Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- I (1892)
- Issue
- 25 (25.9.1892)
- Date
- 1892-09-25
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 82% known words query
- IRI
…/4886575-5439132-5439229--0252-4886799- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Freie, Blatt Nr. 25. Seite 7. schein! anSschließlich eine Revanche für Kirchschlag gewesen z» sein, und in der Il,at triefte Geßmanu's nicht endcnwollcndcr Speech sörnilich voi, Gift und Galle ,egcn de» von der Liebe der Wähler ans de» Schild gehobene» Volksma»» >i>r'»awkttcr. Dieser ist für die Herren vom Ealibcr eines Lueger eben schon alb eine unbegncmc Erscheinung, weil sic durch Tr. »troliaweller« Gcsiuilttugostctigkeit beständig an de» .eigene» politischen Wankeliuulh geinahut ,»erden. Scichcm jedoch Dr. Kronawrltcr durch eine spontane Wille„sänßer,>ng »Polles zum Eandidotcn für den vornehnisteu Wahlbezirk bestiininl wurde, . isseu sich die Herren Antisemiten nicht z» fassen. Sie einpsindc» den brennende» Schlag, der ihnen dadurch von der Intelligenz Wien» vcisetzt ivird, ebeniogni ..je sie die llninöglichkcit einschcn, die Wahl. »trvnawetlcr'S durch Ausstellung ,iues Gegeiieandidalen;» verhindern. Sie habe» daher.eine andere Taktil ge- ,. .ihlt und suchen den Temokralc» »irpi>awctlcr als Feind des Capital«-und als - -nnlichcn Feind der Fndcn bei eden Wählern der inneren Stadl zn vertäch- . »chiigc». Seit wann sich die Herren der „jüdischen Großcapilalislcv" der incrcn Stadt so. warm annehineii, wissen wir nicht. Mandat haben sie dazu ..„riß leine«. Ta« Leben Dr. Kionawcller'S hat sich vor der Tefsentlichkeit ab -»»vielt nnd braucht die Sessentlichkeit nicht zu scheue». Tie paar Dnvend Lügen, '».-letie die Antiscniilcii jetzt hinciuiveben, sinden zwar in den von Hanstncchleu benvachten Versammlungen de« „Christlich soeialen' Vereines" -keinen Wider ornch, dürfte» aber auch kaum einen Wähler davon abbringe», dein gefeierten Voltsinan» üroiiaivettev seine Stimme zu geben. <Unter höherer Protection.) Die ehrwürdige» Sladtvistcr von Trvppan „ltaiien -eine beispiellose Rührigkeit, die deutsch-national anlisemilijchc Pro. pagauda ins Land zn lrage». Donnerstag, den!. d. M. veranstaltete der Ber >-and „Troppau" deS antisemitischen Germane»chunded eine Sedan s e r, an welcher Mitglieder des „Frohsinn", die Llndcntcu F-eiiatverbindung ..Germania" nnd 'verschiedene andere studenlische Vereine sowie Mitglieder deS - ,-oppaucr Turnvereines und her Tnrnerkneipe thcilnahincn. Der Dbmanii de« "rrnianenbnndcS, der Redakteur deS Troppauer deutsch national antisemitischen tSvättnblallc-, Freisiugcr, crössnele die Versaminlung mit einer Rede. Wahrend der Versaminlung wurde ein „Heil Schönerer!" auSgcbraclit, in die Anivesenden begeistert cinstiinniten- »nd dann daS „Ritter Georg" Lied fangen. An dieser Bersainmlung nahincn auch Bürgermeister Dr. Rocho . ,n«li und Viccbürgerineister Tr. »iromnier, wie bekannt Hans miMul,'» rf«, sowie inehrerc antisemitische Gcmcindcrälhe iheit Bürgermcister üto-chowanSki hielt in der Versammlnirg gleichfalls eine Rede tAvancirr!) CS würde kein Ende nehmen, wen» wir all die Versa,Um .nngen registrircii wollten, ivelchc die Anliseinile» am Gedächtnißlage der blocht von Sedan idenionstrativ, man weiß nicht recht sür oder gegen wen, vrraiistalleten. Tie tSchlachl bei Sedan haben. die österreichischen Aiitiscinileil t.'ch ebensowenig genwnnen, al« .sie da» Pulver crsnnden habe». Anjscrdei» erliefen die ineistcn «ocser Tciiionstralioncii höchst schabtonenhafl unter Ab leiernng gewisser Lieder, eil".Ruse» ans Bismarck nnd Schönerer ». dgl. Nur -a.nahnlSwcisc verdient eines oder da« andere dieser Sedan Feste eine nähere Betrachtung, jo nnzwcisclhaft da« in Bregenz am 3. September abgehaltene. TaSselbe