Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 26 (2.10.1892)
- Date
- 1892-10-02
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Freies Blatt. Nr. 26. Seite 6.;u ilncn (''liiiftoii ^iiiifflcl'cii, wohl auch zngestanden werden müffen, das;, wenn eilte allerdings tauui nachweisbare höhere Befähigung, so doch int Allgenieincn ein vielleicht regerer jvlcijj aus Leiten der jüdi scheu Sindnrenden vorlianden ist." Es wäre iukcrcssaut zu wissen, wie . i’idt die Bethältniffe in dei selben Hinsicht bei und gestalten, und wie viele Lenlesker die Belhäiigung niiverfalsch! gcrinanischcr -Gesinnung UNS Biervolenz bei unserer ch-isilichen akadeuiischcn Jugend fordert, lDas Gltichniß vom barmhcrzigrn LamaritLr.»?ic sogenannte - duiücidu'''Vtova! der Antiseniiten bat neulich durch einen christlichen Pi.iester von der äi-anzel and eine scharfe Beleuchtung erfahren. An 'einem der lepken Sonntage sprach Prediger Hoßbach in der „Neuen ■'iitcln" tu B erli n zn der «^enicinde über das Evangelinni vorn bari»ber;igeii Laniariker. Er führte dabei and, inan sollte eigentlich voransiepen, das; 'anch, der einfältigste Mensch dieses klare Gleichnis; »i'fovt veisieben niiiffe i ein sei jedoch nicht so. Wie die ail'iscinitischc Bewegnirg zeige, besännen sich nianchc Ehrisle» ans die i^rnndfordcniiigen des ElnisienilinniS recht wenig Neulich liabe ihm Neuland, der sich als „Besucher der Neuen Etliche" nnlclzeichnete, in einein Briese einen Bonvnrf daraus gemacht, dag er, Prediger Hoßback,, feine 'Aainensiinlerichiiir z» eineni Aufruf hcrgegebcn liabe,' welcher bezweckte, eilu-v ilidi'chSn Familie, die durch Unverstand der Ehristen rninirt ivoiden war, wieder a»f;uhclfen. Hieraus könne inan ersehe», dag es sogar »och heute christliche Kirchenbesncher gebe, -die denr Samariter von 'einem Beerte abralben unler dein Hinweis, dag der unter die Mörder «''efattene ja ein Jude lei, dein ein Elinst nicht hclfeii dürfe, »nd den Laniariter gewiffermaße», anfforderten, dein Priester im Gleichnis; zn iolgen. 'A'aiürlich war Herr Prediger Hoßbach in Folge dessen gar bald (Gegenstand der deftigsten Angriffe von Leite der Antiseinitcn und Ulirainonlanen. Jeni veröstenklicht er i»i „Evangelischen t^ciucindeboten" den Wortlaut seiner Ausführungen und erklärt int Anschlag . lneian. ,dast er ivegen seiner rlcede von anliseuiilkicher Leite mit Lchinälinngen iiberliänsi und n A. beschuldigt werde, cr sei von den Inden be.st.ockieii worden, oit einer Ponlarle mit gebildeter weibsicher Handselntff wurde er sogar gefragt, wie viel Geld cr für diese P»edigt von di',, Inden eiiivraiigen babe Herr Hogbach benicrtl hierzu: ,. C l> >olche Anslasfnngen und Perdäclilignngcn iinstande sind, nicinc O'eineinde an mir irre zn mache». Hing ich dahingestellt sei» lasten. /Mick, bat diese Anfnalime, die meine Beoltc in anliseinitischen Kreise» gesunden liabe», nur in der Ueberzengnng bestärken könne», die ich in meiiier Predige ausgesprochen habe,' das; durch die a n l isc in i t i f d) c B e iv e g n n g >e ine V e i d c n s ch a f l des H a s s e s g r o ß g c z o g e n i st, d i e den Boden d c s E h r i st e n t l> n in s n n l c r de n ,v ii gen v cr I o 11 u b a l und ei n cs christlich sein wollenden Polles' nn würdig ist: mich Hai sic nur in der Ueberzengnng befestigt, dag es nölbig >var, den Finger auf diese Wunde in.nnscrein christlicheii Bvllsleben zu legen, . in der Ucbcrzcnching, dag cs für citren evan ..Uli'duit «''eistlichen, der in seiner Gemeinde christlichcs t'cben erwecke»' und pflegen soll, solche» Krantlieilserscheinungen gegenüber