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Freies Blatt · 1892-10-23 · 29 (23.10.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
29 (23.10.1892)
Date
1892-10-23
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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r er e s 23 1 u t t. Nr. SS. „Märtyrer des nüchternen Gaumens"?» Die Bersanimlung hat Advocat Lueger > »ach derselbe» Quelle eine „verständnißinnige" genannt. .. . I1 ' (teilt ©Ilbeitftiitf.) AuS Di ü nchc» wird uns berichtet: Xct hiesige „Deutsch-sociale Verein" verbreitet solgende» Entivnrs einer Petition an de» Magistrat: Hochlöblicher Magistrat der königliche» Haupt und Residenzstadt München! Die Einführung der elektrische» Straßenbeleuchtung in München ■ (M)t nahe bevor-Leider erfolgt dieselbe »nr theiliveiie, infoferne nur die Haupt Verkehrsadern int städtischen Straßennetze, nämlich Karlsplatz Ludivigsbrücke, Le»dlt„gertholplatz-Ddcoiisplatz. Maziiniliansstiaße. mit der elektrischen Straßen, belenchtung bevorzugt werden, ivährend alle übrigen Straften und Plätze' der < Stadt vom Dunkel der seitherigen Gasbeleuchtung überschattet bleibe» solle». Jene Hauptverkehrsader» bilden »»»aber im Straßen stränge zugleich die Nerven, welche weitaus die incistc» jüdischen Geichästsleme Münchens besetzt halten. (Folgt eine schon aus prestgesetzlichcn Gründe» nicht iviederzugebcndc Be schinipsnng.) Wir antisemitische» .Gcineinkebürgcr vermessrn unS nicht zu brr wissenschastlich unhaltbaren Anschauung, als beabsichtige Eilt Hochlöblicher Magistrat etwa nach dem Gesetze des Schwerpunktes uud der Znelinaiion die i» jenen HauplverkchrSadern angchänslc» Inden irgendwie vor uns andere Stadtihcile beivohneuden Vürgcr» zu begünstigen, o »ein, aber mir erlauben »ns die gehorsamste Versicherung zu unterbreiten/ daß wir Arier lein ästhetisches Verlangen danach tiagen, orientalische Olafe» auch noch besonders.— elektrisch beleuchtet zu sehe»! Sollte dieser bescheidene Ausbruch unseres Schönheitsgcfnhles möglicherweise von einigem Einstnsic ans die spätere Ausdehnung der elektrische» Beleuchtung ans die ganze Stadt München nnd somit auch aus uns anü semitische Gemeindebürger sein, so schmeicheln wir uns, zu dem sonst io gerne betonten Eharakter Münchens als einer deutsche» Stadt auch »ach »nserein kleine» Theile bcigetragc» zu haben. Zn dem Unglücke, das nnS antisemitische Bürger sousthin verfolgt, als „Träger der Schmach deS Jahrhunderts" und „Zurückgebliebene" gelten zu müsse», gesellt sich jetzt leider »och das bittere Mißgeschick, auch noch die Träger der städtischen Tynketgasbelenchlnng nnd gegenüber den mit elektrisches Straßenbelcuchtung Bevorzugten doppelt Zurück gebliebene bleiben müssen. Zcdeusalls werden die Juden es alS eine» großen civilisatoriiche» Fortschritt empfinde», daß ans Kosten der Gcsaninilhcit einige wenige Jutenstraßen mit elektrischer Bclenchlnng bevorzugt und, da daS kanjdnde Volk gemcinhi» dem Lichte .nnd glänzend bckenchteten GeschäslSläden zustrebt, die Häuser nrd Geschäfte in diesen bevorzugten Lagen im Werthc ebenso erhöht werde», wie die im Dunkel der städtische» Gasbeleuchtung verbleibende» Ainveien nnd Geschäslslagen nalurgeinäß cntizierthct werden müssen: Werden doch in den bevorzugte» Lichtstraße» alle GeschäslSläden an den langen Wiulerabcndc» schon von 4 Uhr Nachmittag» ab glänzend erleuchtet sein und sich »amenltich beim Wcihnachtc-niarkle eines starken ZulanfeS erfreuen, während alle Geschäfte in den Schaltcustraßen der übrigen verdunkelten Sladtlheilc unbeachtet bleiben, iverden. So schasst der Magistrat künstlich zivci Bürgerclassen: die erster Elässe der bevorrechteten, scuiiliiche» Lichlbürgcr und die zweiter (Stoffe der zurück gesetzten christlichen Tunkelbürger! Uud dabei niiiffen die Burger der letzteren Elaste durch ihre Steuern die Drittel zur lichlvoUcn Glorie der elftere» Elaste