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Freies Blatt · 1892-09-25 · 25 (25.9.1892) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
I (1892)
Issue
25 (25.9.1892)
Date
1892-09-25
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. l Freies Blatt. e Nr. 25. gefährlich, hieher;u komme», um hier seine ('n'id)äue alijinuideltt. So glaubte man;n>et Fliegen auf einen Streich zu treffen, den Saateninarkl zu ver hindern und zugleich dem Antisemitismus eins zu versetzen. Allein das Mittel verfing bei der Regierung nicht, der Saaienmarkt wurde abgehalten, und so uluslke denn Heuer aus andere Mittet zu feiner Hintertreibung gedacht werden. „Schlau, wie die Herren der Frucht-und Mehlbörse schon sind, waren sie um ein solches Mittel nicht lange verlegen, und dieselben, welche vorher aus reiner vatriolifcher Entrüstung der Regierung die Nnlerdrückung. des.AnliieiniliSmuS einpfoblen hatten, bekamen nun auf einmal Bauchkrämpfe und eine, sabelhaste . Furcht vor der Cholera " Wieder bemühte» sich die bösen. Geister aus der Taborstraße, um den Behörden plausibel zu machen, daß angesichts der nahen Eholeragefabr.der Saatenmarkt entschieden nicht abgehatt^uo werken dürfe „Diesmal," so schließt der Weife von den „Unverfälschten", ^FleSinal waren nufere Behörden aber doch wieder so vernünftig, sich kein S für ein U vor machen zu lassen und bedeuteten den Herren, daß auch angesichts der Cholera - gefahr der Saatenmarkt nicht verboten werden' könne,' um den Matadoren der Fruchtdörfe eine» Gefallen zu erweifen." Wie ganz anders diefe Auffassung alS .die der Jntervellation Schneider zu Grunde liegende aussiehk! Und do.h sind re auch hier die .luden, welche auf dem Lasterwege wandeln. 3Mmt muß billig die teuflischen Ränke dieser .luden bewundern, gleichwie die Eifindnngskraft anti semitischer Gelurne, welche ein und dasselbe Ding in widersprechendstem Sinne betrachten und zntept doch immer zu dem gleichen Schluß gelangen: ceternin an tum ceu'io . . Was es mit der besonderen Crganiiation unverfälschter Ge Hirne für eine Beivandtniß haben müsie, ersehen wir staunend an der kautschuk artigen Gelenkigkeit, mit welcher der Verfasser des erwähnten Artikels seine voiksivirihschafilichen Anschauungen.über ein und dieselbe Sache ändert. Während er an einer Stelle den Saatenmarkl als eine Srgie des jüdischen Zwischen Handels überhaupt i n den Abgrund der Hölle verwünscht, erklärt er an einer anderen Stelle, „daß am Saateiimarkte mehrere taufend Coit'itinenle» und Pro ernennen mit einander zufaminenkaiueir und .ohne, Zwtfchenliändlei" direct Ge iärnfte^in Getreide ab'chlokse«, wodurch den Agentenund Snbagcäiten sowie den Spieler,i an der Frnchtborfe ein nanihaster Geivin» entging." Wo der Schlüssel f«r dtefe in solchen Widersprüchen sich äußernde unverfälschte Verrücktheit liegen mag? Vielleicht in der täglich sich steigernden Erbitterung, mit der sich„die antisemitischen Conenrrenten bekäinpsen. Tie dem Vergani ertheilte Verfchleißlieenz scheint feine ionrualistischen Coucurrentgn -schlankweg uni den Verstand gebracht zu haben Zn der lebten 'Rümmer der „Unverfälfchteu Teulichen Worte" wild dem glücklichen Vergani an nicht weniger als fünf Stellen diese Begünstigung rorgeworfenl an» dem Bougnet, welchesder eine Antifemitenhänptling dem ..anderen aus diesem Anlässe-überreicht, beben wir nur einige dnstigd Blüthen, wie „deransgeschweifwedelt", „of'ieiöfe Futterkrippe", „ickiwarzgrüne Schlange", „vordringlicher Schwarzaelber" u tv heraus. 