nicht bloß tem ''ud)t, sonder» sein^ gebieterische Pflicht ist, seiner Genieinde.znzn , ini'en: .Pergester nicht!'welches Geistes minder ihr >cid-- Vtcufltcdll gcgcn Dell Alltiieillllismus. i Der denlsd,e Social deinotrai i c b k » e ch k hat stä, anläßlich seiner Dlieilnahiue an dein Lo.iasisteifeongrcß;» Map seilte gegenüber cincni »cnterviewer and) über - de» Antiseniittsiuns geäußert. „ Deulsckiländ," sagte Viebkuecht, „wild sidi durdi die Macher der a»liseuiikisd)e» Bewegung itidit irre t.ilneu lassen Tic denische» Antisemiten sind anders??.t als die sranzvstscheii, diei'e sind Vninpe! r-,»,„u>>« - i», Dienste der. - sendalen >''>oßgi«ndb.iivcr Das deutsche.Bolk-lenn't sic aber schon und weiß, das; d;v Aniiseinilen wie die entwischenden Diebe idjveieit: Haltet d a> ' . Die Irenen /yrciinDC. Der „Agitationsausschnß der Antisemiten Nviddeinkdiländs.". weldier in voriger Woche in Berlin znsanlnientrat, beidiloß, i» dem Neichstagswahlkreise Friedeberg Abnswaldc einen eigenen anliiciniistchen Eandidaten ansznstellen Es bestehen dort ieit?>abre-'srist drei etiiti'emitttdie Bcreinc, und inan hasst umsomehr Aussicht aus Erfolg zn haben, als der von den Eoiiscrvativcn, wie man meint, in Aussicht genommene Eandidat, Kaninierherr v. Brandt, stdi lni verschiedenen 's'eleg.nl,eiten nachdrücklich gegen die antiseinitische Bewegung ausgesprochen lmt. Die Eonservativen scheinen jedodi von .diesem Eiiiaiieipationsvcrsuchc der lrcndentschen Berbündctcn »id>t lande,lidi entzückt;n seine Mein l>'oit, die Mnckerei hat die Anti semiic» dodi »idil dazu groggezogc», das; sic am Ende ans ihrer Wiese grase» . Wir versieben gar wob! die sanertöpstsche Llinimnng der .„Kienzzeiliing", welche de» „Herren Anliseinitk'n dringend ralhet, ihre ngileugbare Agitationsfiai't vor allen Dingen dort zu verivertben, wo es gilt, liberale, d. b ausgesprochen jndeiifrcundliche Eandidaten zn b tämpsen. L er Lchad'n, den Angriste gegen die Eonservativen an . richte», fällt doch nur auf sic selbst zurück, denn ohne deren Unterstützung wird die Bewegung gegen das Jndenthuin niemals von Erfolg begleitet sein." Es fragt sich nnn, ob die Herren Antisemiten diesen zarten Wink verstehen nnd auS' purblanker arischer Bnndestreue den Eonservativen auch nur die blaffe Hoffnung auf'ein Mandat opfern werden. lE'ilic Iiciltrlicht Zurilckwkisultst.) Bei dem ' RoyalistenBankelt in M ontanban hat der Antisemitismus nnn auch von Seite der sttopalisten wie früher von den Iinpcrialiste» eine Absage erhalten. Elraf d'Hanssonville sagte in seiner großen Rede, die er als Bertreter dcS Grafen von Paris hielt, u. A.: „Das Königthum hatte die wahre Brüderlichkeit nnd den religiösen Frieden beffer gewahrt, als es die französische Revolution gethan, die das Königthum in seinem B?crke unterbrach. Dcr religiöse Friede scheint wieder bedroht durch eine beklagenswerthe Bewegung von stcepreffalicn, die nngcrechtcrmcise gegen eine ganzS Kategorie von Bürgern gerichtet ist, von denen vielleicht cinzelne so nnbcdad)! waren, Borwände Z» liefern für diese Eampagne." E-llit confcrtntiuc Ltiiiimc grqcu dir Seclcnpcst.) Der Führer d^' Eonservativen nnd nahe Geistesverwandte-Stöcker's auf doginatifcheiu k^ebiete Dr. K » i p c r fällt int Amsterdamer „St;,iidaard‘ ein vernichtendes Urtheil über die (lndenhetzen in Lldenzaal und über den Antisemitismus im Allgemeinen. „Die Bewegung," schreibt Kniper, „welche unter den -Bewohner« von Dldcnzaal.gegen die daselbst wohnenden Juden entstanden ist, gereicht unserem Vanbc nicht zur Ehre. Der Antisemitismus, der in Rußland, lDssterrcich, Frankreich