Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 26 (2.10.1892)
- Date
- 1892-10-02
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 26. Freies Blatt. 4r >ie schändliche Beschuldigung des RitiialmordeS gegen Juden;» crbcbcii — eine Beschuldigung, die ja auch den, Proecssc in tilcoc;» -,nindc lag, Uber den Herr Rohling i» so schamloser Weise sich geäußert hat." <Tic Inden und das Tciitschthiii» i» «tcicriunrf.) Bei der riii’,lid). erfolgten Einweihung des ncncn jüdische» Tcmpclf* in (^ r a; hielt Herr 05 ii bemann ans Wien eine Ansprache, in welcher er die Bcrdicnstc der Juden als Weiter träger deutscher Enltur und i enlscher Sprache mit folgenden Worten treffend lc»»;cichnctc: „Heute, -ii rage der Einweihung, nimmt das Jndcnthnin StcicrniarkS wieder Jaden seiner geschichtlichen Eniwictliiug ans, der vor vierhundert vdlirai abriß. AnS der Geschichte des Judciithums geht hervor, daß die »de» dieser Proviu; große, ihnen heute nicht gedanlte erdie»stc um die I ö r d e i n n g der Eiiltnr, der dentsche» ultur in diesem Vatibc sich erwarben! Tie deutsche Enltnr! >n damals an dcn.Juden, eifrige Pfleger gcftindcn, hier wohnten iaht . ichc deutsche Inden und mit Viebe und Fähigkeit bildeten sie gleichsam '.uwillige Wachtposten am Schatze der deutschen Sprache und deutschen Sttc, und wer weiß, wenn man sic vor -ttN> Ialsd^ii nicht ertricbcn hätte, ob die nicht heute besser crnalte» viirctt. Die Inden brachten die deutsche Sprache und deutsches Wesen bis Italien. Hier ist cs also am wenigsten geiechtfcrtigtWgeacn r:o Inden das Tcutschthnm' auSznspiclen, als ob cs ihnen fremd »ad oeiäigiltig wäre. Die Geschichte lehrt das Gegcnlheil, und mcij/ic Joiichungc», an deren Anfang wir erst stehen, werden ^s bekräsljcsen." Indenhetzen i» einem rntheuische» Torfe.« M-^in^Toise .ei erte im Marniaroscr Eomitat kam cS am Äl. September gn ge allthätigcn Ansschreitniigen der rnchcnischen Bevölkerung gegen die nussigen Inden, denen die Gcndarnicric nur mit der Androhung der ■ meiste» Mittel ein Ende setzen konnte. Im Hanse des Einwol>ners >gnai Af (ein brach Jcucr ans. Tie Bevöllernng sah anfangs rnlsig ■,»; ■ü als der <Gemeindevorsteher sic ausinerksain .machte, welche (Gefahr eigenen Häuser bedrohe, betheiligtc sic sich an de» Rettungs . •iiii'ii. Indessen war wischen rnthcnischcn und jüdischen Bcwolinern n Wortwechsel entstände»; der junge griechisch tatholische Priester >!adar Ionibor kletterte ans das Dach des Klein'schen Hanfes niid! gan» dasselbe mit einer Hacke ansziireißen. Iwci stcädclssührcr daran nirtcn diel Menge, welche in das Kleiu'sche Hans stürmte und dort ,'0!es zertrümmerte. Im ^aden Kleins wurde den Plünderer» von der .cinan^wache Widerstand ciitgcgcngesehl. Ter Besitzer /wurde mit dem e ode bedroht, bald darauf wurde» alle Jude» in der <^c :n c i n b e IN ißl> andel t. Ter Torsnotär, der;»IN Schulze der Inden l rbeicittc, mußte sich vor der Menge in sei» Hans, cinfchlicßeii, da er mit dem Tode.bedroht wurde. Tie ti'cndarmerie traf in dem Momente >n. als dir Vage für die Inden im Srtc eine böchst bedrvblicl>e;» irerden begann, da die gange Bevölkerung sich gusammengcrottct batte, in die Inden gu erschlage». Tic Gcndainicrie benahm fiä> 'elir