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Freies Blatt · 1892-10-16 · 28 (16.10.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
28 (16.10.1892)
Date
1892-10-16
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2*. »freies 2? [ a 11. Seite ft. Vereines auch Vertreter anderer deutscher Vereine anwesend, lind Tr. Lchmeykal hob in einer Ansprache hervor, daß die Abgeordneten! und Bertraennsmänner der Tentsche» in Böhmen das Andenken an! -Siitt’e nationale Thätigkeit n»d Opferwilligkeit stets in Ehren Hallen! werden. Tein Turnvereine ries Tr. Tchmehkal zn: Er wünsche dem Vereine Blühe» und (Gedeihen für alle .Ankunft: mir möge derselbe Iren bleiben dem reinen Sinn für Freiheit n n d. T e n t s ch t h n m und sich von seine», geraden Wege »nd seiner Einigkeit nicht abbringen lasse» durch jene » n la n t e re» Gegen ft r ö m » ng e », ivelclze trotz alles BärmS nicht Stapd halten werden vor den ewige» Grundsätzen des Rechtes und der Wahrheit. Professor S{ i rt versprach, in gleichen! Linne in Wien zu wirken, wie er es i» Prag geil,an, und jederzeit dem An ti sein it iS»,» s e nt g eg e n z n I re te n, welcher.sch ädig e» d snr die deutsche Tache sei. Locialdciiiokrütt» sitqril Christlich Locinlt. Ter Brunner ..Pol töfreu nd", ein soeialdemotratisches Organ, schreibt: Wie es mit der praktischen Bethätignng der chrinlichen Viobc bei nuvr-'n ifiiifiiid, Loeialen ansschaut, koiime» wir schon zn wiedeiholieuniale» erfabren. Für einen Mensche», der nicht ein^Vrelt vor der Liirn l,ai, ivar ob der C.italitiit Meier chnstlicheu riebe schon llingft jed r Iiveisel gewichen. Eine» neuerliche» Mniiri? bat nuS aber die clerieale Majoriiäi des oberöslerreichiisien rand läge-? wieder i» die Hände geliefert. Xem randlage lag eine Petition vor, ivelche zur .Lelafsnng eines Fonds für Lnppenansiaiien snr Lchnllinder eine linier nnvung begehrte. Man braucht an solche Anslallen keine übertriebene» J^eti iiiingi»;» knüpfen, doch wen» nicht allster Acht gelasien wird, daß ans dem -,'ande bänfig arme Lclmtkinder sinndenweit bei jedei» Weiler, auch in der kalte» Winterszeit,;Itr Leimte pilgern müssen, so wird sich nicht ab'peechen lasse», ist wiche Anstalien sehr am Platze wäre», um die Minder mit einer ivarmen -upre einigermasten ivieder „aufznthauen". »ommen doch viele arme L-Hul tuiddr batberftoren in die-Schule, ohlte ein ivorines Frübstiiek genonen zu baben und obne Anssicht, ein warineS Miltagessen zn eil,alten. Tnrch die (srnndnng en Luppen und Lveiseaiistalte» in nmiassendetn Mastnabe könnte diefes liebet M ivohl beseitigt werds», und für arme Lchnllinder niire das nnrllich eine pobltbat. Wenn Staat, rand und (Gemeinde in der Lchassnng derartiger An- , alten Hand in Hand gingen nnd man die vielen Millionen, die für vollständig ivproduriive T tilge hinanSgeworfe» werde», zu diesem chveäe verwenden würde, ann löniiie sehr bald envas Solides geschassen werden .j. . Ter Abgeordnete Feig! beantragte nun »amenS de'S,Petitionsansfchnsses :e Abweisung eines eRstiches ntn Bolirimg eines Fonds zur tNrüudung nnd - Aialtung von Suppenanstalteit für Schullinder. Ter Abgeordnete Bahr be aniragte die Bewilligung von 2fMm» fl., doch die clerieale Majorität erltärle sich nicht, einmal mit diesem geringen Betrage einverstanden, sondern lehnte den Antrag ab. Ter unvermeidliche Psane Ebenhoch gab noch kund, er habe ans er Petition und den Worten seines Borredners die lleberzeugnng geivouiien ro» der Rothwendigkeit der Eiltsitbrnidg deS Hälbtagsnuterrichtes. Wenn man - -n gesetzliches Mittet habe, um den gerügten liebelständen abzuhelsen, folle man nicht ein außerordentliches Mittel aus »osten der randessinanzen verlangen., /seil die Schulkinder weil in die Schule haben, lind lveil viele