeln auch Frauen in unserer t>'esell- ’.tn:, :n deren.«'Niste freie Gerechtigkeit ihren Denipel erbaut hat', und denn . tel enenes Anae überall iniileidsvoll und bilfsbereir die Schwächen : Menschen, roll Iieiligee Freude deren nieuichenwürdige Dhaten steht. Ad r auch andere gibt es, uni vieles stärker an Zahl - wer kennt ste o.lchk. die Vegion der Frauen nach der Schablone, die feigen Abklatsche ibler Umgebung? Dort wird verleuindet, gezischelt, gekeift, ins-Blinde ... ein ff;id>ieLt und gelingt, sie niaclten nur nach, was sie von anderen ge'.lnn e. il;c11r andere gib: es, kluge «''eschäfrsfrauen, ähnlich den t.asen e''.schäflsn!än!iern,-n»d endlich solche, die eben die Mode init- ::".ch.i! ee — genau so wie kn der Männerwelt. F.in.l fallt aber entscheidend die ans jahrtausendelanger Be- •ili .rluna und Feblerzietniiig bervorgegaugene große Cinpsänglichteii n.;;li.lui! «'«e>chlech:eS für Suggestionen ins Gewicht. Die meisten ..! . Frauen dent.u wolil deshalb antisemitisch, weil sic die Galliniien, 7 . einer, 7ebir.st...n, Müller von Äntisemileu sind. WaS ihnen die 7. Analen nur -der auch die Bureau und Kathederweisheit ihrer n.. n.nii bringt, liebuien sie nicht mit prüfendem Geiste Kv.i;;n durch ein «'«emiilli, das bei der öden Alltäglichkeit ihres di Ce unedle Aufwallung als eine 'Wohlthal fühlt. Auch diese Flaue» b.:'. :ü M!"•- B'.dnr'Hß^, hie und da etwas zu empfinde». Ans sich ''.tost.beraus Hellas zu entwickeln, fehlt ihnen Fähigkeit oder Anstvß: '! ,e Umgebung bietet ihnen nur de» Haß - alio iiehmeu sie de» Haß. 7er Mann ist das Haupt der Familie und gibt ihr das Gepräge, meine» c’t in Eben, wo es am wenigsten zu wünschen wäre. ."'.N undF'«ebranch tragen nur in den alleräußersten Fällen, und . . di da nur stlten, wie dieses Haupt beschaffe» sei — eine der verl.nlllielistci! und l^ntalsten «^en'eraliiationeii, die es je gegeben hat. Wa An - Ucdergewichk des MaimeS aus sittlicher (''ediegenheil herfließt, ai. d sich die lelteffende beneideiirwerthe Frau, wenn ihre Seele edel ist. iu.cIi mit Begeisterung den edlen Bestrebungen ihres Gatte» hingll en, denn darin liegt ihr eigenes, höchstes Glück. Wo aber ei» Weib V l a t t. Nr. »3. an einen sittlich oder geistig unter ihr stehenden Mann sich gebunden hat oder in Folge unserer verkehrten Berhältniffe hat binden »Nissen, da ist es denn doch nicht nur eine bodenlose'Ungerechtigkeit,' sondern eine geradezu groteske Lächerlichkeit, des Mannes Präponderanz zu decrciiren, bloß weil dieser — keine Kinder gebären kann. Wahrlich, diese Zuiiiuthuiig ist ganz ähnlich jener, daß der, wenn auch fleißige, hochdenkende, geistig und sittlich vortreffliche Mensch an der Bethütiguiig seiner Fähigkeiten gehindert und in unwürdiger Beschräiikiing gehalten werde» soll, weil er eine Rase von eigenthümlicher Form oder einen besondere» Sprachaccent hat, indes dem, wenn auch arbeitsscheue», niedrigdenkende», geistig und sittlich Berkoniinene» alle Wege offen stehen, weit er dieses oder jenes Bolksstainmes ist. Solche Betrachtuiigen regen beinahe zwingend zu einer Bergleichung a», und diese bildet den zweiten hier zu besprechenden Punkt. In der Tl/at, die Geschichte der Jude» seit dem Einbrüche des religiöse» Rur ich FaiiatiSiiliis in Europa bildet eine auffallende Parallele zur Geschichte der Franeiuvelt. Dem jüdischen Bolkscharakter werden im Raine» von Böllern Eigenschaften vorgeworfen, welche ihm von eben diesen Böllern gewaltsam anerzogen wurden, die abzustreife» er aber seit dem kurze» Zeiträume der —■ tliatsüchlich nur