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Freies Blatt · 1892-11-06 · 31 (6.11.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
31 (6.11.1892)
Date
1892-11-06
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. . Freies Blatt. Nr. 31 oii jeder Tioinp'al, jeglicher (Gefährde Te» allgemeinen Kriegs. Und gegen Xräukungen Tes 'Rächstcu sich zu wafinen. Ander«-schlingen Zu legen, Hindernisse zn bereiken, Tas diinkk so lhörichl ihn, als aus dem Schlacht seid, Vom grimmen Feind iiingebe», Oni liestignen Getös des wucht'gen Angriffs, Tes Gegners ganz rcrgeffend, Zank erheben Plil Fiennden, irenbewahrten, Und wilde Flucht verbreircnd Brände ichleudein Zns Heer der-siampigesährten. „eitclffit" der citflfciten «— Alles ist eitel.“ Diese düstere Vduc von der Eitelkeit 'alles Irdischen findet eine tröstliche Ergänzung, um nicht zn sagen Widerlegung ain Ende jenes Baches, das so traurig mit ittr 'begonnen. Es sind »ünilich daselbst die Worlr zn lesen: „Zulcyt aber wird Alles klar — Ö'ott fürchte und seine (Gebote halte utid beobachte, denn das ist der ganze Mensch." 'Wenn dieser Zweck des.Menschcndascins sich voll und ganz erfüllen, wen» die Bestimmung desselben sich satlsain ausleben wird, dann — aber erst dann wird der seit einigen Jahren zur Unchre und Schmach unseres Jahrhunderts wuchernde Antisiiiiltisinns welchem leider sckbst große Geister, wie; B. Hamer ling in 'seinem ..Homnncuius", sich nicht ganz entziehen konnten, der Bergangenheil angehören. dein 2\atbKui|c. B.3 wir' schon in der letzte» Runiincr nm'crcs Blattes kurz be lichteten, macliten sich die Annseiniicn in der Sitzung des Gemeinde ratlies vom!?> Aerober derartig »»erhörter Ausschreitungen schuldig, daß sowohl Lueger als st ei »er inid der schärfsten Disciplinarstrafe belegt wurden, welche das 3tatitt dein Präsidium zur Bcrfügnng stellt, rer Anlas; zu diesen selbst im Wiener l^cmcinderathe vereinzelt dastehenden Secneu war wie gewöhnlich ein ganz geringfügiger, wie denn die großartige Debatte, welche mit einer so gründlichen Züchtigung der Antisemiten endete, überhaupt eher ein leeres, gegenstandsloses O'c schimpfe und Gejohle im eigentlichsten Wortsinnc genannt werden muß. .'«in äiachstehenden geben wir den Bericht über den Bcrlaus 'jener Borgänge:' Geinenideeatli Li.znei Hane den Anlrag gestellt, die Hausbesorger in den stadliiäicn Beiks'chlilcn mit dem Titel Tämldiener anzustellen und die i» den .hemaltgeit Voioile» bestellten Tchuldiener ebenfalls in die zweite Elaffe ein plreiben — Steiner unterstüvle tieien Antrag »ud erging sich dann i» >tlägen über die Tai«,»>elie,teii der Tladiiiilbe bezüglich ihrer Anwesenheit in den Titzniuien. »eichen Borwurr Tr. H »her und Tr. Bögler mir Berufung ans die b:e'ülel!e über die Sitzungen des Ttadkeathes zniückwieie», ans welchen u,r Evidenz bervorgege, das; die Tiadtiäthe den Sitznngc» fleißig an wolme,>. — Tr. Lueger halt es für paffend, zu bemerken, er wisie sehr gut, ivic >olä>e Protokolle gemacht werden. —- Bürgermeister Tr. Pvir nnterbrichl den Redner und erinciit ab», zur -Tacho 'pichen zn wolle». — Tr. Vucger: Herr Tr Hnber bat nus ge'rozzelt. .. — TroPrir luntcibrecheiid): Der Hinweis uni ein Protokoll ist doch keine Frotzelet- — Tr. Lueger ersnäit, die Rcdeireibeil zn ivabren.' Herr Tr. Hnber habe Mich nicht strenge zur Sache ge 'prochen: ei dulde cs nichl, daß er immer seitens des Voriiyenden uiiierbrochen werde, iBeifall links.