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Freies Blatt · 1892-10-30 · 30 (30.10.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
30 (30.10.1892)
Date
1892-10-30
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 8. _' ^_ Freies Worle an die Telegirten Tr. Suoß und Richter könne» nur die „Juden- ,iberalen" treffen, war Schneider im Lügen noch dreister und sagte ungenirt, der Kaiser bade die iln» zugeschriebenen Worte über die Vorgänge im niederösterreichischen Landtage gar nicht gesprochen, sondern der „Jude" Sueß „ge-' logen" Rach dieser Prachllcislung kam Schneider aus die Kreuz-Afsaire z„ sprechen n»d griff den Eardinal Fürst Erzbischof Dr. Gruscha an,. welcher angeblich gegen den Antisemitismus auftrete, weil „die Wiener Erzbischöfe von Inden gewählt werden". Schneider i'oll, trotzdem er in seinem Rechenschaftsberichte diesen AuSspructi gtthan hat, nüchtern geivesen sein, mußte aber Tags daraus Abbitte leisten imt* in den Anliicmircnblätlcrn folgenden demnlhigen Widerruf veröffentlichen: „Anläßlich de« bekannten Schulerlasscs habe ich mich in der Versammlung vom 20. Oclobcr gegen den Wiener Erzbischof erklärt. Ich erkläre hiemik, daß ich ausGrund ganz falscher Jnformattonen und in der Erregung des Augenblick» gegen Le. Eminenz . de» hochwürdigsten Herrn Erzbischof einen vollständig unberechtigten Vorwurf erhoben habe. Nachdem ich von coinpetenter Leite erfahren habe, daß gerade im Gegentheil Le. Eniincn; sich der Lache uiiscres Klaubens mit dem größten Nachdrucke angeuommen bat, so'bitre ich Le. Eminenz hiermit öffentlich um Vergebung. E. Lchncidcr, Abgeordneter."'s Wie bei allen Vorstellungkn der Antisemiten christlich-socialer Färbung trat auch in Lechshans Lueger aut, den ein ihm gewogenes humoristisches Blatt de» „antisemitischen Jageiidoner" nennt. Lueger claisificrrte die antisemitische Presse, gab einigen Blättern und Blättchen die Note: „>'ehr gut", das „Balerland" aber fand er nur zeitweise besriedigend. Wie vorher Zchneider, fübrlc auch Lueger eine kriegerische Lprachc gegen Ungarn und kündigte den Machthabern jenseits der Leitha an. daß er in Zukunft dieselbe» energisch bckäinvie», d. h. sie beim „Luchien", „Ltadtgut" u. sw. gehörig durchhechcl». werde. In Budavest ist man vielleicht wegen dieser Trohnng mit Feindseligkeiten ganz cmiücrmrt,' an der Wiener Bör>'c sind indesien un gar,sch» Papiere nicht gefallen. W - Anlisemitcnvkriammkllng in Asvang. i Am 23 d. M. fand in Aspang im Ganboie ..znni Hirschen" eine von etwa -"O Ba uern beiuchlc Wandcrver s.rinimung teS Neunkirchener Christlich sociale» Bereiucs statt. Tie selbe >'ellkc die Antwort cutt das dem Reichs und Landlagsädgcordnelen Waller Ritter v. Troll, ertheilte Mißlranensvotnm bisden, das ihm die fortschrittliche» Wähler des Bezirkes zukbeil iverden ließen. Ritter v. Troll, der sich selbst in seinem Rechenschaflsberichte einen „naiven Bauern" nannte, war so vorsichtig, sich die Statisten kür seine Beriaininlung ans Wien zu verschreiben. Man sab dort die Abgeordneten Lueger und öleßmann, die Gemeindcräthe Gregorig, Llehlik. Lieiner, Tischler, Hörinann, L ch» ecwei ß tiaininl Fran>. Jedli-'-ka «nS Tr-ambauer, eine» antisemitischen Agitator au» Tirol, den die „Neuen Tiroler Stimmen" unlängst hübsch gekennzeichnet hatte», Pse,liier, einen Fragner von der Landstraße und andere Notabilitäle» der Wiener Anliskinitenge>ell'chafr. Tie Lage des Bauern^ und deS Gewerbestandes sowie die Parteigruptzirung waren die Themen, über welche Troll und seine Beschüver Lueger" und Geßmann Reden hielten- Als Erster sprach Troll, der eine stattliche Anzahl von Forderungen anistellle. Er verlangte zunächst für den Bauernstand Aenderiinge» der Erbgeseygcbung, Aendernng der Freizügigkeit» und Heimat« geiepgebiinq. Herabsetzung der Grundsteuern wie der Lkeuern überhaupt sowie Eiwäiränlnng der Gewerbcsreibeik. weil seit Bestehe» derselben