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Freies Blatt · 1892-10-16 · 28 (16.10.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
28 (16.10.1892)
Date
1892-10-16
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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/ Seite - \ freies Blatt. Nr. 28. AiiitVii fto 2taa’.v , ('vmcinbc- und (>'c)cü)d)aftt>(cbciu\ in erster Vhtic bic cr;iclmii() der fugend und des Volkes einer Besprechung unterstelle», odne Rücksichtnahme auf irgendwelche. Partei oder Kirchen inler.nen, und in alle» Afreifen eine anhaltende und srnchtbringcudc Tisainh'„ der wichtigsten Volksfragcn andohnc»: dnrch die „mathematisch Nar-,» beweisende" 'Boihweudigkeil neuer (Gestaltungen werde dann in jedem EmuIiieiidcrWille wachten, znvVersöhnung der Volksschichten bcizntragcn. Tic Egidu'sihe Bewegung hat in Deutschland ein sehr reges Jntcrestc niegi. 'und, es" ist au;lineb»ieu, das; sie jetzt durch die snstcmatischc Ägiialst'u in Tliickschriskeii noch erstarken wird: wie man auch über t.kgeistige “.'iiccon des (Gründers dieser rBichtnug und seines Progiainmes deuten mag, io kau» doch wohl jeder — ansgcnommcu die Anhänger der christlich orthodoren Parkei — zugebcii, daß .die fruchte bei Baiiiibungeu Egidu's keinessalls schlechte sein Iverden: cö liegt etlu'cheEuip'indiiug in der ganzen Sache. st» ciuc ganz andere Regio» gUai'geu wir aber, w:"u wir die »eucstc (Gründung dieser Art bc iraelt'euj nämlich jene,' die unter dem Titel „G c s e l l s ch a f l für e i b>> che Eultur" ror Kuiuiii in Angriff gciiomiucu wurde, und die' ioebei, 2ratnt.cn. und Einladuiigen;ur gründenden Versammlung in 'Berlin uer'audie. Tein Ai reife „gleichgesinnter. Männer und straueu", d:e bie'eu Verein, dessen in der vorige» Bummer des „strcien Blattes" nur kurt E'.wäbuniig gelba» wurde, iuS stebcn ritten wollen, ustb die im Sommer di'eies stabres bereits eine Broschüre unter dem Titel ...Tie erbliche Bewegung in Teilt sch lauft — B o r b crei i e ii h e M i l i l> ei l u u g e»" in Taii'elidcn von Eremplaren dem Pu lltei^u brachten, gehöiai n A au: der Berliner Ästronoiu stoerüer, .?ie. Brotuoien Vi i et> l. Tönnies,., v. (i'irneki, stodl und .-liegt er, v. Earueri und st ran Bertha v. 2 u r k u c r. Tiefe Bamen lauen bereits veiiiiulb.'ii, das; etwas (Rdiegeues im Werke sei, und ans dein Bachstelieuddu wird dies, vielleicht sogar in überraschender 'B.-.l'.'. noch mebr lierroi'-phen. Beachten irir vor Allein sie in Tcutichland niicrhörkc Thatiach', das: I!nioel'naksvloie'>oreii 'ich direel an der (i'rüiidniig eines derartige» Berei!>es bclbeitigeu, -und dir für untere z-scil nicht »linder eharakteri ül'elie iTricheiuiiug, daß auch Tanien einen solchen Verein inilbcgründcii l el'en: es muß in Teulschland schon eine starke Erregung der (Geister, eine ui positive Bestrebiiugeu sich drängende bcdcuteiidc Tvpositions .lnv'indung vorhanden sein, wenn so etwas vorkouimen kann. Tagen r.!> es gleich, die Z e d I i lz's ch e Schnlvorlage i ft e s, bic bic g e (i 11 c k e u (Gebildeten T c u I >' ch l a n d S i» i o l eh e A n f r e g ii u g I r a cii t e. uird andererseits nicht minder die Betrachtung des täglich melir bervorlreiendcn Birderganges des sittliche» Niveaus im AUgcmeinen. Proscuor stodl in Prag, denen stedcr wir in einem 2heile der ..Vorbereitenden Mittheilniigcii";ii erkeuuen glauben, ist cs, der seinerzeit gegen die Ansichten des damaligen Eiilklisminislcrs Zedlitz so illütblg in die Schranken trat, indeiu er in der Münchener „All gemeiueu Zeitung" eine cla>'nsche Prolestabhandlnug publieirie und dadurch gul'.nachie, was tcltniuicriücite die Abgeordneten durch schwächliche Entgegnung und noch sä»väclnich<rcs Schweigen verdarben. Tiefe Euuiuiaiieu stodl's wird, >chou als Aeußeruug eines Eharaklers, ihm '!.!