erschien nämlich mit einer politische« Versainnilnngcn sonst nicht zu iiimenden Machtvollkommenheit bekleidet, indcin eS ein ausschließliche« »tronrechl, ->« der Adeltverleihung, ausübte. tliatürlich gilt diese Verleihimg dem ehe uialige u Ritter Georg v. Schönerer, welcher für de» Verlust dieieö PräiealeS jcvt durch de» Herzogs-Titel entschädigt wird. Ta« betrettende To nuieiit, welche« über Antrag eine« gewissen Herrn Anosler von der Bcr- 'annnkung dem Avancirtc» überschilkt wurde, lautet: „Die bei der Sedan-Feier :m jchiväbischen Meere versammelte» denlsch nationalen Genossen senden zur. Islinark Wartburg im Waldvicrtel Heil und Gruß ihretn Herzog und ver itchern ihn ihrer nnverbrüchlichen Treite." Ra also! DaS ist doch ein ausgiebige« Avaueeinent, vopi Ex Rlltcr unmittelbar zu», Herzog, und noch dazu gleich ,um Herzog der stjumut, >va« doch wohl gleichbedeutend mit Herzog von i esterreich ist? Dieser Titel war zuletzt — was auch der Herr der £ st mark. Varlburg wisse» dürfte — im Besitze eine« gewissen hochangesehcnen - -errschergeichlechleS tVo» den sächsische» Antisemiten.) >)» Leipzig fand nuiängsi eine Vetsainnilnng des deutsch socialen :II cs o r >» v e re i »e,S vor erdrückend 'leerem Hanfe statt. Dr. Erwin Bauer, welcher seil dem oft dementirten nnd immer wieder gemeldeten Rücktritte, des Leipziger Äuliiemitenhänplling« Fritsch eaS große Wort führt, erwies sich anch diedmal alS wackerer biderbcr Anti >einit, indem er seinem Vorgänger in der VcrcinSleilung einen dankbaren Esel« snßtriti versetzte. Die Agitation, sagte Tr. Bauer, müsse viel energischer de trieben werde» alS unter Th. Fritsch' Leitung, der dnrchau« nicht die »üthige Energie besaß. Wie der Bersainmlung inilgetheilt wurde, halte der Vorstand seinerzeit 150 Mark au« der VcrcinScasse genommcü, ui» eine „tüchtige »traft" nach Cleve z».schicken, welche durch geeignete Darstellu.ng Stiminnng gemacht hätte. ES sei dies sehr nöthig gewesen und auch jetzt von der größte» Wichtigkeit, da alle antiscmilischen Zeilungen vom Znslizminister von Schelling unter Anklage gestellt seien, >r»d ivohl durch jene „Stimmung« mache" ein srcisprechendcS Urtheil zu erzielen sei! De« weiteren wurde der Antrag gestellt, daß auch die Leipziger Auliseniile» gleich ihren Ge sinnnngSgenossc» in anderen deutschen Städten einen Preis von 500 Mark für die Auffindung de« Mörders de« Knaben Hcgemauu anszusetzei; hätten. Es fei durchaus kein Risieo dabei, da der Preis doch »ic zur Auszahlung gelangen würd-e, weil der eigentliche Mörder schon längst frei gesprochen sei Allein es sei die« eine seine Leinonstralion gegen Minister Schelling »nd die beim Pröceß Bnschhoss betheiliglc» Belsindcu. Tie Ver sauinilung erklärte sich natürlich auch für diese überaus „seine Temönslralivn" nnd für diese überaus christliche Methode, össenllichc Meinung' zu machen. — Am 17 September fand zn Gohlis eine Versammlung de« deutsch socialen RcsormvereincS flglt, bei welcher Dr. Bauer, der Uiwernieid liche, abermals die erste Geige spielte. Er Halle vorgchabt, über die Gefahr der Choleravcrschleppnng dntch die russischen- Enden zu sprechen; da diese« Thema aber durch cnllprechende Maßnahmen der Regierung gegenstandslos geworden war, begnügte er sich, sei» bekanntes Steckenpferd, die Handelsverträge, zu reiten und erklären, den Lenlschcnhaß in Rußland habe inan nur den dortigen Zichen zu-verdanke», die sich immer alS Deutsche ansspicslen. Tentschland inüsse vor Allem danach strebe», sei» verlorene« Ansehen im Auslände wieder Zii gewinne», »nd die« könne nur dadurch erreicht werden, daß die kriechende Pblilik aufgegebcu »nd die Macht des Alles schädigende» LudenlhumS gebrochen werde. — Tic für he» 11. b. M. angelündigte Versammlung sächsischer anti semitischer