halb erreichten — Möglichkeit hiezu wahrhaft bewunderungswürdige Anstrengungen macht. Ebenso fel,en wir mit derselben kurzsichtig dummen Miene des Jchdiinkels gegen den Franencharatter von eben den Männern Borwürfe erhebe», die das Weib durch eine jahrtansende andauernde vor iirtlieilSvolle Ungerechtigkeit a». der freie» Entwicklung von Geist und Gentüth gehindert haben. Ja sie halten sich fest die Angen zu gegenüber der Wahrheit, daß die Frauen feit ihrer Hülben Befreiung mit nicht weniger staunenswerther Aiifrafsnng als die Juden daran arbeite», gutzuniache», waS wir, beziehungsweise nnsere Borfahren an ihnen verbrochen haben. '•Vei&ev mangelt hier der Rani», den Bergleicff im Einzelne» durch zuführen: aber auf einen Gedanken deuten die bezeichneten Berhältniffe nnabweisbar hin. Wie dem sittlich intacten Mai»n die freche Proelainirung des Unrechts als oberstes Princip der Hebensführung die Schainröthe für seine Milinenscheii ins Antlitz treibt und ihn zu entrüstetem Protest aufstachelt, so hat die Frau denselben, außerdem »och einen weiteren Grund, mit der ganzen Kraft ihres empfänglichen Ge inülhes für die Heilung jener Maffenpjnchose zu wirken: gleich ungerechte Bergewaltignng zum Theit vergangener Zeiten, gleich ungerechte Beichuldigung von Mängeln, die der Ankläger hervorgerufen, gleiches Streben, den Charakter von jenen Schlacken zu reinigen und die Spure» der allzu lange getragenen Fessel zu verwischen,• muß ein besonderes Interesse des Mitgefühls für die Jude» bei dem Weibe a» regen und dessen Kampfe für das Sittengesetz »och den Impuls eines seinen Motiven und seinem Charakter »ach ähnliche» Kampfes für sich selbst enheilen. W i e n, IK. Roveml'er E tu c r ich Kowale k. Die „Rettung" de-. Rlittelstandes. I» der „Berliner B ö r sc n; e i t n n g“ finden wir über die von alle» Seiten aiigestclllen Bersuche zur „Rettung" des Mittelstandes eine Reihe von Bemerkungen, die nuö mit Rücksicht auf analoge Bethältniffe in manchen österreichische» Gegenden beachtenswerlh erscheine» und auch jene iiileressireü dürften, welche ihnen nicht in Allein und Jedem zustiiiinie». Dsts Berliner Blatt schreibt: Alle Welt beeisert sich' jetzt, den Mittelstand zu „retten". Die Antisemiten erklären diese Rettung für die'Hauptaufgabe ihrer Partei: das Centriim und die Eonservativen versichern, daß die Erhaltung des schwer bedrohte» Mittelstandes eine ihrer vornehuiften Sorgen sei: die Socialdemokrate» bieten ihm, da er doch aus eigener Kraft sich'nicht zu halten vermöge, ihre Partei als reitende Zuflucht an, und jetzt hört mau auch liberale Stimmen auSjprecheii, daß der Z'iberalisiniis am beste» gerettet werden könne, wenn er sich an der Rettung des Mittelstandes hervorragend .betheilige. Die Behauptnng, daß der Mittelftand dahinschwinde, und daß wir Zeile» entgegengehen, in denen es nur noch ganz Reiche und ganz Arme geben werde, ist so oft wiederholt worden, daß sie Biele» schon längst alS feststehender Glaubenssatz gilt. Es ist wahrhaftig Zeit, auch diesen Satz einmal auf seine Giltigkeit zu prüfen. Und siehe da — er wird sofort hinfällig und verkehrt sich in sein Gegeutheil, wenn man statt der Behauptung die T Hatsachen spreche» läßt. Um zu einer sicheren und zum größten Theil auf Selbsteinschützung beruhenden Feststellung der Einkoinmeiisverhältnisse des Mittelstandes zu gelangen, die sich über eine längere Reihe von Jahren erstreckt, wenden wir uns am zweckmäßigsten zu dem Königreiche Sachsen, dessen Einkommen-

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