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Freies Blatt · 1892-11-13 · 32 (13.11.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
32 (13.11.1892)
Date
1892-11-13
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 32 Freies . t geheime Post an die Jndenjchaft ergangen, diese Flüchtlinge zu nr.tcrstittzeu, da sie »m des Glaubens willen litten wie so oft Cit Inden. Bei Nacht und Nebel Hölle» mm die Juten mit Lebensgefahr den ,ai»ie» Flüchtlingen das zuv LrbenSnolhdnrsl Nolhwcndige gebrascht. lind henlcL Bor Kurzem ist ei» an gesehener Priester derselbe» evangelischen Religion nach Wien gekoninic», »i» hier gegen dieselbe Jndcnschast de» Krieg zn predige», und zwar de» Krieg ans Vernich ln »g. ES ist nur erfreulich, dost diese Bestrebungen von inaßgrbender Seile eine enlschiedciie Znrnckivciiuitg erfahren haben. Ich habe noch die ideale Bewegung des Jahres erlebt, tust« ich bi» all geling, »in mir jctjt über den Entwicklungsgang eines hcraiireiscnden Bolle«, ein Urlhcil z» bilden. Tie Worte, welche die französische Revolution a» die Spitze ihrer Bestrebungen stellte: Fiethelt, Gleiebheit, Brüderlichkeit, sie sind die weil aiiseinanderliegendeii Sprosse» einer Leiter. Tie Freiheit lann sich ei» Bell über Nach! erwk'.bc», aber Jahrhnndcrle dauert eS, bevor es unter sich iclbst die Gleichheit hergestclll hat. Es ist leichter, mil der Flinte i» der Hand die Garnison einer Stadl;» besiege», als die Bornrtheike der Menge. Auf dieser Stufe der Gleichheit der einzelne» GescllschaslSclassm ist bisher nur eine geringe Anzahl hock-emwickelter Nationen gelangt. Tie dtilte Stufe, die Brüderlichkeit, hat noch keine erlangt. Wir sehen daraus, nach welcher Richtung, uiisere Be stiebungc» und Kämpfe gehen niüssen, und wir ersehen-niit Bedauern, das; ei» großer Theii der Bevölkerung von Wie» de» entgegengesetzten Weg geht. T aruin 'ist nicht mit Unrecht vor einiger Zeit da« Wort ausgesprochen worden: Wien muß znrückcrorbcrt werde». Zn diesem Zwecke sollten sich mit jener stillen, aber anSdauernde» Begeisterung, die zu einem .so große» Ziele sühren mag, alle einsten Männer zusammennndc», welche »nserer Stadt ihr früheres Ansehen znrückcrober» wollen. Mit dieser Wicdcrciobe>u»g ist aber nicht etwa bloß die einiger verlorengegangener Bözitke durch Bermchrung der Fiaker n»d de« Freibieres gemeint, nein, die Wiede rer obcrung der Herzen jener Mit bürgcr. Man muß ihnen zeigen, daß unsere Fürsorge für ihre Interessen nicht geringer ist als die jener anderen Kreise, daß wir aber zu gewissenhaft sind, Bcrsprcchungcn anszustrenen, welche zu erfüllen >vir nicht imstande sind. Ich zweifle nicht eine» Augenblick, daß dann, so sicher wie die Sonne, welche untergegaitge» ist, wieder ausgcht, auch der" große liberale Gedalikc wieder sieget: werde. Aber erlebe» möchte ich e«. Ich stehe so lange im öffenttichen Leben, daß ich dieses freudige Ercigniß erleben möchte, bevor ich selbst, alt. und müde das Mandat znrncktege, das Sie durch eine jo lange Reihe ro» Jahre» meinen Hände» anverlrant haben. Teilt Professor Tr. S»cß wurden noch Schluß seiner Rede große Ovationen bereitet. 