besoiincn: die aufgeregte Menge wollte auch aus die Gendarnicrii insiürinen, um dieselbe;n entwaffnen, und versuchte gwei Atlagnen. r er Wachtmeister befahl, scharf gu laden, cs gelang jedoch der <^e» arnierie, die B,'enge mit den Bajonnetten auscinandcrgulreiben, ohne lnc» Schuß abzngcbc». Tic Haupträdelsfühicr wurden inder folgenden .'»acht verhaftet. Tic gerichtliche llutcrstichung ist im ,^uge. Ei» srillitischrr Rnlistttlil.» Teil semitisch antisemitische» Talmnd iiloritäten n In Brinian scheint nun einmal kein gutes Ende befchicden ' l» Am l'O September ist in Berlin der von den Antisemiten als 1 roorragender Talnindkenner i» Anspruch genommene Paulus Me»er ober dessen Provcnicng auch Rr. -I des freien Blattes einiges Jntcr 'faule mitthciltc), nach einer antisemitischen Bcrsamuilniig, in welcher er >s Redner über das Blulmärchcn aufgctrctcn war, verhaftet worden.! wurde' zwar am anderen Morgen wieder ans der. -East entlassen, ivnrdc ihm aber der Befehl crtheilt, binnen vier Wochen das »tschc Reichsgebiet gn verlassen. Mchcr, früher Jude angeblich b'abbiuatseandidat), trat ginn Ehristcnihnm über und wurde (Geschäfts ittiiniiit. Er stützte sich dabei aufseine angebliche Talmndkenntniß, oetrcibl die Jabricakion antisemitischer Broschüren und Jlngblätler und übersetzt und fälscht über Bestellung antisemitischer Knude» jüdische liebele, 3teilen aus dem Talmud n. s. w. lieber den Anlaß gn Meyers Per Haftung liegen verschiedene l^crüchtc vor; die Einen behaupten, cs handle sich nicht nm ein gemeines Bcrbrcchcn, sondern um die Ausweisung (Meyer ist Rnsic), weil er sich „lästig gemacht" habe. Rach Anderen handle es sich in» die Unterschlagung von (Geldbeträgen, welche Mener >» seiner früheren Eigenschaft als Judeninissionär begangen h.ibe» soll: selbstverständlich suchen seine Jrcundc die Ausweisung des brauch baren Renegaten auf geheime Jndcnniachenschastcn zniückziiführen. In antisemitischen Kreisen hegt man indessen die Hossunng, daß dem ausgcwiesencli Meyer doch noch eine längere Anscutha>tssrist bewilligt Seite ft werden wird. Es ist bereits beschlossen, von »ichrcrcn Seiten ans Eingaben an den Minister des Innern ',n machen, mit der Bitte, wenigstens bis Schluß des Jahres dem Manne den Aufenthalt i» Preußen;n gestatten. Jur Begründung wird angeführt, daß Melier angc»bti»klich damit beschäftigt ist, mehrere wichtige Jrägen, die Vehrcn des Talmud betreffend, (it bearbeiten. Es sind ihm hic^n'bestimmte Aufträge cithcilt, und die antifcnokischen Bcreinc habe» cs überuoinnien, während dieser Icit für die Lebensstellung B,'eyer's Sorge zu tragen. Tic Arbeiten, mit denen Mc»er beschäftigt ist, belreiien einerseits die Jragc der jüdischen Blntinorde, zu -welcher Bicher ans einer älteren Taliiindansgal'c sehr wesentliche Beiträge liefern zu tönnc» glaubt, und andererseits die Gebote des S.hiilclmii Ann-Ii. Es war in Aussicht genommen, Meyer als Sachverständigen in einem gegen Herrn Hildes' heimer anhäügigen Proecssc vorznsrhlagc», damit er ans t^innd feiner angeblichen Kenntnis; der Rabbincrschnlcn ein Urlhcil darüber abgcbe, wie weit noch -heute der ScFitilolmu Arin-Ii die (^inndlagc für , de» jüdischen Religionsunterricht darbietct. Es bleibt