■' im And'eiileu der gesiiieieil Gebildeten Tcutschlauds zu Ehren gereichen.- Professor Siegler in 2 trag bürg ist wie stodl einer unserer roittigl-chsten (''eschichttchreiber der Elbik und wie dieser ein Man», der mit ''einer Mcinnug nicht zurückbält. Professor v. i •,»e t i ist mit st.'dl und Siegler einer der vorstiglichstcn Toeeukcn und Schriftsteller i:!u elbische (Gegenstände: sein Werk: „Tic (^.rundzüge der Moral" ' wurde '. o:>: streidentervereiu „Vdt’ing" in Berlin preisgekrönt, und als ast werihvolle 2peeialitäk (^'izuckis muffen wir seine Be- ' '..'Ii bervorheben, die Arbeileu der -Moralphifosopbcn 'Bord .1.: \ .U'.'.IIP! die soeialc und ethische Literatur der großen n.; . :t dil'.ä, llebeiielznugeu und Bearbeitungen in Europa bekannt ' .! u : '.r iiberseple nicht nur. Bellaiuu's berühmtes Buch, und;n.ii :„ .'.usaerrichuerer Weste, sondern auch „Tie Religion der Moral" i'i' Tr.:.:, eine i-echst verdienstvolle Monographie, sowie er auch d . ,B .arlue n«a r r I s o u's bearbeitete, die von deffcil 2oline in ' 'u'.'l'..".' Tr'.'aelie rublteiri wurde.. Leer ist (i'arrisouV wird mau T :c 'Bnlwe.t lautet: Einer der edelsten Menschen-aller Zeilen, B.-e::de:i'Plulirvs n VI. einer der Mänidie die Aushebung der j —'l.Z!» deu- Ve:e:i!igkeu Staaten durch deeeuniculangc Arbeit, ja : in:! s ödes: er.'chlilng duräuelzteu, und die Veeiürc seiner Biographie ' -i: den .edeNlen, siifligsten (''cnümc:i, deren man theilhattig j •'.n kann, die geüi:eie Vllmo'vb.äre, die *s;ailifoii’c- Person umgibt.; lat kaum ihres «Reichen. . •! VJi'.ui fuint aber in- Europa nicht nur '"nrriion nicht, mau! u ,'Ü auch l uii WeiüeU B l, i l i pv s nichts, .nichts von E h a » » i » g,! loder wenig rau Euierson gcle.sen und keuiit überhaupt i .'o! e! r e gar nicht-', was in den Vereinigten 2kaakc» seit jeher,! und am tncijtcn jetzt, in geistiger und moralischer Richtung gearbeitet wird. Wenn 'inan von den Vereinigte» Staaten spricht, so denkt jeder sogleich nur an geschäftliche Eorrnption, an Strikes, an Ringe, an sogenannten crasscn Materialismus, an den Mangel an Kunstsinn n. dgl. m. Und doch herrscht namentlich in New-Vsork, Boston, Philadelphia, Ehicago, Milwaukee und noch anderen Städten eine solche Rührigkeit in den ethischen Studie», eine solche allgemeine Thcilnahmc an solchen Themen, gibt cs so viele Vorträge, Predigten, Schriften, die sich aus socialwiffeiischaftlichc Themen beziehen, daß die Europäer sich beschämt vor der „matcrialistischcii" Republik znrückzicheii müsicn. Ter einzige Tolstoj kann sich mit den Männern in Nordamerika vergleiche», und zwar nicht nur in Beziehung auf Ernst und Tiefe der (^csitkuiig, sondern auch auf den Einfluß, den erauf große Volksuiaffeli übt, sonst aber haben wir in Europa, wenigstens aiif dem Eoiitinciit, iiiclits Analoges aiifziiwciscii, wohl ahdr das (^egcnthcil: eine antiethische Bewegung, gleichfalls reichlich nuterstüvt dnrch Vorträge, Predigten n»d Schriften, häusig aber am kräftigsten dnrch (^ehciilasfen und Schweigen seitens solcher Personen, die vermöge ihrer Stellung in Europa die Macht haben, durch ein .ciuzje^s Wort'Regen oder gutes Wetter zu machen. 