0Mll$ Dem Allsirordlltttllliailst.i ("leid) nach Wiedcrziisammcntritt des Abgeordnetenhauses beantwortete Ministerpräsident ("ras Taafsc die von anttsemitischer Seite in der vorigen Session gestellte Inter, 'pcllation über die Donaurcgulir u ng. I» der Antwort des Ministerpräsidenten werden die Angaben, auf ("utttb deren die.Herren Antiscniitcn ihre Angriffe ans die TonauregnltrniigSeomniissioit ans gebaut hatten, als thatsächlich unrichtig znrückgcwicsc»: cS wird co» ' statirt, daß die Schntzdänimc nicht gebrochen sind, und daß mit dem Fortschi eiten der Schntzbantcn die Innndation ans dem Prarchfcldc eine wesentliche Einschränkung crsahrcn hat, da,im lausenden Jahre . n cht eininal drr dritte Thcil der Fläche innndirt wurde, welche vor einem Tcecnninm unter Wasser stand. Selbstverständlich ipcrdcir sich die jeder Fachkcnntniß bare» aiitisemitischcii ErpcnSiiotcnschrcibcr durch - diese amtliche Feststellung nicht abhaltcrr lassen, in Orth oder M'annS dorf weitere Hctzvorträgc über angebliche „Unterlassungssünde»" der TonanrcgnlirnngSeoiiimission zu habe». - - Interessante und lehrreiche Momente förderte i» derselben Sitzung die über die Interpellation Plcncr'S und den Antrag Pradc's sich cntspinncndc Tcbattc über die Rcichcnbcrgcr B o r g ä n g c zu Tagc. Tic Herren Stein wender, Pradc, Ha tick und —L uegcr spielten sich ans die einzig bcrnfcncn Vertreter der in Rcichcnberg zu Schaden gekommene» deutschen Sache ans. Lueger als Porkämpfcr der dcntschiiationalc» Sache, das ist entschieden der ncncstc und überraschendste Iiicf in dem Repertoire dieses politischen .Kautschukmcnschcn. Toß Lueger auch dessen fähig sei, bezweifeln wir übrigens gar nicht; interessanter ist, daß sich die Herren Pradc und Stcinwcndcr eines solchen Bordcrinanncs bedienen, um den Tcntschlibcralcn die von Ezcchcn crfnndeüc und von den Antisemiten sofort anfgegriffcne Insinuation ins Besicht zu schlendern, sic selbst hätten die Auslösung der Rcschcnbcrgcr Siadtver - lrctung der dort doiniiiircnden antisciiiitischcn Majorität wegen von der sttegiernng erwirkt. ES muß jedenfalls wesentlich zur Stärkung der politischen Bedentnng und dcS Ansehens der Tcntschcn ln Oesterreich beitragen, wenn ein Häuflein „Dcntschnationalcr", angeführt vom che maligen Demokraten und nnnnichrigcn Ehristlich-Soeialcn Lueger, die einzige um die nationale Sache verdiente und die Majorität des deutschen - BolkeS repräsentirende Partei in einer nationalen Sache derartig bc 8 l a 11* Seile 3. kämpft. Wer der tt itin* {miulons ist, zeigte sich bereits in jener Sitzung des Abgeordnetenhauses, indem die. Iitngc.zcchen allein sich auf die Seit der antisemitischen Tentschnationalcit schlugen. Ihnen kann der Streit der feindliche» Brüder natürlich nur gelegen sein, und damit diö Anti- - semiten noch weiter fortfahren, die C^rfdiaftc der (Gebrüder <"regr zn besorge», kommt es diesen auch nicht darauf an, gelegentlich einmal^ ein bißchen zu antiscmitcl». „Xarnclny Listy" jubeln schon, daß die Tentschnationalcit die Frl>dc in das Prager Easino fragen und daß der Stampf der Tcntschcn gegen Deutsche im geschlossenen Sprachgebiete beginne, wobei „wie bei de» Mcncrbccr'schen .Hugenotten' der Jude die stNnsik machen" werde. Wir glaube», die Mnsik wird eher ein Eonationälc des Herrn Dvorak besorgen. — In der Sitzung vom S. d. M. sah sich der Präsident dcS Hauses. T r. S »i o l k a gcnöthigt, dem Bicchaniker Schneider nachträglich den Srdnnngsruf zit crthcilen, weil er, als Abgeordneter Hauck jagte, daß man den Liberalen in Rcichcnberg bei de» 'Neuwahlen dazu verhelfen wollte, daß sic. die Mehrheit in der Stadlvcrtrctnng bekoiniiicn, dcit Zwischenruf machte: „Und tüicdcr stehlen können." Abgeordneter Prinz Liechtenstein soll seinen intimen Freund zu diesem Ordiinngsrnsc beglückwünscht haben, indem er ihm ostciltativ die Hand drückte. Lueger brachte die längst abgcthanc Angelegenheit dcS .Kreuzeszeichens in den Schulen auch vor das Forum dieses BcrtretungSkörpcrS. Daß die Sache längst von bernfenstcr Stelle dahin aufgeklärt ist, daß sie von protestantischer und nicht von jüdischer Seite ljcrvopgcrnfcn