Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 28 (16.10.1892)
- Date
- 1892-10-16
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 2«. ■■ —..vt- .v, . luijiiy Freies J3Intt. reite tun ge» dorthin gehen, um zu lerne». Tie deutsche ethische Gesellschaft will sich nickst an den Protestanten, Katholiken, Inden, Heiden, nicht an den Pertreter dieser oder jener politischen Partei wcndcn, sondern im den Mensche», als Träger der sittlichen Idee, „welchen Namen er seiner Weltanschauung auch geben mag, für eine solche Gesellschaft ist sie positiv, so lange er in Wort und Tl>at de» Grnndsatz vertrete» will: Seid gut," und „diese Idee soll ein Band bilden, das weit über die Grenzen des PatcrlandcS alle die Menschen verbindet, Pie iw ernster Gesinnung das Gute suchen." Tie ethische Gesellschaft' will nun zunächst cinc Hebung der ethischen Bolkslitcratnr und BolkScrzichnng anftrcbcn, und cs wird diesbezüglich auf die be achtcnSwcrthen Erfolge der .bekannten intcreoiiresnoncllcn Tchulbücher ,n -Frankreich, »och mehr aber ans jene der ethischen Pädagogik in Nordamerika hingewicsc». ES ist cnlturhistorisch höchst interessant, daß Tcutschland, früher oaS Land. der Idealisten und Humanisten, von dem sogenannten materialistischen Amerika den Anstoß und daS Pcnster zu einer cthi- ■ tstcgcncration erhält. Was Tcutschland in »cnestcr Zeit in diesem 'Gebiete nach Amerika iniportirte, war, wivS vielleicht nicht so allgemein bekannt ist, der Na een haß, und cs waren .und sind wohl jetzt noch ,e Auswanderer a»S 2iorddentschland, namentlich Hamburger, die, wie nngsthin die Eholcrq, so in den letzten Jahren de» Antisemitismus :mc!) Amerika brachten und in gewissem Grade mit ihre» InfeelionS- . esirebnngc» rcnssirten. In edelster Weise rächt sich He große Nepublik, .idem sic den Tcntschen. prattische-Winkc zur Hebung ihrer (Gesittung ibt. und eS wird als eine Art Nene und als eine Eampensation an seben'werden können, daß ans dem europäischen Eoiitinent Tentsch .nd wieder daS Banner des ethischen Idealismus erhebt, - ivic es das;i vorige» Jahrhundert gcthan, jenes. Tcutschland, in welchem die nintesse»; der modernen antiethischcn Bewegungen, der Antisemitismus, i ■ aut wurde: jenes Tcutschland, daS zum crstenuialc in der Welt ' luchte, knr; nach' großen Tiegen und Tchassnng seiner lange cränten Einheit, einen TupuS von Mensche» hcransbildcte, von dem ui l'k< dahin keine Ahnung hatte. Alle diese Mensche» habe» etwas \meinsanies, der Priester und der Laie, der Professor wie der Tin-, »t, Männer wie' Iranen, Adelige und Bürgerliche, Beamte wie . laalsmäiincr, alle, ivic sie sind, hassen eine gleichartige moralische .lmsiognoinie, cs ist immer dieselbe Iignr, nnr anders augctha». Bvic tönnlc man diese sonderbare Erscheinung, diese merkwürdige uignr unserer Zeit, am besten bezeichnen'? 'Nennen ivir sie den , a gendschwindeln den Pol isson: eine solche Iignr ist bisher - der Geschichte der l^cscllschast noch nicht qiifgctrete»: mit dieser riichcinnng, mit der Psychologie »nd der Entstehung der tilgend. >t,windelnden Polissoncric wolle» wir »ns ein »ächstcsmal eingehender lassen. >Lin Oorkämpferfür Maürboit lind ^Nenschlichkeit. -chiusl.". Berbrechcr lebe» in dem (Glauben, daß ans den ,Ungern »ngeborenei ' 'i inder oder ans dem Jette schwangerer Iranen verfertigten Sterzen, der s.uiber inncwohnt, die Besitzer derselben bei der Bcrnbnng ihrer lln naie» vor Entdcctnng zu schlitzen. Am Tylvesterabend 1 ■''<»4 wurde ■ ach Mannhardk in Ellerwalde bei Elbing au einer dreinndzwanzig . ..ihrigen Iran ein gräßlicher Nanbmord begangen. Ans ihrem ^Bauche! ear ein Tlück Fleisch heransgcschnitten. Längere .