Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 29 (23.10.1892)
- Date
- 1892-10-23
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 1 Freies Blatt. Nr. 2». - 'ininisterium, vorstelle. Tieier Herr. welcher dem evangelischen Glauben angehört, er'chien vor mehr als Fahrestrist bei dem damalige» Oberlehrer der Mädchenschule, III., Talnigasse!«, welche seine Tochter besuchte, und erklärte demselben, dast er es nicht dulden könne, dass von de» katholischen Xinder» die Formel deS ansge-preche» werde. Als der Lberlehrer begreiflicherweise darauf nicht sosoit eiliging. erivlderie Tr. Tomag. er habe schon an mehrere» Tehulen seinen Wun'ch durchgesepr, urd der Oberlehrer war damals io schwach, dein Berlangisti dieses Vi-irii nadiiijgeben, und als ich zufällig und ziemlich spät von dieser Maß-' regelsieiinmist erhiells wandte ich mich an die Behörde, ohne einer Antwort gewürdigt ivorden zu sei». Tas ist die.Geiiesls dieser inuthwillig herausveschivoreneu Ttöriing des religiösen Frieden-? in der Tckule, »nd^ Gemeinderath Gregorig heilte Unrecht, von indischem lleberiniith zu sprechen; es war vrownantische Fntoterauz. , . Hochachtungsvoll Karl Berger. ' katholischer Religi o» s l e I) r e r, III., P'ärrhotgasse 1. ocidicu Der Umkehr. Tev herein ’,nv FördernIIg geiv e v l' l i d) e r 0' u t e v e f i e h -i c r bi nopsd r e ä, sIc r in e i st c r W iens hielt in verflossener Wockie eine allgemeine Bersammlnng, in welcher ■ drechsletmeister X inr i g die Unznfriedenheit der Meister mit der bisherige» E'enossensdtaftspolitik" erklärte und u A sagte: „Wir wollen gar keine Politik, sondern das Wokslergehen unseres lR-werbes, n n s -k a u n lein .Hoch Tchneider!' nnd .H o df V »e g e r!' helfen, a n s di es ein >''e biete dürfen wir überhaupt n i d) t l> leihen. "Wir wHlen 'liulic und Verdienst." 'Wir geben diese mit Beifall auf genentinriien Worte ans dein t^rnnde wieder, weil sie in eineiit Ai reife von «''ewerbeireibeiiten geimedien Jiuivben, weldier iidi bisher durd> besondere Anbänglichtetl an die ankiseiniliidle Partei anszeicksiiete. Wie »»ieren Lesern erinnerlich lein dürfte, waren es Mitglieder der . T redislirgeiionen'dilNt, weldie erst lijrzlich wegen aiilisemitisckier Ans fiiTi*- gegen den nnumehrigen RetchsrettHsnbgeordneken Tr. Krona- ,iv eile r vor l'Arichi gtanden. l T Jvrnil Wühprl. -Unter tiefem für wienerische Clnen.fo an - lieimelnden Titel versendet der bekannte Boltssdiriststeller Adalbert Hai in er soeben die erste A'uninier einer volk-stimmlichen >Zeitsd>rist. der wir ein herzlid>es- Willkommen zurnfen. „ X’a ra n Waberl" bat'i'ldi lein leidstes, aber ein edles „^iel gestedt: sie null deni Wiener in leinen '»'nuten, in. seiner traulichen Weiset die Berworfenhrit des. Anliientiiisnilis, seine (''eniüihs und ','ieblvstgleil beweisen und ihn von diesem Alp'befreien. „T'Frau Waberl" will nidst Helzen, sonder» versöhnen: >ie will auf E'eniüth und Herz des Bokkes -wirken, denn sie als alte,Wienerin weist, dast gerade der Wiener ein seelengnter Menidi ist, bei dem jedes ans dem Herzen kommende. Won seine Wirlnng timt Hoffen luic- „T'Fran Waberl" irrt sid> nidit in ihren Personen und erreicht ihr ^jiel. Bei dem Umstande, daß and> die am „Ouiinö" so beliebt?» Wiener Bolkszeitsdiriften sid) entweder ganz den anliiemiliidien Häuptlingen verkanfien oder wenigstens zeiiweise gegen ei» Heines Trinkgeld antiiemitiids schillern, hilft eine gesinnnngsindstige, gegen die Teelenpest geriditeie Bolkszeitling wie .. T'Fran Waberl" einem direeten Bedürfnisse