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Freies Blatt · 1892-11-13 · 32 (13.11.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
32 (13.11.1892)
Date
1892-11-13
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 32. Seite 5 Freie, ist, und daß diese specielle Form drS Aberglaubens nicht nur bei den Inden, sondern auch bei den Christen sich findet, und zwar bei lebten leider in größerem Umsange. Dessenungeachtet wird diese Beschuldigung gegen die Juden jetzt wiederholt. Insonderheit fährt Dr. August Rohling, der durch den eva» gelischen Professor Tr. Franz Delitzsch, den Bezirksrabbiner Tr. Jches Bloch (Floridsdorf bei Wien», durch .den katholischen Hos- und ÄerichtSadvocqten Dr. Joses Kopp in Wie» u»d durch ytich zahlreicher grober Abweichungen vom Wahren überführt worden ist, fort, wider die Wahrheit den Race Antisemiten auch in diesem Punkte Handlangerdienste kzu thu». sBergl. außer den beiden Anlagen (Brief rom kr. November I89l und Flugblatts arich aS Buch „Pro sessor Tr. Rohling'- Talmud-Jude", welches im Jahre lb'.ll in Leipzig, Verlag von Theodor Fritsch erschienen ist, angeblich ohne Rohlings Milwirke» ans dem Französischen ins Deutsche zurückübertragen, besonders <§. 114 sj. Mit Rücksicht auf den große» Eittslnß. welchen die Behauptungen Rohlings immer »och in Lesterreich wie in Deutschland ansüben, gestatte ich mir nn» die Bitte: Eure Exeellettz wolle eine eingehende Prüfung durch eine Untersuch»»gs com miss ton, in der ja die verschiedene» Ansichten vertrete» sein lönnten, veranlassen oder, wenn Eure Errellenz von der Falschheit der Aussagen Rohling's schon jetzt überzeugt ist, weitere wahrheitswidrige,»»d de» öfient liche» Frieden störende Kundgebuitgeu dieses Mannes in wirksamer Weise ver hindern. — 4. August 1892. Hochgeehrter Herr UnterrichiSmiiiister! Im Berlause diese» MoimIS werde ich eine Reubearbeilung meines BucheS „Der Blulaberglaube bei Christen und Jude»" zum Drucke geben. Professor August Rohling, durch des Cardinals Grasen Schönborn Gnade» seit einige» Monaten sogar CanonicnS, fährt fort, öfsenllich (zuletzt wohl Zuschrift vom 81 Juli an die ,Tetttsch-socialen Blätter" - und im Geheime» die Blutbeschuldigung gegen die Jude» zu verküiiden und so die Leidenschaft weiter Streife auch in Deutschland zu errege». Daher werde ich jetzt in einem besonderen Abschnitte über ihn mich zu äußern haben. Da ich nun die Stellung deS k. k. österreichische» UnterrichtsmininerinmS zu Rohling richtig zu beurtheile» wünsche, gestatte ich mir die Anfrage, ob, sei e» ans Grund der von mir am 19. April gegebenen Anregung, sei eS aus einem anderen Anlasse, Cure Excellenz eine llnlersnchung über die Behauptungen Rohling'S angeörduet haben. Wer nach allem Borgefallenen bei Eurer ErceUeuz der Anordnung einer genauen Untersuchung Hemmnisse in den Weg gelegt hat oder gar jetzt noch legt, trägt eine schwere Verantwortung zu leicht. Eine Antwort des Herrn v. Gautsch wird im Buche deS Professors Dr. Strack nicht uiitgetheilt. (Beleidigung des Clever Gerichtshofes.) Das Landgericht Elberfeld verurtheilte den Redaclenr der antiseinitischeu „Rheinischen Wacht", 'ten Winkel, wegen Beleidigung des Clever Gerichtshofes, den das Blatt der Pflichtversäumniß im Buschhoss Proccssc beschuldigt hatte,;u dreimonatlichem Geflingniß. Bor Eintritt in die Verhandlung wollte der Bertheidigerden als Richter fungirenden Assessor Bitiomo» wegen Befangenheit ablehnen; der Gerichtshof wies aber die Ablehnung zurück, nachdem Assessor Salomon erklärt hatte, daß er sich nicht ^als