'Run, wir finden ja diese Wilth ^angesichts der flauen Stiinniung, die auf dein antisemitischen ZeNnngsinarlte herrscht, einigermaßen erklärlich Wenn aber „Herzog Georg"'in seinem Zorn io iveit geht, die louale Besprechung einer patriotischen Kundgebung in Vergani'S Blatt'als „asierlonale Bockfprünge" dem „polnischen Scherwenzter" so.furchtbar iibet;n »ehineii, fo ist dies eine Form des antisemitischen Conenrrenzkampses, die im „Herzogtbuin Tstinark" oder Ans „Waldviertel-Wartburg" zwar erlaubt 'ein mag. im Staate T euer reich aber, milde gesprochen, als unpatriotiich gilt. Uns kann - es natürlich gleichgittig fein, ob „-Herzog Georg" die Eristeii; eines Staates Sesierretzll zu ignöriren" beliebt oder nicht; unbegreiflich ist uns nur, ivie es dem Herrn Siaatsanwalte gleichgittig ist, daß derselbe „Hstmllrker" gegen ui» gewisse k. und k. österreichische Richter eine wahre Hebe betreibt und ihre 'Rainen in, der letzten Rümmer nicht weniger als jechsmal rvo'cu'lmt. natürlich vqn den Inden — rein erfunden, natürlich um den Fürsten («io!) bei seiner Partei zu verdächtigen. Zugleich weiß da« genannte Winkelorgänchen von einem Schreiben, in welchem esu. A. heißt: „Der betreffende Correspondent des Pariser „Figaro" wurde durch ein Versehen meiner Dienerschaft vorgelaffen. Ich entließ ihn nach etwa fünf Minuten, weil ich schon ans der naiven Form der Fragestellung heraussühlte, daß ihm bezüglich der wirth schastlichen und socialen Fragen überhaupt und bezüglich unserer anlisemitischen Bestrebungen insbesondere alle wesentlichen Borkenntniffe fehlten. Ich verabschiedete ihn mit der Warnung, daß ich, falls er unser Gespräch dennoch veröffentlichen sollte, sofort seine säm tätlichen Mißverständnisse berichtigen, würde." An wen das Schreiben gerichtet ist und wo es publieirt ivurde, sagen die „Deutsch-socialen Blätter" nicht; dasselbe steht aber mit dem von Alois Liechtenstein an den „Figaro" gesendeten Schreiben in unversöhnlichem Widerspruche. Wenn un« nicht Alles trügt, haben wir es hier mit einer bodenlos frechen antisemitischen Fälschung zu thun; nur möchten wir wissen, von welcher Seite dieselbe verübt wurde. (Die „Grcuzbotcn" und ihr Caro.) Es ist — wie wir nur gleich zur Vermeidung jeglichen Mißverständnisses bemerke» wollen — keine lustige Geschichte, die von den „Gren zboten" und ihrem Caro; es ist vielmehr eine sehr traurige Geschichte, im Grunde eigentlich die alte Geschichte von den herabgekommene» Größen. Tie Eassenebbe und Abomientenschwindsucht, an welchen die ehemals so berühmten und beliebten „grünen Hefte" schon seit Jahr und Tag laboriren, ist — wie, es ja leider so oft im Leben geht — auch aus den Charakter der „Grenzboten-" nicht ohne verderblichen Einfluß geblieben. Wo nichts mehr hilft, da versucht inan es eben mit dem — Hepp, hepp! Und so genire» sich die Blätter, welche >'o viel zur Bewegung des Jahres 1818 beigetragen, gar nicht, sich heute in den Dienst des RacenhasseS zu stellen, die Blätter, welche von dem Juden .'inranda gegründet wurde», welche noch heute von dem durch diesen Juden ihnen verliehenen Ruhme zehren, geniren sich nicht, in Antisemitismus zu machen, Fürwahr, erinnert dies nicht an jene Cavaliere, die weiter nichts mehr zu eigen haben als einen klangvollen alten Ramen, und diesen als Lock mittel und Reclaine schwindelhafte» Unternehmungen leihen, um so die