Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 29 (23.10.1892)
- Date
- 1892-10-23
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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feite 6 Freies Blatt. uiifi tbtittabu'qliuitK innerhalb des. jüdtschen Volkes hAlkerkhum, Mittelaller,;"?icir,eit. — Ter (yall „Bernskein"). 1 <*. -3 ft die Anwendung von 0 tutümMnt für irgend eilten Nikus der jüdischen Neligion ersorderlteli oder gestalker'? 17. Ter f.-f: österreichische Professor und Canviiicits .Angnsl. stc o h l i n g in Prag. Idi. Tai? angebliche Zeugniß der t^eschichle für jüdische Ritnalniorde nnd Blntinorde. 11*. Ter, 'Bvldcripriich kroinmer Zuden wie Christen gegen die „Blnkbrschuldigung". -0. lieber den Ursprung der „Blnkbeichuldiguug". tlUclisiioilslickcnlikiliß Vcr Siiubcr ans Misäiclic».« lieber die Mischehe» und das Rcligtonsbekeniuniß der >iinder ans diesen Chen enthalt die ..Staktsttsäkc Corrriponden;" ans C'ritnd der Crgebnisse der Bolkszählung von 1>1M) eine Ziisanimenslellititg, der Folgendes yt-ent 'lielmteit ist: Cs wurden in Greußen * Mischehen gewählt, darunter 1 oder 71 Hi Pereent init Riitdern unker/lt> Zähren, die sich iicdt int..Haushalte der Cltern befanden. Tie allgentrin verbreitete 'Ansicht, dag die st naben in Mischehen überwiegend d/ii Bekennkniffe des 'Taters, die Madcheü dem der Mutter folgen>chindet nach der Crltebinilv ihre Bestätigt,»g. Was die Mischehen /zwischen Christen nnd Znden anbelangt, deren darunter lt>7T> itHt_y^fiiibfrit^ iinjev .lti ,'nilneit gezählt wurden, so wurden von den!L1 <! ijibrrit ans Ci'iit rivit'chen Cvangelischen und Juden l'i'.tis ,?i inder oder- 71’> 7 Ptreent evangelisch nnd 7L7 oder 22 ti Pereent jüdisch er regen: von den ans Chen zwilchen >i arholtken nnd Zttden ,‘!31 oder .""i Pereent katholisch und l'.'l» oder!>!'>'!> Pereent jüdisch: der Rest von 10 1 l;erceut in anderen Peieuniuineg Al io bei den Misch . >lien zivl'chen Zcnden und Christen zeigt sich ein größeres llebermiegen> des evaiigelischeit als des katholischen ClementeS. Allerdings ist bei die'er Statistik ltiilu zu vergessen, daß dieselbe itnrHe im elterlichen Hins! rite lebenden stinder unter 1 <» Zähren umfaßt. Proctl! Palla. Ter srubere üiedaeienr de'S '..Toll", SttoBalla, in wegen Beleidigung des Vir. fälitier, .Herausgebers der .iMitweilungen aus dem Bereine zur Abwehr des Antisemitismus" in MIlm. rn einer "'eldstrate vmt^.'tO Mark n,»d tut Tragung famnittut er >4 oüeit vertu tl eilt werden. Tic jüDiidicu '.'Irfcrünucoloiiicu im üiomicrucmcut ocfatc rillOelnni. Ans Beters hing werden über den jüngsten Bestich des Toinaueniuinisters in dem indischen Aekerbaneolouien im O'ouvernemenk Zekaterinoslaiv folgende Cinzelhetkcn berichtet: '>,ach eingehender Besichtigung der 'B.'irth'cha'ten ries der Minister ans: Ö'ott sei Tank, er 'ehe, die Anlicht, die Colonien bestehen nur ans dem Papier, sei ein Bornnheil. Ans die Beschwerde der Colonisten über Mangel an Vaud rieth'ihnen der Minister die Bachtnng von (i ronlündereien an. Als er' antmerk'am gemacht 'wurde', dag das O'eietz dies nicht;nlasse, sagte er : ..'Wir wollen sehen: ich werde für euch das Möglichste thnn." An den Cnraior der Coloilieii sich wendend, äirgerte er: „Mit einer siebentausend -stöpte starkeü Bevölkernng kan» man nicht Tvag" treiben: ,ch werde für sie sorgen." Zn einein angrenzenden kleinrussischen Torte äußerte jeniand dem Minister gegenüber, die Znden klagen ohne t^riind, was ihre gute Xleidrmg nnd 'Nahrung beweise. Cin anwesender jüdischer Colonist erwiderte: Was ein Mnschik' an einein Tonnkage vertrinkt, reiche hin,. uni kür eine ganze Woche Thee ',it kaufen, und es bleibe, dann noch ein hübscher äcest kür Kleidung. - ^Ildcilvcrsolgllliq in .HÜIItlllilvtNI. Nack, einer Mittheilnng des _.1 .