ab, weshalb wir sie allen Frennden der Abwehr-Fdee nur wärnistens empfehlen können. „T'Fran ..Waberl" ersdieint monatlidl zweimal nnd" kostet in ganz "fahrigem Abonttemenr 4 st. Tie Redaeiion nnd Atniiiiistration befinden fidj: Wien, X., Hi mb erg er st raste H > PlißtrüIicllsvotUIII. Tie vom deittidi sortschriltlichen Bereine in 'A'emilivdKii am 1*>. d. M. zn Edlitz abgehabtene Bersammlnng, der cine-tzroste Anzahl vop Bauern beiwohnte, gestaltete sid) zn einer be öeiitiamen?e nndgebung gegen die djiiftiid) soeialen Umtriebe im R'euntivdK'iU'i' Wahlbezirke. Tbmann Fngeiiienr Rnedl vernrtheilie ,in einer beifülligst ausgenommenen stidde die terroristische, auf den niedrigsten nnd verwerflichsten Mitteln beruhende Agitation Trolt's, Lneger's nnd stires Anhanges. Tr besprach die Borgänge in der letzten „Wähler" verianimlnng in .'{iid)id)Ug nnd sagte: Es sei eine Thaisaä>e, dast tliNter v. Troll damals seine Tdiseiunedsie mit Tröckeii bewaisnet in die Bersammlnng brad>te. Pfui stsnie - „schände nnd Teandal!" in diesen von atlerhödister Teile stainnjenden Worten liege and) das tennzeichneiidste Berdaminuiigsurlheil sür die Ehristlick) Toeiale». ' Es lreife den Anhang des .Herrn Ritter v. Troll nnd mit dem Anhang den Herrn .'Kitter selbst. Ttürmischer Beifall nnd Hochrufe auf den .'tiiiiei. , Midi der Rede des T bnianues wurde ein an den Abgeordneten Ritter v. Trost zn richtendes, motivietes Mißtranensvotnm zur Berhsiing gelü.idK, in welchem derselbe ausgesorderl wird, sein Mandat niederznlegen. Tie Bersammlnng'stinunle einhellig diesem MißtrauenSvotnm zu. Tie anwesenden Abgeordneten Morr'' nnd Pernerstorker bei'pradi'n .hierai:' die Vage des Banernstandes nnd ernteten großen Beifall. Ein von Morro's Ausführungen entzücktes Bäuerlein meinte: „Ter red't do anders wie der Lueger." hCoilstitlltioncllc Bedenken.) Aus Krems wird uns geschrieben: Ter „Tchriftleiter" des Nosenauer Moniteur soll, wie es heißt, durch die Bildung und Erziehung, welche er genossen hat, befähigt sein, sd)mackhaste Fasd)ingSkrapfen zu erzeugen. Allein vermöge der Allwissenheit, die der Antisemitismns seinen Bekennern verleiht, spricht er alid> über Fragen verfassungsrechtlicher Ratur mit einem Selbstbewnßtsein, welches intelligente Leser, je nad) ihrem Temperament, belustigt oder empört. ..Tie in Pest gefallene Aeußerung" gibt ihm zu ronstitiitionellen Bedenken Anlaß, die er in Worten ausdrückt, welche wir aus Ehrerbietung vor dem TtaatSoberhaupte wiederzugeben Anstand nehmen. Bei Ennnciationen Kaiser Wilhelni's I. und Handluügen des Fürsten Bismarck, welche thatsächliä) mit dem EonstiintionalismuS schwer in Einklang zn dringen waren, hat sich diese constitntionelle Feinfühligkeit nickst geregt. Ter Brotgeber des Mannes, der plöplich sein ronstitutionelles Herz entdeckt hat, thäte aber gut, selbst dessen stets eingedenk zu sein, was der Rosenaner Monitipir so oft angeblichen Fragestellern mittheilt: stiichier in dein.l!'i'‘-i'''er Prorcsse gegen Schönerer waren: Holzinger, Lorenz, Tchmirdel nnd Raiskh. ES gibt eben (Grenzen, die man auch in der „Tstmark" nicht ungestraft überschreitet p. Tic .Heldciithat eines „^llgeiidbildiltrs".) Aus T alz bürg wird nns gesck>rieben: Tie haben von den Mitlheilungen des „T al zbürg er B olksblatt" über die Heldenthat des Herrn Wenzel Tick gegen jüdische Tdjnlmädchen Roti; genomnien. Ter „unverfälschte" Wenzel hat nnii im Bereine mit dem Turnlehrer Herrn Moriz Prope dem hiesigen deutsch-liberalen Trgane ans l^rund des so ost mißbrauchten Zi I!