befangen ausehe. (Was sic verschweigt».) Wenn irgendwo in BuenoS-Aircö oder Sansibar ein Jude in (ionflict mit den Strafgesetzen geräth, so läßt es die antisemitische Schandprefse sich nicht entgehen, den „dankbaren 2toff gehörig auSzunützen" und die Juden sammt und sonders als Verbrecher, als Parasiten :c. hinzustellen. Schon ein bloßer Verdacht gegen irgend einen Juden im fernen Rußland genügt, um ihm die Aufnahme in die Chronik aller Antiseniitenblätter zum Zwecke einer frischen, frommen und frohen Judenhetze zu sichern. Da war neulich von einem russischen Juden, der in einein Cisenbahnwaggon todt aufgefunden worden, nur deshalb die Rede, weil ein russisches Blatt meinte, er hätte v e r m u t h l i ch als blinder Passagier mitfahren wollen und wäre bei dem ^eSinficirungsverfahren erstickt. Das hiesige Hetzblatt theilte diese vermuthliche jüdische Missethat unter dem Schlag worte: „Verdiente Strafe" mit. Bon Juden aber, deren Handlungsweise jedem Culturvolke zur Zierde gereichen würde, ist in antisemiti scheu Blättern nichts zu lesen, da sie ja ihrem Pnblieum bcizubringen ijtchen, daß ein Jude nur ein Betrüger, Kuppler it. dgl. sei. Endp vorigen Monats starben zwei ausgezeichnete Männer, welche sich, jeder in seiner Weise, um ihre Mitbürger hohe Verdienste erworben habep, aber sie waren Juden und konnten daher nicht in einem antisemitischst! Blatte Erwähnung finden. In Mailand verschied Signor Prospero MoseS Loria im Alter von 78 Jahren. Loria hinterließ sein großes Vermögen, etwa 1-1 Millionen Lire in greifbaren Mitteln find sechs Millionen Lire in Immobilien, zur Begründung einer „Humanitären (Gesellschaft", welche „die Enterbten der Gesellschaft in den Stand setzen soll, sich ans eigenen Kräften durch ihre Arbeit ein menschenwürdiges Dafein zu schassen". Durch außerordentliche kaufmännische Fähigkeiten und eisernen Fleiß Blatt. hatte Vom in Egypten Reichlhümer erworben. Rach Italien zurück gekehrt, begann Loria der socialen Bewegung seine Aufmerksamkeit zu widmen, deren Gang in allen Ländern er mit Eifer verfolgte. Von allen Wege», die sociale Frage ihrer Lösung ngher zu bringe», schien ihm die Begründung von Arbeiiercolonien am meisten Erfolg zu versprechen. Im Jahre 1884 trat er zum erstenmale. usit einem Bliche, welches die Einrichtung solcher Arbeitercolonie» auch ans italienischem Boden empfiehlt, vor die Seffcntlichkcit, fand aber keine Beachtung. Richt besser erging es ihmmit seinen weiteren Bemühungen. Im Jahre 18110 stellte er dem Mailänder Gemeinderath I()>st st > Lire zur Verfügung, damit ei» 'Arbeitshaus für die Mailändr/ Beschäfti gnngslosen errichtet werde. Aber der Mailänder Stadtrath nrtheilte, daß solch ein Arbeitshaus nur den freien Arbeitern eine ungesunde Concurren; machen würde, und lehnte das (beschenk Loria's ab. Der letztere hielt damit die Verwirtlichung seiner Idee durchaus nicht für ' verloren. Ein neues Werk von ihm mit dem Titel »8,„-i,-in iimtiiwtaiitt" wurde in vielen tausenden von Eremptaren durch ganz Italien ver iucitct, und endlich fand Loria auch thätige Mitarbeiter, welche bereit waren, mit ihm an die Verwirklichung seiner Pläne zn gehen. In erster Linie muß hier Graf Dolfin (''iien a genannt werden, der eifrigste Verfechter der Pläne Loria's, welcher auch von dem Verstorbenen zum TestämentSvollstrecker bestellt worden ist. In den von ihm geplanten Arbeitshäusern sah Loria, wie der „Berliner Börsen-Co ij rier", dem wir diese Tetails entnehmen, mittheilt, die erste Etappe zur Lösung^ der socialen Frage. Er erwartete, daß aus ihnen