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Freies Blatt · 1892-10-30 · 30 (30.10.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
30 (30.10.1892)
Date
1892-10-30
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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5fitc 4. Freies Blatt. Nr. 30. l'nuiiv,?,. (ioüov miicit Pollnr nicht inniger geliebt haben als er und Widersprüche dcS Knechtes durchschaute, gab er der Anzeige nnu'it xui.\toc<. Wenn der Eine von Beiden kein Geld hatte, lieh er J doch so weit Folge, daß er die Umgrabung des ganzen Hofes vcr- «ich's rein Anderen ans, und gewöhnlich war-im Dinne eines bekannten i anlaßte. Vielleicht traf er diese Maßnahme, um seine Unparteilichkeit -?civ;;u’inUv — Dcileles der A.idcrc. Unir anch dies gehört mit zn», zu zeigen, vielleicht auch . um die Grundlosigkeit der Anzeige um so 7: rn'ckien der Ei schein ung, daß der Desperado von heute schon damals , besser zu beweisen. Da mau bei der vorgcnomniencn Umgrabung nichts eine Miui'rv Neigung riir eine politische Z'arisbahn zeigte, und daß! als ein Hinidegcrippc gefunden hatte, wurde die Untersuchung nieder- >'.ine Anspruch.- in dreier Hinsicht sich auf starke Anlagen gründen! geschlagen. Das Passah Fest war in Ruhe vorübcrgcgangc», und die 'ernte,,/ i'an:en:'uch an, ein ansehnliches Talent nir's Agitatorische, s Heumahd sollte beginnen, da durcheilte die freudige Mitthcilung die T'iei.-.n nnd o-.-nxTti in: ..Hansen der Verlorenen" blicken wir heute > ganze jüdische Gcmciude, daß das verschwundene Kind sich wieder cininit e.n.'m ansrichtigen Bedauern nach, daS nicht allein ihm gilt, 'end.-.n. auch der Dache, welcher er ohne besondere Dpser und Künste u.s s.I:r' n eu! rolle Kratt batte .erkalten werden können. Es ist ziemlich lange >. . aber wir e'.inner» uns noch recht gut eines Gesprächs mit n:n '.taaezeichnelen Parteigenosscit. Vom uothwciidigeu Nachschub ira: die '>sede, und unser geebrter freund, sagte lächelnd: .Das war :::.n:er >o Dünner wurde, geklagt, cs sei kein Nachwuchs in Dicht, und nenn man ibu brauchte, ' war er doch immer da. Der Nachwuchs u- ’.liu ran!J' Bei («ott, er wächst! Tb es aber Wilbich gut w!.d wachsen zu lasset!, wie er zu ansehnlichem Dhcil genaeb'ew ist das iss die Frenze! . . . Provcnthum — aeeedane viuä'chatt Cliquewekeu — diese Zornrufe, die der vcrm Hin st den liberalen Deutschen ciiigcgcnbrüllt, enthalten gewiß ne nnbaltlare Ansthiirdigung. wenn ne als -eine Parrcibeioiiderheit nn'':,.:. '. >.'.rs kein.e iss. Aber der Umssand, daß der Vorwurf, so all- .::\:ü :^:d ungeschlacht erhoben, gewiß unverdient ist, entzieht der D. ::v!tt die Be: echligiing, ob den,, in der angedeuteten Richtung . n b NN. der überreizte Ehrgeiz jener Einzelnen in de» Verhält- :i. V...i.i Aiuaß zur Silage nndcu.kann'? Db. denn in der nnn:.n.,' nickerer- "'enonen überall engherzige Erbgescssenheit, aiaü,.rne:ü. :e in wüiischcnswcrihcr Weise znriickiritt bei ' d ' nnna d-e. natiruaten und politischen Pssichre»'? D-b denn die . ..k d tnaßger.'udeu Elemente mir dem Volke und mit der .nd n, ." . notl'w.'ndchen Weise-sich vollzieht? Db nicht da nu^ d.".t .' .'x'-n:.,.n.:! der r.aricnaleii ..E'emeiiibürgschasr" minder gepflegt n..s stne iner "'emeiiibürgschatt engerer persönlicher Sirene'? Dl die Erg.b.nne der *stichtn äßigen Umschau nach jüngeren tüchtigen H.i'.