eine Unmasse Wirthsbänscr aufgemachl wnrde, die den.Bauer gar o'r verlocken. Weiter sor derke Troll die Entlastung des Bauernstandes bezüglich der Militärpflicht und Einfchränkltiig des Hausienvciens. Nachdem er dann den L-aaien und Getreidemarkl i» der bekannte» Weic der Antiiemiren geustirdigt hakte, rückte er wieder mit Forternngeii heraus und verlangte eine Erleichterung im Berkehr mit den Behörden und die Sckiamnig von Bauernkammern, da er in den Handels- und Gewerk-kamlsiern nur „mehr oder minder Judenverlrctuiigen" erblicke. Auch eac diccctc Wahlrecht in den Landgcmeii.dcn verlangte «r, allein er fügte hinzu, die Lage würde bei Einführung der dircclcn Wahlen eine noch schlechtere sein,'weil dann das Geld aus'chlaggebend wäre. Tie Weinzollclansel besprechend, meinte Troll: „r. e-ierrejch war bei dem H-indelsoertrage überhaupt die .Wurzen' für Italien und Preußen." „Schließlich faßte er seine Ausführungen in Folgendem zusammen: ..Ter chtistliche Arzt, Lehrer, Ädvocal, Notar, Guts- und Grund-, b.sitzcr, Ricbicr. Beamte und staufmann, hilft de», armen Bauern, wo er nur kann: irenu dic>e Herren aber unchrutlich sind, dann fackeln sie die Leute aus; es kommt daher nur aus die christliche oder nichtchristliche Gesinnung an; nach kem es aber-leine chcistlich gesinnten Juden gibt, so sind die Inten die ge° bareiic» Feinde des Bauernstandes. Tarum Abwehr gegen die Juden." La' dann erhielt Seßmann das Wort, welcher die Inden und „Judenliberalen" als Feind, des Gewerbestandes binstellle. Es fei notorisch, sagte er, daß die „In,-illiberalen" durch ihre Gcsetzgclniiig den Gewerbestand ans den Hund gc> -Herr^ Lueger fijlü« nachträglich im „Balerland". er habe Herr» Lchneider- >'oforl »ach dessen Rede aufmertsain gemacht, daß sich derselbe be züglich des Verhaltens Tr. Eminenz i» de'l Frage des nummcii Krcuzzcichenö im JrrtKnm befinde. und nachher >n,t Einwilligung Schneiders die Verdienste des Eardinals », der berührten Frage bervorgehobeu. Tas „Balerland" betont, daß Luegers Richtigstellung vom „Teulschen BolkSblalt" mcht einmal angedeuler wnrde. Blatt. Nr. 30. bracht haben, darum sollen auch die Arbeiter endlich christlichen Sinn annehmen und an unserer Seilr kämpfen, anstatt Mische Soldknechte gegen un» abzngeben. Tie christliche Bevölkerung müsse erstarken und die Schädlinge, welche ihr Glauben, Sitte, Geld und Besitz rauben, ausrotte», sie müffe ein einig Volk von christlichen Brüdern sein. Der hieraus folgende Redner Tr. Lueger gab seiner Freude Ausdruck, daß in Kirchschlag nicht die Ochsenknechte, ,'vndern die „Jndenknechte" Schläge bekommen haben, und besprach hieraus die Parteigruppirimg. In Oesterreich stelle sich die politische Parteisrage so: Antichrist oder Ehrist; ein Drittes gebe es in Oesterreich nicht mehr. Wenn man sehe, daß der Bezirks- und der Landesschulrath mit dem stummen Kreuzzcichen genug zu haben glanbcn, wenn so etwas in Oesterreich möglich sei, dann wisse man, was ans dem Spiele stehe. Auf einer Leite Antichrist, auf der andere» Christ. Man sage, daß wir Elcricalc seien, nntcr der Zucht der Kutte stehe», daß wir mir für Bolksverdnnimung arbeiten Er stehe lieber unter der geistliche» Kutte als nnler dem Kaftan. (Ein Zwischenruf: „TiSza Eszlärer Busennadel!" erfolgte »icht.-s Man könne uns auch nicht Feudale nennen, denn nicht wir lausen de» Aristokraten »ach, sondern diese »ns. (Ein schönes Compliiiient fsir den Prinzen Liechtenstein.) Tann sprach Lueger über die „Güterschlächter" »nd Grnndspccnlcuitcn und sagte: ma» sollte diese Leute aus die eine oder ändere Weise riiinircn, ins Criminal stecken» oder sic durch hohe Ltcuer» vernichten. Für den Bauer, meinte Luegers wäre es ei» Glück, wen» ihm niemand mehr was leihen würde, wenigstens könitte er keine Lchulden »lachen. iAuch vor „Beuichelhcrausnehmcrn", füge» wir hinzu, wäre er dann geschützt.) Lueger unterließ, es auch i» Aspang nickst, zu