^cil halte man von m Thälcr keine Spur, bis am Abend des IO. Iebrnar l^ti.'i ein Ar beiter ans 'Ncukirch bei Ausführung eines Ticbstahls ergrissen und i demselben ein cigcnlhnmlichcs Vicht, bestehend ans einer in einer -lechroUc besindlichcu, ziemlich festen Ieltmasse,. dir um einen Tocht u'gosscn war, gcfnndcu wurde. Bei der gerichtlichen Bernehninng legte :r Berbrechcr ein offenes Geständnis; ab. Er habe am Ol. Teecinber nnr einen Diebstahl beabsichtigt; erst das laute Hilfcgcschrei der Iran habe ihn dazu veranlaßt, sic durch Tchlägc niit seinem Knotcuslock s besinnungslos zu »lachen. Nachdem er all ihr Hab und Gut zusammen > gepaetk, schnitt er aus ihrem Leichnam ein Tlück Banchflcisch heraus, das : .r zu Hause ansbriii. Ans dem ausgebratencn Jette habe er sich durch ninznfngiing von Nindcrtalg das Ticbslichl verfertigt, die. zur tick gebliebene» Gricbcir aber anfgegesscn. Es habe ihn bei seiner entsetzlichen Thal der Gedanke geleitet, daß daS Tiebslicht nnr dann erlösche, ivcuu man cs in süße Milch tauche; wer cS trage, werde »nsichtl>ar, tvährcnd alle Lebenden ringS um ihn her in tiefem Tchlafe fcstgchaltcn wurde». Auf diese Weise.sichere cs de» Ticb vor jeder Ttbrnng in seinem tÄeschüftc. lind . wenn der 'Mörder ein Tlück ails dein' Leibe seines Tzssesö ansschncidc, brate und verzehre, so finde er Nnhe in scinci» Gewisse» und gedenke dcS Berbreäjens nie wieder. Tiefer t^länsse ist nahe venvandt mit einem änderen, wonach, dis Herze» nrigcborener Kinder als Tchntzmittcl für Tiebe und Nänbcr gelte». Wie die Juden seit ihrer Zerstreuung uutcr die Böller in Bezug ans. Kleidung, Nahrung, Tprachc u. s. w. von ihrer Umgebung stets stark beeinflußt wurden, so wurden, sic auch von deren Aberglauben ongcslcckt. Tozu kommt, daß es auch nicht a» Aberglauben jüdischen Ursprungs fehlt, t^lcichwohl sicht sich Professor Ttrack;» der Bemertnng bemnssigt: „Allerdings aber, kann nicht nnr der Jude, sondern muß auch der unparteiisch prüfende Ehrist daraus Hinweise», daß manche Tatzunge» deS Indenthrinis wenigstens der weiteren Bcrbreitung des in den vor hcrgchcudcn Eapitel» geschilderten oder angcdcnteten Tcnkens und. Thuns ein starkes Hindcrniß sein mußten."- Tic wichtigste dieser' Tatziingcn ist daS im Pentateuch mchrsach rintc^ Androhung der Ans rotlung ausgesprochene Bcrbot deS Blii.tgcnnsscS. Tie spätere jüdische l^escvgcbung gehl in ihrer Bemühung,' einen Zaun nm die Thora z» ziehen, noch tvcilcr alS die atltcstainenllichc, ivic ans der dem über lieferte» Gesetze entsprechenden Praris der Gegenwart, erhellt. Nach dieser wird daS zn kochende Ilcisch vor Ablauf von 72 T ln »den seit dem Tchächtcn dcS ThicrcS ' in einem eigens, dazu bestimnitcn «besäße cinc halbe Tlunde läng derart in Wasser gelegt, daß cs ganz mit Wasser bedeckt ist. Hieraus wird cS in demselben gründlich abgewasche» »und von daran hängend»'»! Blnte gesäubert, dann ans ein ebenfalls d.rzu bestimmtes, schräg liegendes Brett oder in ein dnrchl'öchertes <Lzssäß gelegt, damit das Wasser gehörig alssließe.' Ist dies geschehen-, so wird