nnd Deutschland aus localen nnd nationalen Berhältnissen vielleicht zu erklären ist, ist in unserem s?ande in keiner 3i?cifc gerechtfertigt. Bon irgend einem durch die Juden ans die Bevölkerung ansgeübten Drucke kann bei n»S leine Red): sein, lind wenn die Juden hierzulande auf den Geldmarkt, die Presse und die Politik einen Einfluß haben, der in keinem Bcrhältniß zn ihrer Anzahl steht, so ist dies ebenso die Folge ihrer Energie und ihres Fleißes, wie der Vanheit und Zerfahrenheit eines Dheiles der sogenannte» christ lichc» Bevölkerung. Dürfen wir auch von »nserm Standpunkle a»S vor den in mancher Hinsicht bedenklichen Folgen, welche dieser über Liegende jüdisck>e Eiifflnß ans uns haben kann, die Augen nicht verichließe», so darf dagegen nie anders als mit den Btaffen des tffeistes gekämpft werden. Für eine feindselige Gesinnung ist bei uns kein R"anni, nnd überdies wäre es ein Lchandfleck für unser; nationales <''iiitved)t, wen» Tumulte, wie sie die Bürgerschaft von Dldenzaal erfahren, anderswo Nachfolge sinde» würden." xSiiiii Schuht Der unrtliütinjtlid) Schwächeren.) -I», heiligen :>,P,ßland hat inan bereits wieder eine die Juden betreffende Maßregel veranlaßt, die ausschließlich „znni Lchnpe der wirlhschaftlich Schwächeren" dient. B:ie denr „l»:tilv < 'Iirnui<-Ie“ ans Sdeffa gemeldet ivird, hat die rnssffche Regierung den Inden verboten, ihreck Kindern christliche Bornajiien zn geben. In Hinknnft sollen nur hebräische erlaubt sein. (x\iiDi|(l,C Bllltlhgtcll.) Ans D a IN äsen s, der elassischeu Stätte sogenannter „Ritnalinorde", berichtet man schon wieder über einen Bersnch, die Bevölkerung durch ei» erfundenes Blutniärchen gegen die Inden ansznhepen. Mehrere herabgekomniene Gesellen, die unbekannt geblieben sind, brachten ani frühen Morgen einen Ehristenknaben in —I das Hans eines gewissen Atti>-, eines der Notabel» der hiesigen jüdi fdKtt t^emeiiide. Die Hausbewohner lagen noch i» tiefem Schlafe, als die Männer die l^elegenheit benützte», durch eine Dhür, die ei» Diener offen gelassen.hatte, das Kind in de» Hausflur zu schieben; hieraus versdjloffen sie die Dhüre und verschwanden. Eine Stunde später schon war das ganze griechische Biertel in Anfrnhr; inan suchte das Kind nnd beschuldigte die Inden öffentlich, dasselbe entführt zn haben, tu» es zn „rituellen „Zwecken" zn schlachten. Tie Rädelsführer wußten nnn nichts Eiligeres;» thnn, als das tfferücht zn verbreiten, daß man das.Kind in Atti--'s Hanse sinden würde. Sofort wurde das Hans erstürmt, die Dhüre erbrochen nnd die Bewohnerschaft mißhandelt.. 1 Man fand auch bald das Kind, welches ruhig int Garten saß und ein Ltück Brot verzehrte. Glücklicherweise sind Herr Attiü nnd seine Familie französische Unlerlhanen und stehen bei der Bevölkerung in hohem Ansehen: wer weiß, was sonst mit ihnen geschehen wäre. Die Anfsindnng des Kindes und. seine Angaben hielten die Eltern desselben jedvck) »ick>t zurück, die Angelegenheit dem Gerichte zn übergeben und gegen die Familie Atli-'- die Anklage wegen Entführung aus bös- - ivilliger Absicht z» erheben. Das Elericht wies jedoch die Anllage ziirück. — And, ans Ä)> edeah in Algier wird über einen ähnlichen Fall berichtet. Zwischen dein jüdischen Besitzer eines Eafn und? einem Araber entstand Streit, bei welchem letzterer verwundet ö wurde. Am folgenden Tage verbreitete sich das Gerücht, daß die Inden einen Araber getödlct hätten, welches Berbrechen durch die -lciederinetzelnng aller Juden gerächt werden müßte. Glücklicherweise wurde die Ausführung dieser Drohung durch die Wachsamkeit der