'Also die Vereinigten Staate», sagten wir, sind nnö in dem Ernst praktischer wie theoretischer ethischer Bcstrcbungcii' voraus, nndihr Einfluß in dieser Richtung macht sich jetzt auch bei uns in Europa bemerkbar, denn, wie wir ii^liimchr mitthcilcu wollen, die lslründniig der ethischen (ist'scU'chast in Berlin, die sich über ganz Tcntschland crslr.ifeu soll, verdanken wir dem amcrikanischcn Einflüsse. Einer der vorzüglichsten Männer der Vereinigten Staaten, Professor Aclii Adler in New Bort, der (Gründer der ethischen l^csclllchastcu ülierhauut, in es, der während seiner Aiimcscnhcit in Berlin, im Sommer dieses wahres, den 'Anstoß zur (Üründnng dcS ethischen Bcrciucs gab: in einem Vortrage, den er über dieses Thema hielt, fette er die (Rnndgedankc», die Strnetnr der amerikanischen Vereine dieser 'Art anseinander, und, wie zu vermnthcn, war cs namciitlich <si;neki, der ohnedies, wie auch Aodl, Haiiptmitarbeilcr au der Zeit schritt 2Inl<-rii;itiunal .loiirnal »f Ktliics“ in Philadelphia) ist und daher mit de» aiucrikaiiischen Moralphilosophcu in stetem Eontact steht, welcher de» Gedanke», auch bei nns nach aincrikaiiischein Muster vorziigchcn, zuerst öder ciieer der Ersten lebhaft erfaßte. Professor 'Adler berichtete, daß die ethischen Vereine i» Nordamerika nicht antireligiös seien, sie betrachten, nm einen bekannte» 'Ausdruck zii gebrauchen, die Religion als Privatsache, stellen aber' sittliche Bildung, ethische Eultur alS wichtigste pnd erhabenste Aorderung hin, „mag daraus werden, was immer wolle": cs genügt ihnen nicht der (Gedanke: „Thne, was deine Pflicht und Schuldigkeit' ist," sonder» „suche zu ergründen, waö deine höchste Pflicht und Schnldigleit ist, strebe danach,;n neuen sittliche» Aordcrniigcn hcranznrcifcii, die den neuen Verhältnisse» n»d Bedürfnissen nuferer Zeit cntsprcchcu." Ein weiterer Ottniidgedanke sei, daß die rechte Vebeusführnng eine Ailtnft, eine schwere Kunst sei. und daß die verschiedenen Pflichte» kreise, die -mit Iden VebeuSalicru und Bcrufsarkcn wechseln, genauer bestimmt'werden müßten, daher in dem ethische» Verein das Princip der Gruppenbiidung durchgeführt sei. Ter lintersieu l^nppe werden die jungen Söhne, und Töchter der Vereinsiuckglicdcr zugethcilt, n»d behufs moralischer Belehrung der äugend ertheils man «neu „sittlichen 'A n s ch a n n ng s n n t c r ri ch t", cS werden also keine mckavlmsische» Begründungen versucht, sondern an der Hand couercler Aällc gewisse allgemeine ethische Regeln ent wickelt, indem man eine. VluSwahl von Biographie.» edler Männer und Araucn vortrage, seiner gcwiffc moralische Reden, wie die des Sokrates vor seinen diidjtcrn, ansgcwähltc Stücke aus der Berg' predigt, ans den Viedc» des acsaias, die letzten Worte des Thomas Morus ii. s. w. aiisivciidig lernen laste. Tiefe Methode erscheint iinS eine ausgezeichnete, sie ist echt praktisch-amerikanisch, und Adler berichtete auch über die vorzüglichen Resultate dieser klnterrichtSmcthode. Tic nächsten (slruppen setzen sich aus Jünglingen und Zuiigfranen zilsammcn, ans Männern »nd Arancn, und endlich die letzte ans Greisen: an Sonutagen siuden Versamnilniigen aller Vcrcinsinitglicdcr statt. Ter Zweck der ckhi'cl,c>i ((«esellschaft sei also der: „nnabhäugig von . jeder Theologie das Heilig Menschliche zu hüten und zu pflegen." Tiesclbcn (isrnndgedanken sollen nnu i» der dcntschcii ethischen (Gesellschaft realisirt werden, wie dies in den „vorbereitenden Mitthcilnugcn" ausführlich dargclegt wird, und cS ist höchst wichtig zu erfahren, daß im Sinne o'.'iger Priuetpieu seitens - der aiiicrikanischcii ethischen (Gesellschaften seit mehr als zehn uahren Erziehungsanstalten. errichtet und nntcrhaltc» wurde», deren pädagogische Methoden so an erkannt werden, daß die Pädagogen verschiedenster steich- ,i

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