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Freies Blatt · 1892-11-13 · 32 (13.11.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
32 (13.11.1892)
Date
1892-11-13
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Sette 4. Freier Blatt. Nr. 32. ./vvcimbc Tr. Vncg«-'$, geschah erst dann Erwähnung, als man Mandl'S Anhang den <>'egncrn des jetzigen Antiscmitenführcrs beizählen konnte.- Vneger's Bcniühnngc» mit den festlichen Empfang des deutsch-liberalen Parteitages zit Beginn der Acra Taaffe wurden auch nicht mit einer Tilde crwäbnt. Auch feiner, lauten Kämpfe und stillen Friedensschlüsse mir den Herren Betier und Holloinay, seines vorsichtigen lieber ganges ans dein demokratischen in daS clericale und nachher antisemitische Vager, der erprobten Agitation durch „Wagenthürl-Anfmacheii" und anderer Heldcusirciche wurde, ebenfalls keine Erwähnung gerban. Bei dem Hinweise ans seine Bclcidigungsproccsic vcrmiffen wir eine Würdigung des von ihut gegen Herrn Alexander scharf angestrengten ProeeneS und der demselben zugrunde liegenden Action für die Rlcingewerdekriidenden Tie Veier dcö „Volksblatt" hätten auch . ein Recht, zu ertalircn, wer sich bckclirt hat, Vncgcr oder das „Volks l’Uitt"? Vevkeres schrieb noch zur Zeit seines Eonslictes mit Herrn Tr Parka i, dag cS ja cincin Vnegcr nicht darauf ankommc, noch eine Schwenkung zu mache», und Pcrgani flehte schönerer an. ihn .g egen V elitc wie Vucgcr, Schneider und P'i ste'r z li schlitzen. Heute ist Tr. Vuegcr für das „Bolksblatt" ein nnvcrwüstlichcr, unüberwindlicher, ja sogar „hochverehrter" Volks / iiiaini. Wird er cs auchnach einigen Jahre» sein, wenn das „Polksblali" bis dal,in noch bestehen sollte? Auch schönerer wurde einst von tiefe»! Platte besungen und wird heute von dcmsclbc» beschimpft. Es ist keineswegs ausgc'chlosscn, dag das „Bolksblatt" das jetzt gebrachte i'iiiTHiiiiiin \itn- £r. Vueger's noch durch einige bemerkcnswcrthc Taten, die cs heute nicht zu beachten für gut findet, ergänzen werde. Wir könne» warrcii Troll nnö stillt Wühlkr. Ans Ncnnkirchen wird uns geschiiebcn: Tie fortschrittliche Pauernschast unseres Wahlbezirkes ist ernst,Iicli entschlossen, den anliscinikischcn Umtrieben nicht länger nnthätig zuziiseb-.n An den Tcutichfortschrittlichen. Verein in Neun kirchen, welcher in der letzten Zeit wiederholt gegen den Abgeordneten Ritter v. Troll Stellung gcuoinmen hat, gelangen deshalb ans allen Theilen des Bezirkes Anerkcnnungs und ZustimmungSschreiben. Neuerlich faßte wieder eine Persanimluiig von VertrauciismSnncrn. wobei auch zahlteiche Bauern zugegen waren, den Beschluß, in nächster Zeit abermals eine großartige Kundgebung gegen die Bestrebungen der christlichsoeialeu Pcrcinc zu veranstalten. Einen Antrag, Troll von nun ab nicht mehr als den Vertreter des Bezirkes zil betrachten und in allen den Bezirk tangirendcn Fragen sich an andere, freifmnigc Ab geordnete z» welidcn, wurde mit allscitigcr Zustimmung angenommcn. Man trägt sich auch mit der Absicht, eine große Wählcrvcrsammlnng zu veranstalten, zu welcher Troll rinzuladen und bei welcher Gelegenheit ihm neuerlich das Mißtrauen zu votiren wäre, da es nicht zu crwarren sei, daß ein <?csi»niiiigsgenossc der Wiener Hctzantisemitcn irgendwie ersprießlich für die bäuerliche Wählerschaft wirken könne. Tic salzburger Turnvcrcinsaffairc.) I», salzburger Gc- »icindcraihc gelangte dieser Tage die Turnvcrcinsaffairc, von der wir bereits Notiz genommen haben, zu einem vom Standpunkte der Huma niiät und ^'erechiigkcir zu billigenden Abschlüsse. Ter Bürgermeister Tr. Hueber