Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 28 (16.10.1892)
- Date
- 1892-10-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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} ♦ / Aboniiemciitsprcis: Mrgan zur 2lbwehr bcs Antisenlitisnms. «»anzjähriq mit Pos>s»!cnb»nis . . fl. 2.50. _ .»Siitbjiilli'ia f>. > 25. g<icrlt'lj3tirij| fl. — ,iCi. _ i£i»seine »innmem Zit. 1 Erschciilt an jedem Loillltage. , Redaction und Administration: Wien I. Keirerslätt« 10. Nniniiier 2N. „ Ulten, IC». UVtoücr lll'.l'i. I. ^ahrgiliig. Die hlntiize Nnininer ist;eh» Leiten sink. vfu der Beilnge /niifloit wir de» Bericht über die aus Anlaß der jüngsten anli > ini tische» Erccsse ini N i c d er ö st er re i ch i sch c n y a »t>- i >'. c vom B frei »e znr A b w ehr d es A » t i s e in i t i s in u s »eranstallcle Pr o l e st vrrs a in in I u n g. v£tbifc£7c ^cftrcbunacn.”) Ans Deutschland koniiiic» gute 'A'achrichtcn, die (stesittung will der zu 'Worte koiinnen. während seil ungefähr zehn wahren und .meiiltich in ucucstcr Zeit die ungesitteten Elemente iiunier mehrin .n Bovdcrgrnnd traten und in 'rücksichtsloser, ' zäher und geschickter "-die im Privatleben wie in der Deffcntlichteil agiiirtcn, standen alle »siändigen Männer, von wenigen AnSnahmeii abgesehen, im Hinter .runde, bedauerte» die Depravation der Litten oder ballte» die .faust der Tasche, thatc» aber nichts nild wurden endlich durch de» agrcs ' ' :ii EynismnS gewisser Parteien so cingcschüchtcrt, daß inan die üjgen Acußcrungcn der „Enltur" in Deutschland nur mit dem scheute von hnndevten Kettenhunden eines riesigen lisiitshoseS vcr .Zeichen tann. Man erwacht aber jetzt auS der Hypnose, mau — und unter diesem „man" verstehen wir die gesittete» Deutschen — vitt sich die Äugen, man spricht mit einander, man staunt, bedauert, empört sich, man bcrätb, und endlich: »ui» vereinigt sich, man ralliirt nch. An der Bereinigung fehlte cS bisher, und dieser .fehler will jetzt niigemacht werden: hone» wir, daß eS gelingt. . Lchon die Gründung des „Bcrcincs zur Abwehr des Antisemi >-. nins" zeigte, daß man die Dinge satt batte, und daß man entschlossen war, offen anszntrctcn »nd den liamps nicht zu scheue». Es ist die 'Nündnng dieses Bcrcincs, bester gesagt, jedes solchen Bercincs, . also ::d) desjenigen in Desterreich, nicht genug anzncrtenncn : wenn.friedlich u. ('hoijc mit den Panduren kämpfen mußte und beinahe mit Re lgnalio»;nn, NiarguiS D'Argcnö sagte: „Lehen Lic, mit welchem Z undel ich mich hcrumschlagcn muß", so erfüllte er doch nur seine - Regent und Kriegsherr übernommene Pflicht, da 'gab'S lei» Rachnlen und tcin vorheriges Ansehen des Gegners; aber bei dem jetzigen stampf in Deutschland, wie auch in Dcskerrcich! Wer kann cS den edleren "iänncrn, die gewohnt sind, sich den Marinicn der Moral »nd den Regeln Bcrnnnst zn nntcrwerfc», die meistens z» sensibel sind, die richtigen lrastcn im Kampfe gegen die Ungcrcchtigtcit, ja gegen die Bestialität, :n gebrauchen, >vcn» sic nur irgendwie den Eharaticr der Derbheit U'S .krrast annehincn — wie tan» man cS solchen Menschen verargen, um ihnen angesichts der heulenden Gegner die Rede im Munde »nd >cki mehr die That im Helfen verschlügt? Um ansgcrntkelt zu werde», Uns cs bei solche» Naturen — Zeit, niilnnlcr eine recht lange Heil: neu wir »ns, daß diese Heit endlich gctommrn ist. ES ivärc gefehlt, zu glaube», daß sich der Niedergang der Ge nilinig in Deutschland, in Europa, nur durch den Antisemitismus > - »mciitirc, und wir sind nicht entfernt so einseitig, zu glaube», daß nil diesem Worte allein Alles gesagt ist, cs handelt sich n»s durchaus sacht allein darum, wie'man die finden behandelt: wir crtcnnc», in sollte objeetiver Betrachtung der Geschichte und der neuesten ."seil, i ii'olil in der Bcchandlnng einer Minorität durch eine „sich fühlende" Majorität, also der.finden durch die Richlinde»: ein Lnmplom des stnftandes der' gesellschaftlichen Moral, aber nicht nur ein Lnjnplom, ", Wir verdanken diesen inntnetiven Aussatz einem befreundeten