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Freies Blatt · 1892-10-02 · 26 (2.10.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
26 (2.10.1892)
Date
1892-10-02
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Freies liniitcic Mitkämpfer willkommen. Und das war recht, ititb so sollte eS auch heute sein! I'ie Stellung der Deutschen in Oesterreich ist wahrluiilig vlniedieö eine allgemein bcb.oljte üub geschwächte. Die deutschen Otcitraten, die ihre Schlagwovte ron jenseits der Berge holen und sich nur »le- <'\ube Roms geriren — wir werden sie niemals für die Dache des deutschen Bolkes gewinnen. -Die gehen mit unseren (Gegnern und seldü ivenn diese Gegner Tschechen heißen. Auch die einflußreickp: V elfte der iveitbaleii, sie wirb niemals die Interessen deutscher Bürger und Bauer», sondern nur ihren e.igenen StandeSvortheil berücksichtigen, sie wird niemals von dein Bestreben ablassen, ihre goldene Zeit, das Mittelalter znvückznbvingen. Vi a ch d e in das D e u t s ch t h u in durch dieie /v a h n e u st n ch t ohnedies schon sehr.^^Hlvächt ist, bringen diese A u t i s e in i t e 11 s o g a r nnter/die Bürger n n d B a n e r ii d e n Abfall II n d d i e Z e r s p l/t t e r u II g » n d 1' i i' d) e n d a in i t dem deutschen W i d e r st a n V g c g e ii Slavis Ni n s n II d Reaetion die Wirbelsäule, sin Alles,'was bisher der den liehe ,vreisin» geichassen, in die Gesangvereine, in die Tuinvereine, in den Schnlverei». in, jedes gesellige ’ Vebeii bringen sie llneinigkeit. Dchivachnug nnd^ Bevhepnng. Wahrhaftig, weder T ' ch e ch e u nod| R o mlinge haben das D e n t s ch t h u in s o >eli'. geschädigt, wie diese nachdem D a k t e v o n S chöncrer's K n u v p e l - in a r' ch i,e r e n d e n d e u t s ch n a t i o n a l e n Anti s eilt i t e il. Wenn iel) also in einer Zeit, wo der deutsche Rationalismus noch nnchesteckt vom Aniüenuiisinns dastand,- wirklich schivanken konnte, ob i,ii mich für die deutsch nationale oder deutsch liberale Fraktion ent iilieit.u tollte io konnte heute bei mir kein Zweifel mehr sein. Die L eiit'cheu Deüerreichs, nanientlich in den nördlichen Provinzen, kämpfen uni litte naiionale liriftcir,. Ringsum von iveiiibeii umgeben, können ne Äeiiibe im eigenen Vager am wenigsten gebrauchen!" Die Cl>itigkeit der 2littisennten im Landtage. Tei niederosterieichische Vandtag ist, <s'ött Vob! wieder vertagt, r i. dieie Bertagung ausiprecheudeii 'Worte .des Vandmarschalls klangen gtiade;» wie eine Erlösung, denn die Vandstube war während des I.plen kurten Abscliiiitles ihrer Dhätigkeit Schauplatz von Svenen geivoiden, IN, deren Benrtheiliing der Sprache gebildeter Menschen die Worte ab'gel' n. »Va es ist selbst ein Iiiidennirbares-Gefühl, das Nils beitritnliigt angesichts einer solchen Schändung des Parlainentarismus, ines' 'olch'n Mißbrauches der Immunität, solcher Besndelnng alleS denen, was die Menschheit bisher als Hoch uiiblSbel verehrt, angesichts io tliieriicher Berrohung, 'lvahnsinniger Ueberheltiug, srevlerischev Berhiitnug, kur-, alles jenes Unvathes, denen Ablagerung Sie «rntiieniiii'che uiuv.tnei t^regorig Bei ganp Schneider Vueger in der nieder ' österreichischen Vandstnbe während der letzten Woche besorgte Es. wird uns wahrlich nicht leicht, hier Dinge;n wiederholen, w.lche das morali'che (Gefühl beleidigen und tun besteil vergessen werde». Allein ivir halten cs für untere, wenn auch schwere Pflicht, den Wählern der Stadt Wien eininal zu zeigen, wäS ihre Bertranensiu.iniier in einem Benretungskövper in der kurzen Zeit einer Woche slkes zu leisten imstande sind. Rachdein lue Antisemiten in den ersten Stvnngen ein Steuerwerk viugiger,; ii ui L heil durch die Zeit bereits gegenstandslos gewordener Interpellationen abgebrannt hatten, meinten sie, nun sei es am besten, die Vandstube .zu schließen t:nd nach Hause zu gehen Die Mehrzahl der Vandtagsabgeordneten erlaubte sich jedoch, anderer Meinung;it 'ein. ii!