> eine Richtignellnng zugesendet,, in welcher sie erklären: I. Es ist niiiz'ahr, dast Tiienlehrer Protze die Ertl-astnnde für Mädä>eil t>,l-,:en inS Lebeii^ lief. 2. E-? ist nnivahi-, dast Tnriilebrer Peotze Heuer die .'lnineldiiiig der drei -.biädchen üraelitifcher Fainilieu anstandslos eiitgegeiinahin. st. Es ist »»wahr, dast Tnriilehrer Protze zn de» drei Mädchen gesagt habe, er iverde ihnen Heine vielleicht eine recht schmerzliche Millheilang uiastie» inüpe», wen» die Tache nicht doch »och früher ansgegliche» iverde. 4. Es ist miivahr, dast Professor Wei'zel Tiü bei seiiiein Erscheine» in der Turnhalle Turnlehrer Protze zu sich gerufen habe. 5». Ebenso ist es uinvahr, dast Professor Tick die drei erwähnten Mädchen zu sich-gcrufen habe. >!. Es ist seiner uinvahr, dast er iiilt den drei erivschnie» Mädchen gesprochen hat. 7. Es ist dein»ach auch unwahr, dast er die Mädchen aufgeforderl hat, de» Taal zu verlassen und nicht wieder >».<er Turiistunde zu erscheinen u s. n>. — Wahr ist vielmehr: l. dast die erwähnte Mädchenriege vor mehreren Jahren vom Talzbnrger Turnverein ge gründet lind Bereinstiirnlehrer Protze Zinn Leiter derselben bestellt wurde; 2. daß ein mit üludstcht aus die Bereiiissatzliiige» -und den geäusterte» Wünsch einiger Eltern geiastler Turnrälhsbesdilust vom st. März Idtl'2, wobei and) die Tnrisraihsinikglieter der gegneristhrn Rick,lang mitgestiinint haben, mit T.tlinineiieinheit festgesetzt hat, es dürfe nur an Tentsche Turiinnter. richt eriheilt werden: st. dast dieser Besd>l»st von Turnlehrer Protze, »ielit von Prosenor Tick, den Mäd'che» in ganz »iiaiissälliger Weise niilgelheilt wurde, diese den'elbe» auch rnb:g zur Kenntiiist genoininen nnd bis zum Ende der - beiresienden Ltunde niitgeturnt haben.- T as Terlzbnrger Bolksblatt" betont, deiß ihm-seine Mitlheilnngen von verschiedenen Ttellen - zngeggngen waren, und daß man sie von belheiligter Teile bestätigt hatte, daß aber die Berichtigung, welche sonst Alles als unwahr bezeichnet, die für jeden billig denkenden Mensckien wichiigste Thalsache in dem vorliegenden Falle, den Ausschluß derdrei Mädilsen mosaischen Bekenntnisses wegenihres lfslanbens und ihrer Abstamninng ans der Mädchenriege, nicht nur nicht in Abrede stellt, sondern niliiinwnnden zngibt. Hieraus fährt das freisinnige Blatt fort: Uns ist cs vollloinnien gleichgiltig, ob Herr Turnlehrer Protze jene Mädchenriege ins Lrben ries oder der Talzbnrger Turnvereiu, ob Professor Tick bei seinein Erscheineil in der Tnrnhalle den Turnlehrer Prove zu sich gerufen oder »scht, ob Piosessor Tick oder Protze jene» drei Mädchen die fragliche Mit theiluiig, welche uu-S so sehr und mit Recht empörtes., gemacht hat; was wir vertaiuinen-nnd nicht sthalf genug veriiriheilen küniien, »st die mm von geg »erischer Teile» klar und bündig zngegebene That'äche des Ausschlusses jener drei Mädchen nnd die Form, inner welcher der Aussdiluß erfolgt ist. Die obige Berichtigung beruft sich ans -einen ain st. Mär; ItÜtL gesastlen Turn raihsbefchluß iinü hebt mit Nachdruck hervor, daß jener Beschluß, nach welchem »nr an Tentsche Trir»u»terrid>t ertheilt weiden darf, auch von den uichtanti semitischen Turnrathsniitgliedern gebilligt, worden, iniihin slinnneneiilhellig zustande gelvinineii fei. Tie Richtigkeit dieser Angabe zugegeben, kann unser llrtheil über de» Fall lrotzdeni lei» anderes sein als da« von unS ausgesprochene. Rur die eine Frage sei nns gestattet, weshalb gelangte den» jener Tuinrathsbeschlust vom 3. März erst jetzt im Cetober zur Ausführung? Wes» t