Gelehrten, eer sich sehr eingehend mit cnltiirhistorischen 2Indien dcichäsiigl. Tie Red. T j sondern auch die nolhwendigc .folge dieses .Anstandes, und dieser ^n-! stand, die Wurzel, der Nährboden des Antisemitismus, ist eben -ins j Auge zn fasten und u> bessern, wenn man alle widerlichen Auswitckise der hcnligcn europäischen- Gesellschaft beseitigen will. ES hat. zn iiflen feilen nngcrcchtc, brutale Menschen und Parteien gegeben, aber niemals : haue man sich mit dieser Ungerechtigkeit, mit dieser Brutalität gebrüstet, niemals diese Eigenschaften als Tugenden dcclarirt: gehl wird die . chöchste Lchlcchtigteil zum höchste» Gut erklärt, man ist. um variirt mit flank zu sprechen, bei. der. radiealen Bosheit"stiilgelaiigf' BP:»» das so ist, so müssen große Menschcumassen in ihrci» tiefsten Anncrii! verderbt sein, und da man sic doch nicht vernichten tan»/ so müssen sic-gebcstcrt werden, man muß sie moralisch heben. Ein solcher Ausdruck muß unbedingt den Eindruck des Komischen machen: man denkt an die heftige Zielbewußtheit d'cr Führer und" der! Angeführten, an die jvlnlls von, allerdings sophistischen, Argnmen j tationcn in Reden nsid Pamphleten, kurz an den ganzen Viuiii der ■ Lchandlitcratnr, der Lchaudvcrsammlungcn und der Lchandlhatcn der i Menschengruppcn in Europa, die inan jcijt fast allein mir hört »nd nun komnst jemand mit dem Plane, solche Menschen „moralisch i zn hebe»"! Und doch ist der Gedanke richtig. Es ist nur ei» Irrthnm f zn der ^cit, wenn man daran verzwetfelk, nur die Ungeduld trägt i daran Lchnld, wenn man eS für unmöglich hült,^von innen heraus ' verderbte Mciilchcnmastcn zu bessern : cS - gehl allerdings langsam, leider sehr langsam, aber män kommt doch ans Hel. „Wer die Lchnle i» der Hand hat, dem gehört die Ankunft," daSDzlaubt man schon, und. das ist auch richtig: cs ist nur noch nvthig, wciterzngchcn und die „Lchnle" sticht nur ans die Kinder und jungen Nute zn beziehen, sondern auch aus die Erwachsene», und man muß allerdings mit äußerster Geduld -rauch bei diesen seinen Hveck erreichen: um», es gelungen ist, Erwachsene durch beharrliche mündliche und fdnirtLidu‘. Agitation schlecht zn machen, io muß es auch gelingen, sie ans analogem Wege gut und gesittet zn machen. Wir hatten schon oben der Bcreinc znr Abwehr des Anlisemilismns erwähnt »nd verweisen mm ' auf eine andere, mehr ins Allgemeine gehende Gründung, rcspeetive - moralische 'Bewegung, die sogenannte. Egfdn'iche Beiveizung. Egidy ist, wie wohl vielen der Veier betanlit sein wird, ein im üinliestande befindlicher ,'ächsischcr Hniarenofsieier. der eine Broschüre, „Ernste Gedanken", vcrössenllichle, in ,folge deren er den heftigsten Angriffen der Drihodoren ansgeievl war., hiedurch^ eine ziemlich reichliche Broschsirenlitcralut hervorrics und in jüngster ^eil behufs Propagirnng seiner fldec» oisenlliche Borlräg-- hiell. fiept hat sich Egidy.mil Professor Vehmanu-Hohenberg i» Stiel zur Herausgabe einer Zeitschrift-verbunden, und eben jevt erscheint das erste Heft derselbe»: sie heißt: „Einiges E h r i st c n l h »m, Boltsschrist znr jvördcrung der Bestreblingen M. v. Egidy's." Was ivill nnn Egidy und seine Zeitschrift? „ES handelt sich," womöglicli führen wir feine eigenen 'Worte Mi, „um Ausbreitung des ciirigen Ehristenthnnis, der sticligion ohne. Dogma, d. h.'ohnc allgemein vtr bindlichcs Bekenntniß, um Bcrtündignng der frohen Botickmfr, daß das wahre McttfÄ>cnthum sich, auf der Erde zn verwirkliche» beginnt . . . Echte Gottesfurcht und wahres Wissen schließen einander nicht'ans, wie das Moltte's hinterlasiciir'' .T rosig cd an teil' beweisen, und nur in einem Einigen Ehristcnlhni» liegt ' die Vöfung aller socialen .fragen: zn diesem ^iveijc muß immer iveilcren A4 reifen eine höhere Bildung zugänglich gemacht werden, daher sollen i» B o l k's i ch r i i l e» alle sociale» .fragen besprochen werden und an Ltellc des Lich Trennens in Bekenntnissen und patriotischen Haders soll ein Einiges Etirillen thnm treten." Die hcranszugebenden Bolksschriiteu.-sollen nun alle