allerdings höchst fraglich, ob die preußische Jnstftbehörde über die "Kenntnisse Meyer s gleich c,»st denkt, wie die fromme. „Krenzzcilnng", welche d»is Alles in dein seriöseste» Tone berichtet, und ob sie von der Tringlichkeit der unter Ai'cycr'ö Jeder befindlichen wichtigen' Arbeiten ebenso Überzeugt ist, wie die Auftraggeber des'semitischen Antisemiten. Indes nüyt dieser seine Jrciheit gut aus, geht, wie wir an anderer Stelle berichte», in Bersanimlnngcn und liefert dort nnnmstößlichc Beweise dafür, das; der Jude Blut rituellen Zwecke» verwende. - (C'in. „Mcrk's" siir die ükadciuischt oiiflrnö.> Tie A»i.tsenlii»» jammern »ns immer die Shreu voll von der licbcrsnllung aller Stände durch die Inden und von der llcbcrschiveiiininng d»ü llniversitäten diinch solche. Warum man de» Inden einen Bvrwnrs daraus machen soll, daß sie mehr in l,öhcre sociale Sphären treten und sich mit Börlicbe der Wissenschaft widmen wollen, mag iiur ein antisemitischer Beistand be greife». Wenn inan aber scljon soitwährcnd von der 'Bcrkür',nng christlicher Akademiker durch jüiAfche spricht, so kommt doch noch ein Monient in Betracht: Wer läßt cs sich gngetegcner sein, seine Studienzeit i» bennpcn und das vorgestecbte .^icl ',» erreichen, der christliche oder der jüdische Student? Ei» interessantes Streiflicht ans diese Jrage werfen einige >snsan»ncnstclliingc», welche die in Tent'chland erscheinende „Statistische E orrcspondcn'," mit Bc',ng ans die bind) den Bcilitär dienst bedingte Bcrlängernng der S>»d>e»do»cr macht: die durchschnittliche Studiendauer betrug für .die in de» Jahre» bis l -auf de» preußischen, llniveiyiläten studierenden Angehörigen des Dcntfclie» stceiches: ' . - . ' k! ' U .U'Pl.nt ' iKfunt l Hl'il'lMlH’t ' ' t», k>rN jj dark ii ■ISMj.ll i , - .. •i - - ,11 .• H r "" 0 - - 1 1 v\nrifmi: _ . i *: '■ " - | crvangelijetie» ' 1 :;S! -> 17 ' 71;! »talholiiäien S- -- 7 .V.! Juden ' 1! 7-.M c:-'.»7 i Mcdtliiicru: 't - i '; EvaugelNtlien ] IW ):> 'nt Ir'.'," .»taiboli'ä»» l _• 11 I J 7o 1:! I-J Ine,-» . . I l itt 11*11 Philologe», Historiker»: 11■>:; l'J I" cLrangeliiän'n! . .:■■■ l()St 11 j:: .»iatholiiüheu . I 1 75ii—. . Juden >:!-«»» 7 1 :> t!2 Malbcinatilcrii, Riittirivijseuschasllcrti: . ^_^ | Evaugelinhe» M 11 II lo »taibolüchen , Iü 7.1 i! lr't'l i:; l:; Juden!! 12-'. 11 -:!«> „Ans den .vorstehende» Wahlen," io bcmerlt hie;n die „Rord den tsct>c Allgemeine rseitnng", „geht deutlich hervsr, daß die Inden int (Ringen mehr als die Ehristen bestrebt sind, den Anseiithali ans der Universität ans die vorschristsinäßige B'if »» bcschrüiilcn. Be sonders scharf tritt dieses ihr Bestreben bei den , Medieinern hervor, für welche, wenn sie nicht gedient hatten, eine durchschnitlliche Studie» daner von nur 1«> S7 Semestern crinittell ist, gegen l I bei. den Evangelischen und I- 14 Semestern bei den Katholiken. Selbst in den Jällcn, wo die jüdische» Medieiner gedient halten, bleibt ihre dnrcli schnittliche Stndiendancr wesentlich hinter der der Ehriske»;urücl. Äjst die Inden in besonders jungem Lebensalter ',»r Universität tamniAi, so verlassen sic dieselbe - dies '/igt sich iniiner wieder auch nach türierem Anfeiithalte. . Es wird demnach, schon alle andere» Einstüssc