arme Lchnllinder lchis Ordentliches in den Magen bekommcn, ist der Hatbtagsnnterricht nothendlg. Nicht genug damit, dast den »indern das leibliche Brot entzogen wird, :■ soll ihnen auch das geistige Brot, zum Theil weggeuommen werden. Weil 'ie Ellern von vielen lansenden Schullindern zu arm sind,.in» ihre »leinen in e» Städten znm Iweike eines regelinästigen LchutnnterrichteS nnierznbringen, and ihre »inder in die oft stundenweii von einander entsernten Torffchnleu tjillen müssen, deshalb sollen diese »inder nur einen Halbtagsnntevricht genieste», sbatb sollen sie weniger lernen, 'ollen sich durstiger ausbilden, sollen geistige .nippet bleiben. Ja, wenn es siet, darum Hand,ln wurde, kirchliche Unter »nnungen zn unterstützen, »irchen und »löster zn baue» oder sonstige sromine :verle zn verrichten, dem armen ranrarbeiter plaltsibel zu maehen. käst'er am ' fielt fahre, wenn er mit seinem trgnrigen Voie Zitsrieden ist, um so ein ge tgtges Ansbentnngsobject siir die Herren Agrarier abzugeben, da ivären die wirr,, Christlich Socialen sofort zu haben. Aber Lnppeitanstalten fiir arme, Milbcurorrne Schullinder - dös gibt s net, da branchen die »inder d'er Arnten! er leinen Lchutnnterlicht.. Wir wollen es hier genügen lassen, dieses neueste Wert christlich socialer Nächstenliebe zu bleibender Crinnernng anzunageln. l „Tciltschnatiolinlt" nnd L>llvt». > Man schreibt^ Nils ans? roppan: llnscrc slavischen Mitbürger sehen das -treiben der ..dentschnationalen" Antisemiten sehr gerne, weil sic sich der Erkcnntniß >sicl,t verskl)ließen, daß dasselbe das Teutschtlinin comproinittire, und oic Hossiinng hegen, es werde ihm auch cnlpsindlichen T.chaden bereiten. An der Tchlnßsihung deS letzten Tei'sionsabsehniltes des schlesischen l'andtages gelangte ein (besuch der israelitischen Eliltusgemeinde Troppan nm eine Beihilfe zu einem Tchulhatisban zur Berhandlnng. .Ter Aus schuß siir Enltnö und Ilnterrichtsanstalten beantragte die Abweisung des ersten Theilcs des lssesnches um eine Beihilfe znm Bane einer confessionelleu Boltsschnle, vornelniilich ans dem ofrnnde, weil er gegen . die Errichtung jeder eonfessionellen Schule ist. Er ' beantragte jedoch, für Zwecke der inneren Einrichtnng von vier Schutrlassenziminern für > je eine Elaste §en bislang üblichen Betrag von ästlll st. zn bekvilligen.! Ter Landtag habe, wie das hiesige deitlschliberale Organ eonstatirt, noch jeder Privatschnle eine solche Subvention erlheilt, weil er damit — seiner Tel,ttlfreiittbltd,feit (''ciiiiqe Ihnn wolle. Er stelze nämlich ans dem Standpnntte: die Schule sei iNtereonsessionell: habe nlin jemand ein Bedürfniß, für sich eine .Srintlc zn bauen, so baue er sie auf seine E osten. Es entspreche jedoch dem Wohlivollen des Landtages gegenüber den Tchnlerrtcktnngen und der damit bezweetten Erhöliung des Bildnngs ganges der >,»gend, ivenn d<r Landtag zn der Einrichtung eilte Pei steuer geivähre. Telbstverständlich benuvte'T ü r k diesen Anlaß zu jnden seindlichen Erpeetorationen. Togar der Bnkowinaer ^olldesraudations proeeß mußte dazu l,erhalten, nm die Tiirk'sche Philippika gegen die Anden recht „schneidig" zu gestalten. Tie Attslastitiigen Tiirk's sanden den Beifall des hochwürdtgen .Herrn r n d a nnd des Ttaatsanwalls .1 ttl>ftitntcn H v tt b >,, ivelche sich auch mit den Übrigen slavrschen Abgeordneten vor der Abüimmniig ans dem Taale entfernten. Ter Ans schnßantrag wurde angenommen: nur Türt nnd ein <?fenoste stimmlen gegen denselben. Tie. slaviselzen 'Abgeordneten sind an nnd für sich nicht antisemitisch gesinnt. Tnrch ihren Beifall nnd ihre Abstinenz ivollten ne ostenbar nur Türk ermuthtizen, ans einem Wege sortzn fahren, welcher eherzu allem Anderen als zur Förderung des Tettlsch thnms führt. Ein (''ntnbKtU