-.n der Partei .v-rklich nur darnnr so dürftig sind, weil cs an ' Veruieln aber an dem Ernste, sie zu suche», fehlt?; 'i.;i Drage», die sich unwillkürlich ergeben im Aus blick an' verlorenen Kämpen, die uni'crer guten Dache die 'g.nmii,ne:: D.inle geworden ü.:d, weil cs für sie keinen Rückweg mehr :. wen ihre ganze Erisscnz davon abhängt, daß de» unhcilr. ll i, ja kein Einhalt geschieht. (yillC Wütllllllg. elseichsrathsabgeordnetcr Dreiherr v. Dum re:.her, d'. am 24 d. M. in der Klagcnsurlcr Handelskammer Wabrer:: den Reetien'eli.nisbericht erstattete, sagte: .Angesichts der hugebeneilichen Erscheinungen in 'Nicdcrösscrrcich fühle ich mich rineluet, nnnre Volksgenossen in de» Alpeuländern eindringlich davor;» uinil der seaeuannlen antisemitischen Richtung zu liebäugeln ^>:i:d sich "iusb-sondere von einer kräftigen Mitarbeit an den nationalen Dck'.ur'lnsir.r.' i der Deutschen durch trügerische Dchlagworte abhalten ka'seu, reu Deite ansgegcbcn werden." ' Auch tiiiL Anklügt wtgcil Ritualmordcs. > Unter diesem Titel : l in neue» Zeitschrift, dem israelitischen Gemeinde- und a,’i „De'churnn" - Herausgeber A. Z'cvin in Dilsste :.z E. Pi d' ': in Kouigsbtkg > erzählt: Dil Kolta, einem Dorf, d e Korne.:, Ungarn, lebte mit Anfänge der Vierziger : ' -- fl>•:-?. ein Herr Wolf Trnver, in der ganzen .. : und ge<,<!,:ct. Er war nicht allxin der reichste mld n, das.-lass der gelehrteste Manu-im Drtc, er war " nnd .ü.und besonders wohlthätig und hilfsbereit. : . .r D '. n w-:,.'r nniere Erzählung sich zntrng, war in dem D.1 -n'wich.'s Tagköhncrpaar gestorben und hatte ein '. '>-: ", ,d.he» . an vier Dahreü, hinterlassen. Bei der "N . . I. N'.'sl, s: ,^eik blieb das Kind sich selbst über ' . n.h den Don.mer hindurch bettelnd iiu Dorfe umher. V- ’t : ,'.! da' Kind, ohne daß jemand Veranlassung n i. . "? e.'.n V.rl >e:k des'elbe» sonderlich zu forschen. Du dem ' ' Wi'.ne" bau, der genannte Herr Trnher Grund, einen - . l .e w".ipensügen Knecht za entlassen, niid dieser ging -nun . '.: n D: n : an, saü er das verschwundene .Kind ge- .im: n Ha'> re ,z:alien habe Von dem Dtnhlrichrer verhört, .;: ' de. . -Knecht. aus den, Boden versteckt, durch ein Z'och in der ■ ' a!'-'» rn haben, wie der. Rabbiner das .Kind an den Düßcn .j! .- : .:, i'.ä.ii :i, e: er nicht gelaunt, gegenwärtig gewesen H r. T:ni.-er den Dchnilk ansgeführt, und daß man die Weiche e an :n, H.oewZral 'n haue Trovdem der Dtnhlrichter alle Z'ügcn gefunden habe. Dm Triumph brachlc mau dasselbe zum Stuhlrichtcr, uud da stellte sich min Folgendes heraus. Ein kinderloses slovakischcS Ehepaar, welches den Dommcr hindurch dort gearbeitet hatte mid im Herbst nach seiner Heimat gezogen war, hatte Gefalle» an dem Kinde gefunden lind cs mit sich gcnömincu, uuu aber bei Rückkehr in seine vorjährige Arbeitsstelle wieder, milgcbracht. Am folgcudc» Tonntag stand vor der Dorfkirchc der Deresch, eine Bank, auf welche diejenigen, die eine Prügelstrafe erleiden sollten, angcschnallt wurde», auf derselbe» lag der ehemalige Sinccht des Herrn Drutzcr, nnd neben demselben standen der Tccrctär des TtuhlrichterS uud sein" Heiduck. Nach bc cudctcm Gottesdienste verlas crstcrcr das Urthcil in Gegenwart der versammelten Kirchgänger, welches auf '25 Dtockschlägc wegen falscher und böswilliger Deniinciatiou lautete, und lchtcrcr vollzog dasselbe »ach Verlesung der Deuten; sofort, um cs so, in Ermanglung eines anderen Publicationsorgans, zur aUgciucineu Äcnutiiiß z» bringen. Ttiilsäic Gcscllschast für ethische Cultur.) Dieser Tage eoustiluirtc sich in Berlin die Deutsche Gesellschaft für ethische Eultur, deren Bedeutung im „Dreien Blatte" schon