Mittel für ein „standesgemäßes" Leben zn erlangend Wenn eS irgend etwas gäbe, waS die historische Bedeutung der „Grenzboten" vernichten könnte, so-wäre es ihre, schon öfter von uns angedenlete Stellung zum Antisemitismus, die erst neulich durch den Aussah eines sich als Inden gerirenden Leopold Caro -Über die "elbischen Grundlagen de-s Antisemitismus in ihre volle Erscheinung tritt. Tiefer -Herr Caro ist nämlich der bekannte, in allen erdenklichen anti semitischen Blättern herutnwandelnde-AuSnahinSjude, der seine Mitjuden um Gottes Willen beschwört, doch von ihrer Lasterhaftigkeit abzulassen, mit dein Antisemitismus seinen gerechten Anlaß zu entziehen. Wir kennen diesen Herrn Caro schon lange, o sehr lange, obgleich er vielleicht weder Caroheißt, noch Jude ist, noch überhaupt ezistirl. Ans derlei „Lazzi" verstehen wir uns, um mit dem Wiener zu sprechen. Eine ernste Tiscussion mit diesem garstigen Caro wird man uns daher erlassen. Wir wollten nur das Traurige der Thatsache constatiren, daß die „Grenzboten" bis zum AntiseiniliSinus sinken konnten, und daß sie dabei — gleichfalls ganz nach der Art herabgekoinmener Größen — ihren Fehllritt noch durch Heuchelei und Lüge schön zu verniänteln suchen. 'Wozu die Maske - Herunter mit ihr! Haltet ihr diese anttseinilische Gesinnung snr etwas, was anständige Menschen nicht eingestehen dürfen, ohne sich zu schänden, so streift sie ab; leid ihr aber keine Antisemiten, so führt euren Caro an der Le.ine oder sperrt ihn sicher ein, denn das heulende Echo, welches seine Stimme im ganzen antiseinitzschen Blätterwalde findet, beweist, welch gesähr licher Begleiter er ist. * —r. I Alois Licchlcnskcin und Jules Hurcr. Dritter Art.» Wir haben, in frnbdren.'Rninnierii sowohl der Unterredung gedacht, welche ein Redacteur des „Figaro" im: dem Prinzen Liechtenstein über dessen soeiat-reforinatorische Pläne batte, als auch eines an den „Figaro" gerichteten Schreibens, in ivelchem der Plinz diese» Interview als „im Großen und Gänzen richtig" bezeichnet.und tute einige nebensächliche JrrchÜrner berichtigt. 'Rachkeni die Echtheit dieses in einem der rerbreiteisteu Weltblatter erschienenen Briefes bisher van dein Prinzen Vtechten,'teilt w.der tut „Figaro" noch in irgend einem anderen gelesenen Blatte bestritten wardeu ivar, gab es kaum teniandeu, der diese Echtheitbezweifelt batte. Um'oittrbe waren wir ernannt, als wir mich geraumer Zeiz. aus den „T ent >'ch •'*. taten Blattetzu" erfuhren, das besagte Interview sei — Zur gefälligen Vrachtnng! ^cue Herren Abonnenten, bereu Abonnement mit letztem Tcp -temüer cubct, welche dasselbe qbcr zu erneuern wünschen, ersuchen wir, uns hievon rechtst eilig i« Äcuntniß;n setze», da wir grundliiiilitl) olmc Bestellung keine weitere» Exemplare beistellen. Die Administration. Beitrittserklärungen zum „Verein zur Abwehr des Bntiscuiitisinus" werde» lutgcgciigciiomutcu im Sekretariate des Vereines ihMcit, I., Pariscrgassc 4. Abonneuteuteoninrlbungen auf das „Freie Blatt" liimmt die Adiiiinistratioii, Wie», k., Scilkrslätlc U», jederzeit entgegen. Ebendaselbst werden auch einzeliic Rummern abgegeben. . Probeiitimmcru zur weiteren Verbreitung des „Freien Blaues" werden GesiuiiuilgSgeuosscu auf Verlangen bereitwilligst zur Verfügung gestellt. Herausgeber nu? verantwonlicher Redacteur: Ernst Victor Ze'nler. — Druck von Ch. Reißer L M. Werthner, Wien.

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