der slavischen Politik ist es: 'Auf den Anden schlägt man, den „Xtwnii-i-“ meint mam Hur Bcstitistliiist dcs Aiitlsrillitislims. Tie „Bllkowiner A'achrichten" bringen ans Anlaß der taiserlichen Ansprache an die Telegirten Nichter und Tr. Tueß einen Artikel, welcher folgende bemerlenswerthe Tchlnßsäpe enthält: ' Tie. Znriiilievnng des Anden nicht enra' feiner schlechten Onalisieaiion, fondern seines Audenthums, seiner Abftaminnng wegen ist nicht blost inder C'eselltcha't, .sondet» leider-auch im Ltaatsteben nicht zu veikenneu. Wenn der antifemititche Janhagel ein (iScbiiilte gegen die Anden erbebt, so geschieht es, weil eoden Anden tbatsächlich als etwas Anteriores betrachtet, da er sich sagt, das; reute,-die im Lkgatsleben ''elbst trot> der staatsgrnndqet.evticheit Berbürgnng der voltloninienen Esteiätbeit aller Burger zurnttgeseM werden, sicherlich' aizch ichlechi und nnwerlh sein müssen...Ter Antiseinitismns ist ein Leaneal itnd ist sicherlich eine Lchande vor aller Well, aber wenn dieser deankak anfhören, ivenn diese Lehande schivinken >oll, dann must der erste-Schritt gethan werden von jener Leite, die das gröstte Am'ehen besit», iveil sie die größte Macht hat, nnd die beritten ist, dem Rechte tsetmng zn verschaffen nnd darüber zn tvachen, d>ist das kqiferliche tsiefchenl der Constitution mit ihrem grnnktegenden^rineipe hinsichtlich der Gleichheit aller Staatsbürger nicht ein todtes Wort bleibe.TTie,Regierung mache die ersten Lchritte, sie zeige zuerst, daß sie unter den Ltaatsbnrgern keinen llnterschied nach Religionsbekenntnis! und Abstammnng macht, und wende ihre ganze Autorität ait,.»m dem weiteren-Fortschritt einer Beivegnng, welche einer großen Clakfe von Bürgern das Recht der Cristenz begleitet nnd ihr Utesiihl verletzt, den Boden zn entziehen, nnd der Antifemitisntns wird fchneller fchwinden, als er gekommen ist. Tel Amifemitismus ist eine. Lä-ande »nd eine tttesahr für die soziale Trdnnng, er untergräbt die Litten und vertoln die Ufr tnittber: es ist Pflicht der Regierung, ihm nunmehr mit alter Energie entgegen zntreten imf d>ls liehet,ansznrottett, so lange es sich nwch niän allzu'tie> in den soeialen Trgantsmus des Reiches eingesreff«! hat/' Tenn von 'I be» muß das Beispiel koutmen. tyricDC unter dc» Couscssiouc». Wieans A r a d berichtet wird,; weilte dort jüngst der Bischos von Estinnd, Herr Aletander T essetvss» Bei einem Bankett, welches der Plinoritenorden zn Ehren des f>'astes veranstaltete, nnd zn welchem auch die' 'Vertreter-'aller anderen Eoil, sessionen geladen waren, richtete Oberrabbincr Tr. rltosenberg an den sizichensürsten eine Ansprache, worin er die Hossiinng ansdrüikte, i ' daß der Bischof, wie seine Borgänger, den Frieden unter -den Eon t— sessionen pflege» werde. Tie 'liebe des Rabbiners war von Über raschender Wirkung. Ter Bischof erhob sich von seinem Litze, ging zn dem Rabbiner, küßte ihn und ertlarte, daß jedes Wort ihm bis ins Herz gedrungen sei. : . lRlldolf U. Hllfrillfl. Ten B erliner „M i tkhei l n ngen aus dem Be reine zur Abwehr des A n l i se nttt is m u s" wird von einem ('■'mitnaTtallclnev ans der Provinz Hannover ge schrieben: „Wie vorurtheilssrei der verstorbene stiechtsgelehrte war, erhellt auch daraus, daß er keine Bedenken getragen hat, seine Tochter ' einem getansten Israeliten, dem tresslichen und allgemein geachteten Professor Ehren berg, der zur H"t meiner. Göttinger Ttudienjahre als Privatdoeent mit anerkannter Tüchtigkeit über .Aetiengesellicljasten n. dgl. las, zur Frau zu gebeir. Wenn ein hochgebildeter Mann der Wissen'schaft vom Tiandpnnkte der für ihn als giltig zn betrachtenden Bollsmoral ans-ein Ehrenmanii ist,, so sind seine übrigen ^HufäUiq

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