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Freies Blatt · 1892-11-06 · 31 (6.11.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
31 (6.11.1892)
Date
1892-11-06
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 31. Freier Rechte wieder zu entziehen oder zu schmäler». So wenig es an sich tadelnSwerth sein kann, im öffentlichen Leben Bestrebungen zu unterstützen, welche rein und ohne Nebenabsichten die Erhaltung und Hebung deutschen Wesens und christlicher Sitte bezwecken, so verwerflich'erscheint es, wenn dieselben, wie dies bisher fast anSnahinSlos bei der antisemitischen Bewegung im Großherzogthnm l^rvorgetrcten ist, ganz wesentlich darin gipfeln, Haß »nd Bosheit gegen die israelitische Bevölkerung zu erregen und mehr oder weniger offen zur Berfolgung »nd Beeinträchtigung der letzteren in ihre» Rechten anzureizcn und aufzufordcrn. Die großhcrzoglichc Regierung kann in der Bethcilignng von Beamten an solchen Bestrebungen nur eine unstatthafte Außcrachtlasinng der von ihr mit allerhöchster Billigung befolgten Grund sätzc bezüglich der Behandlungder israelitischen Staatsangehörigen erblicken, welche sie unmöglich fernerhin dulden darf. Indem die Regierung diese ihre Aufsassnng zur sicnntniß der ihr untcrgcotdncten Beamten bringt, mahnt sic von jeder Bcthätignng, von jeder Theilnahmc an de» betreffenden Bestrebungen ab »nd erwartet die ge wiffcnhastc Befolgung dieser Mahnung. Sollten gegen Erwarten gleichwohl künftig Zuwiderhandlungen in der angegebene» Richtung Vorkommen, so würden sich die Bcthciligtcn cs selbst znznschreibcn baden, wenn ein disciplinarisches Einschreiten die Folge davon wäre." Der voranstchcndc Regier» ngscrlaß ist angesichts der Umtriebe Bocckcl's »nd seines Anhanges in Hessen sehr, zeitgemäß, aber einem noch weck dringendere» Bedürfnisse würde eine ähnliche niinistcricUe .stnntzgcbnng in Sachse» entspreche». (Ahlwardt-Proccsse.> Der Ex-Rcctor Ahlwardt, welcher zur Zeit die ihm wegen Beleidigung der Berliner Eonimniialbchörden zn erkannte vicrmonatliche Gefängnißstrafc in Plötzcnscc' verbüßt; wurde vorige Woche der zweiten Strafkammer des Landgerichtes Berlin I vdrgcsührt, um sich wegen Beleidigung der Gcsanimtheit der preußischen Beamten, insbesondere der Beamten des Justizrcfforts zu verantworten. Es handelte sich um eine anliscmitischc Rede, welche der Angeklagte am 20. Sctobcr v. I. in Esten gehalten hat. Der Staatsanwalt beantragte eine Strafe von sechs Monaten Gefängnis;, doch wurde die Sache auf Antrag des Angeklagten abermals vertagt. . — Oh An gclegcnhcit der „Jndcnslinten" wurde Ahlwardt bereits die Anklage zn gestellt: er wird sich wegen Beleidigung der Militärbehörden sowie der Herren Locwc nud stühnc zu verantworten haben. ((Lin Brief Zlicrillsi's. Rudolf v. I Hering hat, wie wir in icichsdenlschen Blättern lesen, vor einige» Fahren an Professor La zarus, der ihm feinen Bortrag: „Was heißt -national?" zugesendet hatte, folgendes Schreiben gerichtet: Hochgeehrter .Herr Eollegc! Fch kann nicht »»terlaffcn, Fhiien für sie ileverseiidniig Ihrer neuesten kleinen Schrift meine» verbindlichsten Tan! an», rin'prechcn, wäre es auch nur, NI» Flink» niiiznlheilen, daß ich in der praktische» Frage, de» FH re Untersuchung über, den Begriff der Rationalität gibt, ganz ans Ihrer Seite stehe. Es ist zu begreifen, daß der Pöbel sich leicht gegen die .