erklären: Ceteruin oenseo. Hnngamm äslonclnm. Tic Berftimmlung schloß mit einem Vcrtrancnsvotnm für Troll. (Bcrsammluiigsvkrbot.) Am 28. d. M. Abends sollle iin Horak'sche» Saale in Fünfhaus, eine Bersaminlnng des Ehristlich--socialen BcrcincS stattnnde», auf deren Tagesordnung nebst einem Borlrage Luegers der Rechenschaftsbericht L ch n e i d c i's über dessen Thäligkcit im ReichSrathe sind Landtage stand. Um halb acht Uhr erschien in dem »och kaum zur Hälfte gefüllten Saale ein Regicrnngsvcrtreier, ivelcher dem Bcrcinsobmann die Mittheilung machte, daß die Versammlung wegen der Llioleragefahr nicht abgehalten werke» dürfe. Daraus' schrie ein Anincseudcr: „Tas gibt's nicht, das lasse» wir uns nicht gesalleu! Hoch Lueger!" Doch niemand stimmte in de» Rns ein-, dagegen rügte der Rcgierungsvertretcr die „Frechheit'^ des Schreiers und gab bekannt, daß der Chsleragesahr wegen die Abhaltung aller Bersammlungen, bei denen ein größeres Zusaminenströmen. von Menschen stattfindet, bi» aus Weitere» verböten sei. Tic Bcrsamnilung nahm diese Aufklärung lübig zur Kenntnis;: die Ainveienden "blieben jedoch noch länger beisammen, bair.it, wie der Bereinsobinan» sagte, der Winh keinen Schaden leide. („Wirtdschaftlich-politischcr Verein.") Unter de» Anspicien de» Hfrrn Opitz constitnirte sich in Warnsdorf ein „wirthschaftlich politischer Berein" zur Berbrcitung der Lueger Psenncrschcn Heilslehre in Tentichböhinen. Cvinc aicbc Stöckers.) Bor einer Becsammlung der Berliner Christlich- Lociaten svrach dicier Tage der Hofvrediger a. T-L löcker. Leine Ausführungcir sind lhcilivei'e sehr bemcrkenswcrlh, und wir nehme» daher von denselben nach der „Freisinnigen Zcilung" Notiz/ Tie anliscinilische Bewegung, sagte Stöcker, wachse in allen Kreisen, alle» Gegenden, eine Thatiache, welche mit der höchsten Befriedigung erfüllen inirsie. In letzter ^cit aber seien bedenkliche Tinge vorgekommen. Tie Ausstellung Ahlwardt's in Fricdcberg-Arnswalde hinter dein Rücken des bernfeuen Leiters, des Abgeordnete» Lieber in a n n v. S oune n berg, sei eine Handlung thörichler Kinder, ein Zeichen von Unordnung und Tcsorgaiiiiaiion, die znni Schlimmste» siihrcn könne. Er habe mit Lieber 'inaun, Fürstcv'unt König immer im besten Einverneliiiieii gestanden. Tic Ebristtich-Sociale» könnte» sich in der Jnkcnbeiveguiig nicht von den Tentich Socialcn in die Ecke drücken lassen Stait ihn zu bcgliickwnnscheil wegen seiner Erfolge »in Abgeortnelcnhaitt'e, Hölle» die-Teutsch Socialcn ihrr aiigcgrisien. ES sei nicht schön, wenn Leute, die ein und dasselbe Ziel habe», sich gegenseitig anichwärzc». Ta Stöcker bei seiner Kritik der Tentsch-Sociale» mehrfach durch Zwischenrufe nnlcrbrochc» wnrde, bemerkte er, cS scheine ihm, als ob hier die Ansänge zu dem Radau gemacht werde» sollen, auf welchen sich der Ausdruck Radauqniiseinite» beziehe. Tie Deutsch Socialen müßten auf conscrvalivci» Boden bleiben, sonst würden sic eher gesährlich als nützlich werden. Slöcker beschwerte sich dann darüber, daß -in dem Organ der Teutsch-Socialen in Leipzig behauptet worden sei, sein Einslnß habe abgenommen. Die „Juden fl inten" und andere Behauptungen Ahlwardt's seien zu wenig erwiesen. Tamit könnte inan doch im Parlament keine Geschäfte machen. Was Paasch betrifft, so sei der Brief desselben an de» Reichskanzler purer Unsinn, de» er nicht vertreten könnte. „Ich würde, iven» ich mich itu Parlament blamjrte, eben gar keinen Eindruck mehr mache»; 'in Volks' Versammlungen ist das etwas ganz Anderes." Stöcker schalt daraus die Bcrsaffer der Artikel in den Organen der Teutsch Socialcn Duininköpfc oder Verleumder, weil sie gesagt hätten, er fürchte sich vor den Juden. Er habe sogar sein geliebtes Amt für den Kampf -gegen die Inden geopfert. „Glanben Sic, daß ich das verloren hätte, wenn ich die Juden nicht bei den Ohren gehabt

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