lebeßskrüftige Gemeinwesen sich "entwickeln würden, in denen späterhin auch höhere Arbeitszweige, selbst die geistige Arbeit eine Heimstätte finden würden. Das erste Arbeitshaus wird nach der letzt willigen Verfügung Loria'S in Mailand errichtet. An dieses Mutter ‘ Hans werden sich dann Tochteranstalten in allen Provinzen Italiens anschließen. Tie Mittel zur Gründung der Arbeitshäuser würde die zn bildende „hunkanitürc Gesellschaft" liefern, der ja in der reichen Hinterlassenschaft Loria's ein gewaltiges Grundcapital zur Verfügung steht. — Fast zn gleicher Zeit starb in Berlin der Tirector der technischen Abtheilnng der Physikalisch technischen Reichsanstalt, Dr. Leopold L ö w e n h e r z, im 45. Lebensjahre. Bei der Bestattungsfeier, welcher Staatsminister v. Bötticher, 'Admiral Bien sing rc. anwohnten, ergriff n. A. Geheimrath Profesior Dr. .Förster das Wort, nm dem treuen Freunde als Bk an» der Wissenschaft Dank und Anerkennung zu zollen und einen kurzen Blick in 'die Lebensschicksale des Heimgegangenen zn werfen, der sich vom Steinmetz bis zu seiner hohen wissensch.aftlichen Stelle emporgearbeitet, und der in schlichter Mitarbeit, jiln-v mitseltener Intensität und Herzenswärme für die Verwirklichung der zuerst von Kaiser Friedrich an geregten Verbindung der Wissenschaft mit der Arbeit des Volkes thätig gewesen' (Tit Kaillllltrivaljlen in Ztülicu.i lieber das Crgebniß der Kammerwahlen in Italien wird ans Rom gemeldet: Zwölf Inden wurden zn Depntirten gewählt, und zwar in Rom einer, in Toscana vier, in der Cmilia drei und in Venetien vier. Es siel keiner Fraction bei, gegen die Candidaten israelitischer Consession den Antisemitismus auSznspielen: von dieser Epidemie ist Italien verschont geblieben. C'ilie Beruilstliltlpsllllff RtUün'S.l Die von dem christlich socialen Agitator Spitz in Warnsdorf redigirte „S esterreichische Volks zeitung" veröffentlichte jüngst nach dem „Correspondenzblall für den Clerns Sesterreichs" zur Verunglimpfung' Renan'S die Rachrickü, daß Alerander DnmaS nach denr Tode Renan'S aufs 'R'ene. „in authentischer Form" mitgelheilt habe, daß Renan für daS „Leben Jesu" (von Baron Rothschild eine Million Francs erhalten und sich übrigens nicht genirt habe, dies selbst öffentlich einziigestehrn. Die „Reue Freie Presse" hat die betreffende zRnnimer des christlich socialen WarnSdorfer. Blattes ihrem Pariser Correi'pondentcn zngesendei, der seinerseits den gegenwärtig ln Marln-le-Rol' weilenden französischen Akademiker darauf aufmerksam machte. In Folge dessen hat Alerander DuniaS nachstehenden Brief an den Pariser Correspondente» der „'Renen Freien Preise" gerichtet: — Mein Herr! Dieses elericale Blact hat einen Jrrthum begangen — eine» absichilicheu vecmuthlich, wie es die meinen-der von clericale» Blätter begangenen Jnthümer sind. Renan >el der tvar es, der in seinem letzten Werke „Lost- Blätter", alS er alle die Tmnmheiten und all die Verleumdungen erwähnte, die man-über ihn gesagt und gedruckt hat, schrieb: „Ich duldete, ohne zu widersprechen,, daß man veröneultichte, ich chatte vstt Herrn t>. Rothschild eine Million erhalten, damit ich daS .Leben Jesu' schriebe. Ich erkläre im vorhinein, daß, wenn man daS Facsimile meiner L.uitlung ve, ötientlichen würde, ich aüch dagegen nicht reclaniiren werde." In den Bemerkungen, die ich in der» Buch ausgabe meiner 2>licke der „Prinzessin von Bagdad" folgen ließ, citirte tckt diele Verleumdung als ein Muster -dessen, was der Haß — ob elericaler oder ankeret

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