von berufener Tcite eingehend gewürdigt wurde. Zugleich eonstitnirtc sich auch eine besondere Abthcitung für Berlin. Der Gesellschaft sind bereits gegen -V <) Mit g lieber beige treten. Nach Dchlnß der zur Begründung der (Gesellschaft abgchaltcnc» Berathungen-brachte Dberst v. G iz ye ki dem Professor Dr. Förster als Führer und Feldherr» der ethische» Bewegung in Deutschland ei» Hoch aus. Dn antisemitischen Kreise» ist. man begrcii'licherweisc auf diese Beweguug sehr schlecht zu spreche». l Böltclllllia. Aus Berlin wird uns geschrieben: Herr Böckcl ist noch immer niizufriedcn mit der übrigen deutschen Antiscmitcrci. Der jüngste Ahlwardt kttiimmel im Wahlkreise Friedeberg-Arnswaldc war nicht nach seinem Gcschmackc, nnd für den Fall einer Reichstags aüslösung. I),it er bereits die Parole zum Wahltämvf ausgcgcben, ans dem, wie er hofft, eine eigene hessische Böckcl Partei hervorgchcn soll. Die Ausdrücke, mit denen .Herr Böckcl fei»» antisemitischen Mitbrüder bedenkt, sind meist wenig schmeichelhaft und zeugen von kaum vcrhalkeueiu Groll. Warum Herr Böckcl - so ungehalten ist, darüber herrschen verschiedene Meinungen. - Wohlunterrichtete Vciitc bringen seine üb>c Vaitiic mit den arge» Gcldnöthcn in Verbindung, über welche Herr''Böckcl in seinem- ^RcichSherold" seit Wochen schon so Herz brechend zu llagcn weiß. Dndcs haben sich die antisemitische» Freunde durch st'in cwigeS ->ml iittttiv)' i» >i:v po<-k<'t^ cr.vcichcn und für ihn de» Klingelbeutel umgehen lasse». Böckcl Dago hat bereits 1)32 Mark milde Dpcndc» cingcstrichcn, aber er schreit noch immer: ^i>ut inoiicv hi in v!“ D» der Dhat, seine Z'agc scheint böse zn sein, »nd der „Rcichshero.ld" schwebt in ernster (Gefahr. Ilm den „Rcichshcrold" wäre nun aber jammerschade, denn dieses „(Geschäft" ist mit ciiicm nicht gewöhnliche» Auswandc von juridischen Kcuntnissön eingerichtet. Der „Rcichshcrold" veröffentlichte nämlich jüngsthin, um die Vcrrätherei eines ciiilassenc» Bcdieiistcle» zu kennzcichiic», zwei Paragraphen des. Vertrages, welchen der Vetresscudc mit Dr. Böcke! beim Eintritte schließen mußte, »nd diese zwei Paragraphen rechtfertige» nnscre oben gemachte Behauptung vollauf Der „Rcichshcrold" schrieb: „Wie wir höre») beabsichtigt der von uns cntlasseiic Dchnhmacher Kaiser dem nächst eine Broschüre zn verösscutlichen, die sich mit den Angelegen Heiken unserer Partcilcikuiig besaßt, ^nr Charakteristik dieses saubere» Herrn verösscutlichen wir heute zwei Paragraphen des BertragcS, den Kaiser seinerzeit, als er in die Dienste dcS Mitteldeutschen Bauern Vereines trat, mit Dr. Böckcl vereinbart und unterzeichnet hat. Dieselben lauten: .Zs 2. Herr Kaiser verpflichtet sich auf Ehrenwort, jedcrzctt treu zu Herrn Dr. Böckcl zu halten, nichts über die Person noch über die innere Angelegenheit der Partei sowie über dessen : Dr. Böckels,: Geschäft i.llrcichshcrolds und der von ihm vertretenen' Vereine zu verralhen; im Gcgentheil, in jeder Beziehung ist Herr- Kaiser verpflichtet, stets mit allen ihm zn Gebote stehenden Kräfte» das Interesse zu wahren. 8 -b Dieser Vertrag kann auf beiden Dciicn vierteljährig gekündigt werde», nnd ist Herr Kaiser verpflichtet, anch nach der Kündigung sich jeder Feindseligkeit - gegen Herrn Dr. Böcke! nnd dessen Partei zn enthalten und strenges Ttillschwcigcn-über. Alles zn wahren, was Kaiser über Person, Partei sowie über das (skcschäst des Herrn Tr. Böckcl weiß. — Wir überlassen cs dem

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