-wisli i liie.hi.I.- erhielt der londoner ^berrabiner Tr. Adler an: Z4. Teptember ein Telegraniin von Morris Coh en, dem eng tischen VA'rer der Tchnle zu Bagdad, worin initgetheilt wurde, dag »ach einer telegraphischen Tepeiche der israelitischen (kiemeindezu Ham madan 'Bsollah Abdullah, das geistliche Tberhanpt daielbst, die '.liiedennegeliing der Znden in Hammadan angeordnet habe, Letzkere seien ezezwungen, kich im Bersteek •,» halten, nnd die (s'efahr sei imminent. Cr beichwöre die sofortige Znterveniio» der <>'lanbens genossen in London und Barls. Tekraiishin wendeten sich die Borstande der israelitischen O'enteinde und der anglo israelitischen Assoeiation sowie Lörd Rothschild an Lgrd üroseber», welcher sofort die nöthigen Znstruckionen an den englischen Bertveler in Teheran sandte, und dieser berichtete schon a>n 2>>. September, dag er bei Amin es Sultan Borstellnngen erhoben habe. letzterer habe bemerkt, daß eine OVqeit. bekchwerde von den Muselmanen der Skadt erhoben worden sei, der Tchah habe jedoch dem Mollah Abdullah strengen Besebl gesandt, die Berkolgnng der Znden ein',ustelle». und ibm mit Lträfe gedioln, falls er dem Befehle nicht uachlomine. Cin halbes Balaillo» Truppen fei nach.HamniaZan gesandt worden, uni die Trdnnng aufrecht;n halte». Tie Borstande der genannten tsesellschast habe» Vord üfoiebern für sein rasches Ci »schreite» gedankt. Tte anglo jüdische Assoeiation hat auch die Biitwirkung der Alli-.iH'-* in Paris angerufen, um ähnliche Tchrilte seitens'der franchstsche». Regierung :» veranlassen. Nr. 2i>. antisemitischen Vereinen und Versammlungen. (llntcrordiiung und Zuriitkhaltniig.) Zn> „Wählerverein dep'.Be^' einigte» l!hrist-e» im V. Bezirke" suchte Herr Lueger a»S den kaiser lichen Worten an die Lelegirle» Tr. Stieß nnd Richter einen Nutzen heranSzuschlageii und die offenbar vorhandene» Unsolgsomen zuni Gehorsam zu veranlassen. Herr Lueger betonte zwar gleich dem hiesigen Antiseniilenblatte, daß eine Bestätigung der Jouriialmeldungeii über die kaiserlichen Worte nicht vortiege, fuhr aber dann fort: „Ich erkläre, daß ein Tadel Sr. Majestät des Kaisers, wenn er gegen meine Partei ausgesprochen worden Pein sollte, .mich lies schmerzen würde. Es mag sei», daß ich oder auch Ändere in der Hitze de« Streites zu weit gegangen-sind; es wäre dies angesichts der Haltung der Gegenpartei wahrlich zu verzeihen. Aber daS Eine bin ich mir voll nnd ganz bewußt, daß ich nie in meiiiein Lebe» auch nur mit einem Gedanken die Treue und Ehrfurcht vor dem Ziaiser, die Treue und Liebe zu meinem Baterlande Sesterreich.verletzt habe Ich erkläre, daß ich für das, was ich als Abgeordneter Ihne, meinem Gewissen und 'meinen Wählern, die mir däS Mandat übertrugen, verantwortlich bin. Werden mente Wähler zu erkennen geben, daß ich ihr Ber tiauen nicht besitze, io^werde iäi daraus die Eonseqlieiizen z» ziehen wissen. Zniolange meine Wähler aber mit mir ei»ve>standen sind, werde ich nach wie vor furchtlos überall und vor jedermann dar verfechten, waS ich a>S Wahrheit erkenne. Zch identtficire mich nicht mit Allein, was der eine oder andere Parteigenosse sagt; ich veilange auch nicht von Anderen, daß sie sich mit dein identificiren, waS ich sage. Nur das, ivas über Beschluß der Partei geschieht, hat die Paitei'-zu verantworte». Ich hosse, daß die jüngsten Ereignisse