« — Tr. Prix: Tie haben gesagt, Tie dulden das nicht : kiese Bemerkung ist gegen jeden parlamentarischen Anna,id, und idi 'ftifc Tie zur Trdmiiig. (Ungeheurer Tumult auf der Linten. T er Bei scheute will sprechen, wird aber durch Zwi'cheiiriise von der Linken, welche ii» Larine nngebörl verhallen, unterbrochen. Ter Vorsitzende gibt i» F.!:e drffeu iinmerwalirend das Glockenzeichen.) — Tr. Lueger fährt, nach Ni» ii-.t* die A'nbe wieder etwas eingestellt bar, in seiner Rede fort und be m>iN dem Bürgermeister gegenüber, daß es fein «des-Redners» Recht sei, wenn ei.m:?, ei dulde das nicht, lBestall links.» -ff- Tr. Prix: Ich entziehe Ihne» k-.-.r«. Es ist nicht narika'r, die Ermabnungeii des Prästdemeil in solcher B.-eoe l.i!.u>n »I. — Tie»'e Bemerkung des Bürgermeisters rief auf den Banken d.i Tir.chion eine heftige Erregung hervor. Tic Linke schrie, lärmte, >ti!.:g den o innen ai:> die Pulle und wendete sich mir laute» Zurufen a» den Bei.'wdnreti.' Tr. Lueger blieb während, dieser Scene ruhig stehen und »!.!.!,:■' Pst,ne, weiterzlstprecheu. — Tr. Prix erklärte nochmals mit s.tiart'er Betonung: Tr. Lueger Kat nicht i'nehr das Work. ('Reuerliche Unruhe und L.irm links., — Zedlie; ka schreit: Zst das eine Redefreiheit? — Ti. P ri r - 'orl'ahrend«: Zch binc mich ausreden zu taffe». Zch habe mir vor iieuoüiiiien.- Unziikoiiiiiilichkeiteii in der Form und gegen das Präsidium absolut n'-bt z«» tulk-'n Tr. Lueger bat sich birgegen veisündigt, und ich habe ihin : die Wen entzogen. «Beifall rechts, Ltirin links.« — Icdliezka ruft: Paschawirthschast! — Tr. Lueger (;um Vorsitzende»): Sie entziehen mir da« Wort'? (Mit dem Finger drohend:) Merken Sie sich das, Herr Bürgermeister! Tiefe Worte geben abermals das Signal zu einem Scandal. Da« Lärmen, Schreien uikd Poltern beginnt neuerlich. — Dr. Lueger: Ich melde mich halt wieder zum Worte! (Heiterkeit.) — Frauenberger beantragte Schluß der Tebatte, welcher Antrag auch angenoininen wurde. Man schritt hierauf zur Wahl der Gciieralrcdncr, wobei Tr. Lueger eoiilr» gewählt wurde. Rachdem sich Redner kurze Zeit an die Sache gehalten halte, fuhr er fort: Schließlich muß ich auch mein Bedauern darüber ansdrücke», daß der Bürger »leister heute so wenig Qbjeclivität in der Leitung der Verhandlung an de» Tag gelegt hat. Zch bedanre dies, weil ich bisher Alles gelha» habe, um die Ruhe hier aufrecht zu erhalten. (Gelächter und Rufe: T je! rechts.» Wenn hier aber in einer solche» infamen Weise... Ein ungeheurer, unbeschrciblicher Tumult folgte diesen Worten. Tie Antiseinite» iiebnidii dieselben mil stürmischem, dcinoiislralivcin Beifall und Händcklalschen ans, die liberale)« Geineindcrälhe springen erregt von ihren Sitze» empor und machen ihre»» Unninihe durch Zurufe wie: Tas ist zu viel! . Tas kan» nicht geduldet werden! AuSichließen! Luft. Reichert ruft: Schanl'S die Juden au! Tie Erregung und der Tumult im Saale dauern fort. Borsttzender Tr. Prir fchivingl, heftig die Glocke und erklärt schließlich mil erhobener, vor innerer Erregung vibrirendcr Tliinine: Tic trtzte Bemerkung Tr. Lnegez's übersteigt alle Grenzen des Anstandes. Es ist vor Allein nicht gestattet, den Borsitzenden zu beschuldigen, daß er die Versammlung nichl objeetiv teile. Shne jedes Präeeden» ist cs aber, dem Vorsitzenden gegenüber den Ausdruck infam zn gebrauchen. (Lebhafter Beifall rechts.) Hiegege» kann nur die strengste Slrase, welche die Tisriplinargewall de»n Präsidenten in die Hand