-»de» aufheve» läßt; daß aber auch Leute, die de» gebildeteren .»reise» an börc». an dieser Gemeinheit sich betheiligen, ist schwer zu begreifen und ge- ,eicht unserer Ration nicht zur Ehre Fch werde Gelegenheit haben, in einer u'iifii Schrift eine Lanze für das Fndenthnin zn brechen, und ich hone, Fhre -'-lanbensgenosse» werde» mit mir zufrieden sein — ich betrachte dies al« einen 'lei historischer Gerechtigkeit. Das Buch, da» ich hier im Ange habe lker zweite "and von meinem „Zweck im Recht" > hat mir de» Anlaß geboten, mich viel mit Fhneu zu beschäftigen, insbesondere mit Fhre» Ansichten über Line und ehre, in Bezug ans die ich freilich zu anderen Resultaten gelangt bin. Fch >»e mich, Gelegenheit z» haben, Sie der besonderen -Hochachtung zu versichern, mir der ich die Ehre habe zil sei» Fhr ergebenster Göllingen, IN. Jänner l-»so. :>kud. v. F Hering. lUllvcrsltlällltc Bcrlositnhcit.) Dr. Paul Förster, ein Haupt ung der deutsch-socialen Antiscmitc», seht einen Preis von 1000 Mark nie denjenigen aus, welcher den Mörder des kleinen He ge mann so glaubhaft »achwcist, daß er vor Gericht seiner That überführt wird. >n der PrciSauSschrcibnng wird gesagt: „Es soll damit zugleich eine ilnterlasinng der.Staatsanwaltschaft gntgcmacht werden, welche in diesem Falle einen Preis ans die Entdeckung des Mörders oder der Mörder rechtzeitig nicht nnSgesetzt hatte." Ienlgcgcnübcr ist zu constatircn, daß bereits am 11. Angnst 1 Sl* 1 m Eleve ein vom Staatsanwalt Danmgard nntcrzcichnetc Bekanntniachnng' veröffentlicht wurde, in welcher cö heißt: „Mit Zustinnnnng 'es Herrn Regierungspräsidenten zu Düsseldorf wird »numchr für die Entdeckung der Thäterschaft eine Belohnung bis nir Silmnie von Eintaiisendzweihnndert Mark ans gesetzt." Wieder ein Beweis, wie frech Antisemiten der Wahrheit den -HalS umzudrchcn verstehen. / 23 I a 11. Seite 5. l"?(llch ein Allti-Corrilptioilist.» Wegen Wechfe7fälschung in B>4 Fällen hatte sich der unlängst verhaftete ehemalige Borsitzcnde des antisemitischen Deutschen ReforinvcreincS für Görbitz und Um - gcgcnd, der Gürtncrcibesitzer Elanß ans Wölfnitz bei Görbitz, vor dcm Landgericht in Dresden zu verantworte». Elanß, der stark verschuldet war, hat Wechsel in Höhe von etwa 10.000 Mark gefälscht. Das (Bericht erkannte gegen ihn auf Jahre 6 Monate Gefängniß und 4 Jahre Ehrverlust. Elanß war einer der trcneste» Schildknappen des Rcichötagsabgeordneten Zimmcriiiann und pflegte bei seinen Ausfällen gegen die moralische Bcrdcrbthcit des Judcuthunis den Mund ganz besonders voll zn nchnren. (Gegen (Llirabschneider nud Perltunldrr. > Dr. Hirsch Hildesheimer, der Herausgeber der „Jüdischen Presse", veröffentlicht int „L cipziger Tageblatt" an auffälliger Stelle folgende Erklärung: Zur Ausklärung! In der in Leipzig erscheinende» „Reuen Teiltschcn Zeitung" vom„'22. d, i'i. sindcl sich unter der Ucbcrschrist „Rund-, schreiben" eine antisemitische Beröfsentlichung, in der ei» mich betreffender Ab schnitt folgendermaßen lautet: - „Endlich gestatten wir uns, an die Dalmudklage gegen Rabbiner -Hirsch Hildesheimer ergebenst zir erinnern und nochmals zu bitten, Nus durch ge sammelte Beiträge gütigst unterstützen zu wollen. Wir sind uoch nicht imstande, dielen so ungeheuer wichtige» Proceß durchführe» zu können. Die Eivilklage ist bereits eingeleitet. Eingegange» sind bisher etwa 4<K> Mark. °Den frenndlichen Gebern »»seren herzliche» Tank. Weitere Beiträge bitten wir an liniere Geschäftsstelle unler Adresse Friv »öhler direct zu sende». D-uittirt wird aus Wunsch in der .Staatsbürger ‘, beziehungsweise in der .Renen Tcutschen Zeitung-.Mit treu deirtichcin Gruß! Telitsch sociale anti semitische Geschästsnelle Berlins. Pohl,. Vorsitzender. .»