-: iV Vueger, da es eine ganze Reihe für das Vaud höchst wichtiger und dringender Borlagen zn erledigen gab, die Subventio- »iinng zalilieicher bnnianen oder sanitären Zwecken dienstbarer Gesellschaiten und Bereute, Arbeiter Kranken- und Unterstntznngscasien, des Vieintadier Hiltsoereines für ad lei n gew er be t re i bend e sowie einiger l a ii d iv i 11 b > ch a s t l i ch e r Beveiue betresiend. Die Antiseiniten, welche tonn aais'chli.glich für das Wollt des Bolkes sorgen, fanden merkwii! dig^n^-^esmal, daß die Snbrentioiiirnng solcher lediglich dein Boik'-wob! dienet^er nftititic wohl auch ein paar. Monate warten •■'min', und waieu über die Zuiüäweiiniig ihres Bertagungsanlrages >o eii’.ttest. daß ne die Berhaiidlnngen des Handtages aus jede mögliche Wei'e zn störe» beichtosien. a ie nachtte geni'.!! hiezu bot sich in der Sitzung vom -- September anläßlich 'e:::«s Antrages betresiend den Ean einer Kuhveä.v.unr'stosi Erz-'iigungs.instalt ini «harten der .niederösterreichischen Vau'es Findelanstalt. Wie lederinann einsieht, mußte, dies für den Abgeordneten Bergani di passendste (Gelegenheit sein, I anS der ihm ziveifellos eigenen inedwinüchen siachkeuiitniß heraus die Schutzpockentnip'ung überhaupt für eine verfehlte Heilmethode, 2. die medicinische 23 t a I t. Nr. 26. Wisienschaft für bloßen Autoritätsglauben und 3. als den einzig wahren Medicinmann Pfarrer Kneipp zu erklären. Nachdem Lueger noch in höchst sachlicher Weise unter dem Beifall der Antiseiniten constallirt, daß es sehr viele alte Weiber gebe, die gescheidter seien als die Doetoren, erhob sich Gregorig und stellte in aller Eile nun noch Folgendes fest: >l. Daß die Impfung ein „Schwindel" ist; '2. daß die medicinischen 'Autoritäten nur „mit der Wisienschaft flunkern"; 3. daß „das Ganze eine Geschäftsmacherei in der Wisienschaft sei, die Aerzte den Apothekern und die Apotheker den Aerzten in die Hände arbeiten", und endlich 4. daß die meisten Aerzte ja doch — Inden seien. Dort endete die ^Debatte über einen rein unpolitischen Antrag dankder Rohheit und Unwissenheit der" Autiseniiten, und wieder war durch die der freien Wissenschaft entgegengebrachte Feindseligkeit der Beweis erbracht, wie sklavisch die Antisemiten dem Willen ihrer reaktionären Freunde und Dunkelmänner unterworfen seien. Das Pensum jeneö Tages war aber noch nicht aufgearbeitet. Anläßlich eines Antrages, zur Berhütung von Eleinentarschäden Schutzbauten an der Donau und March herzustellen, fühlte sich Gregorig abermals zu einer Philippika gegen die natürlich - jüdische Donauregulirungsgesellschäft inspirirt. Wer so Gregorig'S Anwürfe gegen die Gesellschaft und gegen die Eommission anhörte, hätte ihm wirklich die weitestgehenden Fach- und Sachkenntnisse zunintheii und seine Kritik für eine ehrliche halten können, wenn nun nicht nach ihm wirkliche Fach Männer und Eingeweihte anfgetreten wären, vor deren Beweisführung alle Behauptungen Gregorig'S wie Papiermännchen im Winde umsielen. Als der Herr Statthalter