ansbringrn. Das große Unrecht, das in dieser Thatsache liegt, wird ja. nur von uns aulisemilischen Bürger» empsnudcO, oder sollte Ei» Hochlöblichcr Magistrat vielleicht sich mit der Absicht trage», allen znrückgcseylen und benachtheiligtcn Bürgern ziveckS billiger 'Enischüdigung einen Theil der Gemeindeinnlagen zu erlassen? Mit vollster El rerbicinug eines Hochlöblichen Magistrates gehorsamer „Deutsch socialer Verein zu München". Abgesehen von schamlose» Enlstellnngen, leunzeichnet schon der Ton dieser Petition dieselbe alS ei» gemeiucs Buben stück Männer, d'nen das Wohl der Gemeinde am Herzen liegt, sührcu auch als Dpposilion eine andere Sprache gegenüber der Sladlbehörde. Den Olnii itinitc» ist es aber allerorten ausschließlich um Verhetzung, Verdächliguug und Scandal zu ihn n. (Wieder kinc-vcrilligliicktc Oliilisciiiitcuvcrsammluug.) Ans Bernburg berichtet die dortige „Morgen-Zeitung": Ter Deutsche Nc'sorm verein in Dessau batte dieser Tage in Saupe'S Hotel eine Beriammlnug einbcrufen, in welcher der bclaiunc antisciniiuche Wanderrcdner, Oberlehrer Dr. Paul Förster aus Friedenau, einen Vortrag über die „Grund- -ätze und Fordernngen der deutsch'sociale» Partei ' hallen sollte. Zur Deckung der Unkosten wurde SO Pfennig Entree erhoben, waS eine ganz nette Einnahme ergeben haben wird/ den» es mochte» wohl a» 300 Personen erschienen sein. Diesen ivar bis zu Beginn der Versammlung Gelegenheit geboten, sich durch Studium der ans den Tischen reichlich ausgelegtcn anlisemilischcn Flugs ichristtn, Zeitungen :c. würdig ans das Kommende vorzubcreiten. Olm VorstandSlijche hatten außer dem Vortragende» drei Herren platzgenomme», von denen niemand wußte, woher sie kamen der Fahrt, noch wie ihr Nam' m.d Art. Nachdem der unbekanme Vorsitzende nun die Versamyilung mit Verlesung einiger Paragraphen des anhalt'scheu VcreinsgesetzcS eröffnet und sie dadurch zu einer politische», gestempelt, verlangte ein Herr Schulze das Wort zur Gc- 'chäfiSordnung, stürmisch hierin unterstützt durch Anhänger der socialdemokrati chen Partei, welche wohl die Hälfte der Besucher zu stellen schienen. Ter Vorsitzende bemerkte, daß laut Anzeige Bureamvahl und Tiscnision nicht stallände, er den Saal gemielhet habe und darin auch sei» Hausrecht geltend Seile 7. machen werde. Ous. nun das Verlange» nach Bureamvahl immer lauter ward, sordeltc der Vorsitzende Herrn^Schulze;»»> Verlassen des Saales ans. was levterer denn auch tliat. Okach einer Veuagnng der PerianNnlung ans zehn' Minuten ertheilte der Vorsitzende dein Oietner-dä» Wo:t. Dieier kam aber gar nicht zum Ansange», dens, die Znrnse wnrdcik immer lärmender, Psei'e» nnd 1 Zi'chcn erfüllten den Saal, io daß ichliißnch der überwachende Polizcibeamle, Herr Polizcicommistär O.starauardl, zur.'Auflösung der Versammlung schritt. Die Socialdemokralen verließenden Saal unter Olbiingung der Arbeiter inarseillaise nnd unter latsten Proteste» gegen deri Borstand; erst als eist slär kereS Olutgebot von Polizei erschien, ersolglc die völlige Oiäumniia des Locals ohue weiteren Zwii'cheniall Das wäre d,r Verlaus der eiste» ainisemiliichen VerianiNilniig am hiesigen Citf, die. hofwiiitich auch die ciirzige bleibe» wild, den» c» ist ivobl anznnel ineu, daß den Herren »uniuehr die Luft nach weiteren DebnlS gründlich vergangen sei» wird'. Was woll,» dieOHerren auch hier? Die hiesige Eimvolnierschast lebt mit ihren jüdi>cheu Miflnirgern i» bestem Einver nehmen und hat wahrlich keine Neigung zu einer Aendernug: i» Otacenlaß und Elasseuhaß ist hier absolut nichlS zu mache»! Die Herren vom Auballer Oieformvereiu sainmt Herrn Dberlehrer Dr. Förster mögen atro mit -ihrer tentich socialen Weisheit ruhigzu Hause bleiben; alle Dbeile iablen kabei am besten: wir behalten mp'oi'fli socialen Friede» und »»'er Oield, die Herren da gegen sparen sich die Mühe lind Kosten der Oieise nach hier und brauche» sich