selbst Unterzog sich der Mühe, die Angelegenheit in einen! eingehenden Referate zu behandeln. Es lagen eine Beschwerde der israelitischen Enlnisgeineinde Salzburg gegen den Turnverein wegen des Ausschlusses von drei jüdischen Mädchen, die Aenßerung dcS Turn- 'rarbcs über dieselbe, ferner zwei Beschwerden der Tireelioncn der Tbcr real'ämle sowie der Bolts- und Bürgerschule über den übermäßigen Lurnbelrieb im städtischen Turnsaale und über die dadurch für die Gesundheit der Schulkinder höchst ungünstigen Verhältnisse vor. Ter Bürgermeister bezeichnctc in seinem Referate die Behanpiung des Turn! raibes, jene drei minder hätten sich unziemlich bcnomnien, als „ganz beiveislos hiugestellr". Nebenbei bemerkt, geht aus der Aenßerung des! Tiirnraibes auch hervor, daß Herr Wenzel T ick, Professor an der! Staatsgewerbe'chulc uns Tbniann des Turnvereines, bei dem Aus schließiiugsaete mirgewirkr habe, was seinerzeit in einer „Berichtigung" j i» Abiede gestellt wurde. sehr nachdrücklich betonte der Referent, j dgß Zur die «Gemeinde nur das Gesetz und die allgemeine Wohlfahrt j maßgebend.'ein" dürfen, daß deshalb nach t; 13 des Gcincindestatnts j jederinann in der «Gemeinde Anspruch ans die Benützung der (Ne- 1 ineiiideanüVien hat und nach 14 alle Geincindemitglieder und sohin . auch die iNmeuidegenosseu ohne ilntcrschied der Eonfession öder Ratio l nalitat das Nreckit auf Benützung des Geincindcgntes nach Maßgabe - der bestehenden Einrichtungen haben. Tic Gemcindc könne und dürfe; es dalier nicht gestalten, Paß der salzburger Turnverein alle jene Personen, welche Nichldenlsche oder Israeliten sind, an -dem Hauptj sächlichsten Zwecke der Turnerci, der körperlichen Entwicklung und <Ne l snndung, nicht partiripiren lauen will, obwohl diele Personen Ge j iiteindegenoneu und oder doch sein können und sohin ein gesetzliches! Anrecht auf die Mitbenützung der städtischen Turnanstalt haben. Alle diese Umstände sowie die von Seite der Schulleitungen wiederholt laut gewordenen Klagen über die ganz außerordentliche BenützungSart und -Tauer hinsichtlich des städtischen Turnsaales seitens des Salzburger Turnvereines sowie die Befürchtungen über den schlimmen Einfluß der dadurch gcschasfcncn ungünstigen sanitären Pcrhältniffe im städtischen Turnsaale vcranlaßtcn den Bürgermeister, folgende Anträge zn stellen: I. Den bestehenden Vertrag mit dein Salzburger Turnverein, betreffs Mitbenützung der städtischen Tnrnschnle im Volks- und Bürgerschulgebäude, halbjährig zu kündige»; 2. einen nenen Vertragsentwurf bezüglich der Mitbenützung der obbesagten Tnrnschnle seitens des Salzburger Tnrnvereine», nach vorgängiger Einholung der Gutachten der Directorate der k. k. Lberreal fchule und der Volks und Bürgerschule, mit dein Turnverei» abzufchlirßen, welchersoivohl hen Anforderungen der Schulen und de» Verpflichtungen der Stadtgeineinde gegenüber den Geineindeangehörigen und Stadtbewohnern gerecht wird; 3. über die Fortsetzung eines solche» Vertrages der Geineindevertretung die Beschlußfassung vorzubchalie». In der Debatte, welche sich an diese Anträge knüpfte, protcstirte der antisemitische Gemeinderath Stainer dagegen, daß der Bürgermeister selbst das Referat übernommen habe. Tic Elter» der drei aus gewiesenen Kinder, sagte er, hätten dadurch, daß sie ihre Kinder in die Mädchenturnriege geschickt, den Turnverein „provocirt". Bei der Abftimmnng wurden die Anträge des Bürgermeisters mit überwiegender Mehrheit zu in Beschluß crhobeiz/ Den durch den Salzburger Turnverein schwer Gekränkten ist somit, wie das liberale „Salzburger