übler, Schnftsührcr." Der Proceß, aus den hier bingedculct wird, soll eines Flugblattes wegen geführt werde», das ich gegen ein solches'der Astliseiniten geschrieben habe und veibreite» ließ. TaS antisemitische Flugblatt, da« sich „Talmud Auszug" »annle, etllärle ich i» dem meinigen fite „eine niederträchtige, scha ml ose Fälschung", und ich setzte hinzu: „Seine Verbreiter sind Ehrab" schncider »nd Vcrleu i»d er." Diese mrinc Behauptnng belegte ich durch den Nachweis, daß der Talmud den Vergleich mit jedem Siitcngesctze aus halte» kann, daß derselbe, weit entfernt, den Haß gegen Andersgläubige zu predige», alle Menschen mit gleicher Liebe umfaßt, HilsSbereitschast, Ehrlichkeit* im Handel und Wandel ec gegen alle Mensche» zur religiösen Pflicht inachk. F-1, lheilte in meinem Flugblatle „Ter echte Talmud Auszug" I0O Paragraphen aus dem Talmud, Schnlcksan Arnch >(., welche von den Beziehungen der Fnden zu Andersgläubigen hanteln, mit und sagte hinzu: „Eine» Beweise» der Wahrheit bedarf nachstehende ZusaminensteUnng sür einen auch nur oberflächlichen .»enner de-s FudenlhumS nicht. Wir erkläreir ausdrücklich, daß wir bereit find, jedem, der auch nur einen einzigen Paragraphen al» erfunden ode-r unrichtigübersetzt „achweist, eintausend Marl zu zahlen." ES hat sich niemand gefunden, der Lust gehabt hätte, diese 10»m» Mark zu verdiene», und auch der angekündigtc Proecß der Anliscmite» gegen -mich ist bisher nicht angestrengt, obwobl de».Herren ja bereits--Nd» Mark sür diesen Zweck zur Vclfügung stehe». Und warum ist man dann immer „noch nicht im »laude, diese» so nngehener »vichiigen Proceß dnrchsühren zu können" '? Die Antisemiten geben sich ja den Anschein zu glaube» und erwecken diese Vor stellung bei ihre» Anbämzer», daß meine Vernrtheilung nnzweiselhasi sei; da»m habe doch aber ich die Pröceßkoste» zu tragen »nd nicht sie! Und 400 Marl erscheinen zur Führung eine» solchen Processe» doch immerhin eine erkleckliche Snmnie! Tic Folgerung, welche sich, aus dieieir Uinstäiiden ergibt, ist-klar. Fch bchanpie: LS eil die A »l i >'cm i t en von diele nr Prpc esse eine d n rch Richtersprnch beglailbigte Feststellnng ihrer- Fälschungen er warten, darum verzögern sie die .»läge in nur zju begründeter Fnrcht Und cben »veil der Proceß zur Entlarvung Verachtung» -tvürdiger ant i se in i t i s ch er M ache »schäften führen würde, darum iväre mir die .»läge ganz anßcrordenili ch genehm. Hätte ich denen, die zu jenen -OM Mark bcigesteuert habe», einen Rath zu gebe», >'o wäre es der, daraus zu achten, daß da» Geld endlich bestiminungsgemäß zur Verwendung gelangt. FedensallS iväre den Geber» zu empsehlen, geuügende Achtsamleit scnen ->«») Mark und Sei» Processe. der »och immer nicht sich entwickelst will, zuzuwenden — in ihrem eigenen Fntcresse und int Fnteresse der Wabrheit. Berlin, :>it Lctober lS!*2. Tr. Hirsch Hildesheimer, Herausgeber der „Jüdischen Preffc". «Zur Waislliewcgnng in Ztalitll.) Wir ans Rom gemeldet wird, lrclcn bei den jetzigen Neuwahlen für tzic ikalicnisckie .iiamnicr auch zehn Inden als Eaudidatc» ans, deren- Wahlaussichten sehr günstige sind. Bon der Anliscmitcnscuche ist Flalicn ganz frei, und in feinem Wahlbezirke hat sich eine'antiscinitifchc Eandidatnr hcrvorgewagt. Wtr würr» Trilllioilt's (Litern'? Es ist zwar traurig genug und ein böses Zcugniß für die ganze Zeit in der wir leben, daß lech

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