sich auf vier der bedentendsten technischen Eaparitäten und Experten berief, kam es zu einer zweiten Abschlachtung des „Autoritätenglaubens", eine Dhatsache, die freilich nach der Bemerkung des Dr. Sneß tun so merkmürdiger an einer Partei berühren muß, welche fanatisch für den Befähigungsnachweis auf allen Gebieten ichwürmt. Rur eines Momentes ans jener Debatte wollen wir noch gedenken; Gregorig behauptete in der Donanrkgiiliruiigskoinmission herrsche ei» Bertuschnngs- und ProtectionSsystem, Protection von i^ben und-von Unten und unter einander. Die vier Mitglieder, welche der Gemeinderath in diese Eommission hingeschickt habe, seien der Bürgermeister und drei Inden, der Biceleiter des Bureau sei ein Jude, und sogar zum S troinanfseher habe man sich einen Inden ausgesucht. Auch die Beamten seien alle Juden. Hierauf erwiderte der Herr Statthalter, daß jener jüdische Biceleiter des Bureau ein in ganz Europa-, als hervorragender Hydrotechniker und äußerst tüchtiger Fachmann bekannter Mann, und daß jener Stromanfseher ein vom Staate allgestellter, wegen seiner guten Snalification mit einem Eevtisicäle versehener Unterossicier sei. Rckn, wir müffen sagen, es hieße, den Antisemiten viel zninuthen, einen Juden deshalb milder zu beurtheilen, weil er in seinem Fache ausgezeichnete Keniitnisie besitzt, sder weil er dem Staate zwölf Jahre ununterbrochen Militärdienste gewidmet hat. Wir müffen leider einige geringere Veistnngen der antisemitischen „Bolksvertreter" übergehen, so z. B. jene tumulluarische Scene, wo Gregorig die ganze liberale Partei „>vie die Schulbuben mit dem Staberl wichsen" wollte, um zu jenem Schlußessecte zu gelangen, der vielleicht Alles überbietet, was sich dreistes Demagogenthiim je in einer parlamentarischen Körperschaft heranSgenominen hat. Gemeinsames Elend und gemeinsame Gefahr pflegt sonst die Menschen milder zu stimmen, Gegensätze ivenigstens vorübergehend zu überbrücken; die Antisemiten sind aber keine Menschen wie andere; die Cholera ist fiiij sie eine willkommene (Gelegenheit, tun unter allen möglichen Titeln gegen die Juden zu Heyen und womöglich Ansnahinsgesetze gegen dieselben zu erschwindeln. So treiben sie es in den Bersammlungen, so in den Bezirksansschüsien, im Gemeiuderathe, überall nehmen sie den furcht- . baren Gast aus Asien in den Arm und zeigen ihn dem entsetzten Publicum, um cs zu (Gewalt und Raub an den Inden zu treiben. Warnt» sollten sie es im Vandtage anders treiben'? Wozu hat man sie dorthin gesandt'? Z« deut Anträge betreffend die Eröffnung eines Eredits behufs Anschaffung von Desinfecsionsmitteln hatte ein Schneider nichts Fruchtbareres beizufügen, als eine Flnth stinkendster Berdüchtigungen und' Beschimpfungen jüdischer Aerzte und der Juden im Allgemeinen Die christliche Bevölkerung, sagte er, habe kein Bertrauen zu den jüdischen Aerzten. Bei der Bezirkskrankencasie seien von 3f> Aerzte» 32 Juden, bei der Allgemeinen Krankencasie sind nur 7 Aerzte Christen, die anderen Inden. Die Regierung solle, aber nicht darauf hinwirken, daß die Bevölkerung von der Ansicht durchdrungen wird, daß die jüdischen Aerzte es darauf abgesehen haben, die christliche Bevölkerung in die Choleraspitäler zu schicken, d a in i t d o r t recht v i e l e C h r i st e n sterben. Man sehe sich einmal die Ankunft der Züge auf der Nordbahn an. Mit jedem Zug kommen 20, 30 oder 40 russische Juden her, einer ekelhafter als der

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