Bolksblatt" mit Befriedigung conftatirt, volle Genngthuung znthcil geworden. (Professor strack's jüngste Piiblication.) Von dem Buche des bekannten evangelischen Theologen und Berliner Ilniversitätsprafcflors Tr.» Hermann L. Strack: „Ter Blutaberglaube in der Menschheit, Blntmorde und Blutritus" (München, E. H. Beck sehe Berlagsbuchhandlung, 1891k), ist soeben die vierte, neu bearbeitete Auflage erschienen. Tas nicht bloß als Streitschrift gegen den Blntaberglanben, sondern auch wegen der wissenschaftlichen Erschöpfung, dieses merkwürdigen cultnrhistorischen Problems ' berühmte Buch ist in der vorliegenden Auflage noch durch ein reiches historisches Material wesentlich vermehrt. Besonderes Jntcrcsic verdient der XVII. Abschnitt: „Ter k. k. österreichische Professor und Eanonicus Aug. Rohling in Prag". Professor Strack läßt der antisemitischen Talmud-Autorität nicht nnr eine vernichtende Kritik widerfahren, sondern schlendert ihr auch die furchtbarsten, den wisicnschaftlichen wie pcrsön lichcn Eharaktcr Rohlingss betreffende Anklagen entgegen. Auch werden, folgende zwei Briefe reproducirt, welche Strack in der Angelegenheit des k. k. österreichischen Professors Rohling an de» Ilntcrrichtsininistcr Tr. v. Gautsch richtete: — kS. April 1892. Hochgeehrter Herr Unterrichtsminister! Eurer Ercellen; erlaube ich mir anbei;n übersenden: 1. Meine Schrift: „Ter Blniabcrglanbe bei Christen und Juden", München 1891, E. H. Beck; 2. ei» Schreiben von August Rohling vom ü. November 1891; 3. ein, gutem Vernehmen nach, von August Rohling verfaßtes, jedenfalls durch ihn verbreitetes Flugblatt „Eine Talmndstclle über rituelles Schächten"; 4. eine von mir verfaßte .'iritik diese« Flugblattes (ab gedruckl im „Evangelisch kirchliche» Anzeiger von Berlin", Rr. 10). Der Grund, der mich, einen 'Nichtösterreicher, veranlaßt, dein österreichischen Herrn Unter richtsminister zu schreiben, ist das Gefühl der Pflicht, Zengniß abzulegen gegen Nnwahrhafiigkeit und Gehässigkeit, wenn erstens sie fortdauernd in gemein gefährlicher Weise erregend wirkt, wknn'zwciienS ihre Aeußernnge» mit ineinein Berufe;>,samiiienhä»gcn, und wenn drittens Andere, gleichviel ob aus Gleich giliigkeit oser ans Mangel an Mnth oder aus Mangel an Sachkcnntniß, in Schweige» sich hüllen. Es gehört zu meinem Berufe, meine Zuhörer über jüdische Literatur;n belehren. Als christlicher Theologe richte ich mein Augenmerk auch ans diejenigen Punkte der Religion und der-Siltenlehre, in Bezug auf die das Judenihum vom Ehristenlhuin sich unterscheidet und, ineiner Ueberzeugniig nach, unter ihm steht; auch sollen diese Unterschiede, meines Er achtens, dazu benützt werden, um Jude» für da« Ehristenthnin zu gewinne»; aber unwahren Anichuldigniigen gegen die jüdische Religion entgegenzutretelt, ist mir gleichfalls Gewnsenssache. Eine der schwersten und, wie ich-hier nicht auszusührc» brauche, folgenreichsten Verlenmdiingeit gegen das Judenthinn ist nun die, daß die Juden zu rituellen Zwecken Ehristenblut haben müßten und verwendeten. Ihr habe ich schon gelegentlich des ProceffeS von Tisza-Eszlär mit eingehender Begiündung widersprochen ^„Evangelische Ztirchenzeitung" vom 12. Aitgust 1882, Nr. 32); auS Anlaß der in Corfu in der Nacht vom 12. zum 13. April 1891 verübten Blutthat habe ich die beiliegende Schrift über den Blutaberglauben abgefaßt, in der unwiderleglich dargethan in, daß, soweit Morde zur Erlangung von Blut stattfinden, das Blut nicht zu irgend einem rituellen, sondern zu einem abergläubischen Zwecke bestimmt

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