zudem nicht der Gci'ahr auSzusebe», „ansgelösl" zn iveeden und'»»verrichteter Sache wieder abziehen zu müstcn. Otzollerr sie aber wirklich noch einmal »er suche», die Fahne deS. Fanatismus hier anszupslanzen, io mögen sie wenigstens freien Zutritt für jedermann und Oledeireiheit gewälireili damit ihnen die Ol» geglittenen mit gleicher Münze dienen könne». Oll» gute „Deutsche" nnd Erb Pächter aller getinanische» Maiineslligende» ioll;e» dochdie Herren Otiiliseiniien vor Olllem das alte Kernwort beachten: Eines Manne» Ncdc^ist keines O.'lanites Siede, Man muß sic hören beede! - / 2lus antifemitifdvn ^Mattem. i Dr. «. Bcrgcr au das „Dculschc Bollsblail' .> Der Advrcat Dr. Bi» cenz v. Berger, dem das.Vergani'schc Blall .es als große Sünde anrechnete, daß er eine»;Judcu vetlheidigl bat, sendete dem geitannjcn Osiaur' nachstehenden Brief zn: „An 'die Schrisilcitung des .Deutschen VollsblatteS', Wie». Mil Beziehung auf die sich mit incineb Person bc>'chäilige»de Oio'.iz im Morgcublalte' de» .Denlschen. Vdllsblaues' vo'm SK. September d. I. biinge ich Ihnen zur Keniiluiß, daß ich vom Ansichusse der niederösierreichischen Oldvccaienkamincr zum ämllichen Verlheidiger des Samuel Klein bestellt wnrde, daher verpstichlcl ivar, die Verlrelung dic'cs O.siannes, der, nebenbei beiiierkt, eilt armer Handwerker ist, zu sühren. 'Nach meiner Anssannng von den Bernsspslichten eines Advocale» hat tiefer eine ihm von Amlewege» zn geivieseue Verlheidigniig persönlich zn snliren und sich nicht, wie es leider nur allzu bäitsig geschieht, danlit z» begnügen, das; er einen Substsiinen bestellt. Ihrem Berichterstatter ist der Umstand, das; ich Otrmenverlreier des Klein ivar, sicherlich bclannt. Die Verschweiguitg dieses Umstandes ist daher onenbar eine böswillige. /Fch halte übrigen» imtcr HimverS aut meine Varteistrstiing dem Klein daS Anerbieten gemacht, .eine» von ks»n gewäl lien Vetlheibiger zu honoriren, er nahm dies aber nicht a». Ich ctivarte die O-elössenilichuiig die-er Zeile» Ihr ergebener Dr. Vinco»; v. Berger m Ovie», S>. Lepleniber I.K!>S." DaS Qrgau Schönerer'» beinertl:. „Bergaui brachte die>es rrchreiben in seinem Blatte nicht znm Olbdruck. Das-ist der ganze 'Bergaui: zuerst lüg>» und dann, tveii» ihm die Wahrheit zur Kenntliist gebracht ivud.' nicht nnder rufen." DaS ist, ineinen wir, sticht bloß der ganze V.crgani,' >oudern die ganze Oliiliieiniieugesellschgst.ohne Unterschied deS ONtnS. _ l Illtsrciwilligc Komik.» OB eist er Fro schreibt in den „Unvertät-chleu Denlschen Worten" über, die Er-atzivahl eine» 0>eichsralhsabgeordnelcn im ersten Wiener Wahlbczirie: „rK Slinnnen enlstelen aii' den Eandidale» der deutschnätionalen Partei. Olus vssenilschem Plabe sollte »ran dieiis Wahlergebnis; auschlagen, an einem Pstrhl einen Zettel nni der A»">1ni'l anbrrrgen: Olm!l>. Dctober HK'.'S siegte. die nationale z,Ke>chlechlSlosigkeik, unierstiivi ve-zi dem gcsaminte» Jndeulhum, mit S7i»s Slinnnen über die teiil st ilationale lieber zengnngSlrene, welche mit Ti’ Summen in der OOiinderl-ei: bl:eb. Darunter die Bilder der Otbgcordncten der .Vereiniglen deutsche'» Linken' und der O.si-tMiedcr des Eomilv zur F-örddrung der Wahl des Dr. Kronaweller. Deutsches-'W:eu! ES tväre dein Schandpt'ahl! Zu iln» solltet ihr dann chvilgen tommeu, jndenliberal gesinntc Deuische-anS Böhineu, Peähren, Sle'.crmarl n. >'.vielleicht, vielleicht käipet ihr zur Erkeinnniß einer Schuld lind -7eurer 'Mlidit " J. '•>' hier verherrlichte „denlichnalionale llebcizengnng'lreiic" stand vor nicht langer Zeit in Diensten des Mannes, dem Jro heule „volitistches Lninpeiithnin" zinn Vorivlils macht nnd der überdies i» der Brieikasleuabiheilnng des ...Herrn" selbst in folgender Weise gestraft wird: „Polonsti Scheibe. Da» rechte Auge einer trächtigen.Blindichleiche, daS linke eines Luchse»."

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