alle antitiberaten Parteien und alle Parteigenossen lehren werden, wie nothwendig die Einigkeit ist, sowie daß weise llnterordnnng und .gurnlkkattuiig eher z,im Ziele führt als ein PorwSrtSstiirinep, welches den Einzelnen nnd die Partei selbst gar manchinal nöihigerwei je inGesachr bringt. Zch verspreche dasür, daß ich angesichlS des neuesten AnstürmenS. unserer Gegner tte» und fest zu jedem Einzelnen stehen und jeden Bersnch 'einer Trennung energisch znriickweisen werde. Zch werde dein 7rreiliide in der 'N'oth Helsen, auch wenn er die Roth, selb» verschuldet hat." Tie „Treue und Ehrfurcht", deren sich Herr Lueger rnhmt, fand' einen gar merkwürdigen Ausdruck in den Aeußernngen, die er 'eine,zeit im Gemeinderaihe über ein gemeiusameS Grab für Bischof Ronan, Grat Bo in betleS nnd Ritter v. Weilen gemacht hatte, aber auch jene Aeußernngen geschahen wohl in der Hitze deS Streites und waren daher »ach feinem Gewissen und der erleuchteten Einsicht seiner Wähler, denen allein er die Eompeten; zur Beurtheilinig seines Willens beimißl, ebenfalls zu verzeihen. t Grstiiiaiiii's Ncchktischafksbcrichl.) Am 17. d. M. fand am Reu bau eine antiseinitiieche 'Wähteiversainmlung statz, vor welcher der ReichSralhS abgeordnete Tr. Geßinliiiii einen Rechenschaftsbericht über seine Thätigkeil iin Reichsrathe ablegte. Was Geßmann da sagte, haben wir freilich schon un gezähltemaie auch von anderen Amiietniten, die nicht im ReichSrathe sitzen, und bei ändere» Anlässen als zum Zwecke einer Rechenschastelegung gehört. Run, was tollte ein Geßmann schließlich auch über seine Thüligkeil im Reichsrathe Neues sogen? WaS hab>u die Antisemite» in irgend einem BertretungSkörper denn überhaupt gethan als wandalirl und gelärmt'? Tie noch immer zug kräftige .'ironawetter Hetze, ohne welche letztere Zeit keine Antiseiniteiiversamm lung ende» darf, versagte, auch diesmal ihre Wirkung nicht. Ter Wahlsieg dieses Bolksmannes hat, die Herren anS dem Häuscheii gebracht, sie scheinen doch daS tilewicht des llrtheüs'prncheS zu empfiitd.'n, welchen das Volk bei diesem Anlässe über den AntisemitiSinnS gefallt hat. Tie Neubauer anlisemitische Wählerschaft jubelte alletdings-dein ei-ilc-vant JetiioUaten Geßmatni zu, aber das Mandat Aronawetter S läßt ihn notz der am Neubau eingeliennsten Lorbeeren nicht ruhen. - < „ tGkdctillag ber Schlctchk bei Leipzig.) Aus dem anläßlich deS.Gedenk lagSS. der Schlacht b/i Leivzig in Favoriten veranstalteten siesteommerS der „Tentiäniationalen" wurde nach dem uns vorliegenden Berichte auf die Ziiden natchmarltariig geschimpft nnd eine Reihe irredentistisch schillernder Phrasen zum Bene» gegeben. Tas „BolkSblatl" wurde von Schönerer eine „Hoch na p l eri n" genannt. Ein-Stndent bedauerte, daß die Studentenschaft a» der medi einiichen Za^liät es in litzter Zeit unterlasicn habe, „national" zu demo» stciren. 'Es wurden, ferner „Hoch" und „Heil" Riife auf Bismarck und — Scliönerer ausgebracht, viel Bier eonnnuirt, nnd das Alles zur Feier deS Ge denkiages der Schlacht bei Leipzig. -tBkrsläiiSltißimtig., Zn Lieghartskircheiv erstattete kürzlich Muih ror einer Wählerversaininlung Bericht über seine Leistniuzen im Reichsrathe nnd Landtage. Wir die xremser „L and zeit n ng" mkldet, „mußte, er bekennen, dag seine und seiner Genvsien Tbätigkeit nicht den gewünschten (Erfolg hatte". Nach Muih sprach Akvocat Luegeiy und dein citirten Blatte zufolge soll er den Ausspruch gethan haben: „Tie Xerker sind nicht nur für gemeine Eridatare." (War daS vielleicht eine zarte Aiiivielnng aus den bekannten Millionär alS