gibt, einlrelcn. Und ich glaube auch, daß cs im Jmeressc der ersten Siadl de-s Reiches ist, eine solche un gehenerliche Verletzung de« AnstandcS den strengsten Bcstimiiiiingeii des Slatuls gemäß zn ahnden; Gciiieinderalh Reichert: Za, ia, wir gehen schon!» Zch erkläre daher, daß ich den Geincindcralh Tr. Lueger von der heutige» und de» drei nächsten Titziingcn auss >1»ließe. Tic Rechte begleitete diese Maß regeiiing mit lebhaftem Händeklatschen, während die Anlisemitcn förmlich außer Rand und Band gcrielhcn und ein Geschrei erhoben, >vic cS selbst im Ge ineiiidcrathe fetten gehört wurde. Tie «^eniciiideräthe Zcdlirzka, Tleincr und Reichen sind ans den Lärm brignders heranszubörc»: sie schreien so lanl, als cS Lungen und stehle eilanbkli. Man veislehl nur selten, ein,'»' Zürns und hört nur manchmal: Pini! Pfui! Ziiden! Znden! Wir gehen Alle! Paichawirlhseiiatl! Tr. Lueger hat indcß seinen Sitz verlaffen und «geht dein Ausgange zu. Seine Gesinnnngsgenoffen folgen ihm unter sorllvährendcni Lärmen. Rur Tlc i»er hlcidl noch zurück, siclll sich vor den Vorsitzenden, droht mit der Faust und schreit heftig gestiknlircndc Worte gegen den Vorsitzenden, die in dem Länn niiversiändlich bleiben. Auch er wird'voll den drei nächsten T itznngcii ausgeschlossen. Milllenveile sind die Antisemiten bei der AnSgangslhur aiigclangl, wo eine Tlanung entsteht, welche von denselben zn neuerlichen drokendcn Zurufen benutzt wird. Putscht schreit gegen den Vor sitzenden'gewendet: Alle können Tie uns ansschließen; der Gemeindcralh sollte aufgelöst werten! Rach endlosem Tnmnlle Hane» endlich die anliseiniliichen Lärmmacher den Saal geräumt, in dein nun wieder Ruhe einlrat und die Ver Iiandlnngen iorlgcsctzt werden konnten. Ter nichtige Anlaß, ans dein die Antiseiniten diesmal ihre ganze straft und Fähigkeit zimi.Riihcstörcn nnd Randalireir entfalteten, läßt wohl vcriiiuthcn, daß wir cs hier mit einem von langer.Hand vorbereiteten Eoup zu tim» haben, welcher dem azitiseiiiitifchcii Berg Eiclcgcnhcit gebe» sollte, die liberale lficmcindcrathsmajoritäl zu terrorisiren. Nur .eine Bestärkung dieser Ansicht schöpfen wir ans dem Bciichmc» des sonst in journalistischer Bczichnng nicht besonders prompten Organs der Aiitiscmrtcn am anderen Morgen nach de» Borgüngcn.!),achdcm das Blatt in xiner „Erklärnng" des Bürgcrrlnbs das Unglanblichstc an Hüpokrisic geleistet, die himmlische (Geduld nnd b'aiigmuth der frommen MontagnardS im schönsten Lichte, gezeigt nnd eine Darstellung des Sachverhaltes gegeben, welche sogar das „Batcrland" als sowohl 'mit den Thatsachcn wie mit dem Bcriäztc des „Deutschen Bolksblatt" nicht nbcrctnstimmcud bczcichnctc, thcilt. uns das Blatt inofstriell mit, daß die vereinigten Zfadaubrüder so lange im (fscinciiiderathc Abstinenz treiben werden, als ihr »Führer Lueger ausgeschlossen sei. Wir werden die Erfüllung dieser Drohung nicht nur begrüßen, sondern wünschen, daß sic auch noch auf längere Zeit ausgedehnt werde. Wenigstens wäre dadurch dem Äcmcindcrathe die Möglichkeit geboten, in ruhiger-, sachlicher Berathung seine wichtigen Agenden zu erledigen. Die Cholera und die Antisemiten. Die „Zudenfragc" in Steyr findet in der Cholera eine Znterveittion der Natur zu Gunsten der aiitiscntischcn Bewegung und eine „Richtigstellung" falscher Begriffe. Die Juden seien nicht die Erben einer alten Cultur, denn nach der Mitihcilung eines rcichsdcutschcn

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