wurde, behindert einen Lueger natürlich nicht im geringsten, zu den Fensterndes Abgeordnetenhauses hinaus über die Bcrlctznng dcS „christlichen Bewußtseins" zu jammern. Lueger scheint die in Folge seiner Ausschließung vom ("emcindcrathc verhaltenen Reden jetzt alle im Rcichsrathc absctzcn zu wollen. lAllS Schncidcr'S Wahlhczirk.) In einer BertrancnSmänncrvcrsaminlnng dcS T c n t s ch fortschrittlichen B.c r c i n e S in Hietzing, die in verflossener Woche zn Lainz staktsand, 'kam' cS zwischen den Führern der fortschrittlichen Partei und einigen anwesenden antisemitischen Agitatoren zu höchst intcresiaiitcn Auseinandersetzungen. Nachdem Stadtrath v. Götz mehrere den X'III. Bezirk, intercssircndceoiuinuitalc Fragen c ngchend erörtert hatte, meldete sich dcrFührcr der antisemitischen Opposition, Lchlosiermcistcr Hampel, z»m Worte, um die bekannten antisemitischen Phrasen und ungerechtfertigten Bcschuldignitgcn gegen die fortschrittlichen ("cmeindcräthc dcS Xlll. Bezirkes vorzubringcn. Stadtrath v. ("ötz und Tr. Scidlcr wiesen diese Bcrdächtigungcn energisch und unter allgemeiner Zustimmung znrslck. Schlosicrmcistcr Hampel Lichtete hierauf an Tr. Scidlcr die Fra'gc, wieso dieser dazu kbin, in der Protestversaminlniig dcS BcreincS zur Abwehr dcS AiitiscntitismnS zu erklären, daß die Anhänger Sch ncidcr'S im XIII. Bezirke immer weniger werden. Tr. Scidlcr entgcgnclc: „Was jeder einsichtsvolle, vernünftig denkende Mensch von Schneider zu halten habe, darüber ein Wort zu verlieren, ist überflüssig. Daß man ihn ruhig der Falschitiig beschuldigen kann, daß man sich svrgfällig hütet, ihm die Hand zu reichen, daö sind förmlich protokollarisch fcstgcstclltc Shatsachcn. Wenn darüber sogenannte.christliche Wühler, ohne Sernpcl zu cinpfiudcn, zur Tagesordnung übergehen, mögen, sic cs. mit sich selbst auSmachcn! Wie verträgt es sich al>er mit ihrem so ostentativ zur Schau getragenen Ehristcnthnm, wenn sic die rohen. Angriffe dieses Schneider ans den'Eardiiial-Fürftcrzbischof Tr-lstruscha ruhig hiniichmcn, wie verträgt cs sich ferner mit der Lopalität unserer. Ehristljch Socialen, wenn sie, ohne in Wallung;tt gerathe», zuhörc», mit welch »»glaublicher Frechheit Sck>ireidcr die Worte des Kaisers verdreht, von denen jedes .stind weiß, ans wen sie gemünzt sind! Beifall. Z» den Antisemiten gewendet:) Sie. haben pur mit Leuten Ihres Schlages verkehrt. Ihnen ist es nicht;» verargen, daß- Sie. noch nicht j» dem richtigen llrthcil über Schneider gekommen lind! Heule wurde Ihne» Anlaß geboten, darüber iiachzndcnten, ob cs, christlich, , ob cS menschlich, ob cs anständig ist, über niiscrcti Erzbischof so zu sprechen, wie cs Schneide» gelban, ob cs ehrlich, ob cs geziemend, Kaiscrworte so z» verdrehen, wie dies -Mens Schncidcr'S.ge schchcn ist? Ich könnte Ihnen Gesinnungsgenossen namhaft inachcn, die mir ihr Bedauern darüber ausgedrückt haben, daß sie Schneider ihre Stimmen gegeben haben, vielleicht wird auch^die heutige Bersammlung dazu beitragen, daß auch Sic, Herr Hampel, belehrt, daß auch Sic bekehrt worden sind!" Stürmischer Beifall folgte den wirkungs vollen Worten, auf welche .Hampel und sei» Anhang die Antwort schuldig blieben. Mehrere Antisemiten galten nach Schluß der Ber sammlniig die Bcrsichcrnng ab, daß sic nicht länger mit Schneider gehen werden. ' l Llicgtk'S (.’iirmMiltnii vittu*. L^is Aiilaß des Namenstages des Herrn Tr. -Karl Lueger brachte das „Tcutschc B o lk S b l a t f' das Bildniß n»d ein < ■uriiettlum desselben Letzteres weist jedoch viele Lücken auf. Bon Tr."Akandl, dem langjährigen Lehrer und

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