Vertranensinänncrin Bischofswerda befaßte sich mit der Frage einer gemeinsamen Organisation der Deutsch Socialen des östlichen Sachse». Rach einer lebhafte» Elörternng w>irde die Gründung eine« „LandeSvereiiieS" beichlossen, zu dessen erstem Vorsitzenden'der stjeichlagsabgeordnele Ziinn,ermann gewählt wurde. . -' Aus antisemitischen blättern. «Ter Ilnnahbarc.» Wir haben an anderer Steile die schamloje Frechheit gelenuzeichnet. mit der da« „Deutsche Bolksblatt" den Blltlowinaer Zoll dcsrandalionsproceßausznschrolen sucht. Auch ein andere« Wiener Wochenblatt, die „Soun nnd 'Montag« Zeitung", sah sich dadurch zu einer wehrhasten Er widcrnng gereizt, deren Form wir allerdings —1 gerade vom Standpunkteder Abwchridce — »ich t gmheißen können. Ter belrefsende Artikel der „Sonn und Montag« Zeitung" schloß mit der Drohung, dem schmachvollen Treiben de« „Deutschen Volksblait" »im jeden Preis ein Ende zn mache» und seine Macher in den GerichtSi'aal zn zerren. „Geschieht die« einmal," sagte der Verfasser, „dann lüniicn diese dunklen Ehrenmänner beruhigt sei», daß sich Schönerer'« stercotupe Propl-ezeinng: an« der Linken Bahngasse werde, es »och einmal gar fürchterlich 511111 Himmel stinken, ganz erfülle» wird. Tenn wir wisse» vom .Deutschen VotlSblaw nnd seinen Leitern viel mehr, als diese i» ihrer Einfall wähnen; wir kennen nicht allein die Geheimnisso voil Wien, sondern auch die von Solle; nnd einige» anderen schönen Gegenden." — Man durste aus den Ausweg begierig fein, de» Vergani . in diesem .Falle suchen werde. Tie Er llärnirg ließ .nicht'lange warlei,. Roch am selben Abend ließ er durch sein anliiemilische« Mädäien sür Alle« erklären, er werde sich einfach um keinen Preis in den GerichtSi'aal zerren lasten, möge man ihm nachsagen, wa« man wolle. Er will sogar misten, daß der besagte Artikel i» der „Sonn- und Montags Zeitung" nicht der einzige sein werde, daß auch andere Nachfolgen werden, um ihn tVergani) durch die hestigsten Angriste ans seine Ehre in eine Reihe von Processen z» verwickeln. Allein er erklärt Alle« schon heule für'Lüge, wird aber von. der gerichtliche» Verfolgung der Verfasser, pelbst wenn sie sich nennen ivürden, abi'ehe». Tenn die Pcrurthcilung eine« Schuftes fei keine genügende Genngthining für ihn, keine entsprechende Entschädignug sür die an« der Pröecßsührung envachsenden »tosten." Man muß billig dem Bergaiii seine eigenen Ansichten über Ehre, Ebrrnrestiluirnng, Bedeutung eines richterlichen UrtheilS u. s. tv. lassen; die Antisoinilc» haben ja überhaupt „eigene" Ansichten. Wunder nimmt uns »ur daS Eine^ wie der Vergani alle« da«, wa« noch gar nicht gesagt ist, für Lüge eeklärcn und schon wissen kan», wie er sich den Be ichulhigungeil gegenüber verhallen wird. E» müßte ihm rein schon bekannt sein, ivaS Andere Ehrenrührige'« von ihm wisten, dann, »Herr Vergani, ist dies aber xiue böse Sache, au« welcher allerlei häßliche Schlüste erlaubt sind. (Allerlei „Unverfälschtes".» 'Rach der Jnlerpellalioit Schneider im nieder österreichischen Landtage zn schließe», war e« sträfliche 'Rachgicbigkeil der Re gietiing gegenüber dem sogenannten „Getreidejndenthnm" und cm sicherer Be weis von der „Zudenknechlschaft" der Regierung, daß diese trotz der drohenden Eholcragesahr die Abhaltung des Wiener Saatenmarktc« gestattete. So sollte man mcincii. Run kommt aber ein. anderer antiseinilischcr Schriftgclehrler und beweist in de»'„Unverfälschten Deutschen Worten" sonnenklar, daß sich die ganze . Sache ander« »erhielt. Um die Abhaltung de« Saatenmarlte« zu hinterlrciben, und zwar aui Coiwurrenzneid, hätten die „»Herren von der Frnchtt und Mehlbörse" in srüheren-Zähren da« Gerücht anSgeiprengt, angenchl« der in Wien herrschenden ailtisemitischetl Strömung sei e« für eine» Juden gerade;»