jedes Tlück einzeln auf allen Teile» und in allen Nitze» so reichlich mit feinkörnigem Tatze bestreut, daß es wie bereist anssieht. Mit dem Tatze bleibt das Ilcisch eine Ttunde aus jenem schrägen Brette oditr in dem .durchlöcherten Gefäße liegen, damit das vom Talze ansgezogene Blut abtriesen .könne: daun wird jedes Tlück ans allen Teile» mit Wasser begossen, bis alles Tatz weggeipült in. Ern »ach dieser .Behandlung darf das Ilcisch gekocht werden: Tas Berbol des Blut geünsses gilt seinem 'Wortlaute nach allerdings nnr für das Blut warmblütiger Thiere. Ter t^etinß menschlichen Blutes in im pcnta tenchischcn «besetze nicht ausdrücklich verboten. Tarans folgt aber bei leibe nicht, daß er gestaltet wäre. Bielmchr erllält der Bei inner den Mangel eines anSdrücklichen Berbotes ans zwei-t^rnnden: ., l Iiir den Israeliten als solchen liegt der Gebaute, daß jemand cs sich töiintc__ einsallcn lassen, Menschenblnt zu genießen, volltommcn außerhalb des Borstellnngstreiscs. . 2. Tas lbesetz verbietet das Genießen von Thier -sslnt nur deshalb, weil cs Thicropter anordnct: Menschenopfer ivürrsind streng untersagt. Auch ans de» Talmudc» und der sonstigen arrsl das Neligionsgesetz der Inden bezüglichen Literatur kann meines ] Wissens keine Tteile beigcbracht 'itzerdeu, ans ivelchcr man schließen, durfte, daß bei den Inden Blut Zn genießen gestattet iei oder izeweie» > sei . . . Jedes <>?enießen in c n ich l i ch e n''B l n tes ist sonach s dem Inden reli gievn sgesx.tz l ich unbedingt untersagt." l Ierncr steht der im Träetak Aboda Tara entlsalteue Tatz: „Nutz nicßnng von einem Todten. ist verboten", der abergläubischen Ber ' t Liehe „Freies Blau" Ar. 27 ivcndnng des Blutes anderer 'Menschen nndilberhaupt aller Theile von Leiche» einschrän.tend im Wege. ' 's Aus -dem spceisiich jüdischen Aberglauben läßt uch freilich -iine ' „Treckapolhcke" znsammenlesen, ivekche der Haiss; Apoihee sehr ählikich.' ist. Tessenirngeachiet tommt sie ihr nicht an Widerwärtigkeit gleich Was die Bennvuiig von Menichenblnz betrissl, io verivendcl.der aber glänbis.che Jude nur sein eigenes Blut, und zwar besonders zur Tlillnng von Blnlnngen. Außerdem wird lijiy Pienstrnalblnt erwälpu, und auch dies nur selten. Als Heilmittel gegen den Aussatz ivird Blut uugendS empfohlen. Auch davon ist nirgends die Ncde, daß Thierblni oder gar Menschenblnt, zumal Blut'eines anderen Mensche» zn abergläubischen Zwecken getrunken oder getrocknet verschluckt werde. L. Tlrackerjan berichtet allerdings'in. seinem Werte: „'Aberglaube und Tage» ans dem Herzoglhnm Tldeiünirg" iTIdenburg >»>7-: „Bür reichlich süntzig. Jahren hat ein Henermänn in Tchw>ge seine schwangere Iran tiir 40» rx an einen Inden zn Bcchla vertäust, .welcher ,die Irnchl zn -Zaubereien hat benützen wollen Tic Kinder haben gelauscht und eS der Mittler erzählt, welche cs wieder ihren drei Brüdern mit Ihciltc. Ticse haben in der Liacht, alS die Iran geholt ivcrden >ollie, den Inden tüchtig diirchgcprügclt, der Mann aber >N ins .Inchilians gctommen." Tiefe Erzählung entbehrt jedoch des gcichlckalicheu'Eharaliers. wie ans dem Zeugnisse des Bruders des Berichterstatters hcrvorgchl. Ta dieser schon gestorben war, wandte nck> Professor Tirack an. den Tireetor K. Tlrackerjan in Tldechssurg mit der Irage -nach der T.nelle i'er ihm verdächtigen Mittheiliing, ivorani er am I Biai ISV